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Erhöhter PSA-Wert - 6 Gründe, die nicht Prostatakrebs heißen

01. Juli 2021 | von Ingrid Müller
Aktualisiert und medizinisch geprüft am 1.7.2021
von Ingrid Müller, Chefredakteurin und Medizinjournalistin

Ein erhöhter PSA-Wert treibt vielen Männern die Sorgenfalten auf die Stirn. Doch es muss nicht gleich Prostatakrebs dahinter stecken – sechs mögliche Ursachen im Überblick!

Ein erhöhter PSA-Wert kann viele Gründe haben. Er kann ein Hinweis auf Prostatakrebs sein – aber nicht immer steckt zwangsläufig ein Prostatakarzinom dahinter! Zwar gilt ein erhöhter PSA-Wert gilt als wichtiger Marker in der Diagnostik von Prostatakrebs. Es gibt jedoch noch einige andere Gründe, warum die Menge an prostataspezifischem Antigen (PSA) im Blut erhöht sein kann. Gesunde Prostatazellen schütten PSA genauso aus wie Prostatakrebszellen. Lesen Sie die wichtigsten Ursachen für einen erhöhten PSA-Wert, die nicht auf Prostatakrebs zurückzuführen sind!

PSA - kompakt

Alles über das prostataspezifische Antigen,  die verschiedenen PSA-Werte, den PSA-Test, risikoadaptierten PSA-Test, das PSA-Screening und PSA-Rediziv.

 

PSA erhöht? 6 mögliche Ursachen

1. Erhöhter PSA-Wert dank Prostataentzündung 

Die Prostataentzündung (Prostatitis) bedeutet, dass die Vorsteherdrüse akut oder chronisch entzündet ist. Die häufigsten Auslöser sind Bakterien, die über das Blut oder die Harnröhre in die Prostata gelangen, sich dort ansiedeln und vermehren. Meist sind es Darmbakterien. Das wichtigste Symptom für eine Prostataentzündung: Schmerzen! Auch der PSA-Wert ist bei einer Prostataentzündung leicht bis mäßig erhöht.

2. Gutartige Prostatavergrößerung

Die gutartige Prostatavergrößerung oder im Fachjargon "benigne Prostatahyperplasie" trifft fast jeden Mann mit zunehmenden Jährchen. Die Prostata vergrößert sich immer weiter und engt schließlich die Harnröhre ein, die mitten durch die Prostata verläuft. Die wichtigsten Symptome: Probleme beim Wasserlassen. Durch die altersbedingte Prostatavergrößerung ist auch ein erhöhter PSA-Wert keine Seltenheit.

3. Erhöhter PSA-Wert durch Medikamente

Wenn Sie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel gegen eine gutartige Prostatavergrößerung einnehmen, können diese das PSA-Testergebnis verfälschen. Sagen Sie Ihrem behandelnden Arzt, falls Sie solche Medikamente einnehmen.

4. Harnwegsentzündung

Eine Blasenentzündung kommt zwar bei Frauen viel öfters vor, kann aber auch Männer erwischen. Bakterien können in den Harntrakt eindringen und dort unangenehme Entzündungen hervorrufen. Die wichtigsten Symptome einer Harnwegsentzündung: häufiges Wasserlassen mit stechenden Schmerzen und Brennen.

5. Erhöhter PSA-Wert durch Druck auf die Prostata

Gerät die Prostata unter Druck, erhöht sich der PSA-Wert ebenfalls. Dies geschieht zum Beispiel beim Fahrradfahren, das den PSA-Wert geringfügig in die Höhe treibt. Auch wer zuhause auf dem Heimtrainer radelt, übt Druck auf die Vorsteherdrüse aus und erhöht den PSA-Wert.

Daneben drückt der Arzt bei einer Tastuntersuchung oder einer transrektalen Ultraschalluntersuchung auf die Prostata. Deshalb sollten Ärzte diese Untersuchungen nicht direkt vor der Blutabnahme zur PSA-Bestimmung durchführen – sonst fällt das Testergebnis deutlich höher aus. Etwa vier Wochen sollten zwischen einer solchen Untersuchung und dem PSA-Test liegen. Oder: Erst die Blutabnahme – dann die jeweilige Untersuchung.

6. Sex und Ejakulation

Auch nach einem Samenerguss (Ejakulation) kann der PSA-Wert erhöht sein. Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollten: Verzichten Sie mindestens 24 Stunden vor dem PSA-Test auf jegliche Art der Stimulation Ihrer Prostata. Ganz allgemein erhöht körperliche Anstrengung den PSA-Wert.

 

Tipps für den PSA-Test

Bevor Sie einen PSA-Test durchführen lassen: Sagen Sie Ihrem Arzt, ob Sie solchen Einflüssen ausgesetzt waren. Nur so kann er das Testergebnis richtig einordnen und bewerten. Eventuell verschieben Sie die Messung des PSA-Wertes auf einen anderen Zeitpunkt oder Sie verzichten etwa eine Woche vor der anstehenden Untersuchung auf Aktivitäten, die die Prostata unter Druck setzen.

PSA – Normalwerte und erhöhte Werte

  • Bei gesunden Männern liegt der PSA-Normalwert zwischen 0 und maximal 4 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter) Blut.
  • PSA-Werte zwischen 2 und 4 ng/ml stufen die meisten Ärzte als kontrollbedürftig ein, besonders bei jüngeren Männern.
  • Allgemein gilt: Bei einem PSA über 1 ng/ml sollten Männer den PSA-Test alle zwei Jahre, bei Werten über 2 ng/ml jährlich wiederholen.

Ein nicht erhöhter PSA-Wert besagt jedoch nicht, dass mit Sicherheit kein Prostatakrebs vorliegt. Manchmal liegt der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich. Deshalb ziehen Ärzte zur Diagnose von Prostatakrebs immer noch andere Untersuchungen (z.B. TastuntersuchungBiopsie) und Faktoren heran, etwa Ihr individuelles Risikoprofil.

Quellen: