Prostatakrebs: Wie stellt der Pathologe den Befund?

01. Mai 2018 | von Ingrid Müller

Erfahren Sie im Video-Interview, was der Pathologe unter dem Mikroskop sieht und welche Schlüsse er daraus ziehen kann.

Auf den Befund aus der Pathologie warten Urologen und Patienten meist mit großer Nervosität und Anspannung. Wir haben für Sie in der Würzburger Pathologie gedreht! Erfahren Sie, wie ein Pathologe den Befund genau erstellt.

Worauf achtet der Pathologe beim Befund?

Bei der Erstellung des pathologischen Befunds der Prostata sind drei Dinge wichtig, erklärt der Würzburger Pathologe Prof. Andreas Rosenwald:

  1. Zunächst geht es darum, dem Krebs einen Namen zu geben. Das sei bei Prostatakrebs nicht so schwierig, da es sich in der Regel um ein sogenanntes Adenokarzinom handelt – also einen Tumor, der seinen Ausgang von Drüsengewebe nimmt.
  2. Außerdem bestimmt der Pathologe die Ausdehnung des Tumors in dem Präparat – also der Prostata. Er stellt fest, ob der Tumor bereits eine Metastase (Tochtergeschwulst) gebildet hat, beispielsweise in einem Lymphknoten. Oft entfernen Chirurgen während der radikalen Prostatektomie zusätzlich zur Prostata einige Lymphknoten aus dem umliegenden Bereich. Außerdem untersucht der Pathologe, wie aggressiv der Prostatakrebs ist.
  3. Abschließend macht sich der Pathologe ein Bild davon, ob der Chirurg den Tumor bei der Operation komplett entfernt hat. „Das sind genau die Fragen, die unsere klinischen Kolleginnen und Kollegen beantwortet haben möchten“, erklärt Rosenwald.

Prostata unter dem Mikroskop

Werfen Sie im Video einen Blick hinter die Kulissen der Pathologie! Erfahren Sie, was dort mit der Prostata passiert.

Befund: zwei bis vier Tage Nervenanspannung

Für einen Befund mit sämtlichen Informationen und Charakteristika des Krebses benötigt der Pathologe etwa zwei bis vier Werktage. Dann hat er eine Art „Fingerabdruck des Tumors“ erstellt mit Informationen zu:

  • Tumorart
  • Größe
  • Stadium und Ausdehnung
  • Aggressivität
  • Vorhandensein von Metastasen
  • komplette Entfernung des Krebses: Im Randsaum des Präparates dürfen keine Krebszellen mehr nachweisbar sein. Ärzte sagen dazu auch, der Krebs wurde „im Gesunden entfernt“.

Enge Absprache mit dem Urologen beim Befund

Hat der Pathologe Schwierigkeiten beim Befund, hält er immer Rücksprache mit dem Urologen, der den Patienten operiert hat. Gemeinsam diskutieren sie offene Fragen und erstellen schließlich gemeinsam einen Befund. Auch im Rahmen der  Tumorkonferenzen kommen problematische Fälle zur Besprechung auf den Tisch. Hier treffen sich Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, um Patienten individuell die Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen.