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Operation bei Prostatakrebs: radikale Prostatektomie

11. März 2026 | von Ingrid Müller - Chefredakteurin, aktualisiert und medizinisch geprüft

Eine radikale Prostatektomie bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte die Prostata samt Prostatakrebs möglichst vollständig entfernen. Lesen Sie, für wen sich die Prostata-OP eignet, wie sie abläuft und welche Vor- und Nachteile sie hat.

Kurzüberblick

  • Was ist die radikale Prostatektomie? Eine Entfernung von Prostata, Samenleitern, Samenbläschen und innerem Blasenschließmuskel, manchmal auch Lymphknoten und weiteres Gewebe
  • Wann empfohlen? Bei lokal begrenztem Prostatakrebs mit intermediärem und hohem Risikoprofil, bei lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom; meist in Kombination mit weiteren Krebstherapien
  • Ablauf und Dauer: Erfahrung mit der Operation wichtig, unter Vollnarkose in einer Klinik, OP dauert meist mehrere Stunden, einige Tage bis zwei Wochen Krankenhausaufenthalt – je nach Gesundheitszustand
  • Verschiedene OP-Techniken – über den Bauch, den Damm, minimal-invasiv (Schlüssellochchirurgie), mit Unterstützung eines Roboters
  • Beste OP-Methode? Lässt sich nicht abschließend sagen, weil zu wenige Studien vorhanden sind.
  • Vorteile der Prostatektomie: verbessert Prognose und Heilungschancen – senkt Rückfallrisiko,  Gefahr für Fernmetastasen, Sterblichkeitsrisiko
  • Nachteile der Prostatektomie: Gefahr von Inkontinenz und Erektiler Dysfunktion, selbst bei nervenschonender OP
  • Prostata-OP: ja oder nein? Alle Vor- und Nachteile mit Fachleuten diskutieren, Zweitmeinung einholen, dann Shared Decision Making – gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Arzt oder der Ärztin
  • Alternativen zu OP: Aktive Überwachung, Strahlentherapie von außen, Bestrahlung von innen (Brachytherapie)

Was ist eine radikale Prostatektomie?

Die radikale Prostatektomie ist eine Behandlung bei einem lokal begrenzten oder lokal fortgeschrittenen Prostatakrebs (Prostatakarzinom), bei der die Prostata samt Tumor entfernt wird. Außerdem werden die Samenleiter, Samenbläschen und der innere Schließmuskel zwischen der Harnblase und Harnröhre heraus operiert. Manchmal werden zusätzlich naheliegende Lymphknoten entnommen (Lymphadenektomie), um die Ausbreitung der Krebszellen zu verhindern und die Gefahr für einen Rückfall (Rezidiv) zu senken.

In der Regel schließen sich an die radikale Prostatektomie noch weitere Krebsbehandlungen an, zum Beispiel eine Strahlentherapie, Brachytherapie oder Hormontherapie. Ärztinnen und Ärzte überlegen für jeden Mann individuell die bestmögliche Krebsbehandlung. Die radikale Prostataektomie bietet die Chance, dass der Prostatakrebs vollständig heilbar ist. Das heißt: Männer sind tumorfrei - am besten bis ihrem Lebensende.

Roboter als Assistent

Der Urologe Dr. Frank Schiefelbein erklärt im Interview, wie die OP mit einem Roboter funktioniert und welche Vorteile sie bringt.

Prostata Hilfe Deutschland: Illustrationsbild - High-Tech Operationssaal
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Wann ist die Prostatakrebs-OP empfohlen?

Diese Prostata-OP kommt für Männern lokal begrenztem oder lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs in Frage. Auch das besondere Risikoprofil des Tumors spielt bei der Entscheidung für oder gegen die Operation mit. 

Lokal begrenzt bedeutet, dass der bösartige Tumor noch auf die Prostata beschränkt ist. Er hat die Kapsel der Prostata noch nicht durchbrochen und auch nicht in benachbarte Lymphknoten oder weiter entfernte Organe und Gewebe gestreut. Es lassen sich keine (Fern)Metastasen nachweisen, zum Beispiel in den Knochen, in der Leber oder Lunge. Ob die Prostata-OP empfohlen ist, hängt jedoch von der Risikoeinstufung des Tumors ab. 

Bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des niedrigen Risikoprofils ist laut der neuen Leitlinie jetzt die Aktive Überwachung empfohlen, keine Prostata-OP.  Bei einem intermediären (mittleren), hohen oder sehr hohen Risikoprofil und einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren ist die radikale Prostatektomie ein wichtiges Therapieangebot. Meist werden zusätzlich mehrere Lymphknoten entfernt. Außerdem wird die OP mit weiteren Behandlungen kombiniert. 

Bei einem lokal fortgeschrittenen Prostatakrebs hat der Tumor die Kapsel schon durchbrochen und die Krebszellen sind ins umliegende Gewebe eingewandert. Fernmetastasen sind nicht nachweisbar. Im Rahmen der Prostatektomie werden die Prostata, Teile des angrenzenden Gewebes und mehrere entnommen. Auch hier folgen im Anschluss weitere Therapien wie  eine Strahlentherapie und Hormontherapie über einen gewissen Zeitraum. Ziel ist es, das Rückfallrisiko zu senken – also die Gefahr, dass der Prostatakrebs zurückkehrt (Rezidiv).

Wie läuft eine radikale Prostatektomie ab und wie lange dauert sie? 

Die radikale Prostatektomie sollten erfahrene Operateure oder Operateurinnen durchführen. Sie sollten ein entsprechendes Ausbildungsprogramm absolviert haben und eine Mindestzahl an Prostatektomien pro Jahr durchführen. In einem zertifizierten Prostatakrebszentrum oder Comprehensive Cancer Center (CCC) sind Sie in aller Regel in guten Händen. 

Lassen Sie sich alle Fakten rund um die Prostatektomie gut erklären. Wägen Sie auch die Vor- und Nachteile mit Ihrem Behandlungsteam ab und fragen Sie nach, ob und welche Alternativen es eventuell zur Operation der Prostata gibt.  

Die Prostata-OP findet stationär in einer Klinik unter Vollnarkose statt. Anschließend bleiben Sie einige Tage zur Erholung und Überwachung im Krankenhaus. Der Ablauf der Prostata-OP lässt sich ungefähr so beschreiben:

  • Während der OP liegen Sie auf dem Rücken – je nach Operationstechnik auch in der sogenannten Steinschnittlage, also mit gespreizten, nach oben abgewinkelten Beinen. Männer mit Hüft- oder Bandscheibenprobleme sollten dies ihrem Operationsteam vorab mitteilen.
  • Die Operation erfolgt heute oft mit der Unterstützung eines Roboters, der aber nicht selbstständig operiert. Vielmehr kann der Operateur oder die Operateurin den Eingriff zielgenau mit dem Roboter steuern. Er übersetzt die Bewegungen in noch feinere Aktionen.
  •  Die Frage, was bei einer radikalen Prostatektomie alles entfernt wird, lässt sich so beantworten: Die  gesamte Prostata samt ihrer Kapsel. Dazu kommen Samenleiter, Samenbläschen und der innere Schließmuskel zwischen der Harnblase und Harnröhre. Besteht der Verdacht, dass sich der Prostatakrebs schon weiter „auf den Weg gemacht“ hat, werden zusätzlich die Lymphknoten in der Nähe der Vorsteherdrüse entfernt. Diese werden im pathologischen Labor auf Krebszellen untersucht. 
  • Versucht wird immer, möglichst nervenschonend zu operieren, damit die Nerven und Blutgefäße auf beiden Seiten der Prostata erhalten bleiben. Sie sind für die Erektion und Kontinenz wichtig. 
  • Das Operationsteam durchtrennt zudem die Harnröhre, die mitten durch die Prostata verläuft. Die „losen“ Enden der Harnröhre verknüpft es später wieder miteinander.
  • Die Dauer der Prostata-OP beträgt meist mehrere Stunden
  • Nach der Operation erhalten Sie einen Blasenkatheter. Er bleibt, bis die Nähte zwischen der Harnblase und dem verbliebenen Teil der Harnröhre verheilt sind. So kann der Urin ohne Probleme abfließen. 
  • Im Anschluss werden Sie noch einige Stunden intensiv überwacht. Danach werden Sie auf die normale Station verlegt.
  • Sie müssen zumindest einige Tage, manchmal aber auch bis zu zwei Wochen in der Klinik bleiben. Wie lange der Klinikaufenthalt letztlich dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von  der gewählten Operationstechnik und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand.

 

Ziel der radikalen Prostatektomie ist es, möglichst alle Krebszellen zu beseitigen – die Ränder des herausgeschnittenen Gewebes dürfen keine Krebszellen mehr enthalten. Man sagt, der Tumor sei “im Gesunden” entfernt (R0). Ein Pathologe oder eine Pathologin prüft dies im Labor unter dem Mikroskop.

Besonders wichtig ist es für die meisten Männer, dass ihre Kontinenz und Erektionsfähigkeit erhalten bleibt. Denn diese leiden bei einer Prostatakrebsoperation besonders oft, wenn die dafür zuständigen Nerven verletzt werden. Nur erfahrene Operateure sollte die radikale Prostatektomie durchführen, damit das Risiko für eine Inkontinenz und Erektile Dysfunktion möglichst gering ist. Ganz vermeiden lassen sich diese Nebenwirkungen aber nicht. Sie gehören zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen der Prostata-OP.

Welche OP-Methoden gibt es für die Prostataentfernung?

Es gibt verschiedene Operationsverfahren und Zugangswege, über die der Arzt oder die Ärztin an die Prostata herankommt – die häufigsten Methoden mit ihren Vor- und Nachteilen.

Laparoskopische Prostatektomie

  • Zugang zur Prostata bekommen Ärztinnen und Ärzte über den Unterbauch, durch den sie kleine Werkzeuge einführen und bis zur Prostata vorschieben.
  • Die Laparoskopische Prostatektomie kommt ohne einen größeren Hautschnitt aus. Sie zählt zu den sogenannten minimal-invasiven Verfahren („Schlüssellochchirurgie“). Diese OP-Technik gilt als schonender, besitzt weniger Nebenwirkungen und Sie erholen sich schneller wieder von dem Eingriff. 

 

Roboterassistierte Laparoskopische Prostatektomie (RARP)

Ärztinnen und Ärzte setzen heute in vielen Kliniken Roboter als Unterstützung ein, um die Prostata zu entfernen. Die Vorstellung, dass Sie mit dem Roboter alleine sind und er Sie ohne Zutun eines Arztes operiert, ist aber falsch. Viele Prostatektomien finden heute unter Mithilfe eines Roboters statt. In den USA wird sogar fast nur noch durch die Mithilfe eines Roboters operiert. 

  • Der Zugang zur Prostata gelingt wiederum über den Unterbauch.
  • Der Roboter übersetzt die Bewegungen des Operateurs in noch feinere und filigranere Aktionen. Eingebürgert hat sich der Begriff „daVinci-Operation“. Ihren Namen verdankt sie dem am häufigsten eingesetzten Robotersystem.
    Beide laparoskopische Methoden bedeuten, dass der Blutverlust geringer ist und  Bluttransfusionen seltener notwendig sind. Im Vergleich zur retropubischen Prostatektomie benötigen Sie nach der Prostata-OP weniger Schmerzmittel, tragen den Katheter kürzer und bleiben auch weniger lange im Krankenhaus. Dafür dauert die Operation etwas länger.

 

OP mit Roboter

“Wir sind für jeden Millimeter verantwortlich”, erklärt der Tumorchirurg Prof. Philipp Nuhn im Video-Interview. 

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Radikale perineale Prostatektomie

  • Hier wird die Prostata über einen Schnitt im Damm (Perineum) zwischen dem Hoden und Darmausgang entfernt.
  • Die OP-Technik bedeutet weniger Verletzungen und einen geringeren Blutverlust als bei der retropubischen Variante.
  • Nachteile: Müssen zusätzlich Lymphnoten entfernt werden, ist ein weiterer Zugang über den Bauch notwendig. Außerdem besteht die Gefahr einer späteren Stuhlinkontinenz.

 

Retropubische radikale Prostatektomie

  • Über einen Bauchschnitt in der Nähe des Bauchnabels (offene OP) wird der Zugang zur Prostata geschaffen, das Bauchfell bleibt dabei unangetastet.
  • Die Lymphknoten lassen sich im gleichen Eingriff entfernen.
  • Diese OP-Methode ist ein offener Eingriff, der mit Komplikationen verbunden sein kann. Dazu gehören beispielsweise Blutergüsse, Wundinfektionen oder ein erhöhter Blutverlust. 

 

Welche OP-Technik ist bei der Prostatektomie ist am besten?

Keiner der operativen Zugangswege – offen, konventionell laparoskopisch, roboterassistiert-laparoskopisch – hat sich bisher bei den onkologischen oder funktionellen Ergebnissen als überlegen herausgestellt. Es lässt sich nicht abschließend bewerten, welches OP-Verfahren am besten abschneidet, wenn es um das Überleben, die Komplikationsraten, Inkontinenz und Impotenz geht. 

Zudem beeinflussen die Erfahrung und Expertise des Operateurs oder der Operateurin das Operationsergebnis maßgeblich. Und die Patienten selbst bringen ebenfalls oft Faktoren mit, etwa bestehende Krankheiten, welche die Wahl des Operationsverfahrens beeinflussen. Auch das Alter spielt dabei mit. Daher empfiehlt die Leitlinie „Prostatakarzinom“ keinen Zugangsweg als bevorzugte Option. 

Neuere Studien legen aber nahe, dass der roboterassistierte Zugang  leichte Vorteile beim Erhalt der Potenz und Kontinenz besitzt.  Minimal-invasive OP-Techniken sind zudem mit einem geringeren Blutverlust und kürzerem Klinikaufenthalt verbunden.

Welche Vorteile hat die radikale Prostata-Operation?

Die radikale Prostatektomie kann bei einem lokal begrenzten Prostatakrebs die Chance auf vollständige Heilung bieten, wenn das Tumorgewebe komplett entfernt wurde. Die Operation senkt die Gefahr für einen Rückfall und verlängert die Lebenszeit. Durch den Einsatz eines Roboters im Rahmen der Prostata-OP lassen sich auch die Nebenwirkungen verringern. Der Blutverlust fällt geringer aus, die Wunden heilen schneller und Sie erholen sich rascher wieder von der OP. Auch das Risiko für Erektile Dysfunktion und Inkontinenz scheint etwas geringer zu sein. 

Welche Nachteile, Nebenwirkungen und Folgen kann die Prostata-OP haben?

Die Entfernung der Prostata beseitigt zwar im besten Fall sämtliche Krebszellen, bringt aber auch einige Nachteile mit sich. Die wichtigsten Nebenwirkungen und Folgen der radikalen Prostatektomie und was Sie dagegen tun können:

Inkontinenz

Auch wenn Ärztinnen und Ärzte meist auf beiden Seiten der Prostata versuchen, nervenschonend zu operieren – manchmal verletzen sie Nerven und Blutgefäße, die für die Harnkontinenz wichtig sind. In der Folge verlieren Männer nach der Operation zumindest zeitweise die Kontrolle über ihre Blasenfunktion. Ein muskelstärkendes Kontinenztraining (umgangssprachlich “Beckenbodentraining”) ist eine Möglichkeit, mit der Sie Ihre Blasenfunktion wieder stärken können.

Erektile Dysfunktion

Eine Impotenz entsteht ebenfalls, wenn der Arzt oder die Ärztin Nerven verletzt, die für die Erektion wichtig sind. Hier können Medikamente und andere Hilfsmittel helfen, um die Erektionsfähigkeit zu unterstützen.

Zeugungsfähigkeit

Eine radikale Prostatektomie bedeutet für viele Männer, dass sie nicht mehr zeugungsfähig sind. Grundsätzlich haben Sie die Möglichkeit, Spermien vor dem Eingriff einfrieren zu lassen. Manchmal versuchen Ärztinnen und Ärzte, die Samenzellen noch nach dem Eingriff direkt aus dem Hoden zu gewinnen. Die Erfolgsaussichten sind bei dieser Methode aber schwer abzuschätzen. Manchmal lässt sich der Kinderwunsch aber doch noch ermöglichen. 

Lymphödem

Haben Ärzte im Rahmen der radikalen Prostatektomie Lymphknoten entfernt, besteht das Risiko für ein Lymphödem. Dabei lagert sich Flüssigkeit ins Gewebe ein. Die Gefahr eines Lymphstaus ist umso größer, je mehr Lymphbahnen der Arzt oder die Ärztin im Unterbauch durchtrennt hat. Ein Lymphödem behandeln Physiotherapeuten zum Beispiel mittels Lymphdrainage.

Rückfallrisiko

Bei der Prostata-OP versuchen Ärztinnen und Ärzte, die Nerven zu schonen, die für die Erektion wichtig sind. Allerdings kann eine nervenschonende OP eventuell mit einem erhöhten Rückfallrisiko verbunden sein, wenn nicht alle Krebszellen beseitigt wurden. Wägen Sie daher immer alle Vor- und Nachteil gut gegeneinander ab. 

Prostatakrebs-Operation – ja oder nein?

Bevor Sie sich für die radikale Prostatektomie entschieden: Diskutieren Sie alle Behandlungsmöglichkeiten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Lassen Sie sich das Für und Wider sowie mögliche Alternativen gut erklären. Und: Fragen Sie nach, falls Sie etwas nicht verstanden haben. Geben Sie sich Zeit, um alle Möglichkeiten der Prostatakrebstherapie zu durchdenken.

Wenn Sie unsicher über den Therapievorschlag sind: Holen Sie sich eine Zweitmeinung ein. Dies ist übrigens kein Affront oder mangelndes Vertrauen gegenüber Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, sondern ein normales Vorgehen. Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Ansprechpartnern bieten die Krebsberatungsstellen der Länder oder die Krankenkassen. 

Treffen Sie Ihre Entscheidung immer gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin – durch Shared Decision Making. Bei dieser Art der Kommunikation begegnen Sie sich auf Augenhöhe. Wichtig ist bei Prostatakrebs immer, dass Sie letztlich hinter Ihrer Entscheidung für oder gegen die radikale Prostatektomie stehen.

Prostatektomie

Manche Männer bereuen ihre Entscheidung für die Prostata-OP. Der Hauptgrund: Mangelnde Beteiligung an der Entscheidungsfindung. 

Prostata Hilfe Deutschland: Arzt mit Tablet im Gespräch mit Patient
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Welche Alternativen gibt es zur radikalen Prostatektomie?

Bevor Sie sich für oder gegen eine Operation bei Prostatakrebs entscheiden: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin immer sämtliche Behandlungsmöglichkeiten. Bei frühem Prostatakrebs gibt es verschiedene Krebstherapien, die eventuell eine Alternative zur OP sein können. Wägen Sie das die Vor- und Nachteile gemeinsam gut gegeneinander ab. Denn die radikale Prostataentfernung birgt einige Risiken und kann Spätfolgen nach sich ziehen.

Mögliche Alternativen – je nach Ihrem Tumor, Alter und Gesundheitszustand:

  • Bei der aktiven Überwachung (active surveillance) ist eine Heilung des frühen und wenig aggressiven Prostatakrebs immer noch möglich. Dabei kontrollieren und überwachen Ärzte und Ärztinnen den Tumor regelmäßig in bestimmten Zeitabständen. Wächst er und breitet sich aus, beginnt sofort die Behandlung des Prostatakarzinoms.
  • Eine Strahlentherapie ist oft genauso gut wirksam wie eine Operation und könnte eine Alternative sein. Sie bietet ebenfalls die Chance, dass sich der Prostatakrebs heilen lässt. Sie hat aber ebenfalls einige Nebenwirkungen. Möglich ist eine Bestrahlung von außen über die Haut oder von innen, die sogenannte Brachtherapie.

 

FAQs: Radikale Prostatektomie

Wie hoch ist die Lebenserwartung nach einer radikalen Prostatektomie?

Es lässt sich nicht allgemein sagen, wie hoch die Lebenserwartung nach einer radikalen Prostatektomie ist. Auch andere Faktoren wie das Risikoprofil des Tumors (intermediäres, hohes oder sehr hohes Risiko für das Fortschreiten), das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand wirken sich auf die Lebenserwartung aus. Wenn die Prostata samt Tumor vollständig entfernt wurde, sind die Heilungschancen in der Regel gut und die Lebenserwartung verlängert sich. Die radikale Prostatektomie ist empfohlen, wenn ein Mann voraussichtlich noch eine Lebenserwartung von zehn Jahren und mehr hat. 

Was passiert, wenn man die ganze Prostata entfernt?

Wenn man die Prostata entfernt, heißt dies zunächst nur, dass ein Mann in der Regel zeugungsunfähig ist. Denn es werden die Prostata, Samenleiter und Samenbläschen entfernt. Ansonsten ist ein Leben auch ohne Prostata möglich. Dennoch haben viele Männer nach einer radikalen Prostatektomie mit einer Erektilen Dysfunktion und Harninkontinenz zu kämpfen. 

Kann nach einer Prostata-OP alles wieder normal werden?

Nach einer Prostata-OP erleben viele Männer Erektionsstörungen und Inkontinenz. Beide können sich mit der Zeit wieder normalisieren. Das Wiedererlangen der Erektionsfähigkeit und der Kontinenz hat für viele Männer eine sehr hohe Priorität. Bei manchen Männern können die Erektile Dysfunktion und Inkontinenz aber auch länger oder sogar dauerhaft bestehen bleiben. 

Wie hoch ist der PSA-Wert nach der Prostataentfernung?

Nach einer Prostataentfernung sollte der PSA-Wert unter die Nachweisgrenze sinken. Der Grund ist, dass die Krebszellen, die das prostataspezifische Antigen PSA produziert haben, durch die Prostata-OP entfernt wurden. Beträgt der PSA nach einer Entfernung der Prostata zweimal nacheinander mehr als 0,2 Nanogramm/Milliliter (ng/ml), liegt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rezidiv vor.

Ist man impotent, wenn die Prostata entfernt wurde?

Impotent bedeutet umgangssprachlich, dass ein Mann keine Erektion mehr bekommen kann. Die Erektile Dysfunktion ist ein häufiges Problem nach der Entfernung der Prostata. Viele Männer sind daher impotent, was einen hohen Leidensdruck verursachen kann. Durch die OP können Nerven beschädigt werden, die für die Erektion wichtig sind. 

Wie lange Windeln nach einer Prostata-OP?

Eine Prostata-OP kann zur Inkontinenz führen. Viele Männer haben mit diesem Problem zu kämpfen. Es gibt aber Möglichkeiten und Strategien, um die Kontinenz wieder zu erlangen, zum Beispiel ein Schließmuskeltraining („Beckenbodentraining“). Wie lange ein Mann Windeln oder Inkontinenzeinlagen tragen muss, kann sehr unterschiedlich sein. Die Zeitspanne reicht meist von einigen Wochen bis hin zu einigen Monaten. 

Ist eine Reha nach einer Prostata-OP notwendig?

Eine Reha ist nach der Prostata-OP ratsam, denn Ärztinnen und Ärzte nehmen die Nebenwirkungen und Folgen der Krebserkrankung und der Therapien in den Blick. Beispiele: Erektile Dysfunktion und Inkontinenz – viele Männer leiden nach einer radikalen Prostatektomie darunter. In der Reha werden diese und andere Probleme gezielt behandelt. Außerdem bekommen sie Handlungsstrategien für den Alltag und Beruf an die Hand. Eine Reha ist zwar kein Muss, aber ratsam.

Wie lange soll ich nach der Prostata-OP kein Auto fahren?

Nach einer Prostata-OP wie der radikalen Prostatektomie sollten Sie für rund zwei Wochen vor allem auf längeres Autofahren verzichten. Denn die inneren Wunden müssen erst heilen. Außerdem können manche Medikamente die Fahrtauglichkeit einschränken. Am besten fragen Sie Ihr Behandlungsteam, ab wann Sie wieder Auto fahren dürfen.

Quellen: