ivabalk/Pixabay.com
Zurück zur Übersicht

Prostatavergrößerung: Medikamente und pflanzliche Arzneimittel

28. Juni 2021 | von Ingrid Müller

Medikamente können eine Prostatavergrößerung wirksam behandeln. Lesen Sie, welche pflanzlichen Arzneimittel es gibt - von Sägezahnpalme bis Roggenpollen. Außerdem: Wie gut verschiedene chemische Medikamente die Symptome bessern können.

Es gibt verschiedene Medikamente, die Ärzte gegen die gutartige Prostatavergrößerung einsetzen. Manchmal kombinieren sie auch mehrere Medikamente miteinander. Entweder bremsen die Arzneien das Wachstum der Prostata oder sie lindern die Beschwerden beim Wasserlassen. Die Prostata wieder verkleinern können viele Medikamente jedoch nicht.

Pflanzliche Medikamente (Phytotherapeutika)

Viele Männer setzen bei einer Prostatavergrößerung zunächst auf die "sanfte" Medizin und alternative Heilverfahren. Pflanzliche Medikamente sollen leichte Prostatabeschwerden lindern können. Ob sie tatsächlich einen positiven Effekt haben, ist aber nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Eventuell sind sie jedoch einen Versuch wert. 

Zu den pflanzlichen Medikamenten (Phytotherapeutika), die bei einer vergrößerten Prostata helfen sollen, zählen:

  • Früchte der Sägezahnpalme - diese Mittel sind gut untersucht und sie gehören zu den am häufigsten eingesetzten pflanzlichen Arzneien bei einer vergrößerten Prostata.  Extrakte der Sägezahnpalme enthalten geringe Mengen an Phytosterolen und freie  Fettsäuren - letzteren schreiben Forschende hauptsächlich die vermuteten Wirkungen  zu. Diskutiert werden zum Beispiel antientzündliche Effekte, antiandrogene Wirkungen oder  dieVerminderung von Wachstumsfaktoren.
  • Kürbissamen: Sie enthalten unter anderem Fettsäuren (z.B. Linolsäure), Sterole, Carotinoide, Selen und  Magnesiumsalze. Forschende vermuten, dass Kürbissamen entzündungshemmende und antiandrogene  Wirkung haben. Außerdem könnten sie die Muskulatur der Blase und Prostata günstig beeinflussen.
  • Brennnesselwurzel: Die Extrakte  enthaltenviel Vitamin  A,  C,  E,  Dund  K sowie große Mengen verschiedener Mineralien  (z.B. Eisen,  Kalzium,Magnesium, Kalium). Zudem ist die Brennnesselwurzel reich an Scopoletin,  Sitosterol  und ungesättigten Fettsäuren. Unklar ist jedoch, welche Substanz genau für die vermutete Wirkung verantwortlich ist. Es könnten auch mehrere Substanzen gemeinschaftlich wirken.
  • Afrikanischer Pflaumenbaum (Rinde): Die Extrakte enthalten zum Beispiel langkettige Fettsäuren und Phytosterole. Die Rinde des Afrikanischen Pflaumenbaums soll antientzündliche  und gewebsentwässernde  Effekte  haben und womöglich bestimmte Wachstumsfaktoren hemmen.
  • Phytosterole (z.B.ß-Sitosterin) aus Wurzeln von Pinien und Kiefern
  • Südafrikanisches Sternengras - es ist reich an Phytosterolen.
  • Pollenextrakte aus Gräserpollen, z.B. Roggenpollen, Maispollen oder Pollen des Timothy Gras - wie gut Pollenextrakte tatsächlich wirken, ist noch unklar.

 

Daneben gibt es noch verschiedene Kombinationspräparate. Ob sich die Wirksamkeit dadurch verstärkt, ist noch nicht medizinisch geklärt.

Phytotherapeutika haben nur selten Nebenwirkungen - und wenn, dann sind sie mild ausgeprägt. Die Arzneien gegen die Prostatavergrößerung sind nicht verschreibungspflichtig. Sie erhalten die Prostata-Medikamente rezeptfrei in der Apotheke, Drogerie und im Internetversandhandel. Allerdings müssen Sie die pflanzlichen Arzneien selbst bezahlen - die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür seit dem Jahr 2004 nicht mehr. 

Zu beachten ist auch, dass sich die Zusammensetzung der pflanzlichen Präparate erheblich unterscheiden kann. Auch der Anteil der Substanzen, die als wirksam gelten, kann von Produkt zu Produkt sehr verschieden sein.  

Prostatavergrößerung

Lesen Sie alles über die Ursachen, Symptome, Diagnosemethoden und Behandlungen - inklusiver aller Op-Methoden.

© birgl/Pixabay.com

Medikamente bei Prostatavergrößerung

Die Medikamente bei einer Prostatavergrößerung besitzen unterschiedliche Wirkungsweisen. Sie können die Symptome bessern, das weitere Wachstum der Prostata bremsen und manchmal auch die Prostata wieder verkleinern.

- Alpha-1-Rezeptblocker

Alpha-1-Rezeptorblocker können moderate Beschwerden aufgrund der Prostatavergrößerung lindern und die Zunahme der Symptome bremsen. Abgekürzt heißen die Medikamente auch Alphablocker. Sie entspannen die Muskulatur in der Prostata. Dadurch kann der Harn besser abfließen und die Blasenentleerung geschieht leichter. Auf diese Weise mildern sie die Beschwerden. Das Fortschreiten der Prostatavergrößerung können diese Medikamente jedoch nicht aufhalten. Sie verkleinern also die Prostata nicht und bremsen auch nicht ihr Wachstum. 

Häufig eingesetzte Wirkstoffe aus der Gruppe der Alphablocker sind:

  • Alfuzosin
  • Prazosin
  • Terazosin
  • Doxazosin
  • Silodosin
  • Tamsulosin

 

Die meisten Männer verspüren nur geringe oder überhaupt keine Nebenwirkungen. Möglich sind jedoch Kraftlosigkeit, Benommenheit oder ein niedriger Blutdruck. Auch ein trockener Samenerguss (retrograde Ejakulation) kann vorkommen. Diese Nebenwirkung verschwindet jedoch wieder, wenn Sie das Medikament absetzen.

Alphablocker lassen sich gut mit anderen Medikamenten kombinieren, etwa mit 5-Alpha-Reduktase-Hemmern oder Muskarin-Rezeptor-Antagonisten. 

- 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (5ARI)

5‑Alpha-Reduktase-Hemmer heißen auch 5‑Alpha-Reduktase-Inhibitoren oder abgekürzt 5ARI. Diese Medikamente bremsen das Wachstum der Prostata und können sogar bewirken, dass sie sich wieder verkleinert. Die Arzneimittel setzen an einem besonderen Enzym an, der sogenannten 5‑Alpha-Reduktase. Dieses hilft dabei mit, das männliche Geschlechtshormon Testosteron in der Prostata in Dihydrotestosteron (DHT) umzuwandeln. DHT gilt als Hauptverursacher der Prostatavergrößerung. 5‑Alpha-Reduktase-Hemmer blockieren dieses Enzym. 

Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Finasterid und Dutasterid. Die Wirkung der 5‑Alpha-Reduktase-Hemmer setzt jedoch langsamer ein (binnen drei bis sechs Monate) als die der Alphablockern (innerhalb weniger Tage und Wochen). 

5-Alpha-Reduktase-Hemmer können einige Nebenwirkungen verursachen. Sie schwächen zum Beispiel den sexuellen Antrieb oder rufen Erektionsstörungen und Ejakulationsprobleme hervor. Wenn Sie das Medikament absetzen, klingen die Störungen in der Regel wieder ab. Auch kann der PSA-Wert während der Einnahme von 5ARI sinken – dies ist wichtig, wenn Ärzte den PSA-Wert zur Diagnose von Prostatakrebs mit heranziehen. 

- Kombinationsbehandlung

Oft kombinieren Ärzte Medikamente aus der Gruppe der Alphablocker und 5-Alpha-Reduktase-Hemmer miteinander. Die Kombination mildert die Beschwerden, senkt das Risiko für einen Harnverhalt und vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass ein operativer Eingriff nötig wird. Das Fortschreiten der Prostatavergrößerung lässt sich somit aufhalten. 

- Muskarin-Rezeptor-Antagonisten (MRAs)

Muskarin-Rezeptor-Antagonistenheißen in der Fachsprache auch Anticholinergika oder Antimuskarinika. Abgekürzt werden die Medikamente als MRAs. Sie dämpfen die Aktivität der Blasenmuskulatur, setzen also nicht an der Prostata selbst an. Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung profitieren von den Arzneien, weil sie oft zusätzlich unter einer überaktiven Blase leiden. Dabei zieht sich die Blasenmuskulatur unwillkürlich zusammen und Männer müssen häufig und plötzlich zur Toilette – auch nachts. An erholsamen Schlaf ist so oft nicht zu denken. 

Häufig eingesetzte Wirkstoffe aus der Gruppe der Muskarin-Rezeptor-Antagonisten sind:

  • Darifenacin
  • Fesoterodin
  • Oxybutynin
  • Propiverin
  • Solifenacin
  • Tolterodin
  • Trospium

 

MRAs lösen in der Regel nur milde Nebenwirkungen aus. Dazu gehören zum Beispiel trockene Schleimhäute von Mund und Augen, Verstopfung, Probleme beim Wasserlassen, erkältungsähnliche Symptome, Verschwommensehen oder Schwindel.

- Phosphodiesterase-5 Hemmer (PDE- 5-Inhibitoren)

Phosphodiesterase-5 Hemmer heißen auch noch Phosphodiesterase-5-Inhibitoren oder abgekürzt PDE-5-Hemmer (-Inhibitoren). Dies sind eigentlich Medikamente zur Behandlung der Erektilen Dysfunktion. Sie können aber auch die Symptome bei einer gutartigen Prostatavergrößerung mildern. Allerdings besitzen manche Phosphodiestase-5-Hemmer keine Zulassung für die Behandlung der beningnen Prostatahyperlasie. Ärzte und Ärztinnen setzen sie manchmal im sogenannten "off label use" ein. 

Es gibt drei verschiedene Wirkstoffe:

  • Sildenafil
  • Vardenafil
  • Tadalafil (zugelassen für die gutartige Prostatavergrößerung)

 

PDE-5-Hemmer können verschiedene Nebenwirkungen haben: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verdauungsstörungen und Hitzewallungen.

Quellen: