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Prostata-Arterien-Embolisation – so funktioniert sie

21. August 2019 | von Ingrid Müller

Bei einer Prostata-Arterien-Embolisation schrumpfen Ärzte die vergrößerte Prostata mit Hilfe winziger Kügelchen. Alles über den Ablauf, die Risiken und Nebenwirkungen!

Die Prostata-Arterien-Embolisation (PAE) ist ein noch relativ neues Verfahren, das Ärzte vor allem bei Männern mit gutartiger Prostatavergrößerung einsetzen. Benignes Prostatasyndrom (BPS) oder benigne Prostatahyperplasie (BHP) sind andere Namen für die vergrößerte Prostata, die viele Männer mit zunehmenden Lebensjahren plagt. 

Ziel der Prostata-Arterien-Embolisation ist es, die Blutversorgung der Prostata einzuschränken und so die vergrößerte Vorsteherdrüse schrumpfen zu lassen. So sollen sich auch die Beschwerden der Männer bessern, allen voran beim Wasserlassen. Dazu gehören zum Beispiel häufiger nächtlicher Harndrang, verstärkter Harndrang tagsüber oder ein schwacher Harnstrahl.

"Die gutartige Prostatavergrößerung betrifft 70 bis 80 Prozent der Männer irgendwann im weiteren Alter."

Dr. Frank Schiefelbein, Urologe

Die Prostata-Arterien-Embolisation ist ein minimal-invasiver Eingriff („Schlüssellochchirurgie“), der zukünftig eine Alternative zu einer Operation der vergrößerten Prostata sein könnte. Der Standard bei einer Prostatavergrößerung ist heute die Transurethrale Resektion der Prostata, abgekürzt TURP. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind verschiedenen Laserverfahren oder – bei einer sehr großen Prostata – die offene Prostataoperation.

Prostatavergrößerung?

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So funktioniert die Prostata-Arterien-Embolisation

Die Embolisation ist ganz allgemein ein therapeutischer Eingriff, bei dem Ärzte Gefäße verschließen („veröden“). Etabliert ist die Methode schon bei gutartige Myomen der Gebärmutterschleimhaut oder bestimmten Tumoren der Leber. Bei der Prostata-Arterien-Embolisation dichten Ärzte jene Gefäße ab, welche die Prostata hauptsächlich mit Blut versorgen. Jeder Mann hat zwei größere Prostataarterien – eine rechts, eine links. Die kleineren Arterien, die Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zur Prostata bringen, bleiben dagegen offen.

Um die größeren Arterien ausfindig zu machen, nutzen Ärzte meist die Angiografie in Kombination mit einer Computertomografie (CT). Außerdem injizieren sie ein Kontrastmittel, um die Gefäße optisch gut sichtbar zu machen. Ziel der Prostata-Arterien-Embolisation ist es immer, beide größeren Arterien der Prostata zu verschließen. Den Eingriff führt ein Radiologe durch (bei der TURP ist es ein Urologe). Am besten arbeiten jedoch in der Klinik Radiologen und Urologen Hand in Hand.

Prostata-Arterien-Embolisation: Ablauf

Zunächst schieben Ärzte über die Leistenarterie einen Katheter in jenes Gefäß vor, dass sie „abdichten“ wollen. Anschließend bringen sie über den Katheter winzige Kügelchen ins Gefäß ein und blockieren es auf diese Weise. Die Mikrokügelchen gibt es in verschiedensten Durchmessern, weil die Arterien bei Männern unterschiedlichste Anatomien besitzen. Sie haben verschiedene Durchmesser und können mehr oder weniger stark geschlängelt sein. Die kleinen Kügelchen bestehen oft aus Kunststoff, zum Beispiel Polyvinylalkohol. Sie blockieren das Gefäß und sorgen dafür, dass dauerhaft weniger Blut in die Prostata gelangt. 

Die Vorsteherdrüse verkleinert sich aufgrund von zwei Effekten:

  • Das Prostatagewebe baut sich aufgrund der geringeren Blutzufuhr sowie des Sauerstoffmangels um und vernarbt.
  • Gleichzeitig sinkt der Testosteronspiegel in der Prostata und die Menge des biologisch aktiven Dihydrotestosterons (DHT) vermindert sich. DHT ist ein Stoffwechselprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron.

 

Eine kleinere Prostata bedeutet wiederum, dass sie die Harnröhre weniger stark einengt und geringeren Druck auf sie ausübt – und das wirkt sich positiv auf die Probleme beim Wasserlassen aus: weniger Toilettengänge, verringerte Restharnmenge, Verbesserung des Harnstrahls und höhere Lebensqualität.

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Die Prostata-Arterien-Embolisation ist für Ärzte ein kniffliger und anspruchsvoller Eingriff, der einige Erfahrung und viel Können erfordert. Denn die Prostataarterien sind sehr feine Gefäße mit geringen Durchmessern. Außerdem gibt es bei Männern unterschiedlichste anatomische Variationen der Arterien im Becken. Und: Viele ältere Männer leiden unter einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Sie ist allerdings mit zunehmenden Lebensjahren normal.

Risiken und Nebenwirkungen der Prostata-Arterien Embolisation

Den kleinen Eingriff können Ärzte in einer Klinik unter örtlicher Betäubung durchführen, einer Lokalanästhesie. Radiologen betäuben nur die Leistengegend, weil sie hier den Katheter einführen. Eine Vollnarkose ist nicht nötig, was das Risiko für allgemeine Operationsrisiken senkt, zum Beispiel Schmerzen und Blutungen. Sie sind schneller wieder fit, auf den Beinen und können Ihren Alltag und Beruf wieder gut bestreiten.

Vorbeugend erhalten Sie einige Tage lang Antibiotika, um das Risiko von Infektionen zu verringern. Gegen die Schmerzen nach dem Eingriff helfen Schmerzmittel, die zugleich entzündungshemmend wirken. Meist stammen sie aus der Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), etwa Naproxen oder Ibuprofen.

In der Regel müssen Sie ein bis zwei Tage in der Klinik bleiben. Zudem tragen Sie kurzzeitig einen Blasenkatheter, weil die Prostata nach der Embolisation zunächst anschwillt. Ärzte legen ihn vor dem Eingriff und entfernen ihn, kurz bevor Sie das Krankenhaus verlassen.

Insgesamt sind bei der Prostata-Arterien-Embolisation kaum Komplikationen zu erwarten. So wurden bislang ein Samenerguss in die Harnblase (retrograde Ejakulation), eine Inkontinenz und Erektile Dysfunktion kaum beziehungsweise nicht beobachtet.

Mögliche, meist vorübergehende Nebenwirkungen sind:

  • Missempfindungen beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang
  • Harnwegsinfektionen
  • Blut im Urin und Sperma

Für welchen Mann eignet sich die Prostata-Arterien-Embolisation?

Die PAE eignet sich für Männer mit einer gutartigen Prostatavergrößerung, die Probleme beim Wasserlassen haben. Ein Vorteil ist, dass die Größe der Prostata für die PAE keine Rolle spielt. Eine Voraussetzung ist jedoch, dass eine Behandlung mit Medikamenten übermindestens sechs Monate keine ausreichenden Wirkungen erbracht hat. Nicht geeignet ist sie unter anderem bei:

  • Prostatakrebs: Ärzte bestimmen zuvor in der Regel den PSA-Wert. Am Einsatz der PAE bei Prostatakrebs wird jedoch schon geforscht.
  • Gestauten Nieren
  • Großen Harnblasendivertikeln (Ausstülpungen der Blase) oder Harnblasensteine
  • Akute Harnwegsinfektionen oder Prostataentzündung (Prostatitis)
  • Harnröhrenverengung
  • Blasenstörungen aufgrund von Fehlfunktionen der Nerven (neurogene Blasenstörung)
  • ausgeprägte Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)

 

In Deutschland führen verschiedene Kliniken die Prostataembolisation durch.

Wie wirksam ist die Prostata-Arterien-Embolisation?

Auch wenn die Embolisation ein etabliertes Verfahren ist – mit der Prostata-Arterien-Embolisation gibt es noch keine ausreichenden Langzeiterfahrungen. Deshalb führen Ärzte die PAE oft im Rahmen von Studien durch. Dennoch sind die Ergebnisse aus bislang durchgeführten Untersuchungen vielversprechend. Diesen zufolge berichten 80 bis 90 Prozent der Männer, dass sich ihre Symptome einige Zeit nach dem Eingriff gebessert hätten.

Zu beachten ist jedoch, dass sich die positiven Effekte der Prostata-Arterien-Embolisation nicht sofort zeigen, sondern erst nach etwa ein bis drei Monaten. Männer brauchen also ein wenig Geduld, bis sie eine Verbesserung ihrer Beschwerden spüren. Anders ist dies bei der TUR‑P: Hier tritt die Wirkung unmittelbar ein. Den Erfolg der PAE müssen Sie in bestimmten zeitlichen Abständen kontrollieren lassen.

Wer bezahlt die Prostata-Arterien-Embolisation?

Die Prostata-Arterien-Embolisation ist in der Regel eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten für den Eingriff meist. Fragen Sie jedoch vorher zu Sicherheit bei Ihrer Krankenversicherung nach. Dann bleiben Sie anschließend nicht auf den Kosten sitzen.

Prostataembolisation zukünftig auch bei Prostatakrebs?

Bislang ist der Einsatz der PAE bei Männer mit Prostatakrebs noch ausgeschlossen. Eine kleine Studie, vorgestellt auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2018, zeigte jedoch Folgendes: Mittels herkömmlicher PAE lässt sich zwar keine komplette Tumorfreiheit erreichen. Aber mit Hilfe einer technischen Abwandlung des Verfahrens könnten Ärzte womöglich bessere Erfolge erzielen.

Teilnehmer der Studie waren zwölf Männer mit lokalem Prostatakrebs. Alle erhielten eine Prostata-Arterien-Embolisation mit Mikrokügelchen. Sechs Wochen später führten Ärzte eine radikale Prostatektomie mit Unterstützung eines Roboters durch. Die Autoren untersuchten, wie gut der Tumor auf die PAE ansprach.

Bei zwei Patienten ging der Prostatakrebs ganz und bei weiteren fünf Männern teilweise zurück. Dennoch fanden die Ärzte bei allen zwölf Patienten nach der PAE noch Tumorzellen in der Prostata. Das Fazit der Forscher: Die PAE könne bei manchen Männern mit Prostatakrebs einen deutlichen Rückgang des bösartigen Tumors herbeiführen. Dennoch seien die Ergebnisse noch verbesserungsbedürftig. Notwendig seien technische Anpassungen der Prostata-Arterien-Embolisation, die bessere Ergebnisse besonders in den Randbereichen der Prostata erbringe.

Quellen

  • Teichgräber U, Aschenbach R, Diamantis I et al. Prostataarterienembolisation: Indikation, Technik und klinische Ergebnisse, Fortschr Röntgenstr 2018; 190: 847–855, https://www.uniklinikum-jena.de/idir_media/image/Prostata/PAE_+Indikation_+Technik+und+klinische+Ergebnisse-p-4778.pdf
  • Teichgräber U et. al. Prostate Artery Embolization: Indication, Technique and Clinical Results, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29975976
  • LMU Klinikum der Universität München zur Prostata-Arterien-Embolisation, http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Radiologie/de/Leistungen/Therapie/Prostata/index.html (Abruf: 30.7.2019)
  • Marienkrankenhaus Hamburg, Infos über die PAE, https://www.marienkrankenhaus.org/kliniken-experten/kliniken/diagnostische-und-interventionelle-radiologie/unsere-leistungen/prostata-embolisation-hamburg-interventionen/ (Abruf: 30.7.2019)
  • Universitätsklinikum Erlangen: Prostata-Arterien-Embolisation, https://www.radiologie.uk-erlangen.de/patienten/untersuchungsverfahren/prostata-arterien-embolisation-pae/ (Abruf: 29.7.2019)
  • Schmid Hans-Peter und Abt Dominik: Prostataembolisation: Nur ein Hype? Springer Medizin, 8.10.2018, https://www.springermedizin.de/dgu-2018/benigne-prostatahyperplasie/prostataembolisation--nur-ein-hype-/16181736 (Abruf: 30.7.2019)
  • Uniklinikum Jena, https://www.uniklinikum-jena.de/idir/Patienteninformation/Interdisziplin%C3%A4res+Prostatazentrum/Embolisation.html und https://www.uniklinikum-jena.de/idir/Patienteninformation/Interdisziplin%C3%A4res+Prostatazentrum/Embolisation/H%C3%A4ufige+Fragen-no301-1-show_deleted‑1.html (Abruf: 29.7.2019)
  • Deutsche Krebsgesellschaft: PAE beim Prostatakarzinom, https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/kongresse/dgu/dgu-2018/pae-beim-prostatakarzinom-nur-teilweise-erfolgreich.html (Abruf: 29.7.2019)
  • Mordasini L et al. Prostatic Artery Embolization (PAE) beim lokalisierten Prostata-Karzinom: Eine prospektive, bizentrische Proof-of-Concept Studie.  Abstract V28.3, DGU 2018