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Yoga bei Krebs - so hilft es!

15. Juli 2019 | von Ingrid Müller

Yoga besitzt viele positive Wirkungen auf Körper, Geist und Seele. Auch Krebspatienten profitieren. Die besten Tipps fürs Yoga – auch für Anfänger!

Yoga liegt im Trend, nicht nur bei Frauen, sondern zunehmen auch bei Männern. Es gibt unzählige Yoga-Arten, die Anhänger praktizieren: vom sanfteren Hatha- und Kundalini-Yoga bis hin zu sportlichen Power Yoga-Arten, bei denen akrobatischere Fähigkeiten gefragt sind, zum Beispiel Asthanga oder Yivamukti. Yoga ist eine etwa 5.000 Jahre alte Lehre, die ihren Ursprung in Indien hat. Sie nutzt Meditation, körperliche Übungen und Atemtechniken, um den menschlichen Geist, Körper und die Seele in Einklang zu bringen. Es setzt eine Vielzahl an Figuren und Bewegungen ein, die oft der Natur nachempfunden sind.

Yoga-Interview

Die Kölner Yoga-Lehrerin Gaby Kammler erzählt im Interview, warum Yoga kein fernöstlicher Hokuspokus ist Männer in der Yoga-Stunde noch rar sind.

Das ursprüngliche Yoga ist eine Philosophie, keine Sportart. So hat es auch mit sportlichen Verrenkungen oder spektakulären Posen, die rein auf das Training von Muskeln und körperliche Fitness abzielen, nicht viel zu tun. Dass Yoga dem Körper, Geist und der Seele gut tut, ist schon länger bekannt. Es unterstützt Sie dabei, gesund zu bleiben, Krankheiten vorzubeugen, aber auch gesundheitliche Probleme besser zu meistern und sich schneller zu erholen.

Allgemein werden Yoga folgende Wirkungen nachgesagt:

  • Körper: Blutdruck, Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur und Stoffwechsel verbessern sich. Zudem profitieren die Kraft, Beweglichkeit, Knochen- sowie Herz-Kreislauf-Gesundheit. Auch Schmerzen sollen abnehmen.
  • Geist und Seele: Yoga kann das Wohlgefühl verbessern, Stress senken und zu mehr Entspannung beitragen. Auch die Schmerzbewältigung gelingt vielen besser. Und einige berichten, dass es ihre Lebensqualität erhöht.

 

29 Yoga-Studien unter der Lupe

Aber auch Krebspatienten kann Yoga helfen, wie Forscher der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem jetzt in einer neuen Studie bestätigten. Es lindert viele Beschwerden aufgrund der Krebskrankheit und der Therapien. Immer mehr Ärzte setzen das sanfte Training inzwischen als ergänzende (komplementäre) Behandlung der Symptome in der Krebstherapie ein. Es ersetzt dabei keine schulmedizinische Behandlung, sondern begleitet sie nur.

Yoga-Videos

Wie Sie mit Yoga Ihr Immunsystem und die Muskelkraft stärken und eine Fatigue vertreiben - alle Yoga-Videos finden Sie hier >>

Die Studienautoren um Dr. Suzanne Danhauer wollten wissen, welche Vorteile das Yoga für Krebspatienten hat, aber auch welche Risiken und Grenzen es birgt. Dafür analysierten sie insgesamt 29 Studien, die sich mit seiner Wirkung bei Krebspatienten befassten. In 13 Studien praktizierten die Probanden Yoga während der Krebshandlung, in zwölf Untersuchungen nach den Therapien und bei vier Studien sowohl während der Behandlungen als auch danach. Die Arten und Dauer der Trainings waren in den Studien verschieden. Diese „Yoga-Gruppe“ verglichen sie mit Krebspatienten, die andere Sportarten betrieben, auf einer Warteliste für einen Kurs standen oder nur die Standardtherapie erhielten.

Yoga bei Krebs: mehr Wohlgefühl, weniger Stress und Fatigue

Die Ergebnisse fielen in dem meisten Studien positiv aus, unabhängig davon, ob die Krebspatienten Yoga während oder nach der Krebsbehandlung absolvierten:

Symptome, die sich durch Yoga bessern

  • Die Lebensqualität verbesserte sich: Das emotionale, körperliche, spirituelle, soziale und kognitive Wohlbefinden stieg.
  • Die chronische Erschöpfung „Fatigue“ nahm ab. Sie ist einer der häufigsten Begleiter der Krebserkrankung und ‑behandlung.
  • Der Stress sank: Patienten fühlten sich entspannter.
  • Schlafstörungen nach der Behandlung traten seltener auf.
  • Kognitive Beeinträchtigungen, wie sie einige Krebspatienten nach einer Chemotherapie erleben, nahmen ab.
  • Einige Blutwerte wurden positiv beeinflusst: Stresshormone (Cortisol) und Entzündungsbotenstoffe (Cytokine).
  • Auch das Immunsystem wurde schlagkräftiger und seine Funktion verbesserte sich.

 

Unterschiedliche Ergebnisse fanden die Forscher beim Einfluss des Yoga auf Ängste, Depressionen, Schmerzen, Lebenszufriedenheit oder krebsspezifische Symptome wie das Lymphödem nach der Entfernung von Lymphknoten. In keiner Studie ließen sich unerwünschte Nebenwirkungen nachweisen.

Zwar litt die Mehrheit der Probanden in dieser Studie unter Brustkrebs, aber auch bei Prostatakrebs und anderen Tumorarten scheint Yoga vielfältige positive Wirkung auf den Körper, die Seele und den Geist zu zeigen. Das haben frühere Studien nahegelegt. Einen Versuch ist es also sicher wert, auch wenn es eine Krebserkrankung nicht heilen oder ihr vorbeugen kann. Das Fazit der Forscher: Weil Yoga sicher sei, erkennbar Vorteile habe und kostengünstig sei, sollten Ärzte ihre Patienten dazu ermuntern.

 

Yoga erlernen – so geht’s!

Yoga müssen Sie erlernen, wie andere Sportarten auch. Und Sie brauchen ein wenig Übung, bis Sie alle Figuren richtig beherrschen. Einige Tipps für Anfänger:

  • Suchen Sich einen qualifizierten Yoga-Lehrer, der im Idealfall schon Erfahrung mit Krebspatienten hat. Viele Volkshochschulen und Sportvereine bieten mittlerweile Kurse an. Sie können es in Gruppen, aber auch mit einem privaten Lehrer erlernen. Ein Training dauert normalerweise 60 bis 90 Minuten.
  • Erlernen Sie das Yoga nicht auf eigene Faust, zum Beispiel anhand von Büchern oder Videos im Internet. Sonst führen Sie die Übungen anschließend vielleicht nicht korrekt aus oder können sich dabei verletzen. Erst wenn Sie alle Praktiken gut beherrschen, können Sie auch alleine üben – zuhause, unterwegs oder im Urlaub am Strand.
  • Suchen Sie sich eine Yoga-Art aus, die zu Ihnen passt und die nicht zu anstrengend für Sie ist. Besonders akrobatische und sportlich intensive Formen sind für Krebspatienten eher nicht ratsam. Besser sind unkomplizierte Figuren, bei denen Sie sich nicht verrenken müssen, in Kombination mit ruhige Atemtechniken und Entspannungsphasen am Schluss.
  • Gehen Sie das das Training nicht mit zu viel Ehrgeiz an und überfordern Sie sich nicht – es geht nicht um sportlichen Wettbewerb. Es braucht einige Zeit, bis Ihnen die Figuren und Atemtechniken in Fleisch und Blut übergegangen sind und Sie diese mühelos ausführen können.

 

Einige Tipps fürs Yoga

  • Besorgen Sie sich eine rutschfeste Yoga-Matte. Die meisten Sportgeschäfte und der Internetversandhandel bieten solche Matten an. Manche Lehrer stellen sie auch leihweise zur Verfügung.
  • Tragen Sie bequeme, dehnbare und atmungsaktive Kleidung. Diese sollte nicht kneifen und Ihre Bewegungen einschränken. Zudem sollte sich der Schweiß nicht stauen, denn Yoga wird Sie ins Schwitzen bringen.
  • Lassen Sie nach dem Essen mindestens zwei Stunden verstreichen, bevor Sie es praktizieren.
  • Suchen Sie sich einen Kurs – gemeinsam macht es mehr Spaß und Ihre Motivation bleibt hoch, wenn Sie Mitstreiter haben.
  • Sagen Sie Ihrem Lehrer zu Beginn, dass Sie Krebs haben (oder hatten). Das Gleiche gilt, wenn Sie weitere gesundheitliche Beschwerden und Einschränkungen haben. So kann er Übungen anpassen, Probleme schneller einordnen und im Notfall gut reagieren.
  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung, bleiben Sie mental präsent und schweifen Sie nicht in andere Gefilde oder die Zukunft ab. Denken Sie nicht darüber nach, was Sie nachher einkaufen müssen oder heute Abend kochen möchten. Die Konzentration auf das Hier und Jetzt, das Dasein im Moment, ist ein wichtiger Teil des Yoga.
  • Falls Ihnen eine Übung Schmerzen bereitet: Unterbrechen Sie das Yoga und geben Sie Ihrem Lehrer Bescheid.
  • Bevor es Ihnen Ihr Lehrer nicht gezeigt hat, wie es richtig geht: Verzichten Sie auf schwierige Figuren, zum Beispiel den Kopf- oder Schulterstand.
  • Auch wenn es nicht so aussieht: Yoga ist anstrengend! Trinken Sie daher nach jedem Kurs ausreichend Wasser! So füllen Sie Ihren Flüssigkeitshaushalt wieder auf, der über den Schweiß verloren geht.

Und zuletzt: Praktizieren Sie Yoga regelmäßig, denn Übung macht den Meister. Versuchen Sie, die Übungen in Ihren Tagesablauf zu intergrieren. Absolvieren Sie lieber kürzere Einheiten, dafür öfters pro Woche. Wenn Sie schon morgens mit dem Yoga beginnen, starten Sie vielleicht fitter, entspannter und besser gelaunt in den Tag.

Quellen

  • Danhauer SC et al. Yoga for symptom management in oncology: A review of the evidence base and future directions for research, Cancer, 1. April 2019 https://doi.org/10.1002/cncr.31979
  • Cancer Research UK, https://www.cancerresearchuk.org/about-cancer/cancer-in-general/treatment/complementary-alternative-therapies/individual-therapies/yoga (Abruf: 10.7.2019)
  • Canadian Cancer Society, http://www.cancer.ca/en/cancer-information/diagnosis-and-treatment/complementary-therapies/yoga/?region=on (Abruf: 10.7.2019)
  • Harvard Medical School, https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/yoga (Abruf: 10.7.2019)