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Hyperthermie - Wärme gegen Prostatakrebs!

22. Juli 2018 | von Ingrid Müller

Die Hyperthermie erwärmt das Gewebe bei Prostatakrebs und soll so die Krebszellen um die Ecke bringen. Lesen Sie, wie die Hyperthermie funktioniert und für welche Männer sie sich eignet!

Gegen Prostatakrebs gibt es vielerlei Behandlungsstrategien: Ärzte setzen nicht nur die ChirurgieMedikamenteStrahlen oder eisige Kälte gegen die Krebszellen in der Prostata ein, sondern auch Wärme. Hyperthermie heißt diese Krebstherapie. Der Begriff hat seine Wurzeln im Griechischen und bedeutet so viel wie „Überwärmung“. 

Es gibt verschiedene Verfahren der Hyperthermie. Eines ist jedoch allen Methoden gemeinsam: Ärzte erwärmen bestimmte Körperbereiche und Gewebe auf mehr als 40 Grad Celsius. Oft setzen sie dafür elektromagnetische Strahlen ein, in der Regel Radiowellen oder Mikrowellen. Obwohl Mediziner schon seit mehr als 100 Jahren Krebspatienten mit Wärme behandeln, ist die Hyperthermie bis heute kein Standardverfahren – auch nicht bei Prostatakrebs. Die Wärmetherapie setzen Ärzte auch nicht alleine ein, sondern immer in Kombination mit anderen Krebsbehandlungen ein.

Prostatakrebs

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Wie wirkt die Hyperthermie?

Die Idee hinter der Hyperthermie ist, die Krebszellen gezielt zu attackieren und gesundes Gewebe weitgehend zu schonen. Tumorzellen reagieren empfindlicher auf Hitze als gesunde Zellen. Bei Temperaturen zwischen 40 bis 42 Grad Celsius verändern sich die Zellwände der Krebszellen. Dort bilden sich Stresseiweiße, sogenannte Hitzeschock-Protein (engl. Heat-Shock-Proteine). Diese sind für die körpereigenen Abwehrzellen des Immunsystems eine Art Alarmsignal. Sie wandern an den Ort des Geschehens und bekämpfen die angeschlagenen Krebszellen – dann gehen sie zugrunde.

Die Wärmetherapie hat aber noch andere Wirkungen: Sie kurbelt die Durchblutung des Tumors an und macht das Gewebe empfindlicher für Wirkstoffe, die in Medikamenten enthalten sind. Die Zellen können diese besser aufnehmen, was ihre Wirkung steigert. Auch die Strahlen einer Radiotherapie wirken intensiver. Ärzte wenden die Wärmetherapie immer nur in Kombination mit anderen Behandlungen an, zum Beispiel einer Chemotherapie oder Bestrahlung.

Wie funktioniert die Hyperthermie?

Gegen Prostatakrebs setzen Ärzte bei der Hyperthermie meist elektromagnetische Wellen ein. Mikrowellen und Radiowellen gehören dazu. Bei manchen Krebserkrankungen erwärmen sie den gesamten Körper (Ganzkörperhyperthermie), bei anderen – wie dem Prostatakrebs – gezielt nur die erkrankte Prostata. Der Ablauf lässt sich ungefähr so beschreiben:

  • Durch die Harnröhre führen Ärzte einen Katheter ein und schieben ihn bis zur Prostata vor (die Harnröhre verläuft direkt durch die Prostata). 
  • An dessen Spitze sitzt eine spezielle Sonde, welche die Strahlen aussendet. 
  • Diese erwärmen das Gewebe, heizen es auf und „schmelzen“ es ein. Transurethrale Radiofrequenzhyperthermie (TURF) oder Transurethrale Prostatahyperthermie lauten die Fachbegriffe für diese Methode.

 

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Für welche Männer ist die Wärmebehandlung geeignet?

Die Hyperthermie eignet sich zunächst für gutartige Prostataerkrankungen, zum Beispiel die Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). Aber auch Prostatakrebs lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen mit Hilfe der Wärmetherapie bekämpfen.

Wichtig ist, dass die Hyperthermie keine Alternative zu anderen Behandlungen bei Prostatakrebs ist, sondern nur eine Ergänzung, etwa zur Strahlentherapie. Sie soll ihre Wirkung verstärken. Die Wärmetherapie kommt zudem nur für Männer mit lokal begrenztem Prostatakrebs in Frage. Bei lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom ist die Anwendung nicht empfohlen. Dann hat der Tumor schon die Kapsel der Prostata durchbrochen. Auch bei Metastasen in anderen Organen ist die Hyperthermie keine Behandlungsmöglichkeit.

Derzeit lasse sich die therapeutische Wirksamkeit der Hyperthermie aber noch nicht abschätzen, schreiben die Autoren der Leitlinie „Prostatakrebs“. Die bisher vorliegenden Studien seien nicht aussagekräftig genug. Es muss also weiter an der Hyperthermie geforscht werden.

Hyperthermie bei Prostatarebs – Vorteile und Risiken

Ein Vorteil der Wärmebehandlung ist, dass sie andere Krebsbehandlungen wie eine Chemo- oder Strahlentherapie scheinbar effektiver macht. So haben Männer mit Prostatakrebs womöglich bessere Chancen, ihren Tumor dauerhaft loszuwerden.

Eine mögliche Gefahr bei der Hyperthermie ist, dass sich die Ausbreitung und Verteilung der Wärme im Gewebe bei manchen Verfahren nicht gut kontrollieren und steuern lässt. Einerseits muss es im Tumor heiß genug sein, andererseits sollen die elektromagnetischen Wellen gesundes Gewebe nicht beschädigen. In den Randzonen der Prostata sind die erforderlichen Hitzegrade nicht immer erreichbar. Allgemein vertragen die meisten Krebspatienten die Hyperthermie gut.

Wer bezahlt die Hyperthermie bei Prostatakrebs?

Die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sind nicht verpflichtet, die Kosten für die Hyperthermie zu übernehmen Der Grund ist, dass die Wirksamkeit der Wärmebehandlung bei Krebs noch nicht ausreichend durch Studien belegt ist. Sprechen Sie trotzdem vorab mit Ihrer Krankenkasse, ob sie die Hyperthermie bezahlen. Manchmal sind die Krankenversicherungen kulant. Eine Hyperthermie kann – je nach Klinik und Praxis – zwischen 1.800 und 2.600 Euro kosten.

Quellen

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, April 2018
  • Deutsche Krebsgesellschaft, www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 22.7.2018)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 22.7.2018)
  • American Cancer Society, https://www.cancer.org/treatment/treatments-and-side-effects/treatment-types/hyperthermia.html
  • National Cancer Institute, https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/types/surgery/hyperthermia-fact-sheet
  • Gesellschaft für biologische Krebsabwehr (GfBK), www.biokrebs.de/images/download/Therapie_Infos/Hyperthermie.pdf