Prostataentzündung (Prostatitis) - Symptome und Behandlungen

18. Januar 2019 | von Ingrid Müller

Eine Prostataentzündung ist für Männer vor allem oft eines – nämlich schmerzhaft. Alles über die Symptome, Ursachen und Behandlungen bei Prostatitis.

Die Prostataentzündung ist eine Entzündung der Vorsteherdrüse, der Prostata. Sie kann Männern erheblich zusetzen. Schmerzen – vor allem im Bereich des Damms und beim Wasserlassen – sind ein Hinweis darauf, dass sich in der Prostata eine Entzündung abspielt. Medizinisch heißt die Prostataentzündung auch Prostatitis oder neuerdings: Prostatitis-Syndrom. Darunter haben Ärzte gleich mehrere Krankheitsbilder zusammengefasst. Das National Institute of Health (NIH) hat die Erkrankungen in vier Kategorien eingeteilt

Formen der Prostatitis

  1. Akute bakterielle Prostataentzündung (NIH I)
  2. Chronische bakterielle Prostataentzündung (hält mehr als drei Monate an, NIHII)
  3. Chronische abakterielle Prostatitis/Chronisches Beckenschmerzsyndrom – entzündlich und nicht-entzündlich (NIHIIIA und IIIB)
  4. Asymptomatische Prostataentzündung (ohne Symptome, NIHIV)

Bei einer Prostataentzündung sind manchmal Bakterien am Werk, allen voran Darmbakterien. Über die Harnwege oder seltener das Blut gelangen die Keime in die Prostata und rufen dort Entzündungen hervor. In vielen Fällen können Ärzte auch keine Ursache für die Prostatitis finden. Idiopathische Prostataentzündung ist der Fachbegriff dafür.

Wie häufig ist die Prostataentzündung?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann einmal im Lauf seines Lebens an einer Prostataentzündung erkrankt, liegt gar nicht so niedrig: nämlich bei etwa 15 Prozent, berichtet das Robert Koch-Institut. Jährlich erwischt die Prostatitis statistisch gesehen 3,8 von 1.000 Männern zwischen 18 und 74 Jahren. Im Mittel sind Männer ungefähr 40 bis 50 Jahre alt, wenn sie an einer Prostatitis erkranken.

Bei rund 30 Prozent der Männer dauert die Prostataentzündung länger als ein Jahr. Bei etwa der Hälfte davon geht die Prostatitis in eine chronische Form über. Viele erleben im Verlauf der Prostataentzündung immer wieder „Rückfälle“ – es schließen oft mehrere Krankheitsepisoden an. Die Entzündung der Prostata kann also sehr hartnäckig sein.

Prostata-Wissen

Nur jeder vierte Mann kennt sich offenbar mit seiner Prostata aus, ergab eine Studie.

Prostataentzündung – Ursachen und Risikofaktoren

Bei fünf bis zehn Prozent der Männer mit einer akuten Prostatitis ist eine Infektion mit Bakterien der Grund für die Entzündung. Die Keime breiten sich entweder über das Blut oder die Harnwege (Blase, Harnröhre) bis hin zur Vorsteherdrüse aus.

Meist stecken Darmbakterien hinter der Prostataentzündung – am häufigsten Escherichia coli (E. coli) und Enterococcus faecalis. Daneben kommen andere Darmbakterien, Enterokokken, Klebsiellen und manchmal Pseudomonas aeruginosa als Auslöser in Frage. Auch  Bakterien, die sexuell-übertragbare Krankheiten (STD) verursachen, können eine Rolle spielen: Chlamydien, Trichomonaden oder Neisseria gonorrhoeae (Tripper).

Die akute Prostatitis kann schließlich in eine chronische, bakterielle Prostataentzündung übergehen. Dies ist der Fall, wenn Sie die Entzündung nach drei Monaten noch nicht wieder los sind. Die chronische Form verursacht jedoch weniger heftige Beschwerden, zum Beispiel Schmerzen beim Wasserlassen.

Beim chronischen Beckenschmerzsyndrom können Ärzte keine Bakterien im Urin oder Ejakulat nachweisen. Diese Erkrankung heißt deswegen auch abakterielle chronische Prostatitis. Möglicherweise spielen aber auch hier nicht im Labor nachweisbare Keime eine Rolle. Ärzte finden oft eine erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie zeigen, dass im Körper eine Entzündung vorliegt. Ärzte bezeichnen diese Form der Prostataentzündung als entzündliches, chronisches Beckenschmerzsyndrom. Sind weder Bakterien noch erhöhte Leukozyten nachweisbar, heißt die Krankheit nicht-entzündliches, chronisches Beckenschmerzsyndrom.

Die Ursache dieser Form der Prostataentzündung bleibt oft im Dunkeln. Beteiligt sein können jedoch beispielsweise:

  • Störungen der Blasenentleerung, etwa bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS)
  • Verengungen der ableitenden Prostatawege (z.B. Prostatasteine, Tumoren)
  • Prostatischer Rückfluss: Dabei gelangt Urin in die Drüsengänge der Prostata und ruft dort Entzündungen oder Prostatasteine hervor.
  • Harnröhrenverengung
  • psychische Ursachen (werden verstärkt diskutiert)

 

Bei der asymptomatischen Prostataentzündung finden Ärzte zwar Anzeichen einer Entzündung im Blut, aber der betroffene Mann verprürt keinerlei Symptome, etwa Schmerzen. Diese Form entdecken Ärzte oft zufällig bei einer Untersuchung.

Daneben kennen Mediziner einige Faktoren, die das Risko für eine Prostataentzündung erhöhen. Dazu gehören unter anderem:

  • allgemeine Krankheiten, etwa die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Die erhöhten Zuckerwerte in Urin bieten Bakterien eventuell ein ideales Milieu, in dem sie sich vermehren können. Auch HIV/Aids erhöht das Risiko für eine Prostatitis.
  • eine frühere Prostataentzündung
  • Blasen- oder Harnröhrenentzündung
  • Beckenverletzungen, etwa durch Radfahren oder Reiten
  • Blasenkatheter: Dort können sich Bakterien ansiedeln und über die Harnwege in die Prostata gelangen. Auch durch winzige Verletzungen durch den Katheter haben Bakterien leichteres Spiel.
  • unterdrücktes Immunsystem, etwa durch Immunsuppressiva nach einer Organtransplantation
  • eine frühere Prostatabiopsie

Prostataentzündung: Symptome sind meist Schmerzen

Eine akute Prostataentzündung, die meist ohne große Vorwarnung einsetzt, kann sehr schmerzhaft werden. Außerdem fühlen sich Männer mit einer Prostatitis insgesamt sehr krank. Die wichtigsten Symptome sind:

  • Schmerzen beim Wasserlassen: Brennen, Stechen
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen: Tröpfeln, verzögerter Beginn
  • Schwacher, dünner Harnstrahl: Der Grund ist, dass die Prostata, welche die Harnröhre umschließt, angeschwollen ist und die Harnröhre einengt
  • ständiger Harndrang, weil sich die Harnblase nicht ausreichend entleert
  • häufige Toilettengänge, besonders nachts
  • Schmerzen im Bereich der Blase, des Damms, Afters, Rückens und der Leiste
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Blut im Urin oder Sperma
  • Schmerzen am Penis oder an den Hoden
  • Schmerzen vor und nach einem Samenerguss
  • allgemeines, schweres Krankheitsgefühl
  • grippeähnliche Beschwerden wie Fieber oder Schüttelfrost
  • Komplikation: Harnverhalt – dies ist ein Notfall!

 

Nicht jeder Mann mit akuter Prostataentzündung entwickelt alle genannten Symptome und auch nicht in der gleichen Stärke. Die Beschwerden sind individuell unterschiedlich ausgeprägt. Suchen Sie jedoch immer Ihren Hausarzt oder Urologen auf, wenn Sie solche Symptome verspüren. Denn die Prostataentzündung kann einige unangenehme Komplikationen nach sich ziehen.

Die chronische Prostatitis verursacht insgesamt weniger starke Symptome (meist kein Fieber und Schüttelfrost). Die wichtigsten sind:

  • Druckgefühl im Bereich des Damms, Unterbauch und Rücken
  • braunes Sperma und bräunlich gefärbter Urin aufgrund von beigemengtem Blut
  • milder Harndrang, häufigeres Wasserlassen als sonst üblich, erschwerte Blasenentleerung
  • wiederkehrende Harnwegsinfektionen
  • Lustverlust und Erektionsstörungen aufgrund der Schmerzen vor oder nach dem Samenerguss

 

Das chronischen Beckenschmerzsyndrom ruft sehr ähnliche Symptome wie die chronische Prostatitis hervor. Bei der asymptomatischen Prostataentzündung verspüren Männer – wie der Name schon sagt – keine Beschwerden.

Diagnose Prostataentzündung – das macht der Arzt

Zunächst befragt Ihr Arzt Sie ausführlich zu Ihrer Krankengeschichte (Anamnese). Folgende Fragen helfen ihm, einer Prostataentzündung und deren Ursache auf die Spur zu kommen:

  • Welche Beschwerden haben Sie genau?
  • Wann sind die Symptome erstmals aufgetreten?
  • Wie stark sind Ihre Beschwerden ausgeprägt?
  • Sind Krankheiten bei Ihnen bekannt, etwa Diabetes oder Harnwegsinfekte?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, zum Beispiel Immunsuppressiva?

 

Ihre Antworten liefern dem Arzt schon erste Anhaltspunkte dafür, ob es sich um eine Prostataentzündung handeln könnte. Dann geht es darum, die verschiedenen Formen der Prostatitis voneinander abzugrenzen – denn davon hängt die Behandlung ab. So spielt es für die Therapie der Prostataentzündung eine wesentliche Rolle, ob Bakterien beteiligt sind oder nicht. Folgende Untersuchungen macht Ihr Arzt:

Tastuntersuchung (digital rektale Untersuchung, DRU)

Der Arzt tastet die Prostata mit dem Finger über den Enddarm ab. So kann er die Größe der Prostata bestimmen. Bei einer Prostataentzündung ist sie angeschwollen und somit größer als normalerweise. Außerdem ist eine entzündete Prostata sehr schmerzempfindlich, wenn Ihr Arzt vorsichtig Druck auf sie ausübt.

Urinuntersuchung

Ärzte setzen die sogenannte „Viergläserprobe“ ein, um Bakterien (meist E.coli) als Auslöser der Prostataentzündung sowie erhöhten Leukozytenwerten als Entzündungszeichen aufzuspüren. Labormediziner untersuchen bei diesem Test:

  • den ersten Urin (erste 10 Milliliter der Entleerung)
  • den Mittelstrahl der Entleerung

 

Danach erfolgt die Massage der Prostata und der Arzt untersucht:

  • das Prostatasekret (Prostataexprimat)
  • den Urin nach der Massage der Prostata

 

Weitere Untersuchungen

Auch das Ejakulat und eine Blutuntersuchung können Hinweise auf mögliche Erreger und Entzündungen liefern. Manchmal setzen Ärzte auch die Ultraschalluntersuchung oder die Computertomografie (CT) als bildgebende Verfahren ein, um die Diagnose Prostataentzündung zu stellen.

Prostataentzündung: Behandlung je nach Ursache 

Die Behandlung der Prostataentzündung hängt von der jeweiligen Ursache ab. Ärzte müssen deshalb zunächst herausfinden, ob Bakterien mitbeteiligt sind. Denn nur in diesem Fall helfen Antibiotika. Bei einem chronischen Beckenschmerzsyndrom behandeln Ärzte nur die Symptome und versuchen diese zu lindern. Die asymptomatische Prostataentzündung wird nicht behandelt. Folgende Therapien gibt es bei Prostatitis:

Antibiotika

Antibiotika sind Medikamente, die nur gegen Bakterien wirksam sind. Es gibt verschiedene Arten von Antibiotika für unterschiedlichste Bakterien. Welches Arzneimittel zum Einsatz kommt, hängt von der Art der auslösenden Bakterien ab. Gut wirksam bei Prostatitis sind Fluorchinolone. Antibiotika gibt es als Tabletten, die Sie meist über einige Wochen (zwei bis vier) einnehmen müssen. Bei schweren bakteriellen Infektionen verabreichen Ärzte die Antibiotika auch als Infusion.

Auch bei chronischer bakterieller Prostataentzündung helfen Fluorchinolone (etwa vier Wochen lang). Eine Alternative bei einer Antibiotikaresistenz (wenn Fluorchinolone nicht wirken) ist Cotrimoxazol über drei Monate.

Bleiben Bakterien zurück, kann die Prostataentzündung immer wiederkehren (Rückfall). Entweder behandeln Ärzte dann die einzelnen Episoden der Krankheit mit Antibiotika oder sie verabreichen die Medikamente durchgehend über sechs Monate.

Alpha-Rezeptorblocker („Alphablocker“)

Diese Medikamente entspannen die Harnblase und die Blasenmuskulatur. Alphablocker lindern die Symptome wie die Schmerzen beim Wasserlassen und helfen gut bei chronischem Beckenschmerzsyndrom. Die Therapie erfolgt mindestens über sechs Monate.

Entzündungshemmende Medikamente

Gegen die Schmerzen bei einer Prostataentzündung helfen Schmerzmittel. Häufig eingesetzte Medikamente sind Arzneien aus der Gruppe der Nichtsteroidealen Antirheumatika (NSAR, auch NSAID). Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend zugleich. Beispiele für Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Diclofenac.

Anticholinergika

Bei starkem Harndrang und Störungen beim Wasserlassen sind Anticholinergika hilfreich. Sie lindern die Symptome der Reizblase und sind ein Standard, wenn Sie eine überaktive Blase haben.

Prostatitis-Behandlung nach Kategorie 

Prostataentzündung – diese Komplikationen sind möglich

Die akute Prostatitis kann einige Komplikationen nach sich ziehen, wenn Ärzte sie nicht ausreichend behandeln. Am häufigsten kommt ein Abszess der Prostata vor. Dabei kapselt sich die Entzündung ab und Eiter sammelt sich an. Ein Arzt muss den Abszess chirurgisch mit einem kleinen Schnitt eröffnen, damit der Eiter abfließt und die Entzündung abklingt. Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr, dass die Entzündung auf naheliegende Organe und Strukturen übergreift, etwa die Hoden oder Nebenhoden. Beide Krankheitsbilder der Hoden- und Nebenhodenentzündung können ebenfalls sehr unangenehm und schmerzhaft sein.

Ärzte diskutieren noch, ob die Prostataentzündung womöglich ein Risikofaktor für die gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) oder sogar Prostatakrebs (Prostatakarzinom) sein könnten. Wissenschaftlich nachgewiesen sind diese Zusammenhänge jedoch nicht.

Der Rat lautet also: Suchen Sie immer zeitnah Ihren Arzt auf!

Quellen:

  • Robert Koch-Institut (RKI): Prostataerkrankungen, Heft 36, Gesundheitsberichterstattung des Bundes.
  • Wagenlehner F.M.E et al.: Prostatitis und männliches Beckenschmerzsyndrom – Diagnostik und Therapie, Deutsches Ärzteblatt 2009; 106(11): 175–83; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0175
  • Mayo Clinic, https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/prostatitis/diagnosis-treatment/drc-20355771
  • Infektliga, http://www.infektliga.de (Abruf: 17.1.2019)
  • National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK), www.niddk.nih.gov (Abruf: 17.1.2019)