Lokal begrenzter Prostatakrebs - wie bösartig ist er?

03. Juni 2019 | von Ingrid Müller

Ein lokal begrenzter Prostatakrebs kann unterschiedlich gefährlich sein. Tumoren können ein niedriges, mittleres oder hohes Risiko haben, dass sie voranschreiten. Lesen Sie, wie woran sich die Bösartigkeit ablesen lässt.

Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs. Während manche Tumore aggressiv sind und schnell wachsen, verhalten sich andere nahezu „harmlos“: Sie entwickeln sich nur langsam oder überhaupt nicht weiter. Dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Prostatakrebs Männern zu Lebzeiten gefährlich wird. Der Volksmund hat dafür zwei treffende Wörter gefunden: Raubtierkrebs und Haustierkrebs.

Viele Männer erhalten im Rahmen der Früherkennung die Diagnose „lokal begrenzter Prostatakrebs“. Dann ist der Krebs noch auf die Prostata beschränkt, hat die Kapsel noch nicht durchbrochen und auch keine Metastasen in den Lymphknoten, anderen Organen oder Knochen gebildet. Grundsätzlich lässt er sich schonender behandeln als ein Tumor, der sich schneller fortentwickelt. Doch wie finden Ärzte nun heraus, ob die Gefahr niedrig, mittel oder hoch ist, dass ein lokal begrenzter Prostatakrebs tatsächlich weiter wächst? Es gibt verschiedene Faktoren, anhand derer sie dieses Risiko einschätzen können.

Prostatakrebs

Ist Ihr Prostatakrebs lokal begrenzt, lokal forgeschritten oder metastasiert? Alle Fakten!

Risikogruppen bei Prostatakrebs

Es gibt einige Faktoren, die bei der Einteilung in die Risikogruppen mit hinein spielen.

Stadium

Zunächst ermitteln Ärzte das Stadium, in dem sich der Prostatakrebs befindet. Die Tastuntersuchung lässt Rückschlüsse darauf zu, wie groß der Tumor ist und wo er sich genau befindet. Bei einer Biopsie entnehmen Ärzte zehn bis zwölf Gewebeproben (Stanzen) aus der Prostata, die ein Pathologe anschließend unter dem Mikroskop untersucht. International gebräuchlich, um die Ausbreitung des Prostatakrebses festzustellen, ist die TNM-Klassifikation:

  • T= die Größe und Ausdehnung des Tumors
  • N (engl. Node = Lymphknoten): Sind Krebszellen in den Lymphknoten nachweisbar?
  • M = Metastasen: Sind Fernmetastasen in anderen Organen oder den Knochen vorhanden?

Insgesamt gilt: Je höher die Zahl nach den Buchstaben T, N und M ist, desto weiter fortgeschritten ist der Prostatakrebs. „Staging“ heißt die Einteilung in Stadien.

PSA-Wert

Wie hoch ist der Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert) im Blut und wie ist der Verlauf?

Gleason-Score

Wie aggressiv sind die Krebszellen in der Prostata? Dafür untersucht sie ein Pathologe unter dem Mikroskop. Er sieht, wie sehr sie gesunden Zellen noch ähneln beziehungsweise wie stark sie verändert sind. Der niedrigste Wert für den Gleason-Score liegt bei 6, der höchste bei 10. Es gilt: Je höher die Zahl, desto aggressiver ist auch der Prostatakrebs. Diese Einstufung heißt „Grading“ in der Fachsprache.

Alle drei Parameter zusammen genommen lassen Rückschlüsse darauf zu, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Prostatakrebs voranschreiten wird.

Lokal begrenzter Prostatakrebs: Ist das Risiko niedrig, mittel oder hoch?

Die Informationen aus der TNM-Klassifikation lassen Ärzte jetzt in die sogenannte UICC-Klassifikation einfließen. UICC ist die Abkürzung für die Union International Contre le Cancer. Das lokal begrenzte Prostatakarzinom teilen Ärzte dann weiter in Risikogruppen ein:

Niedriges Risiko

  • PSA-Wert: Er darf nicht höher als 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) betragen.
  • Gleason-Score: Er darf nicht höher als 6 sein.
  • Stadium: Tumorausbreitung cT1c (nach einem erhöhten PSA-Wert wurden Krebszellen in der Biopsie gefunden) und cT2a (der Tumor ist auf weniger als die Hälfte eines Prostatalappens begrenzt); keine Lymphknoten betroffen (N0), keine Fernmetastasen (M0) in anderen Organen oder den Knochen.
  • Nicht mehr als zwei Gewebeproben (von 10 bis 12 entnommenen Stanzen) enthalten Krebszellen.
  • Der Anteil an Krebszellen in diesen maximal zwei auffälligen Gewebeproben beträgt nicht mehr als 50 Prozent.

Alle Risikogruppen auf einen Blick

Lokal begrenzter Prostatakrebs: Risikogruppen

Lokal begrenzter Prostatakrebs: Behandlung bei niedrigem Risiko

Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs haben drei verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten:

Hat ein Mann einen Prostatakrebs mit niedrigem Risiko und mutmaßlich eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren, ist es unwahrscheinlich, dass der Prostatakrebs noch deutlich wächst. In diesem Fall ist auch das „watchful waiting“ oder „abwartendes Beobachten“ eine Therapieoption. Die intensiven Kontrollintervalle und regelmäßige Biopsien wie bei der aktiven Überwachung entfallen dabei. Für Männer mit mittlerem und höherem Risiko gibt es mit dem Hormonentzug eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit.

Quellen:

  • Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Stand: April 2018, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Prostata_5_0/LL_Prostata_Langversion_5.0.pdf
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/was-ist-ein-niedrig-risiko-prostatakrebs-und-wie.2066.de.html?part=behandlung-7i
  • Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU), https://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/140514_Anlage_1_Definition_Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom_Entfassung_BDU.pdf
  • Deutsches Krebsinformationszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/prostatakrebs-lokal.pdf