Newsletter
Tragen Sie sich für unseren Newsletter ein und erhalten Sie monatlich Updates von uns – direkt in Ihr Postfach.
Achtung!
Bitte prüfen Sie Ihren Spam-Ordner auf den Eingang der Bestätigungs-Mail.
Sex nach Prostata-OP: Geht das noch?
25. Februar 2026Ist Sex nach einer Prostata-Operation überhaupt noch möglich und was ist mit dem Orgasmus und der Lust? Der Urologe PD Dr. Marco Randazzo klärt auf!
YouTube inaktiv
Aufgrund Ihrer Cookie-Einstellungen kann dieses Modul nicht geladen werden.
Wenn Sie dieses Modul sehen möchten, passen Sie bitte Ihre Cookie-Einstellungen entsprechend an.
Welche Auswirkungen hat eine Prostata-OP auf das Sexleben?
Kann ich nach einer Prostata-Operation noch Sex haben? Habe ich noch einen Orgasmus? Wie sieht es mit meiner Lust nach einer Prostata-Operation aus? Diese Fragen beschäftigen die Männer vor Prostata-Operationen. Aber nicht nur die Männer fragen sich das, auch ihre Partner und Partnerinnen. Heute gehen wir auf diese Fragen ein und räumen mit den Mythen auf: medizinisch klar und faktenbasiert.
Packen wir es also an. Viele Männer fragen sich vor einer Prostata-OP: Was passiert eigentlich mit mir als Mann? Bin ich noch der Gleiche? Kann ich noch einen steifen Penis haben, eine Erektion? Habe ich noch einen Samenerguss? Wie sieht eigentlich meine Sexualität nach der Prostata-Operation aus? Wie geht unsere Beziehung weiter? Was passiert eigentlich mit dem Partner in der Zukunft, wenn der Mann operiert ist? Und es gibt auch die Angst: Kann man etwas kaputt machen, wenn man den Penis anfasst? Denn es ist ja alles voroperiert.
Drei OP-Methoden – so wirken sie sich auf die Sexualität aus
Wir werden nun drei verschiedene Operationen im Hinblick auf die männliche Sexualität offen und ohne Tabus besprechen. Eins vorab: Ärzte gehen bei den Aufklärungsgesprächen häufig sehr technisch vor. Man muss sich das so vorstellen: Als Pilot kommt man in das Cockpit, man richtet sich ein und man weiß, okay, jetzt muss man den Flieger zuerst starten, dann auf der Höhe behalten, möglichst ohne Turbulenzen, und dann sanft landen.
Manchmal gehen die sexuellen Aspekte im Aufklärungsgespräch unter. Deswegen ist es auch wichtig, dass der Mann diese Aspekte anspricht. Ich erlebe es aber auch umgekehrt, dass viele Männer bei einer gutartigen Prostataerkrankung dieses Thema nicht wirklich ansprechen wollen, denn es ist ein Tabuthema, über Sexualität zu sprechen, obschon die Prostata ein Sexualorgan ist. Bei einer bösartigen Erkrankung ist es so, dass häufig die Angst vor dem Krebs so erdrückend hoch ist, dass die Frage der Sexualität erst sehr viel später aufkommt.
OP-Methode 1: Wasserdampftherapie
Gehen wir nun also ins Detail. Wir fangen mit den gutartigen Erkrankungen an und der Behandlung mit der Wasserdampftherapie. Sie kommt bei der gutartigen Prostataevergrößerung (BPH) zum Einsatz. Hier wird 100 Grad heißer Dampf in die Prostata hineingespritzt, sodass sich der Prostatakanal über Wochen und Monate langsam eröffnet. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Samenerguss bei 97 Prozent der Männer erhalten bleibt. Bezogen auf die männliche Sexualität bedeutet das also, dass die Wasserdampftherapie den Orgasmus in der Mehrzahl der Fälle nicht verändert und die Steifigkeit des Penis in der Mehrzahl der Fälle ebenso nicht verändert.
Wichtig ist zu wissen, dass bei Männern mit Erektionsstörungen vor der Operation durch die Prostata-Operation keine Verbesserung resultiert. Das heißt, eine präoperative Störung der Steifigkeit des Penis - der Erektion - wird auch nach der Operation noch vorhanden sein. Die Wasserdampftherapie ist also die Therapie bei gutartiger Prostatavergrößerung, die die Sexualität am wenigsten tangiert. Man kann sagen, dass in der Mehrzahl der Fälle die Sexualität im Grunde genommen unverändert bleibt. Der Samenerguss bleibt bei 97 Prozent erhalten und die Steifigkeit des Penis bleibt ebenso erhalten. Der Nachteil der Wasserdampftherapie ist, dass man lange warten muss, bis sich der Prostatakanal langsam eröffnet.
OP-Methode 2: TURP oder Laser
Kommen wir nun zur zweiten Operation, das ist die kleine Prostata-Operation, im Fachjargon TURP. Diese kommt zum Einsatz, wenn die Prostata stark eingeengt ist und man den Kanal möglichst rasch eröffnen will, also eine schnelle Verbesserung des Harnflusses erzielen will. Das ist häufig bei Männern der Fall, die einen Katheter haben, weil sie nicht mehr Urin lassen können. Sie hängen sozusagen am Katheter und wollen eine möglichst schnelle Lösung.
Bei einer TURP schält man mit einer Elektroschlinge den Prostatakanal auf, sodass sich die Harnblase danach besser entleeren kann. Männer, die zum Beispiel einen Katheter tragen, können dann frei von diesem Fremdkörper leben. Der Nachteil dieser Operation ist, dass bei der kleinen Prostata-Operation das Prostatagewebe aktiv weggeschnitten wird. Das hat zur Folge dass der Samenerguss danach rückwärts in die Harnblase hineingeht. Man spricht auch von einer retrograden Ejakulation, also von einem rückläufigen Samenerguss. Das heißt: Die Sexualität verändert sich nach der kleinen Prostataoperation TURP markant , denn der Mann wird nachher keinen Samenerguss mehr haben.
Das ist übrigens auch der Fall, wenn man eine Laser-Enukleation durchführt, zum Beispiel mittels Holmium-Laser-Enukleation. Die Prostata wird ebenso mit dem Laser ausgehöhlt und der Prostatakanal ist weit offen. Der Mann wird gut Urin lassen können, aber der Samenerguss wird später nicht mehr vorhanden sein. Wenn doch ein Samenerguss vorhanden ist, wird er rückwärts in die Blase gehen. Dieses Thema muss man vor der Operation unbedingt besprechen.
Die Steifigkeit des Penis sollte sich nach Laser-Operation oder auch nach kleiner Prostata-Operation nicht markant ändern. Die Nerven sitzen außerhalb von der Prostata, nämlich typischerweise an der Hinterseite der Prostata sowie an der Seite. Sehr wenige befinden sich auch noch an der Vorderfläche der Prostata. Wenn man in der Prostata operiert und nicht zu nah an die Prostatakapsel herankommt, dann sollten diese Nerven nicht beschädigt werden.
TURP und Laser Lesen Sie, wie sich eine vergrößerte Prostata mittels TURP und Laser wieder verkleinern lässt - alles über den Ablauf, die Vor- und Nachteile. | ![]() |
|---|
OP-Methode 3: Prostataentfernung mit Roboter
Kommen wir nun zur dritten Operation - das ist die Totaloperation mittels Da-Vinci-Roboter, die bei Prostatakrebs eingesetzt wird. Im Rahmen der radikalen Prostatektomie wird die Prostata komplett entfernt. Der Vorteil dieser Operation ist, dass der Prostatakrebs als Ganzes beseitigt werden kann. Die Harnblase wird dann mit Hilfe des Roboters wieder an die Harnröhre angenäht.
Damit nimmt man jedoch dem Mann die Samenergussfähigkeit weg, denn der Samenerguss wird in der Prostata und in den sogenannten Samenblasen gebildet. Nach einer Prostataoperation hat der Mann also von Natur aus keinen Samenerguss mehr. Es gibt noch einen zweiten, sehr wichtigen Punkt. Ich habe vorhin erwähnt, dass die Prostatanerven an der Rückfläche und an der Seitenfläche von der Prostata liegen. In gewissen Fällen ist es möglich, diese Nerven zu schonen. Das heißt, wenn der Krebs nicht an die Kapsel heranwächst, kann man versuchen, die Nerven an dieser Stelle zu erhalten.
Jetzt gibt es aber auch noch anatomische Varianten. Das heißt, manchmal lassen sich die Nerven einfach nicht gut abstreifen, zum Beispiel dann nicht, wenn der Mann eine chronische Prostataentzündung hat und das Gewebe verklebt ist. In Abhängigkeit der Nervschonung bei Totaloperation mittels Da Vinci Roboter kann also die Erektion - die Steifigkeit des Penis - entweder vollständig erloschen sein. Sie kann aber auch erhalten sein, dann aber deutlich reduziert.
In einigen Fällen ist die Nervschonung, wenn der Prostatakrebs und die anatomischen Voraussetzungen es erlauben, so gut möglich, dass sich die Sexualität auch nicht stark verändert in puncto Steifigkeit des Penis. Man muss aber sagen, dass nach der Operation meistens eine Unterstützung mit dem Wirkstoff Sildenafil oder Tadalafil notwendig ist. Das sind die klassischen Medikamente zur Verbesserung der Erektion, also der Steifigkeit des Penis.
Erektile Dysfunktion Lesen Sie, was bei Errektionsstörungen nach einer Prostata-OP helfen kann. Außerdem: Wie Forschende versuchen, beschädigte Nerven zu reparieren. | ![]() |
|---|
Wichtig ist auch: Die Libido, also die Lust auf Sexualität, ändert sich nicht, denn der Testosteronspiegel bleibt erhalten. Das Testosteron wird im Hoden produziert. Das heißt, der Mann ist immer noch Mann, auch ohne Prostata. Die Steifigkeit, die wird in den Fällen, wo man keine ausgiebige Nervschonung machen kann, sicher reduziert sein. Der Samenerguss ist nach Prostata-Totaloperation vollständig weg oder es kommt vielleicht noch ein kleiner Tropfen aus einer sogenannten akzessorischen Drüse, also aus zusätzlichen Drüsen heraus.
Nichtsdestoweniger sind Nähe, Zuneigung und auch Kuscheln ohne Probleme möglich. Ich habe auch Patienten, bei denen ich keine Nervschonungen habe machen können, die sich dann zusammen eine Injektion vor dem Sex setzen. Das ist tatsächlich möglich, dass nach nicht erfolgter Nervschonung der Mann immer noch eine Steifigkeit des Penis haben kann. Dann muss aber der Mann ins Badezimmer und sich eine Schwellkörperspritze setzen, damit er nachfolgend eine künstliche Erektion haben kann.
Eine Prostata-Operation kann die Sexualität, je nachdem, welche Operation durchgeführt worden ist, erheblich beeinflussen. Aber das meiste findet im Kopf statt, denn viele Männer glauben, dass sie nachher kein Mann mehr sind. Man ist auch weiterhin Mann, auch wenn die Prostata operiert worden ist. Wichtig ist, dass man diese Inhalte mit dem Urologen bespricht und dass man auch klärt, wie sich die Sexualität vorher und nachher entwickeln wird.


