Watchful Waiting bei Prostatakrebs

26. April 2018 | von Ingrid Müller

Watchful Waiting ist eine Strategie, bei der Ärzte den Prostatakrebs nicht behandeln, sondern nur mögliche Symptome lindern. Lesen Sie, für wen das beobachtende Abwarten in Frage kommt und wo die Vorteile und Risiken liegen.

Beobachtendes Abwarten oder im Englischen „watchful waiting“ ist eine Strategie, bei der Ärzte den Prostatakrebs ähnlich wie bei der aktiven Überwachung (active surveillance) zunächst nicht behandeln. Die Heilung steht beim watchful waiting nicht im Vordergrund, sondern nur die Linderung möglicher Symptome  – im Gegensatz zur aktiven Überwachung.

Das watchful waiting ist eine Möglichkeit bei Prostatakrebs, weil viele Männer erst in höherem Lebensalter daran erkranken. Im Schnitt ist ein Mann 70 Jahre alt, wenn er die Diagnose Prostatakrebs erhält. Oft ist das Prostatakarzinom zudem wenig aggressiv und wächst nur langsam. Ärzte gehen deshalb davon aus, dass der Prostatakrebs den Männern zu Lebzeiten wahrscheinlich keine Beschwerden bereitet. Bei der „watch and wait-Strategie“ beobachten Ärzte den Prostatakrebs zwar langfristig, behandeln ihn aber nicht mit speziellen, oft belastenden Krebstherapien. Dazu gehören zum Beispiel die Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie.

Sowohl beim watchful waiting als auch bei der aktiven Überwachung steht die Lebensqualität der Männer im Zentrum. Intensive Krebstherapien sind oft mit vielen und schweren Nebenwirkungen verknüpft, die das Lebensgefühl negativ beeinträchtigen. Und diese ersparen sich die Männer sowohl beim watchful waiting als auch (vorübergehend) beim Prinzip der aktiven Überwachung.

Für welche Männer mit Prostatakrebs eignet sich das watchful waiting?

Das watchful waiting eignet sich für ältere Männer mit lokal begrenztem, wenig aggressivem Prostatakrebs, die mutmaßlich eine Lebenserwartung von unter zehn Jahren haben. Diese Bestimmung der Lebenszeit ist jedoch immer nur eine Schätzung, die Arzt und Patient gemeinsam miteinander besprechen.

Das beobachtende Abwarten ist zudem für Männer gedacht, bei denen eine heilende Behandlung nicht in Frage kommt. Die Gründe dafür können schwere Begleiterkrankungen oder ein schlechter körperlicher Allgemeinzustand sein. Es zählt also nicht nur das Lebensalter, sondern auch das biologische Alter eines Menschen.

Gerade in höherem Alter leiden aber viele Männer an weiteren Krankheiten, manchmal sogar an mehreren gleichzeitig. Diese sind vielleicht weitaus gefährlicher. Viele sterben dann nicht an ihrem Prostatakarzinom, sondern an einer ganz anderen Krankheit. Die häufigsten Todesursachen sind – wie in der gesamten Bevölkerung – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa ein Herzinfarkt, eine Herzschwäche oder eine Schlaganfall.

Das watchful waiting kann zudem für Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs eine Möglichkeit sein – dann bekommen sie eine palliative Behandlung ihrer Symptome.

So funktioniert watchful waiting bei Prostatakrebs

Beim watchful waiting kontrollieren Ärzte den Prostatakrebs nicht regelmäßig. Vielmehr gehen Männer von selbst zum Arzt, wenn sie Beschwerden haben. Eine Heilung steht beim beobachtenden Abwarten nicht im Vordergrund. Ärzte nehmen nur die Symptome in Angriff und versuchen, sie mit wirksamen Therapien zu lindern. Ein Beispiel ist die Hormontherapie. Dabei unterdrücken Medikamente die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron.

Anders ist es bei der aktiven Überwachung: Hier gehen Männer in regelmäßigen, genau festgelegten Zeitintervallen zum Arzt. Sie unterziehen sich einem PSA-Test, der TastuntersuchungBiopsien oder einer Magnetresonanztomografie (MRT). Obwohl bei der active surveillance zunächst keine Behandlung erfolgt, ist das Ziel immer die Heilung des Prostatakrebses. Wächst der Krebs weiter, beginnen Ärzte mit der Krebstherapie.

Watchful waiting bei Prostatakrebs – das sollten Männer beachten

Für manche Männer ist watchful waiting eine gute Möglichkeit, weil sie ihre Lebensqualität bewahren und keine Nebenwirkungen von Krebstherapien aushalten müssen. Bevor Sie sich jedoch für das beobachtende Abwarten entscheiden, besprechen Sie am besten alle Vor- und Nachteile mit Ihrem behandelnden Arzt. Sie müssen sich auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass das watchful waiting nicht die Heilung des Krebses zum Ziel hat. Wägen Sie also gemeinsam mit Ihrem Arzt das Für und Wider gut gegeneinander ab. Erst dann treffen Sie Ihre Entscheidung!

Auch wenn es keine festgelegten Kontrollintervalle gibt: Ratsam ist es dennoch, alle sechs Monate zur Kontrolle des Prostatakrebses Ihren Arzt aufzusuchen. Der PSA-Wert und die Tastuntersuchung geben zum Beispiel Anhaltspunkte, wie sich das Prostatakarzinom verhält.

 

Quellen

  • S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), Stand: April 2018
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 26.4.2018)
  • Deutsche Krebshilfe, Blaue Ratgeber, www.krebshilfe.de
  • Stiftung Männergesundheit: „Active Surveillance & Watchful Waiting. Lebensqualität trotz Prostatakrebs erhalten“, www.stiftung-maennergesundheit.de