Krebs-Apps – die besten digitalen Helfer

05. September 2019 | von Ingrid Müller

Krebs-Apps sollen die Vorsorge, Früherkennung und Behandlung bei Krebs verbessern. Wir stellen einige digitale Anwendungen für Krebspatienten vor.

Krebs-App „ProstateCheck“ für Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Allein in Deutschland erkranken rund 65.000 Männer jedes Jahr neu daran. Daher ist die Vorsorge und Früherkennung bei Prostatakrebs besonders wichtig. Die Stiftung Prostatakrebsforschung Schweiz hat die App „ProstateCheck“ entwickelt. Die digitale Anwendung sagt Ärzten und Männern, wie gesund die Prostata ist.

Ziel der mobilen Anwendung ist es, das Bewusstsein von Männern ab 45 Jahren für die Krebsvorsorge zu stärken, sie rechtzeitig daran an die Termine zu erinnern und so die Früherkennung zu verbessern. Auch das persönliche Kontrollintervall soll sich aufgrund des individuellen Risikoprofils auf bis zu sieben Jahre ausdehnen können und Prostatauntersuchungen seltener notwendig machen.

Die Basis für die Prostatakrebs-App ist eine große Studie zu Vorsorge im deutschsprachigen Raum. Die App erfasst medizinische Daten wie das prostataspezifische Antigen (PSA-Wert), das Ärzte im Rahmen des Vorsorge-Checks ermitteln. Aber auch das Alter, die familiäre Vorbelastung, der Tastbefund und die Größe der Prostata fließen mit ein. Anhand dieser Daten errechnen die Algorithmen der App das individuelle Risiko für Prostatakrebs für vier, acht und zwölf Jahre sowie die Wahrscheinlichkeit für einen behandlungsbedürftigen Prostatakrebs (in Prozent). Daraus leitet sie das persönliche Kontrollintervall bis zum nächsten Arztbesuch ab.

Wichtig ist es den Entwicklern nach eigener Auskunft, „von der Vorsorge für alle wegzukommen und zur Vorsorge für Risikogruppen zu gelangen“. Die App „ProstataCheck“ ist kostenpflichtig (ab zwei Euro) und für iOS und Android im App-Store beziehungsweise bei Google-Play erhältlich. Es gibt sie in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch und Spanisch. Die Ergebnisse bekommen die Nutzer per E‑Mail als PDF. 

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Krebs-App „movival – Aktiv gegen Krebs“

Sport und Bewegung sind ganz allgemein gesund, aber besonders wichtig für Krebspatienten. Die movival-App funktioniert als digitaler Trainer für Krebspatienten. Sie soll ihnen helfen, ihre Bewegungsziele zu erreichen und zugleich das Risiko für einen Rückfall senken. 

Jeder Nutzer legt sein Bewegungsprogramm individuell selbst festlegen. Zudem gibt es wissenschaftliche Empfehlungen, wie viel Bewegung gut ist. Die Basis der App ist ein Punktesystem, die jede Art von Bewegung einschließt – von Staubsaugen, Unkrautjäten, Spazierengehen, Radfahren, Walken und Joggen bis hin zum Tanzen.

Die App besitzt zudem eine Community-Funktion und verknüpft so Krebspatienten miteinander. Sie können sich mit anderen Betroffenen und Gleichgesinnten austauschen und einander zum Mitmachen und Dranbleiben motivieren. Außerdem liefert die App Wissen rund um das Thema Krebs. Die Patienten erhalten aktuelle Nachrichten aus der Krebswissenschaft und Forschung, aber in einer laienverständlichen Form.

Die App ist kostenpflichtig. Das Abo für drei Monate kostet 18,90 Euro monatlich, für zwölf Monate 12,90 Euro pro Monat. Einige gesetzliche Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten dafür.

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App „Sport gegen Krebs“

Die App „Sport gegen Krebs“ gibt Krebspatienten während und nach einer Krebsbehandlung Tipps, wie sie körperlich aktiv sein und Ihr Wohlbefinden verbessern können. 

Dabei geht es nicht um Leistungssport nach dem Motto „höher, weiter, schneller …“. Vielmehr sollen Krebspatienten lernen, wie sie möglichst viel Bewegung in ihren Alltag integrieren. Zudem finden die Nutzer Übungen zum Nachturnen (mit Animationen) sowie allgemeine Informationen, wie Sport bei Krebs helfen kann. Anbieter ist Healthcare Bayern e.V.

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App „HealthFood“ für Krebspatienten

Das Tumorzentrum München ist auf die Ernährung von Krebspatienten spezialisiert. Es bietet die App „HealthFood“ an, die einer Mangelernährung bei Krebs entgegensteuern soll. Diese ist ein häufiges Problem bei Krebspatienten. 

Die App liefert Rezeptideen für eine gesunde, leckere und nährstoffreiche Ernährung, bei der Genuss und Entspannung nicht zu kurz kommen. Ernährungsexperten zeigen, welche Zutaten besonders empfehlenswert, welche sie eventuell besser meiden oder wie Sie Lebensmittel schonend verarbeiten.

Die App bietet besondere Hilfestellungen, etwa eine Vorlesefunktion, Videosequenzen für schwierige Zubereitungsschritte und persönliche Tipps von Sterneköchen.

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Selbsthilfe App „Yes!“ – die Krebs-Community

Die App „Yes!“ der Organisation „yeswecan!cer“ soll Krebspatienten und Betroffene besser miteinander verknüpfen. Den Initiatoren zufolge finden Sie alle Krebspatienten mit einem Klick, die den direkten Austausch mit anderen Betroffenen suchen. 

Die App bietet Chats und einen geschützten Raum für Fragen und Diskussionen. Sie bringt Patienten und Angehörige jederzeit und überall zusammen. Zukünftig soll sie auch anzeigen, welche Krebsberatungsstellen in Ihrer Nähe sind.

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Krebs-App „Cankado“ – Digitales Tagebuch für Krebspatienten

Mit der App Cankado können Krebspatienten die Einnahme von Medikamenten, ihre Beschwerden oder ihren Gefühlszustand in einem digitalen Tagebuch festhalten. 

Ihrem Arzt können sie relevante Informationen in Echtzeit berichten und diesem auch eine Auswertung über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen. 

In die App sind Erinnerungsfunktionen integriert, zum Beispiel wie es um das aktuelle Wohlergehen bestellt ist. Auch das Hochladen medizinischer Dokumente ist möglich. Um die App kostenfrei zu nutzen, müssen sich Patienten auf der Webseite registrieren. Für Ärzte und medizinische Fachkräfte gibt es noch weitere App-Funktionen. 

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Krebs-App „Consilium Care“

Die App „Consilium Care“ dient als ein persönliches, digitales Tagebuch während einer Krebsbehandlung. Die Patienten erfassen und dokumentieren täglich ihr Befinden und Ihre Beschwerden (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Fieber) nach international anerkannten Kriterien. 

Die Daten können sie an das Behandlungsteam weiterleiten. Die Idee dahinter: Den Informationsfluss zwischen Ärzten und Patienten auch zwischen den Arztterminen aufrechtzuerhalten und die Kommunikation zu verbessern. So lassen sich Verschlechterungen schneller erkennen und Ärzte können rechtzeitig eingreifen und die Behandlung anpassen. Die App erfasst zum Beispiel eingenommene Medikamente, erstellt einen Symptomverlauf über Wochen und Monate und liefert Warnhinweise bei ausgeprägten Beschwerden. 

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Krebs-App „KrebsHILFE“

Die KrebsHILFE App ist eine Entwicklung der Österreichischen Krebshilfe, der Initiative Leben mit Krebs und des Comprehensive Cancer Center der Medizinischen Universität Wien. 

Die App bietet Infos zu vielen Krebsarten, aber auch Tipps zu Nebenwirkungen von KrebsbehandlungenErnährungRehabilitation und der Rückkehr in den Beruf. Daneben können Krebspatienten ihren Behandlungsverlauf dokumentieren, wichtige Termine eintragen und ein Tagebuch (Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schmerzen oder psychische Verfassung) führen. Das Tagebuch können sie direkt an ihren Arzt senden.

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Krebs-Apps – digitale Helfer der Zukunft

Auch wenn es derzeit noch nicht viele Apps zur Krebsdiagnostik und Krebsbehandlung gibt – langfristig erwarten Experten, dass solche digitalen Anwendungen dort Eingang finden. Nach dem neuen Digitalen Versorgungsgesetz sollen Ärzte Apps, welche die Versorgung von Patienten nachweislich verbessern, in Zukunft verschreiben können. Die Kosten dafür tragen dann die Krankenkassen.

Einige Beispiele:

Pathologie-App zur Krebsdiagnose

Mit der KI-gestützten Plattform sollen sich Gewebeproben in pathologischen Labors automatisiert verarbeiten lassen. Ziel ist, die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Krebsdiagnosen zu verbessern. Außerdem sollen pathologische Labors so effizienter und wirtschaftlicher arbeiten können.

App „mika“

Die Abkürzung mika steht für „Mein interaktiver Krebs-Assistent“. Die App soll Patienten mit einem personalisierten Unterstützungsprogramm durch ihre Therapie begleiten. Krebspatienten erhalten Informationen zur Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten, Ernährungsratschläge, Tipps für Entspannungsübungen und den Alltag mit Krebs. Sie können zudem Ihr körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden, Ihre Beschwerden und die Nebenwirkungen der Krebsbehandlungen in einem Patiententagebuch dokumentieren. 

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iManageCancer

Beim EU-Projekt „iManageCancer“ arbeiten Forscher aus ganz Europa an eHealth-Angeboten und Gesundheits-Apps für Krebspatienten. Sie sollen ihnen helfen, mittels Smartphone oder Tablet mit ihrer Erkrankung besser zurecht zu kommen. Die ersten Apps befinden sich nun in der Pilotphase.

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App Minxli

Die App Minxli bietet unter anderem Videosprechstunden für Krebspatienten. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) prüft in einer Studie, ob sich Nachsorgetermine auch per Videosprechstunde statt direkt vor Ort gut absolvieren lassen. In solchen Gesprächen stehen das meist das Wohlbefinden, Nebenwirkungen und die Verträglichkeit von Medikamenten im Vordergrund. Krebspatienten sollen dank Teleonkologie Zeit und Kosten für lange Anfahrtswege sparen. 

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Quellen

  • HealthOn, Informations- und Bewertungsplattform für Health-Apps, https://www.healthon.de/app-screenings/krebs-apps
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Mobile Helfer – können Apps bei der Krebsvorsorge und Therapie unterstützen? https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/beratung-und-hilfe/mobile-helfer-koennen-apps-bei-der-krebsvorsorg.html
  • Bundesministerium für Gesundheit: Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps (CHARISMHA) https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/A/App-Studie/CHARISMHA_gesamt_V.01.3–20160424.pdf
  • Stiftung Prostatakrebsforschung Schweiz: http://www.prostatakrebs.ch/home/intro/default.asp?userlang=DE
  • Gründerszene: https://www.gruenderszene.de/technologie/inveox-diagnose-finanzierung