Prostatasteine - Symptome und Behandlung

27. Januar 2020 | von Ingrid Müller

Prostatasteine haben viele Männer, wenn sie älter werden. Doch kaum einer weiß davon, weil Mann sie nicht spürt. Alle Fakten zu Ursachen, Symptomen und Behandlungen bei Steinen in der Vorsteherdrüse.

Was sind Prostatasteine?

Prostatasteine sind kleine Kalkablagerungen, die sich meist innerhalb der Prostata aus dem Prostatasekret bilden. Sie sind in der Regel wenige Millimeter groß, etwa wie Hirsekörner. Aber auch deutliche größere Steine sind möglich. Mediziner sprechen auch von Corpora amylacea. Übersetzt heißt das so viel wie „stärkeähnliche Körner“. Der englische Fachbegriff dafür ist „prostatic calculi“. Manche Männer haben nur einen einzelnen Prostatastein, während sich bei anderen Hunderte davon bilden. Dann können sie im Prinzip in jedem Bereich der Prostata entstehen.

Prostatasteine aus Urzeiten

Ärzten sind solche Prostatasteine schon länger bekannt. Erst vor einigen Jahren wurden Prostatasteine im Bauch des Skeletts eines älteren Mannes gefunden, der vor ungefähr 12.000 Jahren im Sudan lebte.

Woraus bestehen Steine in der Prostata?

In mehr als 80 Prozent der Fälle bestehen die Prostatasteine aus Kalziumphosphat (Hydroxylapatit), das auch in den Knochen vorkommt. Sie sind meist bräunlich-grau gefärbt. Aber auch Steine aus Kalziumcarbonat-Phosphat, Kalziumoxalat-Monohydrat sowie eine Mischung aus beiden Typen kommen vor, wenn auch deutlich seltener. Meist verbinden sich diese Materialien noch mit Eiweißen. Mit Harnsteinen, die aus Harnsalzen bestehen, haben die Prostatasteine übrigens nichts zu tun.

Wie häufig sind Prostatasteine?

Es gibt keine genauen Statistiken darüber, wie häufig Prostatasteine bei Männern vorkommen. Die Zahlen variieren in der Literatur beträchtlich: Zwischen 7 und 70 Prozent aller Männer sollen mit Prostatasteinen zu tun haben. Am häufigsten entdecken Ärzte sie jedoch bei Männern mit einer gutartigen Prostatavergrößerung und einer Prostataentzündung.

Welche Arten von Prostatasteinen gibt es?

Mediziner unterscheiden im Prinzip zwei Arten von Prostatasteinen – je nach Ort der Entstehung:

Primär oder sekundär?

Primäre endogene Prostatasteine

Sie treten oft im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung auf. Auch eine chronische Prostataentzündung – die Prostatitis – kann der Grund für endogene Prostatasteine sein. Sie sind meist klein, dafür können es sehr viele Steine werden.

Sekundäre extrinsische Prostatasteine

Sie bilden sich aus einem Kern, der aus den oberen Harnwegen durch den Harnstrom in die Harnröhre verschleppt wird. Daher sind sekundäre Prostatasteine oft rund um die Harnröhre zu finden. Diese verläuft direkt durch die Mitte der Prostata. Zwischen der Harnröhre und der Vorsteherdrüse gibt es 15 bis 30 kleiner Kanäle, die auf diese Weise miteinander in Verbindung stehen. So gelangen Ausläufer der Steine in die Prostata.

Die Ursache ist für sekundäre Prostatasteine ist meist ein Rückfluss des Urins in die Prostata. Dieser kommt bei Männern mit neurogene Blasenstörungen und chronischen Harnwegsinfektionen vor. Die Anzahl der extrinsischen Prostatasteine ist zwar meist geringer, dafür sind sie meist größer.

Prostatasteine: Ursachen sind noch nicht genau geklärt

Oft bilden sich Prostatasteine bei Männern in mittlerem oder höherem Lebensalter. Vor allem ab dem 50. Lebensjahr sind sie gehäuft zu beobachten. Die zunehmenden Jährchen sind also ein Risikofaktor für die Verkalkungen in der Vorsteherdrüse. Mediziner vermuten, dass das Prostatasekret oder eine Entzündung der Prostata die feinen Kanälchen zwischen Prostata und Harnröhre verengt oder sogar blockiert. Außerdem entstehen in der Prostata Hohlräume, in denen sich das Sekret staut.

Das Drüsensekret dickt sich immer weiter ein und verkalkt schließlich – Prostatasteine entstehen. Auch bei manchen Erkrankungen sind Prostatasteine gehäuft zu finden. Dazu gehören zum Beispiel:

 

Prostatasteine - Ursachen

Häufige Ursachen sind die gutartige Prostatavergrößerung oder eine Prostataentzündung.

Prostatasteine: Symptome verspüren die wenigsten

Prostatasteine verursachen meist keinerlei Symptome. So bemerken Männer die Verkalkungen in ihrer Vorsteherdrüse nicht. Ärzte entdecken die Prostatasteine meist zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen, zum Beispiel beim transrektalen Ultraschall (TRUS) zur Diagnose der gutartigen Prostatavergrößerung. Ärzte sehen Prostatasteine in der Regel als Teil des natürlichen Alterungsprozesses an und stufen sie nicht als klinisch bedeutsam, also behandlungsbedürftig ein. Bei manchen Männern können sie jedoch unangenehme Symptome hervorrufen. Beispiele sind:

  • Manche Männer berichten von häufigem nächtlichem Wasserlassen, starkem Harndrang und häufigem Wasserlassen tagsüber oder von unfreiwilligem Urinverlust
  • Schmerzen im Becken, wenn die Prostatasteine im Rahmen einer chronischen Prostataentzündung entstehen. Auch Schmerzen im unteren Rücken, Penis oder Damm sind möglich.
  • Störung der Blasenentleerung: selten bei sehr großen extrinsischen Prostatasteinen im Gebiet der Harnröhre.
  • Harnwegsinfektionen und Prostataentzündung: Beide Erkrankungen bieten einen idealen Nährboden für Bakterien – dann können sich die Steine durch die Keime infizieren. Außerdem begünstigen die Bakterien einen Verschluss der feinen Sekretkanälchen der Prostata.

 

Steine in der Prostata können einige Folgen nach sich ziehen. Forscher diskutieren unter anderem Einbußen bei der Sexualfunktion. Eine Studie fand zudem heraus, dass die Prostatasteine die Wirksamkeit der antibakteriellen Behandlung bei einer chronischen Prostataentzündung vermindern und die Heilungschancen verschlechtern.

Prostatasteine: Diagnose beim Arzt

Prostatasteine können Ärzte leicht diagnostizieren, zum Beispiel mittels Transrektalem Ultraschall (TRUS) oder einer Computertomografie (CT). Auch eine Röntgenaufnahme der Nieren, Harnröhre und Harnblase kann Steine in der Prostata sichtbar machen. Allerdings entdeckten sie Ärzte oft zufällig im Rahmen dieser Untersuchungen, die aus einem ganz anderen Grund stattfinden.

Prostatasteine behandeln – diese Möglichkeiten gibt es

Wenn Prostatasteine keine Beschwerden verursachen, müssen Ärzte sie auch nicht behandeln. Manchmal spült der Körper sie auch einfach mit dem Urin nach draußen. Wenn Männer allerdings Probleme beim Wasserlassen haben oder Schmerzen verspüren, ist eine Behandlung ratsam.

Prostatasteine behandeln

  • Medikamente: Antibiotika helfen, wenn eine Infektion mit Bakterien vorliegt.
  • Prostatasteine entfernen durch eine Operation: Transurethrale Resektion der Prostata (TURP) als Behandlung bei einer Prostatavergrößerung, transurethrale Elektroresektion mit einer Schlinge oder die Therapie mit einem Holium Laser. Die Prostatasteine zertrümmern (wie bei Gallensteinen) oder sie auflösen können Ärzte nicht.

 

Quellen:

  • Jae Seog Hyun: Clinical Significance of Prostatic Calculi: A Review. World J Mens Health. 2018 Jan; 36(1): 15–21. Published online 2017 Sep 25. doi: 10.5534/wjmh.17018. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5756803/
  • Bumsoo Park, Seol Ho Choo: The burden of prostatic calculi is more important than the presence, Asian Journal of Andrology, Vol 19, 2017, http://www.ajandrology.com/article.asp?issn=1008–682X;year=2017;volume=19;issue=4;spage=482;epage=485;aulast=Park
  • Evangelisches Krankenhaus Witten: Uro News, Januar 2011, https://www.evk-witten.de/files/3/17303-uronews_2011_01.pdf
  • International Society for Sexual Medicine (ISSM), https://www.issm.info/sexual-health-qa/what-are-prostatic-calculi-prostate-stones/
  • Jun-JieCao MD et. al. Prostatic Calculi: Do They Matter? Sexual Medicine Reviews, Volume 6, Issue 3, July 2018, Pages 482–491, https://doi.org/10.1016/j.sxmr.2017.10.003 , https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2050052117301245?via%3Dihub
  • Usai D, Maritan L, Dal Sasso G, Artioli G, Salvatori S, Jakob T, et al. (2017) Late Pleistocene/Early Holocene Evidence of Prostatic Stones at Al Khiday Cemetery, Central Sudan. PLoS ONE 12(1): e0169524. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0169524