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„Der Gentleman’s Ride ist ganz großes Kino“
21. Juli 2026 | von Karoline Keßler-Wirth
Michael Clausecker ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Er liebt die Geschwindigkeit einer Rennmaschine genauso wie das genussvolle Fahren durch schöne Landschaften. Ihm ebenso wichtig ist die Community – und die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen. Daher hat Michael Clausecker schon ein paar Mal am Gentleman’s Ride in Hannover teilgenommen. In diesem Jahr hat er den Spendenkorso in Hannover zum ersten Mal komplett selbst organisiert. Alle Einnahmen, die er generiert hat, werden für die Männergesundheit rund um die Prostata eingesetzt. Ein Gespräch über eine besondere Veranstaltung, die Liebe zum Motorrad und warum es ihm so wichtig ist, sich zu engagieren.
Herr Clausecker, wie sieht so ein Gentleman’s Ride aus?
Stellen Sie sich 100 Motorradfahrer vor, etwa 80, 90 Prozent davon mit stylischen Motorrädern. Motorräder im klassischen Design, viele von Triumph, auch einige alte Vespas, sehr schöne und gepflegte Maschinen. Dazu kommen die Fahrer: Die allermeisten Fahrer sind sehr elegant angezogen, sie tragen Anzug und Fliege. Dieser Style ist von uns als Veranstalter auch gewünscht. Wir wollen zeigen, dass wir Motorradfahrer echte Gentleman sind. Dementsprechend fahren wir auch um die 40, 45 Kilometer pro Stunde und sehr diszipliniert. Wenn wir zusammen losfahren, geht es nicht darum, schnell zu fahren. Sondern darum, Freude zu verbreiten und zum Spendensammeln aufzurufen.

Wie sind Sie dazu gekommen, den Ride zu organisieren?
Ich habe meinen Betrieb 2023 im Sommer übernommen. Der Gentleman’s Ride wird weltweit von der Motorradmarke Triumph unterstützt. Ich handele in meinem Betrieb selbst mit Triumph Motorrädern und wollte mit meinen Kunden an dem Spendenkorso teilnehmen. Dann habe ich mitbekommen, dass der Ride in Hannover schon stattfindet, nur nicht als offizieller Gentleman’s Ride registriert ist. Tom Mayer, ein Inhaber einer Motorradwerkstatt, hatte den Ride viele Jahre einfach selbst organisiert. Sie haben eine schöne Ausfahrt gemacht und damit Spenden für die Krebsforschung gesammelt. Ich habe mit Tom Mayer Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, ob wir den Ride nicht gemeinsam organisieren wollen, als offiziellen Gentleman’s Ride. Er sagte, prima, wenn du dich um die Formalitäten kümmerst. Also habe ich die Registrierung übernommen. Offiziell ist unser Motorradkorso eine Versammlung, die wir anmelden, wir werden von einer Polizeieskorte begleitet. Tom Mayer kannte die Gegend sehr gut, er hat die Strecke herausgesucht und für Kaffee und Kuchen gesorgt. Doch 2025 ist er gestorben.
Wie lief der Ride 2026 ab?
Wir sind Tom Mayer zu Ehren in diesem Jahr noch einmal dieselbe Route wie im letzten Jahr gefahren, es war unsere Gedenkfahrt für ihn. Die Strecke war ungefähr 45 Kilometer lang, wir sind durch Hannover gefahren und ein Stück über Land, bis zur Burg Coppenbrügge, einem schönen Ausflugsziel. Anschließend gab es Kaffee und Kuchen auf dem Burggelände. Währenddessen haben wir die Motorräder aufgereiht, damit sich alle Motorradfreunde die Maschinen in Ruhe ansehen könne. Es war eine sehr stilvolle, sehr schöne Veranstaltung. Ich selbst bin mit einem Triumph Motorrad gefahren. Dieses Modell nennt sich Speed Twin, es ist ein sehr klassisches, sportliches Motorrad. Insgesamt waren 100 Fahrer dabei.

Können Sie die Atmosphäre dieses Spendenkorsos beschreiben?
Der Gentleman’s Ride ist wirklich ganz großes Kino: Wir fahren ja mit Polizeieskorte und haben auf der gesamten Strecke kein einziges Mal angehalten. In so einer Kolonne mitzufahren, ist wirklich ein sehr erhebendes Gefühl. Dazu kommt, dass uns viele Menschen zugewunken haben, uns fotografiert haben, sich über uns gefreut haben. Auch von denen, die an den Kreuzungen länger warten mussten, kamen nur positive Reaktionen, wir wurden immer wieder gefilmt und fotografiert. Man merkt richtig, dass es den Leuten Spaß macht, uns fahren zu sehen. Das war ausgesprochen schön. In diesem Jahr kam noch das Gedenken an Tom Mayer dazu. Seine Frau und seine Kinder, Freunde von ihm sind alle mitgefahren. Und ich habe auch in meiner Rede noch einmal an ihn erinnert. Das war ein sehr rührendes, sehr freundschaftliches Miteinander.
Warum liegt Ihnen der Ride so sehr am Herzen?
Der Gentleman’s Ride ist ein wunderschönes Community-Event, bei dem Menschen zusammenkommen, die eine Leidenschaft für elegante Motorräder teilen. Wir wollen auch zeigen, dass es beim Motorradfahren eben nicht ums Rasen geht. Dafür gibt es die Rennstrecken. Sondern dass es viele Motorradfahrer gibt, die sehr rücksichtsvoll fahren und bei denen der Genuss einer schönen Ausfahrt im Vordergrund steht. Außerdem ist der Ride eine Gelegenheit, gemeinsam eins der Top-Gesundheitsthemen für Männer zu adressieren, die Prostatakrebs-Vorsorge und die Forschung. Ich trage gerne dazu bei, dieses wichtige Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, auch wenn die Organisation aufwendig ist. In diesem Jahr konnten wir rund 1400 Euro an Spenden sammeln.
Was muss ich beachten, wenn ich bei einem solchen Spendenkorso mitfahren möchte?
Man muss diszipliniert fahren, sonst funktioniert es nicht. Wichtig ist auch, dass man in seinem solchen Korso mit gleichbleibender Geschwindigkeit fährt und nicht abrupt bremst. Man darf auch nicht überholen. Wir fahren versetzt, um die Unfallgefahr möglichst gering zu halten, und nicht zu dicht hintereinander. Wirklich schwierig ist es aber nicht.
Was fasziniert Sie am Motorradfahren?
Motorradfahren gibt mir ein großes Gefühl von Freiheit. Großartig finde ich auch die Kombination von Bewegung und Kurven. Ähnlich wie beim Skifahren oder Fahrradfahren, nur noch schneller. Auf einem Motorrad bin ich, im Gegensatz zum Auto, als Fahrer Teil der Fahrphysik. Ich kann die Maschine mit der Verlagerung von Körpergewicht beeinflussen, das macht einen riesengroßen Unterschied. Bergstraßen mit Serpentinen zu fahren, beispielsweise in den Alpen, ist ein ganz besonderes Gefühl. Auf der Rennstrecke fahre ich auch gerne, da kommt noch die Geschwindigkeit dazu. Motorradfahren begeistert mich einfach.
Wie geht es mit Ihrem Gentleman’s Ride in Hannover weiter?
Ich möchte weiter Teil dieser Bewegung sein und den Gentleman’s Ride in Hannover weiterhin veranstalten. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr. Dann werden wir wahrscheinlich 120 Plätze anbieten. Wer mitfahren möchte, sollte bei der Anmeldung schnell sein.