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Prostatavergrößerung: Behandlung mittels Laser-Op

25. Mai 2021 | von Ingrid Müller

Eine vergrößerte Prostata lässt sich auch mit einem Laser verkleinern. Die Laserbehandlung ist eine Alternative zur TURP. Lesen Sie, welche Arten der Lasertherapie es gibt, wie das Lasern der Prostata abläuft und welche Vor- und Nachteile es hat. 

Was ist eine Laser-Op der Prostata?

Eine vergrößerte Prostata behandeln Ärzte schon seit vielen Jahren mittels Laser. Wie die Transurethrale Resektion der Prostata (TURP) gilt auch die Laserbehandlung als Standard bei einer gutartigen Prostatavergrößerung. Das Lasern der Prostata ist eine Möglichkeit, wenn Medikamente die Symptome nicht mehr ausreichend bessern können oder sie aus anderen Gründen nicht in Frage kommen. 

Es gibt verschiedenste Arten von Lasern und Lasersystemen. Sie unterscheiden sich durch die Art, wie sie ihre Energie freisetzen und an die Prostata abgeben, aber auch durch ihre Wellenlänge, Energie, Eindringtiefe ins Gewebe und Ausbreitungsrichtung. Das Wort Laser steht für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“.

TURP 

Lesen Sie, wie die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) abläuft, wie lange sie dauert und welche Nebenwirkungen zu erwarten sind. 

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Laser-Op der Prostata- überschüssiges Gewebe entfernen

Wenn Ärzte die Prostata lasern, richten sie einen hochenergetischen, gebündelten Lichtstrahl gezielt auf die vergrößerte Vorsteherdrüse. Beim Kontakt mit dem Gewebe setzt der Laser Wärme frei und zerschneidet, verbrennt oder verdampft das überschüssige Prostatagewebe . es wird entweder abgetragen oder zerstört und nach außen transportiert. 

Auf diese Weise verkleinern Chirurgen die Prostata und nehmen den Druck von der eingeengten Harnröhre. Die Probleme beim Wasserlassen – die typischen Symptome bei einer vergrößerten Prostata – nehmen nach der Prostata-Op ab. Die Laser-Behandlung kann eine Alternative zur TURP bei einer gutartigen Prostatavergrößerung (benignen Prostatahyperplasie) sein. 

Prostatavergrößerung: Welcher Laser?

Es gibt viele verschiedene Lasersysteme. Oft wählen Ärztinnen und Ärzte bei einer vergrößerten Prostata den Holmium:YAG-Laser, Greenlight-Laser (Grünlicht-Laser) und Thulium:YAG-Laser. Welche Wirkung der Laser auf das Prostatagewebe entfaltet, hängt von der Energie und Wellenlänge des verwendeten Laserlichts sowie dessen Eindringtiefe ins Gewebe ab.

Um die Prostata zu lasern, setzen Ärztinnen und Ärzte verschiedene Prinzipien ein:

  • Enukleation: Ausschälen der Prostata und anschließendes Zerkleinern des Gewebes in der Harnblase (Morcellieren) – dafür verwenden Ärzte und Ärztinnen oft den Holmium:YAG-Laser. Ein Vorteil der Enukleation ist, dass Pathologen das entfernte Gewebe anschließend im Labor untersuchen können, zum Beispiel auf Krebszellen.
  • Verdampfung (Vaporisation) – häufig kommt hier ein Greenlight-Laser zum Einsatz. Der Nachteil: Das verdampfte Gewebe lässt sich nicht mehr von einem Pathologen unter dem Mikroskop analysieren.
  • Resektion: Entfernen von überschüssigem Gewebe – ähnlich wie bei der TURP.
  • Ablation: Abtragen des Gewebes mittels Laser.

 

Je nach verwendetem Laser sind die Prostata-Operationen dann unter diesen Namen und Abkürzungen bekannt:

  • HoLEP: Holmium-Laser-Enukleation der Prostata
  • HoLRP: Holmium-Laser-Resektion der Prostata
  • HoLAP: Holmium-Laser-Ablation der Prostata
  • ThuLRP (TmLRP): Thulium-Laser-Resektion der Prostata
  • ThuLEP (TmLEP): Thulium-Laser-Enukleation der Prostata
  • PVP: Photoselektive Vaporisation der Prostata (auch Grünlicht-Laser- oder Greenlight-Laser-Therapie)

 

Welcher Laser und welches Verfahren Ärztinnen und Ärzte wählen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, allen voran von der Größe (dem Volumen) der Prostata. Aber auch vorhandene Grunderkrankungen, Ihr allgemeiner Gesundheitszustand sowie persönliche Wünsche und Vorstellungen spielen bei der Therapieentscheidung mit. 

Einige Beispiele:

  • HoLEP führt zu guten Ergebnissen, was die Beschwerden beim Wasserlassen angeht  -  unabhängig davon, welches Volumen die Prostata besitzt.
  • HoLRP eignet sich zur Behandlung einer kleinen oder mittleren Prostata.
  • HoLAP verbessert die Symptome und Probleme beim Wasserlassen bei einer Prostata mit kleinem Volumen.

 

Lasertherapie der Prostata: Ablauf und Dauer

Die Laser-Behandlung führen Chirurgen und Chirurginnen in der Regel als minimal-invasiven Eingriff über die Harnröhre durch. Eine offene Operation mit einem großen Bauchschnitt ist bei dieser „Schlüssellochchirurgie“ nicht nötig. Die Vorteile von minimal-invasiven Eingriffen sind allgemein, dass weniger Komplikationen (z.B. Blutungen) auftreten, Wunden schneller heilen und Sie rascher wieder in Ihren Alltag und Beruf zurückkehren können. 

Der Ablauf der Laser-Op lässt sich so beschreiben:

  • Sie erhalten zunächst eine  regionale Narkose (Lokalanästhesie) oder Vollnarkose.
  • Bei der Prostata-Op kommt ein Endoskop zum Einsatz – ein spezielles Instrument, das mit einer kleinen Kamera ausgerüstet ist. Sie liefert Bilder von der Prostata auf einen Monitor. Ärzte können so den Eingriff über Video gut überwachen und steuern.
  • Das Endoskop schieben Ärzte durch die Harnröhre in Richtung der Prostata.
  • Durch dieses Endoskop wird auch der Laser eingeführt, mit dem Ärzte das überschüssige Gewebe beseitigen.
  • Dann lösen Ärzte kontrolliert Laserimpulse aus, die sich gezielt gegen das wuchernde Prostatagewebe richten. Eventuell auftretende Blutungen lassen sich gleich mit Hilfe des Laserlichts stillen.
  • Diese entfernten Gewebeteile der Prostata zerkleinert der Operateur meist in der Harnblase (Morcellieren) und spült sie anschließend aus.
  • Am Ende der Prostata-Op erhalten Sie einen Katheter, den Sie nur wenige Tage lang tragen müssen. Über den Katheter lässt sich die Harnblase spülen. Außerdem können die Wunden besser verheilen und das Wasserlassen fällt leichter.
  • Die Dauer der Laserbehandlung liegt zwischen einer und  zwei Stunden – je nach Größe der Prostata. Sie hängt auch davon ab, wie gut sich das Prostatagewebe in der Blase zerkleinern lässt.
  • Die meisten Männer können wenige Tage nach dem Eingriff das Krankenhaus wieder verlassen.

 

Vergrößerte Prostata behandeln

Lesen Sie alles über die TURP, TUIP, TUNA, HE-TUMT und Prostata-Arterien-Embolisation. Außerdem: Wie Wasserstrahl und Wasserdampf die Prostata schrumpfen. 

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Laserbehandlung – Tipps für danach

Es gibt einige Maßnahmen, die Ihnen in den ersten Tagen und Wochen nach einer Laserbehandlung im Alltag helfen können. Einige Beispiele:

  • Trinken Sie viel, um die Blase zu spülen und die Wundheilung zu fördern. Empfohlen sind ein bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag. Gut sind kalorienarme Getränke wie Wasser, ungesüßte Tees oder Fruchtsaftschorlen. Seien Sie sparsam mit Alkohol und kalorienreichen Getränken wie Limonade, Cola, Energiedrinks oder Fruchtnektaren.
  • Heben Sie keine schweren Lasten, etwa Baumaterialien fürs Haus oder den Garten oder schwere Einkaufstüten.
  • Treiben Sie keinen Leistungssport und wenn Sie Sport machen – er sollte nicht zu anstrengend und körperlich belastend sein. Auch auf das Fahrradfahren sollten Sie zunächst verzichten, denn Sie üben dabei Druck auf die Prostata aus. Gegen ausreichende Bewegung im Alltag und maßvollen Sport wie einen strammen Spaziergang, Wandern oder Nordic Walking ist aber nichts einzuwenden.
  • Verzichten Sie in den ersten Wochen auf die Sauna, das Thermalbad und Vollbäder (duschen können Sie).
  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, um eine Verstopfung zu vermeiden. Wählen Sie viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Kichererbsen oder Bohnen – sie sind besonders ballaststoffreich.
  • Und: Verzichten Sie in den ersten zwei bis drei Wochen nach der der Laser-Op auf Geschlechtsverkehr.

 

Prostata lasern: Wirksamkeit 

Die Behandlung der Prostatavergrößerung mit dem Holmium-Laser scheint ähnlich wirksam zu sein wie eine TURP. Dies lassen jedenfalls die bisherigen Ergebnisse aus Studien vermuten. Ein Vorteil ist, dass Sie nach der Op etwas kürzer im Krankenhaus bleiben müssen und Ärzte den Katheter rascher entfernen können.

Die Thulium-Laserresektion (TmLRP) scheint ebenfalls mit der TURP vergleichbar zu sein, was die Wirksamkeit und das Behandlungsergebnis betrifft. In Studien kamen zudem schwere Blutungen seltener vor. Nach dem Abtragen des Prostatagewebes mit dem Thulium-Laser konnten Männer früher das Krankenhaus verlassen und wurden den Katheter auch schneller wieder los.

Für die anderen Laser-Methoden sei es noch nicht ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie mindestens genauso wirksam sind wie eine TURP, schreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Dazu gehören zum Beispiel die Thulium-Laser-Enukleation der Prostata (ThuLEP oder TmLEP) oder die Photoselektive Vaporisation der Prostata (PVP, Grünlicht-Laser- oder Greenlight-Laser-Therapie).

Laser-Op: Nebenwirkungen und Komplikationen

Bei einer Laser-Behandlung besteht kein Risiko für das (seltene) TUR-Syndrom. Es äußerst sich durch Übelkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit. Das TUR-Syndrom entsteht, wenn die Spülflüssigkeit, mit der Ärzte das entfernte Prostatagewebe nach draußen befördern, versehentlich in den Blutkreislauf gelangt. Wenn Ärzte die Komplikation schnell behandeln, hat sie keine ernsthaften Folgen.

Ein Nachteil ist, dass Pathologen das Prostatagewebe nach dem Verdampfen nicht mehr im Labor auf eventuelle Veränderungen untersuchen können, beispielsweise auf Krebszellen. 

Folgende Nebenwirkungen kann das Lasern der Prostata haben:

  • Wie bei TURP kann nach der Laser-Op ein trockener Samenerguss (retrograde Ejakulation) auftreten. Dabei gelangt die Samenflüssigkeit während der Ejakulation nicht oder kaum über die Harnröhre nach außen, sondern in die Harnblase. Mit dem Urin scheidet der Körper das Sperma dann aus. Die Ursache ist eine Verletzung jener Muskeln während der Prostata-Op, die normalerweise den Ausgang der Blase verschließen. Ein trockener Samenerguss beeinträchtigt zwar nicht das Gefühl beim Orgasmus, vermindert aber die Fruchtbarkeit.
  • Auch ein plötzlich eintretender Harndrang und häufiges Wasserlassen kommen nach der Laser-Op vor. Meist sind die Beschwerden aber nur vorübergehen und lassen sich auch mit Medikamenten gut behandeln.
  • Möglich sind außerdem Blut im Urin, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie ein unfreiwilliger Harnverlust.
  • Selten entwickelt sich eine Harnwegsinfektion.

 

Laser-Behandlung der Prostata: Wer trägt die Kosten?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Behandlung mit dem Holmium-, Thulium- und Greenlight-Laser. Auch die privaten Krankenkassen bezahlen die Laser-Operation meist. Fragen Sie aber zur Sicherheit wegen der Kosten immer vorher bei Ihrem Arzt oder der Ärztin sowie bei Ihrer Krankenkassen nach. 

Quellen: