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Prostatavergrößerung: Transurethrale Resektion der Prostata (TURP)

19. Mai 2021 | von Ingrid Müller

TURP ist nach wie vor der Standard in der Behandlung der Prostatavergrößerung. Alle Infos über den Ablauf, die Dauer, Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen der TURP. Außerdem: Welche Varianten dieser Prostata-Op es gibt.

Was ist TURP?

Die Abkürzung „TURP“ steht für "Transurethrale Resektion der Prostata". Ärztinnen und Ärzte  setzen die Methode schon seit vielen Jahrzehnten bei Männern mit einer gutartigen Prostatavergrößerung - der benignen Prostatahyperplasie (BPH) - ein. Die TURP gilt nach wie vor als Standard, um eine vergrößerte Prostata zu behandeln.

Dabei tragen sie das überschüssige Prostatagewebe, das zu den Problemen beim Wasserlassen führt, mit Hilfe einer Drahtschlinge und hochfrequentem Strom ab. Die TURP zählt zu den minimal-invasiven Eingriffen, den Ärzte über die Harnröhre („trans" = über, "urethra = Harnröhre“) vornehmen. Solche Eingriffe sind auch unter dem Begriff „Schlüssellochchirurgie" bekannt. Ein großer Bauchschnitt wie bei anderen Operationen ist also nicht notwendig.

Minimal-invasive Eingriffe haben ganz allgemein den Vorteil, dass es weniger Komplikationen gibt, die Heilung schneller stattfindet und Sie rascher wieder fit für den Alltag und Beruf sind. Den Eingriff müssen Sie stationär in einer Klinik durchführen lassen.

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TURP: Ablauf und Dauer

Besprechen Sie den chirurgischen Eingriff ausführlich mit Ihrem behandelnden Arzt oder der Ärztin. Lassen Sie sich alle Schritte gut erklären und fragen Sie nach, falls Sie etwas nicht verstanden haben. Informieren Sie sich auch über die Vor- und Nachteile sowie mögliche Alternativen. Sagen Sie Ihrem Arzt auch, ob und welche Medikamente Sie einnehmen. Manche Arzneimittel müssen Sie einige Tage vor der TURP absetzen. 

Der Ablauf der TURP lässt sich so beschreiben:

  • Sie erhalten entweder eine regionale Narkose (Spinalanästhesie) oder eine Vollnarkose.
  • Bei der TURP kommt ein sogenanntes Resektoskop  zum Einsatz- ein spezielles Endoskop, das sich für minimal-invasive Eingriffe eignet.
  • Dieses Instrument – ein kleines Röhrchen - ist mit einer winzigen Kamera ausgestattet. Ärzte schieben es über die Harnröhre bis zur Prostata vor. Auf einem Monitor erhalten sie Bilder aus der Prostata. So lässt sich der Eingriff gut überwachen und steuern.
  • Das überschüssige tragen Chirurgen mit Hilfe einer Elektroschlinge ab und eröffnen so den Harnabfluss aus der Blase wieder. Blutungen aus den Gefäßen lassen sich gleichzeitig durch den Strom und das Erhitzen stillen.
  • Über das Rektoskop wird das entfernte Gewebe mit Hilfe einer Flüssigkeit nach außen gespült.
  • Die Dauer der TURP liegt bei ungefähr 90 Minuten.

 

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Nach einer TURP – Verhalten und Tipps

  • Nach der Op erhalten Sie einen Katheter, den Sie einige Tage lang tragen müssen. Über den Katheter gelangt der Urin aus der Harnblase nach draußen. Er verbleibt in der Harnröhre, bis die Wunde verheilt ist und Sie wieder selbstständig Wasserlassen können.
  • Die meisten Patienten können die Klinik nach zwei bis drei Tagen wieder verlassen, manchmal dauert es auch einige Tage länger.
  • Nach der Prostata-Op müssen Sie sich einige Wochen körperlich schonen. Sie sollten zum Beispiel keinen Leistungssport betreiben.

 

TURP: Wirksamkeit und Nebenwirkungen

Die TURP kann die Beschwerden beim Wasserlassen dauerhaft lindern – dies ist wissenschaftlich in vielen Studien nachgewiesen. Einige Zahlen dazu:

  • Ungefähr 75 von 100 Männern haben neun Monate nach der TURP nur noch leichte Beschwerden mit ihrer Prostata. Sie müssen nachts nur noch einmal oder überhaupt nicht mehr zur Toilette.
  • Den anderen 25 Männern hilft die TURP meist auch, aber etwas weniger als den anderen.

Die TURP kann auch einige Nebenwirkungen haben, die aber meist nur vorübergehend sind und sich innerhalb einiger Wochen wieder bessern. Die wichtigsten Folgen und Komplikationen sind:

  • Trockener Samenerguss (retrograde Ejakulation) – dies ist die häufigste Nebenwirkung einer TURP. Dabei gelangt die Samenflüssigkeit während der Ejakulation nicht oder kaum über die Harnröhre nach außen, sondern in die Harnblase. Mit dem Urin scheidet der Körper das Sperma dann aus. Die Ursache ist eine Verletzung jener Muskeln während der Prostata-Op, die normalerweise den Ausgang der Blase verschließen. Ein trockener Samenerguss nach der TURP betrifft etwa 65 von 100 Männern. Er schmälert zwar nicht das Gefühl beim Orgasmus, vermindert aber die Fruchtbarkeit.
  • Blutungen: Nach dem Eingriff kann manchmal Blut im Urin sichtbar sein.
  • Auch ein verstärkter Harndrang nach der TURP ist möglich.
  • Daneben haben manche Männer Schmerzen nach dem Wasserlassen.
  • Harnwegsinfektionen können vorkommen, wenn Bakterien in den Harntrakt gelangen und sich dort vermehren.
  • Inkontinenz – in der Regel nur vorübergehend
  • Verengung der Harnröhre – ebenfalls eine seltene Nebenwirkung
  • Erektionsstörungen sind zwar selten, können aber vorkommen. Meist sind sie nur vorübergehend und nicht von Dauer.
  • Selten, aber nicht ganz ungefährlich, ist das sogenannte TUR-Syndrom mit Übelkeit, Erbrechen oder Verwirrtheit. Es entsteht, wenn die Spülflüssigkeit, mit der Ärzte das entfernte Prostatagewebe nach draußen befördern, versehentlich in den Blutkreislauf gelangt. Wenn Ärzte es schnell behandeln, hat es keine ernsthaften Folgen. Das TUR-Syndrom wurde in Studien bei etwa zwei bis drei von 100 Männern beobachtet.

 

Zusammengefasst: Die TURP ist sehr wirksam. Sie ruft meist keine langfristigen und dauerhaften Folgen und Komplikationen hervor. 

Nach der TURP – Tipps für den Alltag

Es gibt einige Maßnahmen, die Ihnen in den ersten Wochen nach einer TURP im Alltag helfen können. Einige Beispiele:

  • Trinken Sie viel, um die Blase zu spülen und die Wundheilung zu fördern. Empfohlen sind ein bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag. Gut sind kalorienarme Getränke wie Wasser, ungesüßte Tees oder Fruchtsaftschorlen. Seien Sie sparsam mit Alkohol und kalorienreichen Getränken wie Limonade, Cola, Energiedrinks oder Fruchtnektaren.
  • Heben Sie keine schweren Lasten, etwa Baumaterialien fürs Haus oder den Garten oder schwere Einkaufstüten.
  • Treiben Sie keinen Leistungssport und wenn Sie Sport machen – er sollte nicht zu anstrengend und körperlich belastend sein. Auch auf das Fahrradfahren sollten Sie zunächst verzichten, denn Sie üben dabei Druck auf die Prostata aus. Gegen ausreichende Bewegung im Alltag und maßvollen Sport wie einen strammen Spaziergang, Wandern oder Nordic Walking ist aber nichts einzuwenden.
  • Verzichten Sie in den ersten Wochen auf die Sauna, das Thermalbad und Vollbäder (duschen können Sie).
  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, um eine Verstopfung zu vermeiden. Wählen Sie viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Kichererbsen oder Bohnen – sie sind besonders ballaststoffreich.
  • Und: Verzichten Sie in den ersten zwei bis drei Wochen nach der TURP auf Geschlechtsverkehr.

 

TURP: Wer trägt die Kosten?

Die TURP ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Sie übernehmen die Kosten für die Prostata-Op. Auch die privaten Krankenversicherungen bezahlen den Eingriff bei einer Prostatavergrößerungen. Die Wirksamkeit der TURP ist wissenschaftlich in vielen Studien gut belegt. Besprechen Sie die Kostenübernahmen immer vor der Op mit Ihrem Arzt oder der Ärztin sowie mit Ihrer Krankenkasse.

TURP – Weiterentwicklungen und Varianten 

Inzwischen gibt es einige Varianten der klassischen TURP, die vergleichbare Ergebnisse erzielen und ebenso bei der Behandlung der Prostatavergrößerung zum Einsatz kommen. Dabei entfernen Chirurgen auch das überschüssige Gewebe, aber mit jeweils anderen Instrumenten und Methoden. Einige Beispiele für Alternativen zur TURP: 

  • Transurethrale Elektrovaporisation der Prostata (TUEVP): Dabei verdampfen Ärzte das wuchernde Prostatagewebe mit Hilfe von elektrischer Energie. Genutzt wird dabei die Wärmewirkung des elektrischen Stroms. Der Operateur arbeitet mit eine speziellen Elektrode (Pilzelektrode), um die sich ein Plasmakegel bildet. Dieser bewirkt, dass das überschüssige Gewebe verdampft (vaporisiert). Die TUEVP soll das Risiko für Blutungen gering halten
  • Transurethrale Vaporesektion (TUVRP): Die Operateurin entfernt zunächst das Prostatagewebe mit einer Elektroschlinge und verdampft es dann. So soll die Gefahr für Blutungen möglichst gering sein.
  • Photoselektive Vaporisation der Prostata (PVP) – dabei kommt ein besonderer Laser zum Einsatz, mit der Ärzte das Prostatagewebe verdampfen.

 

Quellen: