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Prostatakrebs: Zahnimplantate trotz Knochenschutzmedikamenten möglich

02. Juli 2026 | von Ingrid Müller

Wenn Prostatakrebs Knochenmetastasen gebildet hat, können sogenannte Antiresorptiva die Knochen schützen. Eine schwere Nebenwirkung dieser Medikamente ist jedoch die Kiefernekrose. Trotzdem sind Zahnimplantate möglich – unter bestimmten Bedingungen. 

Bei Prostatakrebs mit Knochenmetastasen werden oft Medikamente eingesetzt, welche die Knochen schützen und den Knochenabbau verlangsamen sollen, sogenannte Antiresorptiva. Sie greifen in den Knochenstoffwechsel ein, sollen die Knochen stabilisieren und das Risiko für Knochenbrüche senken. Zu den Antiresorptiva gehören Bisphosphonate und der Antikörper Denosumab. Diese Medikamente werden nicht nur bei Knochenmetastasen oder zum Schutz vor diesen, sondern auch bei Knochenkrebs (multiples Myelom) und gutartigen Erkrankungen der Knochen wie der Osteoporose angewendet. 

Eine gefürchtete Nebenwirkung von Antiresorptiva ist jedoch die Kiefernekrose, bei der Teile des Kieferknochens absterben. Trotz der Anwendung dieser Medikamente sei das Einpflanzen von Zahnimplantaten möglich. Darauf weist die aktualisierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hin. Allerdings müssten Zahnärztinnen und Zahnärzte das Risiko für Komplikationen bei jedem Menschen, der diese knochenschützenden Therapie anwendet, immer individuell prüfen. 

Leitlinie kurzgefasst:

  • Zahnimplantate sind trotz der Anwendung von Antiresorptiva (knochenschützenden Medikamenten) möglich.
  • Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die immer individuell geprüft werden müssen, um das Risiko für eine Kiefernekrose zu senken. Beispiele: Art des antiresorptiven Medikaments, Häufigkeit und Dauer der Anwendung, zusätzliche Krebstherapien, frühere Kiefernekrose
  • Wichtig: Gute Mundhygiene – regelmäßige Nachsorge und Kontrollen.

Kiefernekrose – selten, aber ernst

Antiresorptiva hemmen den Knochenabbau , indem sie die Aktivität der knochenabbauenden Zellen - der Osteoklasten - blockieren. Sie beeinflussen jedoch auch die natürliche Erneuerung des Knochens. Im Bereich des Kiefers können durch den Einfluss dieser Medikamente Probleme entstehen. Möglich sind zum Beispiel Entzündungen im Mundraum oder Druckstellen durch Prothesen. Auch bei Eingriffen am Kiefer kann es Risiken geben, zum Beispiel bei einer Zahnextraktion (Ziehen eines Zahns) oder dem Setzen von Zahnimplantaten. Die Folge kann eine sogenannte Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose sein.

Das wichtigste Symptom bei einer Kiefernekrose ist ein freiliegender Kieferknochen, der nicht heilt. Der abgestorbene Kieferknochen kann nach innen zum Mundraum oder nach außen frei liegen. Der Knochen wird sichtbar, weil die Schleimhaut beziehungsweise die Haut über dem abgestorbenen Kieferknochen nicht verheilt.

Zusätzlich kann eine Kiefernekrose  folgende Symptome verursachen:

  • Schmerzen
  • Gefühlsstörungen der Unterlippe
  • Taubheits-, Spannungs- oder Schweregefühl im Kiefer
  • Mundgeruch
  • Entzündungen der Kieferhöhle
  • Abszesse
  • Lockerung von Zähnen
  • Allgemeines Unwohlsein
  • manchmal Brüche des Kieferknochens

 

Implantate sind trotzdem möglich

Ein implantatgetragener Zahnersatz kann dazu beitragen, Risikofaktoren für die Kiefernekrose zu reduzieren. So lassen sich beispielsweise Druckstellen durch einen herausnehmbaren Zahnersatz vermeiden. Eine Implantatbehandlung hat aber vor allem positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, weil sie das Sprechen und Essen erleichtern kann.

Implantate seien für Personen, die  Antiresorptiva anwenden, möglich und sinnvoll, betont Prof. Knut A. Grötz aus Wiesbaden, der Koordinator der Leitlinie. Sie erfordern jedoch eine risikoangepasste Planung.“ Entscheidend für die Prognose seien die Kontrolle von Entzündungen, eine einfache Prothetik und eine strenge Indikationsstellung (das Feststellen der medizinischen Notwendigkeit), wenn ein Aufbau des Kieferknochens zur Diskussion steht. 

Knochenmetastasen

Lesen Sie, wie sich Metastasen in den Knochen erkennen und behandeln lassen. 

Prostata Hilfe Deutschland: Illustrationsbild - Arzt mit Computertomographie-Bildern
© sudok1/Adobe Stock

Entscheidung für Zahnimplantate individuell treffen

Ob Implantate infrage kommen, müssten Zahnärztinnen und Zahnärzte immer individuell entscheiden. Dabei sollten sie mehrere Faktoren berücksichtigen – unter anderem:

  • Grunderkrankung, zum Beispiel die Krebsart
  • Art der eingesetzten Antiresorptiva, Häufigkeit und Dauer der Anwendung
  • Zusätzliche Therapien wie Hormontherapie, Chemotherapie, Immuntherapie oder Antikörpertherapien
  • Allgemeiner Gesundheitszustand
  • Wundheilungsfähigkeit der Gewebe 
  • Mundhygiene 
  • frühere Nekrosen des Kieferknochens 

 

Umfangreichen Knochenaufbau vermeiden

Besonders kritisch sehen die zahnärztlichen Fachleute sogenannte Augmentationen des Kieferknochens. Darunter versteht man einen vorherigen Aufbau des Kieferknochens, wenn das vorhandene Knochenangebot nicht ausreicht, um das Implantat stabil zu verankern.

Für den Knochenaufbau verwenden Zahnärztinnen und Zahnärzte heute meist Knochenersatzmaterial. So lässt sich die Entnahme von Knochen aus einer anderen Körperregion vermeiden. Während der Anwendung von Antiresorptiva heilt der Knochen jedoch oft langsamer, weshalb solche Eingriffe problematisch sein können.

Nicht empfohlen ist es, die Antiresorptiva vorübergehend abzusetzen. Für einen Nutzen einer solchen Therapiepause gibt es bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. Auch spezielle Bluttests zur individuellen Risikobewertung empfiehlt die neue Leitlinie nicht.

Gute Mundhygiene und Nachsorge

Eine gute Mundhygiene ist für Trägerinnen und Träger von Zahnimplantaten besonders wichtig. Dazu gehören unter anderem regelmäßiges und gründliches Zähneputzen sowie die Verwendung von Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen. Außerdem sollten sie regelmäßige Kontrolltermine für den langfristigen Behandlungserfolg wahrnehmen. Im Rahmen der Implantat-Nachsorge lassen sich mögliche Entzündungen frühzeitig erkennen und behandeln.

Die Erfolgsaussichten bei den Implantaten unterscheiden sich bei Menschen, die  Antiresorptiva anwenden, kaum von den Erfolgsraten bei Personen, die diese Medikamente nicht anwenden. Vor einer geplanten Implantation sei aber eine umfassende Aufklärung über mögliche Risiken von Bedeutung. Das gelte vor allem hinsichtlich des persönlichen Risikos für eine Kiefernekrose, so die Leitlinie.

Quellen:

  • S3-Leitlinie (Langfassung) Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva (inkl. Bisphosphonate), Stand: März 2026, Gültig bis: März 2031, https://www.dginet.de/wp-content/uploads/2026/05/083-026l_S3_Zahnimplantate-medikamentoese-Behandlung-Knochenantiresorptiva-Bisphosphonate_2026-04.pdf (Abruf: 1.7.2026)
  • Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI), https://www.dginet.de/leitlinien/implantate-bei-knochenantiresorptiva/ (Abruf: 1.7.2026)
  • Informationsdienst Wissenschaft, https://idw-online.de/de/news873076 (Abruf: 1.7.2026)