Was mit einer Prostata in der Pathologie passiert

01. Mai 2018 | von Ingrid Müller

Riskieren Sie mit unserem Video einen Blick hinter die Kulissen des Pathologischen Instituts der Uni Würzburg und begleiten Sie eine Prostata auf ihrem Weg zum Befund.

Bei Prostatakrebs ist es eine Möglichkeit der Behandlung, die Prostata in einer Operation zu entfernen. Radikale Prostatektomie ist der medizinische Fachbegriff dafür. Der Operateur schickt sie im Anschluss in die Pathologie zur weiteren Untersuchung. Dort nimmt der  Pathologe das kranke Organ genauestens unter die Lupe. Schauen Sie dem Arzt im Video über die Schulter!

Die Prostata kommt in der Pathologie an

In einem Plastikgefäß verpackt kommt die Prostata, die zuvor aufgrund des Prostatakrebses operativ entfernt wurde, in der Pathologie an. Zunächst begutachtet ein Arzt die Vorsteherdrüse zunächst mit bloßem Auge:

  • Ist die Prostata vergrößert oder besitzt sie normale Maße?
  • Ist das komplette Organ mitsamt den Samenblasen vorhanden?
  • Gibt es irgendwelche Auffälligkeiten?

Dann bestimmt und dokumentiert der Arzt in der Pathologie die genaue Größe und das Gewicht der Prostata. Im Anschluss bereitet er sie für die feingewebliche Untersuchung speziell auf.

Der Grobschnitt

Der Pathologe markiert die Prostata zur besseren Orientierung und Zuordnung farblich. Dann schneidet er aus allen Bereichen des Organs Teile heraus und platziert sie in entsprechend beschriftete Kunststoffkapseln. In diesen Kapseln geht es für die Prostata in der Pathologie weiter zur Einbettung.

Ein Bett aus Paraffin

Über Nacht wird den Prostatastückchen das Wasser entzogen. Im nächsten Schritt werden sie in Paraffin eingebettet. Dafür entnimmt eine Laborfachkraft ein Gewebestückchen aus der Kunststoffkapsel und legt es in ein Metallschälchen mit flüssigem Paraffin. Um eine Verwechslung des Präparates in der Pathologie auszuschließen, markiert sie es erneut mit der Patientennummer und lässt es auskühlen.

Hauchdünne Scheibchen

Die in Paraffin gegossenen Blöcken werden in der nächsten Station in hauchdünne Scheibchen geschnitten: Mit einer speziellen Vorrichtung schneidet ein Messer Häutchen von ein bis zwei Mikrometern Dicke vom Block ab. Zum Vergleich: Ein Haar ist ungefähr 50 Mikrometer dick!

Die Labormitarbeiterin nimmt die Scheibchen vorsichtig mit einem Pinsel von der Schneidevorrichtung und legt sie in ein Wasserbad. Dann zieht sie diese auf einen Objektträger – ein rechteckiges Stück Glas – auf.

Je Prostata werden 20 Paraffinblöcke gegossen, und aus jedem Paraffinblock wird nun ein Scheibchen weiterverarbeitet.

Es kommt Farbe ins Spiel

Nach einem Trockengang färbt eine Maschine das hauchdünne Scheibchenpräparat an: Die Hämatoxilin-Eosin-Färbung – oder kurz HE-Färbung – lässt die unterschiedlichen Bestandteile der Zellen unter dem Mikroskop rot und blau erscheinen. Ein weiterer Automat versieht das Präparat mit einem Deckel – und dann geht es auch schon weiter zum Pathologen.

Unter dem Mikroskop

Schließlich landet ein Tablett mit hauchdünn geschnittenen, gefärbten und auf Glasscheibchen aufgezogenen Prostatateilchen auf dem Tisch des Pathologen. Er sieht sich die einzelnen Präparate unter dem Mikroskop an und kann deutliche Unterschiede zwischen den gesunden Prostatadrüsen und dem bösartig veränderten Gewebe erkennen.

Pathologischer Befund

Was der Pathologe bei der Befundung beachten muss, wie er vorgeht und welche Schlüsse er daraus zieht, erfahren Sie in diesem Video-Interview.