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Hormontherapie bei Prostatakrebs: Pflaster statt Spritze
06. Mai 2026 | von Ingrid MüllerEine Hormontherapie erhalten Männer mit Prostatakrebs oft als Injektionen. Doch Hormonpflaster, die auf die Haut geklebt werden, sind offenbar ähnlich effektiv wie Spritzen - und besitzen weniger Nebenwirkungen, ergab eine neue Studie.
Männer mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs, der unter dem Einfluss von Hormonen wächst, erhalten in der Regel eine Hormontherapie. Die eingesetzten Medikamente unterbinden die Produktion von Testosteron. Die Hormontherapie gilt als sehr wirksam im Kampf gegen Prostatakrebs. Meist erhalten Männer die Medikamente als Injektionen in der Arztpraxis oder Klinik.
Forschende des University College London (UCL) prüften jetzt in einer neuen Studie, ob Hormonpflaster, die auf die Haut geklebt werden, eventuell eine Alternative zu den Spritzen sein könnten. Sie fanden heraus, dass die hormonhaltigen Pflaster den Tumor genauso gut und wirksam kontrollieren können wie Hormonspritzen. Auch die Nebenwirkungen wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche waren bei der Anwendung des Pflaster geringer. Die Studienergebnisse wurden im renommierten Fachmagazin The New England Journal of Medicine (JAMA) veröffentlicht.
Hormontherapie Erfahren Sie, wie die Hormontherapie bei Prostatakrebs funktioniert und für wen sie in Frage kommt. | ![]() |
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Hormontherapie mit Pflaster oder Injektionen
An der Studie nahmen 1.360 Männer aus dem Vereinigten Königreich teil, die zwischen 68 und 77 Jahren alt waren. Ihr Prostatakrebs war lokal fortgeschritten, also über die Prostata hinausgewachsen, aber nicht metastasiert. Es waren daher keine Tochtergeschwulste in anderen Geweben und Organen nachweisbar, zum Beispiel in den Knochen, in der Leber oder Lunge. Dorthin streut das Prostatakarzinom bevorzugt.
Nach nach dem Zufallsprinzip wurden sie auf zwei Gruppen aufgeteilt:
- Die einen erhielten ein Estradiol-Pflaster (100 Mikrogramm Estradiol alle 24 Stunden). Estradiol ist eine Form des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen. Das Pflaster liefert dem Körper Östrogen über die Haut. Dadurch wird die Testosteronproduktion gebremst. Das Hormonpflaster können Männer selbst aufkleben und wechseln.
- Die anderen Männer bekamen die Standardtherapie in Form von Injektionen mit LHRH-Analoga. Das sind Medikamente, die auf die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) im Gehirn einwirken. Diese Drüse steuert die Produktion des Testosterons. Anfangs kurbeln LHRH-Analoga die Testosteronproduktion noch an, aber dann kommt sie allmählich zum Erliegen. Für die Injektionen müssen Männer jedoch immer ihren Arzt oder ihre Ärztin besuchen.
Pflaster: Effektiv gegen den Tumor - weniger Nebenwirkungen
Nach einem Beobachtungszeitrum von drei Jahren zeigte sich folgendes Bild: Beide Behandlungen – Pflaster und Injektionen – erzielten gleich gute Effekte bei der Kontrolle des Tumors. 87 Prozent der Männer, die das Pflaster angewendet hatten, waren noch am Leben und ihr Krebs hatte sich nicht weiter ausgebreitet, also keine Metastasen gebildet. In der Gruppe mit der Standardbehandlung waren es 86 Prozent.
Auch zu den Nebenwirkungen von Pflaster und Spritze stellte die Forschungsgruppe einige Vergleiche an. Bei Männern, die das Pflaster anwendeten, fielen jene Nebenwirkungen, die durch niedrige Östrogenwerte bedingt sind, deutlich geringer aus. Dazu zählen zum Beispiel Hitzewallungen. Nur 44 Prozent in der „Pflaster-Gruppe“ berichteten von Hitzeschüben. In der Gruppe mit den Injektionen waren es dagegen 89 Prozent.
Auf die Knochendichte schien sich das Estradiol-Pflaster ebenfalls günstig auszuwirken. In dieser Gruppe erlebten fünf Jahre nach dem Beginn der Studie nur 2,8 Prozent Knochenbrüche, in der Injektionsgruppe waren es dagegen 5,8 Prozent.
Die Forschenden erklären diese verschiedenen Effekte so: Bei den LHRH-Analoga rühren die Nebenwirkungen nicht nur vom niedrigen Testosteron-, sondern auch vom niedrigen Östrogenspiegel her. Das meiste Östrogen entsteht bei Männdern aus dem Testosteron, dessen Produktion jedoch gebremst wird. Daher sind beide Werte niedrig. Die Pflaster geben dem Körper dagegen Östrogen und vermindern so jene Nebenwirkungen, die durch einen Östrogenmangel hervorgerufen werden.
Einen Nachteil hatten die Pflaster jedoch: Schwellungen des Brustgewebes (Gynäkomastie) traten bei ihrer Anwendung häufiger auf als bei Männern, die Spritzen erhielten (85 gegenüber 42 Prozent).
„Unsere Studienergebnisse könnten dazu beitragen, dass Männer mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs zukünftig besser auswählen können, welche Anwendungsweise der Hormontherapie am besten zu ihnen passt“, sagt Prof. Ruth Langley vom UCL. „Für manche Männer sind zum Beispiel Hitzewallungen besonders unangenehm. Dann können Hormonpflaster die Lebensqualität entscheidend verbessern.“
Hitzewallungen bei Männern Lesen Sie die besten Tipps gegen Hitzewallungen - unter einer Hormontherapie keine Seltenheit. | ![]() |
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Pflaster besitzen keine Zulassung für Prostatakrebs
In der Studie wurden die gleichen Pflaster verwendet, die auch Frauen in den Wechseljahren als Hormonersatztherapie (HRT) gegen ihre Beschwerden anwenden. Derzeit sind Estradiol-Pflaster aber nicht zur Behandlung von Prostatakrebs zugelassen. Die Forschungsgruppe hofft aber, dass sie zukünftig leichter verfügbar und zugänglich sind. Dann hätten Männer mehr Wahlmöglichkeiten bei ihrer Krebsbehandlung.
Simon Grieveson von der Organisation Prostate Cancer UK fasst die Ergebnisse der Studie so zusammen: "Die Hormontherapie kommt bei Prostatakrebs sehr häufig zum Einsatz und ist eine effektive Behandlung. Aber die regelmäßigen Injektionen können bei vielen Männern deutliche Nebenwirkungen verursachen. Hormpflaster wie jene aus dieser Studie, die auf die Haut aufgebracht werden, können das Fortschreiten des Tumors genaus effektiv aufhalten. Die Pflaster sind angenehmer, komfortabler, weniger invasiv und können Männern eine größere Wahlfreiheit bei ihrer Behandlung geben. Sie können entscheiden, was ihnen wichtig ist und wie sie ihr Leben leben möchten.“
Und Caroline Geraghty vom Cancer Research UK betont: "Prostatakrebs bleibt die häufigste Krebsart bei Männern. Deshalb müssen weiter daran arbeiten, neue und wirksame Behandlungen für diese Erkrankung zu finden. Aber nicht nur das: Wir müssen auch Wege finden, um sie anwendungsfreundlicher machen.“ Somit könnten Männer nicht nur länger, sondern auch besser leben.
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