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Prostatakrebs: lokal begrenzt, lokal fortgeschritten oder metastasiert?

20. März 2019 | von Ingrid Müller

Beim Prostatakrebs kursieren oft verwirrende Begriffe: lokal begrenzt, lokal fortgeschritten, metastasiert, PSA-Rezidiv oder Lokalrezidiv. Wir erklären, was sich hinter diesen Begrifflichkeiten verbirgt.

Lokal begrenzter Prostatakrebs

Als lokal oder örtlich begrenzten Prostatakrebs stufen Ärzte einen Tumor ein, der die Kapsel der Prostata noch nicht durchbrochen hat. Er wächst also nur innerhalb der Vorsteherdrüse und ist noch auf diese begrenzt. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Prostatakrebs auf Wanderschaft begeben und in die Lymphknoten (N0) oder andere Organe ausgebreitet hat. Demnach sind auch keine Metastasen in den Knochen, der Leber, Lunge und dem Gehirn nachweisbar (M0). In der TNM-Klassifikation besitzen die Prostatatumoren die Bezeichnungen T1 oder T2.

Lokal begrenzter Prostatakrebs

Solche Tumoren können verschieden bösartig sein. Alles über ihre Gefährlichkeit.

Ein lokal begrenzter Prostatakrebs verursacht bei vielen Männern noch keine Symptome – und bleibt deshalb oft unbemerkt. Durch Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen wie die Tastuntersuchung oder einem PSA-Test bekommen Ärzte jedoch erste Hinweise auf einen lokal begrenzten Prostatakrebs. Eine Biopsie bringt schließlich Gewissheit.

Mögliche Behandlungen

Ein früher Prostatakrebs lässt sich mit verschiedenen Therapien behandeln:

Nicht empfohlen bei frühem Prostatakrebs sind derzeit die Kryotherapie und Hyperthermie.

Lokal fortgeschrittener Prostatakrebs

Lokal oder örtlich fortgeschritten ist der Prostatakrebs, wenn der Tumor schon größer ist und die Kapsel der Prostata bereits durchbrochen hat. In diese Kategorie fällt der Prostatakrebs jedoch nur, wenn er sich noch nicht in weiter entfernte Organe (M0) ausgebreitet hat. In der TNM-Klassifikation stufen Ärzte diese Tumoren als T3 oder T4 ein.

  • T3 bedeutet, dass der Tumor nur wenig außerhalb der Prostata oder zu den Samenbläschen gewachsen ist.
  • Bei einem T4-Tumor hat der Prostatakrebs den Blasenhals, Blasenschließmuskel, Mastdarm oder den Beckenboden befallen.

Erste Symptome dafür, dass der Krebs nicht mehr auf die Prostata beschränkt ist, sind anhaltende Probleme beim Wasserlassen sowie Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit. Allerdings treten diese Beschwerden nicht bei jedem Mann auf.

Mögliche Behandlungen

Eine Protonentherapie ist nur innerhalb klinischer Studien ratsam. Nicht empfohlen bei örtlich fortgeschrittenem Prostatakrebs sind dagegen die HIFUirreversible Elektroporation (IRE)Hyperthermie und Kryotherapie.

PSA-Rezidiv (biochemisches Rezidiv)

Ein PSA-Rezidiv bedeutet, dass sich nur die Laborwerte auf einen Rückfall hinweissen. Dann steigt der PSA-Wert nach der Prostatakrebs-Behandlung wieder an. Ansonsten verspüren Männer aber keine Symptome, dass sich in ihrem Körper womöglich Unheil anbahnt. Bei einem PSA-Rezidiv kann der Prostatakrebs an Ort und Stelle zurückgekehrt sein (Lokalrezidiv). Es können sich jedoch auch Metastasen in den Lymphknoten oder anderen Organen gebildet haben, etwa in den Knochen, der Leber, Lunge oder im Gehirn. Ärzte kontrollieren, wie schnell sich der PSA-Wert weiter verändert.

Mögliche Behandlungen

Alles über die Behandlung eines PSA-Rezidivs finden Sie hier »»

Lokalrezidiv bei Prostatakrebs

Ein Lokalrezidiv bdeutet, dass der Prostatakrebs nach der Behandlung an Ort und Stelle – also in der Prostata – zurückgekehrt ist. Die Tumorzellen beschränken sich mutmaßlich weiterhin nur auf den Bereich der Prostata. Anhaltspunkte dafür sind:

  • Der PSA-Wert steigt sehr langsam über mehrere Messungen hinweg, bleibt aber insgesamt niedrig.
  • Die erste Krebsbehandlung liegt schon länger zurück.
  • Für ein Lokalrezidiv spricht es auch, wenn bei einer ersten Operation noch Tumorgewebe zurückgeblieben ist (R1, R2 im pathologischen Befund).

Viele Männer bemerken das Lokalrezidiv in der Prostata nicht, weil sie keine Symptome verspüren. Eine erneute Behandlung bei einem Rückfall heißt in der Fachsprache „Salvage-Therapie“ (engl. salvage = Rettung“).

Mögliche Behandlungen

Metastasierter Prostatakrebs

Metastasen sind Krebsabsiedelungen oder Tochterschwulste. Umgangssprachlich sagt man auch, der Krebs habe gestreut. Der Prostatakrebs ist in diesem Fall nicht mehr auf die Prostata begrenzt, sondern hat sich über die Blut- und Lymphwege auf Wanderschaft begeben. Sind die Lymphknoten betroffen, sprechen Ärzte von Lymphknotenmetastasen

Hat sich der Krebs auf andere Organe ausgebreitet (Knochen, Leber, Lunge, Gehirn), nennen Ärzte diese Fernmetastasen. Im pathologischen Befund steht der Buchstabe „N“ für Lymphknoten (englisch „nodes“) und „M“ für Metastasen in anderen Organen. Erste Anzeichen für Knochenmetastasen sind Knochenschmerzen. Auch der PSA-Wert liefert Hinweise auf Metastasen: Er ist sehr hoch und/oder steigt schnell an.

Knochenmetastasen

Alles über die Behandlung von Knochenmetastasen lesen Sie hier »»

Quellen:

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, April 2018
  • Patientenleitlinie „Prostatakrebs I – lokal begrenztes Prostatakarzinom“, 3. Auflage, 2018
  • Patientenleitlinie „Prostatakrebs II – Lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom“, 4. Auflage, 2018
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), krebsinformationsdienst.de (Abruf: 14.3.2019)