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Fokale Therapien bei Prostatakrebs langfristig wirksam

21. Juli 2026 | von Ingrid Müller

Fokale Therapien zielen nur auf den erkrankten Teil der Prostata ab. Behandlungen wie die HIFU oder Kryotherapie kommen derzeit nur bei lokal begrenztem Prostatakrebs und bestimmten Risikoprofilen zum Einsatz. Eine Studie aus London fand jetzt heraus, dass sie auch über einen Zeitraum von zehn Jahren effektiv sind. 

Fokale Therapien behandeln nur jenen Teil der Prostata, in dem sich der Krebs gebildet hat. Sie schonen umliegendes gesundes Gewebe so gut wie möglich. Zu den fokalen Behandlungen gehören zum Beispiel der hochintensivierte fokussierte Ultraschall (HIFU) oder die Kryotherapie, die mit extremer Kälte funktioniert. Die Therapien sind minimal-invasiv (Schlüssellochchirurgie) und gelten als schonender und nebenwirkungsarm. 

Eine neue Studie von Forschenden aus London analysierte jetzt Daten über zehn Jahre zur langfristigen Wirksamkeit der HIFU und der Kryotherapie. Beide Therapien schnitten bei Männern mit einem nichtmetastasierten Prostatakrebs gut ab. „Die fokale Therapie ist langfristig effektiv“, schreibt die Forschungsgruppe um den Urologen Dr. Alexander Light vom Imperial College London. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlichte sie im Fachmagazin European Urology (Juli 2026).

Fokale Therapien im Überblick

Lesen Sie, welche fokalen Behandlungen es gibt, wie sie funktionieren und für welchen Mann sie sich eignen.

Prostata Hilfe Deutschland: Grafik Prostata und Prostatakrebs
(c) Kateryna_Kon/Adobe Stock

Fast 3.500 Männer mit verschiedenen Prostatakrebsrisikoprofilen

In die Analyse eingeschlossen waren 3.477 Männer mit Prostatakrebs ohne Metastasen, deren Daten in den HEAT- und ICE-Registern erfasst worden waren. Das Kürzel „HEAT „steht für HIFU Evaluation and Assessment of Treatment, die Abkürzung „ICE“ für International Cryotherapy Evaluation. 

Sie hatten sich zwischen 2004 und 2024 an 14 Kliniken im Vereinigten Königreich entweder einer HIFU (2.897 Männer) oder einer Kryotherapie (580 Männer) unterzogen. Nach der Einteilung der European Association of Urology (Version 2025) hatten die Tumoren unterschiedliche Risikoprofile: 48 Prozent der Männer hatten einen Prostatakrebs mit günstigem intermediärem Risiko, 23 Prozent einen Tumor mit ungünstigem intermediärem Risikoprofil und 25 Prozent ein Hochrisiko-Prostatakarzinom. Bei neun von zehn Männern war das Risikoprofil intermediär oder hoch.

Diese Tumoren werden in der Regel nicht aktiv überwacht, sondern sollten aktiv behandelt werden. Diese EAU-Klassifikation lässt Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit zu, mit der der Tumor zurückkehrt (Rückfall, Rezidiv) oder sich nach einer Behandlung ausbreitet und Metastasen bildet.  

Die Männer wurden bis zu zweimal mit einer fokalen Therapie behandelt, entweder mit der HIFU oder mit der Kryotherapie. Die Forschungsgruppe beleuchtete innerhalb von zehn Jahren vor allem die Sterblichkeit aufgrund der Prostatakrebserkrankung, aber auch die Gesamtsterblichkeit, die Entwicklung von Metastasen sowie die Notwendigkeit einer radikalen Prostatektomie, einer lokale Prostatakrebsbehandlung oder Hormontherapie.

Fokale Behandlungen sind auch über zehn Jahre effektiv

Die Ergebnisse für einen Nachbeobachtungszeitraum von zehn Jahren lassen sich so zusammenfassen:

  • Nur zwei Männer (0,1 Prozent) von fast 3.5000 Probanden starben an ihrer Prostatakrebserkrankung. Diese sehr niedrige krebsbedingte Sterblichkeit sei mit  jener bei der radikalen Prostatektomie und der Strahlentherapie vergleichbar. 
  • Bei 3 von 100 Männern (drei Prozent) hatte sich der Prostatakrebs über die Prostata hinaus ausgebreitet – auch diese Raten seien ähnlich wie nach einer Prostata-OP oder Bestrahlung.
  • Einer von drei Männern benötigte eine zusätzliche Behandlung. 30 Prozent der Männer benötigten eine lokale und 33 Prozent eine radikale Therapie. Manche entschieden sich für die Prostataentfernung, andere für die Strahlentherapie, obwohl auch eine weitere fokale Behandlung möglich gewesen wäre. 
  • Von den Männern, die eine zweimalige fokale Behandlung erhalten hatten, brauchte nur einer von zehn Männern eine Prostata-OP oder Strahlentherapie aufgrund eines erneuten Tumors. Zum Vergleich: Bei 15 bis 30 Prozent der Männer, die einen Prostatakrebs mit einem ähnlichen Risikoprofil haben und sich einer Operation oder Bestrahlung unterzogen haben, kehrt der Krebs zurück.

 

„Die fokale Therapie mit bis zu zwei Behandlungen mittels HIFU oder Kryotherapie kann eine Erstlinientherapie für sorgfältig ausgewählte Männer sein, deren Prostatakrebs nicht metastasiert ist – neben den bekannten radikalen Behandlungen“, schreiben die Autoren und Autorinnen. Die Studie besitze jedoch auch einige Einschränkungen. So sei dies eine reine Beobachtungsstudie, schreibt die Forschungsgruppe. Dabei werden zum Beispiel Verläufe von Erkrankungen analysiert. 

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Fokale Behandlung mit weniger Nebenwirkungen

Die Teilbehandlung der Prostata kommt nicht für jeden Mann in Frage, sondern nur bei frühem Prostatakrebs und wenn einige weitere Kriterien erfüllt sind. Die aktuelle S3-Leitlinie zu Prostatakrebs empfiehlt die meisten fokalen Therapien nur im Rahmen von klinischen Studien, weil bislang noch Daten zur langfristigen Wirksamkeit fehlen.

Die Behandlung eines örtlich begrenzten Prostatakarzinoms hängt zudem maßgeblich vom Risikoprofil des Tumors ab. Für Tumore mit niedrigem Risikoprofil ist zum Beispiel laut der neuen Leitlinie zunächst ausschließlich eine aktive Überwachung empfohlen. Dabei wird der Tumor nur beobachtet und kontrolliert, aber nicht aktiv behandelt. Für ungünstigere Risikoprofile kommen die Prostataentfernung (radikale Prostatektomie) oder die Strahlentherapie in Frage. Beide Krebstherapien sind jedoch mit Nebenwirkungen wie einer Erektilen Dysfunktion, Inkontinenz und Darmproblemen verbunden. Diese Nebenwirkungen schränken die Lebensqualität und das Wohlempfinden vieler Männer ein. Eine Inkontinenz nach einer OP kann oft lange bleiben.

Die fokale Therapie schneidet bei diesen Nebenwirkungen besser ab, weil sie sich nur gegen das Krebsgewebe richtet. Sie schont gesundes Gewebe weitgehend sowie die Nerven und Muskeln in der Umgebung der Prostata, die für die sexuelle Funktion und die Kontinenz zuständig sind. 

Alexander Light schlussfolgert: „Die Studienergebnisse sind wirklich ermutigend. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sind nur zwei Männer an Prostatakrebs gestorben. Viele Männer haben von der fokalen Behandlung profitiert, sogar jene mit einem aggressiveren Tumor. Normalerweise hätte man ihnen gesagt, dass eine fokale Therapie für sie nicht in Frage kommt.“
 

Quellen:

  • Light A. et. al. Oncological Outcomes Following Focal HIFU and Cryotherapy for Treatment of Nonmetastatic Prostate Cancer in the United Kingdom: An Updated Analysis of 3477 Patients from the Prospective HEAT and ICE Registries, European Urology, 2026, ISSN 0302-2838, https://doi.org/10.1016/j.eururo.2026.05.007, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S030228382602169X
  • Imperial College London, press release, 17.7.2026, https://www.imperial.nhs.uk/about-us/news/new-study-shows-focal-therapy-treats-prostate-cancer