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Prostatakrebs und Erektile Dysfunktion - das hilft!

13. August 2018 | von Ingrid Müller

Die Erektile Dysfunktion trifft viele Männer mit Prostatakrebs. Lesen Sie, welche Therapiemöglichkeiten es bei Impotenz gibt und wie Sie Ihr Sexualleben wieder zurückgewinnen!

Die Erektile Dysfunktion – umgangssprachlich Impotenz – ist eines der häufigsten Probleme, mit denen Männer nach einer Prostatakrebserkrankung zu kämpfen haben. Sie kratzt nicht nur am männlichen Selbstverständnis, sondern beeinflusst meist auch die Partnerschaft, Sexualität und die Lebensqualität erheblich. Vor allem nach einer Operation, der radikalen Prostatektomie, sind Erektionsstörungen keine Seltenheit. 

Denn so erfahren ein Chirurg auch ist: Es besteht die Gefahr, dass er bei der Operation Nerven und Blutgefäße verletzt, die für eine normale Erektion wichtig sind. Daneben kann sich nach einer Operation der Penis verkürzen. Und die Strahlentherapie schwächt die Potenz oft ebenfalls.

Experten-Interview

"Wir müssen die Sexualfunktion stärker in den Fokus rücken", fordert der Urologe Dr. Jost von Hardenberg.

Erektile Dysfunktion: Behandlungen bei Prostatakrebs schwächen die Potenz

Seit der Einführung der nervenschonenden Prostatektomie gibt es zwar deutliche Verbesserungen, was die Erektile Dysfunktion angeht: Von zuvor nahezu 100 Prozent ließ sich die Rate dieser Nebenwirkung auf etwa 19 bis 40 Prozent senken. Trotzdem bleibt die Impotenz nach einer Krebsoperation für viele Männer und ihre Partnerschaft ein Problem. 

Manchmal dauert es Wochen oder Monate, bis eine Erektion wieder möglich ist und Mann sie ausreichend lange aufrechterhalten kann. Auch die Strahlentherapie kann der Potenz zusetzen. Und eine Hormonentzugsbehandlung bedeutet manchmal, dass das Interesse am Sex und die Lust nachlassen.

Eine Erektionsschwäche müssen Sie nicht einfach so hinnehmen! Aber:

  • Probieren Sie nicht einfach Potenzmittel oder andere Hilfsmittel im stillen Kämmerchen aus!
  • Lassen Sie sich immer ausführlich von Ihrem Urologen oder von Fachleuten in der Rehabilitation beraten.
  • Trauen Sie sich, die Erektile Dysfunktion zu thematisieren – auch in Ihrer Partnerschaft.

 

Es gibt heute verschiedene Therapiestrategien, um Männern wieder ein möglichst normales Sexualleben zu ermöglichen. Oft kombinieren Ärzte sie miteinander.

Medikamente: PDE-5-Hemmer gegen Erektile Dysfunktion

Eine Erektile Dysfunktion lässt sich mit Medikamenten behandeln. Ärzte setzen sogenannte PDE-5-Hemmer in niedrigen Dosierungen ein. Sie heißen auch Phosphodiesterase-5-Hemmer oder PDE-5-Inhibitoren. Die Medikamente erweitern die Gefäße im Penis, indem sie die Arbeit eines bestimmten Enzyms blockieren, der Phosophodiesterase‑5. So sorgen die Arzneien dafür, dass vermehrt Blut in die Schwellkörper des Penis strömt beziehungsweise es weniger schnell abfließt. Männer erreichen schneller eine Erektion und können diese länger aufrechterhalten.

PDE-5-Hemmer sind jedoch unwirksam, wenn die Nervenbündel im Penis bei der Operation vollständig durchtrennt wurden. Die Nerven müssen also noch in Takt sein. PDE-5-Hemmer sind übrigens keine Lustpillen, wie viele glauben. Sie kurbeln nicht die sexuelle Erregung an. Wenn Sie emotional nichts empfinden, können die Medikamente auch nichts ausrichten.

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Bekannte Wirkstoffe aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer sind Sildenafil, Vardenafil, Avanafil oder Tadalafil. Untersuchungen zeigen, dass 74 Prozent der Männer die Therapie mit einem PDE-5-Hemmer anderen Behandlungen bei Erektiler Dysfunktion vorziehen. In vielen Fällen lässt sich die Erektionsfähigkeit so wieder verbessern.

Zu beachten ist jedoch, dass PDE-5-Hemmer einige unerwünschte Wirkungen auf das Herz und den Kreislauf haben. Vor allem ältere Herren sollten diese im Blick haben und die Vorteile und Risiken gemeinsam mit Ihrem Arzt gut gegeneinander abwägen.

Bezahlt die Krankenkasse die Medikamente?

Ein Wermutstropfen für betroffene Männer ist: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zwar die Kosten für Untersuchungen und Test, die zur Diagnose der Erektilen Dysfunktion nötig sind. Aber seit dem Jahr 2004 stufen die Kassen Medikamente gegen Erektile Dysfunktion als „Lifestyle-Medikamente“ ein. Das heißt: Sie übernehmen die Kosten dafür nicht. Männer müssen die Arzneien also selbst bezahlen. Bei den privaten Krankenversicherungen hängt es von Ihrem Vertrag ab, ob diese dafür aufkommen. Fragen Sie also vorher immer nach, damit Sie nicht auf den Kosten sitzenbleiben.

SKAT und MUSE bei Erektiler Dysfunktion

Es gibt noch zwei weitere Möglichkeiten, wie Sie die Erektile Dysfunktion medikamentös behandeln: SKAT und MUSE. Beide funktionieren über den körpereigenen Botenstoff Alprostadil (Prostaglandin E1). Dieser sorgt dafür, dass die Muskelzellen in den Penisarterien erschlaffen, sich die Gefäße erweitern und Blut in den Penis einströmt.

Was ist SKAT?

SKAT ist die Abkürzung für Schwellkörper-Autoinjektionstherapie. Mit Hilfe einer dünnen Nadel injizieren Sie sich den Wirkstoff Alprostadil selbst in den Schwellkörper. Vielleich kostet Sie das zunächst Überwindung, aber mit ein wenig Übung ist dies für die meisten Männer kein Problem mehr. Nach etwa 10 bis 20 Minuten tritt die Erektion ein, die nicht länger als eine Stunde anhalten sollte.

Was bedeutet MUSE?

Das Kürzel MUSE steht für „Medikamentöses Urethrales System zur Erektion“. Dabei führen Sie ein Stäbchen mit Hilfe eines Applikators in die Harnröhre ein. Durch leichtes Massieren löst sich das Medikament vor Ort auf, gelangt und die Schwellkörper und erzeugt einige Minuten später eine Erektion.

Lassen Sie sich beide Techniken von Ihrem Arzt zeigen. Er legt gemeinsam mit Ihnen die individuelle Dosis fest. Denn: Eine Nebenwirkung von SKAT und MUSE sind schmerzhafte Dauererektionen, wenn Sie das Medikament zu hoch dosieren. Sie müssen sofort einen Arzt aufsuchen, der ein „Gegenmittel“ in die Schwellkörper einbringt und die Erektion stoppt. Der größte Pluspunkt von SKAT und MUSE ist, dass beide Methoden auch bei geschädigten oder durchtrennten Nerven funktionieren.

Sind MUSE und SKAT eine Kassenleistung?

Wie auch bei den PDE-5-Hemmer bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die SKAT und MUSE als medikamentöse Behandlung nicht. Bei privaten Krankenversicherungen lohnt es sich aber nachzufragen.

Mechanische Erektionshilfen: Vakuumpumpe und Penisring

Für Männer, die keine Medikamente einnehmen möchten oder dürfen, sind Vakuumerektionshilfen eine gute Möglichkeit. Sie zählen zu den ältesten Methoden bei Erektiler Dysfunktion. Dabei schieben Sie den Penis in einen Plastikzylinder, erzeugen mit Hilfe einer Vakuumpumpe einen Unterdruck und saugen so Blut in den Penis. Um die Wurzel des Penis legen Sie danach einen Penisring. Dieser „staut“ das Blut im Penis und sorgt dafür, dass es nicht so schnell abfließt und der Penis wieder erschlafft.

Tipps:

  • Wählen Sie den Ring anfangs nicht zu klein, sonst kann die Anwendung schmerzen. Experimentieren Sie mit verschiedenen Größen.
  • Nach spätestens 30 Minuten entfernen Sie den Penisring wieder, damit die Schwellkörper wieder normal durchblutet werden.

Manche Männer empfinden die Vakuumpumpe jedoch als „sperrig“, umständlich in der Handhabung und wenig lustfördernd. Der Vorteil ist jedoch, dass sie besonders nebenwirkungsarm ist. Sie eignet sich zum Beispiel, wenn Paare gut vertraut miteinander sind.

Bezahlen die Krankenkassen mechanische Erektionshilfen?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die mechanischen Erektionshilfen.

Erektile Dysfunktion – kann ein Beckenbodentraining helfen?

Das Beckenbodentraining im Rahmen der Physiotherapie ist bei Erektiler Dysfunktion auf jeden Fall einen Versuch wert. In Studien erbrachte es gute Erfolge, weshalb auch die Leitlinien zu Prostatakrebs das physiotherapeutische Training gegen die Erektile Dysfunktion in Kombination mit anderen Behandlungen empfehlen.

Beckenbodentraining

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Die Beckenbodenmuskulatur ist äußerst wichtig, um eine Erektion entstehen zu lassen und diese aufrechtzuerhalten. Beteiligt sind vor allem der Musculus ischiocavernosus und der Musculus bulbospongiosus. Beide sind wichtige Mitspieler, um den schnellen Blutabfluss aus den Schwellkörpern zu verhindern und in diesen einen ausreichend hohen Druck zu erzeugen.

Tipps:

  • Am besten erlernen Sie das Beckenbodentraining unter der Anleitung eines Physiotherapeuten, damit Sie die Übungen anschließend auch richtig ausführen. Denn vermutlich wissen Sie – wie wohl die meisten Männer – nicht, wo diese Muskeln überhaupt liegen!
  • Versuchen Sie zunächst, ein Gefühl für diese Muskeln bekommen und lernen Sie, diese gezielt anzuspannen.
  • Wenn Sie die Übungen jedoch beherrschen, können Sie das Beckenbodentraining überall durchführen – zu Hause, im Büro am Schreibtisch oder in der U‑Bahn!

Zahlt die Krankenkasse das Beckenbodentraining?

Fragen Sie auf jeden Fall bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse nach. Manche beteiligen sich an den Kosten und gewähren einen Zuschuss.

Schwellkörperimplantate (Penisprothesen) sind nicht mehr erste Wahl

Schwellkörperimplantate bedeuten einen operativen Eingriff, bei dem ein Chirurg die Schwellkörper durch künstliche Prothesen ersetzt. Solche Penisprothesen sind die letzte Möglichkeit bei Erektiler Dysfunktion. Da heute andere, wirksamere Behandlungsmöglichkeiten bei Erektiler Dysfunktion zur Verfügung stehen, haben Schwellkörperimplantate an Bedeutung eingebüßt.

Sie kommen nur in Frage, wenn die Schwellkörper geschädigt sind und Medikamente oder andere Behandlungen nicht (mehr) möglich sind. Es gibt zwei verschiedenen Modelle: Hydraulisch aufpumpbare Implantate und biegsame Stabprothesen aus Silikon. Zu beachten ist, dass jede Operation wiederum Risiken birgt und Nebenwirkungen verursachen kann.

Sind Penisprothesen eine Kassenleistung?

Die Kosten für ein Schwellkörperimplantat übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Erektile Dysfunktion – wie hilft Ihr Lebensstil?

Sie können auch selbst einiges tun, um gegen die Erektile Dysfunktion vorzugehen. Und dabei zählt ein gesunder Lebensstil! Denn dieser beugt der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) vor, die auch die Gefäße im Penis betrifft.

  • Bewegen Sie sich regelmäßig und seien Sie körperlich aktiv! Gut sind 30 Minuten pro Tag, am besten an allen Tagen der Woche. Suchen Sie sich eine Sportart, die Ihnen wirklich Spaß macht. Ratsam sind Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren, Wandern, Schwimmen oder Nordic Walking.
  • Ernähren Sie sich gesund und augewogen: Viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, pflanzliche statt tierischer Fette, mehr Fisch als Fleisch und Wurst, kalorienarme Getränke und möglichst wenig Alkohol.
  • Übergewicht abbauen: Versuchen Sie einige überflüssige Pfunde loszuwerden, wenn Sie zu viel wiegen. Das gelingt am besten mit einer gesunden Ernährung und Sport!
  • Rauchen Sie nicht und wenn Sie Raucher sind: Versuchen Sie es aufzuhören!
  • Stress weg! Sorgen Sie für mehr Entspannung in Beruf und Alltag und nehmen Sie sich immer wieder Auszeiten! Am besten erlernen Sie eine Entspannungsmethode wie Progressive Muskelentspannung nach Jabobson, Autogenes Training oder Yoga.

 

Yoga

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Tipps bei Erektiler Dysfunktion

Für welche Behandlung Sie sich auch immer bei Erektiler Dysfunktion entscheiden – hier finden Sie einige allgemeine Tipps!

  • Informieren Sie sich umfassend über die Behandlungsmöglichkeiten und lassen Sie sich von einem Arzt beraten! Beziehen Sie auch Ihren Partner mit ins Gespräch ein. Dann entscheiden Sie gemeinsam nach Ihren Vorlieben. Wichtig ist, dass die Behandlung zu Ihnen passt!
  • Manchmal brauchen Sie ein wenig Geduld, um mit den einzelnen Methoden bei Erektiler Dysfunktion gut klarzukommen. Werfen Sie nicht sofort die Flinte ins Korn und geben Sie auf, wenn etwas nicht sofort klappt – Übung macht manchmal den Meister.
  • Lassen Sie sich Zeit und setzen Sie sich nicht unter Druck – bei Erektiler Dysfunktion ist Stress kontraproduktiv!
  • Manchmal erholen sich die Nerven auch nach einer gewissen Zeit wieder. Auch hier kann sich Geduld lohnen.
  • Reden Sie mit Ihrem Partner über die Erektile Dysfunktion. Oft machen es Offenheit und Ehrlichkeit leichter und wirken sich sogar positiv auf die Partnerschaft aus!
  • Kaufen Sie keine vermeintlichen Potenzpillen aus zweifelhaften Quellen im Internet. Sie enthalten oft nicht das, was sie versprechen. Im besten Fall sind die Wirkstoffe in niedrigerer Dosierung enthalten, im schlimmsten Fall sind gesundheitlich schädliche Stoffe beigemengt.

 

Selbsthilfe bei Erektiler Dysfunktion - Adressen und Infos

 

Quellen

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, April 2018
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 13.8.2018)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum: Ratgeber „Männliche Sexualität und Krebs“ https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/krebspatient-sexualitaet.pdf
  • Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz), https://www.impotenz-selbsthilfe.de (Abruf: 13.8.2018)