Kältetherapie bei Prostatakrebs - den Tumor vereisen!

26. Juni 2018 | von Ingrid Müller

Bei der Kältetherapie frosten Ärzte die Prostata und töten die Krebszellen ab. Lesen Sie, wie die Kryotherapie bei Prostatakrebs genau funktioniert und für welche Männer sie sich eignet.

Die Kältetherapie ist ein Verfahren, bei dem Ärzte den Krebszellen in der Prostata mit eisigen Temperaturen zu Leibe rücken. Es gibt zwei verschiedene Techniken bei der Kältetherapie: Entweder frieren Ärzte die gesamte Prostata inklusive Tumor und des gesunden Gewebes ein – dies geschieht am häufigsten. Oder sie frosten nur jene Bereiche der Vorsteherdrüse, in denen der Krebs sitzt. Die Tumorzellen mögen die Minusgrade nicht und gehen zugrunde. Anschließend taut der Arzt die Prostata langsam wieder auf.

Die Kältetherapie hat noch andere Namen: Kryotherapie (griechisch „kryo“ = Frost) oder Kryoablation. In den USA ist die Methode, die Prostata in einen „Eisball“ zu verwandeln und somit Krebszellen zum Absterben zu bringen, längst etabliert – in Deutschland dagegen noch nicht. Nur wenige Kliniken hierzulande bieten diese Art der Krebsbehandlung an.

Für wen eignet sich die Kältetherapie?

Die Kryotherapie ist nicht die Therapie der ersten Wahl bei Prostatakrebs im Frühstadium. Sie kommt nur für Männer mit Prostatakrebs in Frage, …

  • … deren Tumor sich noch im Frühstadium befindet, also auf die Vorsteherdrüse begrenzt ist (lokal begrenztes Prostatakarzinom); er darf sich noch nicht auf die Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet haben.
  • … deren Rückfallrisiko mittel oder gering ist.
  • … bei denen keine Operation (radikale Prostatektomie) oder Strahlentherapie von außen oder innen (Brachytherapie) möglich ist.
  • … die diese Krebsbehandlungen nicht wünschen und sich dagegen entscheiden.
  • … die nach anderen Krebsbehandlungen, etwa einer Strahlentherapie von innen oder außen, einen Rückfall erlitten haben.

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs setzen Ärzte die Kältetherapie jedoch nicht ein. Die Wirksamkeit und der Nutzen der Kältetherapie sind bislang nicht ausreichend durch Untersuchungen belegt. Die Kryotherapie gilt daher noch als experimentell. Ärzte führen sie nur im Rahmen von klinischen Studien durch. Als echte Alternative zu herkömmlichen Krebsbehandlungen empfehlen Urologen die eisige Therapie beim lokal begrenzten Prostatakrebs derzeit nicht.

Wie läuft die Kryotherapie ab?

Die Kryotherapie friert das Gewebe in der Vorsteherdrüse ein. Danach sterben die Krebszellen ab. Die Kältetherapie führen Ärzte in einer Klinik entweder unter regionaler oder Vollnarkose durch.

Zuerst schieben sie einen Wärmekatheter durch die Harnröhre zur Blase vor, um diese und den angrenzenden Darm vor den eisigen Temperaturen zu schützen; durch den Katheter zirkuliert eine warme Flüssigkeit. Dann bringen Ärzte über den Damm sogenannte Kältesonden in die Prostata ein. Das sind sehr dünne Nadeln, die mit Hilfe des kalten Argon-Gas gekühlt werden. Eine Schablone, in die viele kleine Löcher gestanzt sind, hilft dem Arzt, die richtige Position für die Nadeln zu finden. Die Kältesonden werden durch diese Löcher bis zu Prostata vorgeschoben.

Um die Lage der Nadeln zu kontrollieren, führt der Arzt einen Ultraschallstab in den Enddarm ein (transrektaler Ultraschall, TRUS). Auf dem Monitor überprüft er den richtigen Sitz. Dann kühlt er die Nadeln auf minus 40 Grad Celsius herunter und vereist das Gewebe – die Tumorzellen gehen wegen der Kälte zugrunde. Insgesamt gefrieren Ärzte die Prostata zweimal und tauen sie wieder auf. Den Wärmekatheter und die Nadeln entfernen sie wieder, wenn der Eingriff abgeschlossen ist.

Anschließend bleiben Sie meist für kurze Zeit stationär im Krankenhaus; manchmal können Sie auch am gleichen Tag nach Hause gehen. Sie erhalten einen Blasenkatheter, den Sie ein bis zwei Wochen lang tragen müssen. So kann sich die Blase erholen und Sie haben keine Probleme beim Wasserlassen.

Kältetherapie bei Prostatakrebs – die Vor- und Nachteile

Die Kryotherapie ist eine minimal-invasive und schonende Methode, bei der Chirurgen ohne Skalpell und große Schnitte auskommen. Die meisten Männer erholen sich schnell nach dem Eingriff. Dennoch müssen Sie mit einigen Nebenwirkungen rechnen. Am häufigsten sind:

Ob und welche langfristigen Folgen die Kältetherapie hat, lässt sich noch nicht sagen. Es gibt keine ausreichenden Daten aus Studien dazu.

Wer bezahlt die Kryotherapie?

Fragen Sie immer zuerst bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten für die Kryotherapie übernimmt. Die Kassen entscheiden im Einzelfall, ob sie die Kältebehandlung bezahlen oder nicht. Als Standardtherapie ist die Kryotherapie nämlich bislang nicht anerkannt. Ansonsten müssen Sie selbst für die Kosten aufkommen.

 

Quellen

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, April 2018
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 26.6.2018)
  • American Cancer Society, https://www.cancer.org (Abruf: 26.6.2018)
  • Mayo Clinic, https://www.mayoclinic.org (Abruf: 26.6.2018)
  • Cancer Research UK, http://www.cancerresearchuk.org/ (Abruf: 26.6.2018)