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Prostatakrebs: Brachytherapie auch in der Arztpraxis

29. September 2020 | von Ingrid Müller

Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs können die LDR-Brachytherapie zukünftig auch ambulant bei einem niedergelassenen Facharzt durchführen lassen. Die Bestrahlung „von innen“ gilt als vergleichsweise schonend. 

Bei einer Brachytherapie bestrahlen Ärzte den Prostatakrebs von innen mit Hilfe kleiner radioaktiver Teilchen. Diese Form der Strahlentherapie ist eine Therapiemöglichkeit für Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs. Der Krebs ist in diesem Fall noch auf die Prostata beschränkt und weniger aggressiv. Somit ist die Gefahr gering, dass der Tumor schnell wächst und in andere Organe streut.

Eine Variante der Bestrahlung ist die sogenannte Low-Dose-Rate-Brachytherapie (LDR-Brachytherapie). Diese können Männer bald nicht mehr nur im Krankenhaus, sondern auch ambulant in einer spezialisierten Arztpraxis durchführen lassen. Dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) jetzt beschlossen. Fachärzte für Strahlentherapie oder Urologie, die zusätzlich fachkundig gemäß der Richtlinie Strahlenschutz in der Medizin sind, dürfen die Brachytherapie anwenden.

Brachytherapie

Erfahren Sie, wie die Braychtherapie genau funktioniert, für welche Männer sie sich eignet, welche Varianten es gibt und wie sie abläuft

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Brachytherapie – kleine Strahler in der Prostata

Die interstitielle Brachytherapie ist ein minimalinvasives Bestrahlungsverfahren, bei dem die Prostata erhalten bleibt. Über eine Hohlnadel bringen Ärzte winzige radioaktive Strahlenquellen – sogenannte Seeds – in die Prostata ein. Entweder in die Umgebung des Tumors oder in den Tumor selbst. Optisch ähneln die Strahler kleinen Reiskörnern.

Sie enthalten die radioaktiven Substanzen Jod-125 oder Palladium-103, welche die Krebszellen „von innen“ bestrahlen, sie schädigen und zerstören. Das umliegende gesunde Gewebe soll dabei möglichst wenig Schaden nehmen. Im Gegensatz zur High-Dose-Rate-Brachytherapie (HDR-Brachytherapie) verbleiben die Strahlungsquellen im Körper. Jod 125 strahlt ungefähr 60 Tage, Palladium-103 etwa 17 Tage. In Deutschland kommt überwiegen Jod-125 zum Einsatz.

„Die LDR-Brachytherapie erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für Männer mit Prostatakrebs“, erklärt Dr. Monika Lelgemann vom G‑BA. „Sie kann besonders für Männer eine geeignete Therapieoption sein, die eine Entfernung der Prostata als zu belastend ablehnen und für die auch eine mehrwöchige äußere Strahlentherapie nicht in Frage kommt.“

 

Brachytherapie oder andere Behandlung? Richtige Entscheidung treffen!

Damit Männern die Entscheidung für oder gegen eine Therapie leichter fällt, hat der G‑BA zusätzlich eine laienverständliche Patienteninformation entwickelt. Ärzte müssen sie ihren Patienten zukünftig verpflichtend aushändigen. „Ziel ist es, den persönlichen Abwägungsprozess zu unterstützen“, so Lelgemann.

Denn die Brachytherapie ist nicht die einzige Behandlungsmöglichkeit bei einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs. Männer können sich alternativ auch für eine radikale Prostatektomie oder eine Bestrahlung von außen über die Haut entscheiden. Daneben kommt eine aktive Überwachung des Prostatakrebses in Frage. Dabei beobachten und kontrollieren Ärzte den Krebs zunächst. Erst wenn der Tumor wächst, beginnen sie mit einer aktiven Behandlung.

Strahlentherapie von außen

Lesen Sie, wie die Strahlentherapie von außen bei Prostatakrebs abläuft. Außerdem: Wann eine Bestrahlung nach einer Operation womöglich unnötig ist.

Welche Therapie sich für einen Mann eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielen zum Beispiel das Alter oder vorhandene Grunderkrankungen eine Rolle. Auch persönliche Wünsche und Vorstellungen spielen mit. Manche Männer fühlen sich sicherer, wenn Ärzte den Krebs aktiv behandeln. Sie nehmen das Risiko von Nebenwirkungen in Kauf, etwa eine Erektile Dysfunktion, Inkontinenz oder Darmprobleme. Andere Männer wiederum möchten möglichst Nebenwirkungen vermeiden, welche ihre Lebensqualität eventuell einschränken. Der „Preis“ dafür sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei ihrem behandelnden Arzt.

 

Ambulante Brachytherapie in der Arztpraxis – ab wann?

Das Bundesministerium für Gesundheit erhält jetzt den Beschluss des G‑BA und prüft diesen. Hat das Ministerium keine Einwände, tritt er in Kraft. Allerdings können niedergelassene Ärzte die Brachytherapie erst dann als ambulante Leistung anbieten und abrechnen, wenn der Bewertungsausschuss über die Höhe der Vergütung entschieden hat. Das Gremium, in dem Vertreterinnen und Vertreter von Krankenkassen und Ärzteschaft verhandeln, muss innerhalb von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten eine Abrechnungsziffer festsetzen.

Quellen:

  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G‑BA), https://www.g‑ba.de/presse/pressemitteilungen/891/, Pressemitteilung vom 17. September 2020 (Abruf: 24.9.2020)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/brachytherapie.2138.de.html
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/behandlung-bestrahlung.php (Abruf: 24.9.2020)