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Transrektaler Ultraschall – so funktioniert TRUS

05. März 2020 | von Ingrid Müller

Ein transrektaler Ultraschall (TRUS) ist aus der Diagnostik von Prostataerkrankungen nicht mehr wegzudenken. Lesen Sie, wie die Sonografie funktioniert, abläuft und welche Risiken sie besitzt.

Ein transrektaler Ultraschall – abgekürzt TRUS – ist eine Untersuchungsmethode, mit der Ärzte Erkrankungen der Prostata oder Samenblasen aufspüren können. Dazu gehören zum Beispiel die gutartige Prostatavergrößerung, aber auch Prostatakrebs. Über eine Ultraschallsonde im Mastdarm des Patienten erhalten Ärzte genaue Bilder der Prostata auf ihrem Monitor. Sie können so zum Beispiel die Größe, Form und Struktur der Prostata beurteilen. Der transrektale Ultraschall funktioniert auch deshalb gut, weil die Prostata in unmittelbarer Nähe der Mastdarmwand liegt. Transrektal bedeutet so viel wie „über den Mastdarm“ (trans = über und rektum = Mastdarm).

 

Wie funktioniert ein transrektaler Ultraschall?

Der Ultraschall (Sonografie) gehört heute zum Standard in der Haus- und Facharztpraxis. Er kann Aufschluss über den Zustand vieler Organe und Gewebe liefern. Ultraschall funktioniert mit Schallwellen, deren Frequenzen weit oberhalb der menschlichen Hörgrenze (über 20 kHz = Kilohertz) liegen – ein Mensch kann sie also nicht über sein Gehör wahrnehmen.

Zum Einsatz kommt ein Schallkopf, der Ultraschallwellen mit Hilfe von elektrischen Kristallen erzeugt und in den Körper aussendet. Das Gewebe der Prostata reflektiert diese unterschiedlich stark. So wird ein „Echo“ erzeugt, das der Schallkopf wiederum empfängt. Ein kleiner Computer, der sich im Ultraschallgerät befindet,  errechnet daraus zweidimensionale Schnittbilder der Prostata, die der Arzt auf dem Monitor sieht. Die Stärke des zurückgeworfenen Echos lässt Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Gewebes zu.

Früher waren die Ultraschallbilder noch grob und grundsätzlich schwarz- weiß. Heute liefern Ultraschallgeräte sehr detaillierte und hochaufgelöste. Spezielle Ultraschalltechniken können sogar farbige Bilder erzeugen, zum Beispiel die Doppler-Sonografie. Sie kommt bei anderen Erkrankungen zum Einsatz, etwa der Gefäße.

 

Transrektaler Ultraschall – Ablauf und Dauer

Ein transrektaler Ultraschall geschieht nicht von außen (wie etwa der Schwangerschaftsultraschall über den Bauch), sondern von innen. Ärzte sprechen von Endosonografie (endo = innen). Es ist eine spezielle Variante der Ultraschalluntersuchung, weil die Sonografie in einer Körperhöhle stattfinden (wie auch der vaginale Ultraschall).

Für einen TRUS müssen Sie Ihren Darm nicht besonders vorbereiten – im Gegensatz etwa zur Darmspiegelung, bei der der Darm frei von Nahrungsresten sein muss, um aussagekräftige Bilder zu erhalten. Allerdings sollte die sogenannte Rektumampulle leer sein – dies ist der obere Bereich des Mastdarms, der als Speicher für den Stuhl dient.

TRUS läuft in der Regel so ab:

  • Sie liegen dabei meist auf der Seite und ziehen die Beine an. Alternativ nehmen Sie die sogenannte „Steinschnittlage“ ein. Vereinfacht gesagt liegen Sie dabei auf dem Rücken, die Gliedmaßen sind in den Hüft- und Kniegelenken jeweils rechtwinklig gebeugt, die Unterschenkel auf Beinschalen abgestützt und die Beine sind gespreizt. Frauen kennen diese Position allzu gut von Untersuchungen beim Gynäkologen.
  • Der Arzt zieht zunächst ein „Kondom“ aus Latex über die Ultraschallsonde – zum Schutz der Sonde und aus hygienischen Gründen. Die Sonde ist ungefähr so gross und dick wie ein Finger.
  • Er bringt ein steriles Gleitmittel in den After und Enddarm ein, das lokal betäubend und desinfizierend wirkt – es muss einige Minuten einwirken.
  • Dann führt er die Ultraschallsonde vorsichtig in den Mastdarm ein und schiebt sie in Richtung Prostata vor, die direkt an der Wand des Mastdarms liegt. Die TRUS liefert besonders genaue Bilder, weil nur wenig Gewebe dazwischen liegt, das den Ultraschall abschwächt. Anders ist es beim Ultraschall von außen, zum Beispiel über die Bauchdecke – hier müssen die Schallwellen viel mehr Gewebe durchdringen.
  • Die Sonde lässt sich bewegen und so können Ärzte verschiedene Bereiche der Prostata auf dem Monitor sichtbar machen. Auch Fotos können Ärzte während des TRUS zu Dokumentationszwecken anfertigen.

 

Transrektaler Ultraschall – schnell und ungefährlich

Der transrektale Ultraschall und die Schallwellen sind für Menschen gesundheitlich unbedenklich und ungefährlich. Eine Röntgenuntersuchung und Computertomografie (CT), die beide mit Röntgenstrahlen arbeiten, bringen dagegen eine gewisse Strahlenbelastung mit sich. Zudem ist TRUS vergleichsweise kostengünstig, verursacht keine Schmerzen, ist wenig belastend und meist schnell vorbei. In der Regel dauert sie nur wenige Minuten und lässt sich ambulant in der Arztpraxis durchführen.

Dennoch scheuen viele Männer die transrektale Ultraschalluntersuchung – meist aus Scham. Eine gedankliche Hilfe ist es vielleicht, dass ein transrektaler Ultraschall für Ärzte zum normalen Alltag und „Handwerk“ gehört.

 

Transrektaler Ultraschall – was sieht der Arzt?

Ein transrektaler Ultraschall liefert Ärzten verschiedenste Informationen, zum Beispiel:

  • Die Größe, Form, Begrenzung und Binnenstruktur (die verschiedenen Zonen) der Prostata sind im Ultraschall gut erkennbar.
  • Auch der Zustand der Samenblasen lässt sich beurteilen.
  • Die Prostata lässt sich genau ausmessen und das Volumen berechnen – dies geschieht mit Hilfe einer speziellen Software.
  • Veränderungen wie Zysten, Verkalkungen (Prostatasteine) oder ein Sekretstau lassen sich aufdecken.
  • Der Ultraschall liefert Hinweise auf eine Prostataentzündung wie zum Beispiel verdickte Wände der Samenblasen.

 

Wann setzen Ärzte den transrektalen Ultraschall ein?

Ein transrektaler Ultraschall kann die Organe des Beckens darstellen, allen voran die Prostata, Samenblasen oder die Harnröhre. Ärzte können so die Größe, Form und Struktur der Prostata erkennen und Auffälligkeiten aufspüren. Beispiele sind eine gutartige Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs. TRUS wenden Ärzte zum Beispiel an, wenn:

Wichtig ist, dass ein transrektaler Ultraschall sich nicht als alleinige Methode zur Diagnose von Prostatakrebs eignet. Er ist für sich alleine genommen nicht aussagekräftig genug. Daher ziehen Ärzte immer noch weitere Diagnosemethoden heran. Die Zusammenschau der Ergebnisse hilft dem Arzt bei der Einschätzung, ob Prostatakrebs vorliegen könnte oder eben nicht. Letzte Gewissheit liefert immer eine Prostatabiospie, bei der Ärzte Gewebe aus der Prostata entnehmen und die Zellen anschließend feingeweblich unter dem Mikroskop untersuchen.

 

Transrektaler Ultraschall – Kosten

Der transrektale Ultraschall zur Früherkennung von Prostatakrebs ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. TRUS zählt zu den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL. Das bedeutet, dass die Krankenkassen die Kosten dafür nicht übernehmen. Das gilt übrigens auch für die Bestimmung des PSA-Wertes. Nur die Tastuntersuchung  bezahlen die Kassen zur Früherkennung von Prostatakrebs. Anders sieht es jedoch aus, wenn der Verdacht auf Prostatakrebs besteht und die Symptome darauf hindeuten. Dann bezahlen die Kassen den transrektalen Ultraschall genauso wie den PSA-Test.

Der Igel-Monitor bewertet die Ultraschalluntersuchung als „tendenziell negativ“. Das sind Experten, die im des Medizinische Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen individuelle Gesundheitsleistungen bewerten. Der Schaden der Untersuchung wiege geringfügig schwerer als ihr Nutzen, so ihr Fazit. Es seien keine Studien gefunden worden, die den Nutzen und Schaden des transrektalen Ultraschall für eine Früherkennung untersucht haben. Aus anderen Studien könne man jedoch indirekt schließen, dass ein Nutzen auch nicht wahrscheinlich sei – Schäden seien es dagegen schon. Als die größten Schäden gelten die Nebenwirkungen, die unnötige Behandlungen mit sich bringen. Auch die Autoren der Prostatakrebs-Leitlinie schreiben: „Für die Früherkennung eines Prostatakarzinoms sind bildgebende Verfahren als primäre Untersuchung nicht geeignet.“

Als IGeL kostet ein transrektaler Ultraschall in der Regel zwischen 20 und 60 Euro.

Quellen