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Prostatavergrößerung: Operation mit Wasserstrahl

10. September 2020 | von Ingrid Müller

Eine  vergrößerte Prostata lässt sich auch mittels Wasserstrahl und einem Roboter verkleinern. Die neue Methode soll schneller, sanfter und sicherer sein. Die wichtigsten Fakten zur Aquablation bei gutartiger Prostatavergrößerung.

Ständiger Harndrang, schwacher Harnstrahl und eine Blase, die sich nicht richtig entleert– diese Symptome einer gutartigen Prostatavergrößerung erlebt beinahe jeder Mann im Lauf seines Lebens. Es gibt eine Reihe von Behandlungen, mit denen sich die Beschwerden lindern lassen – von pflanzlichen Arzneimitteln über Medikamente bis hin zur Operation. Dabei verkleinern Chirurgen die zu groß gewordene Prostata mit Hilfe verschiedener Techniken. 

Als Standards gelten die TUR‑P, bei der Ärzte das Gewebe mit Hilfe einer Elektroschlinge abtragen, und die Laserbehandlung. Dabei verdampfen sie das überschüssige Gewebe mit Hitze. Jetzt gibt es ein neues Verfahren, um die Prostata zu verkleinern – per Wasserstrahl. Aquablation heißt die Methode. Lesen Sie, was dahinter steckt, wie sie abläuft und wie wirksam sie ist.

Gutartige Prostatavergrößerung

Lesen Sie alles über die Ursachen, Symptome und Behandlungen bei einer gutartigen Prostatavergrößerung.

Operation bei Prostatavergrößerung – was aus Männersicht wichtig ist

Bevor sich Männer für eine Operation aufgrund ihrer Prostatavergrößerung entscheiden, wägen sie in der Regel meist gemeinsam mit ihrem Arzt das Für und Wider sowie die Vor- und Nachteile verschiedener Methoden ab. Für die meisten Männer steht wohl ein gutes funktionelles Ergebnis im Vordergrund. So soll das Wasserlassen nach der Op wieder beziehungsweise wieder besser möglich sein. Auch die Sexualfunktion soll möglichst erhalten bleiben.

Daneben spielt das Langzeitergebnis eine wesentliche Rolle. Als Zeitspanne gelten zehn Jahre nach dem Eingriff. Denn keinem Mann nützt es etwas, wenn der Operationserfolg nur von kurzer Dauer ist und die Probleme schnell wiederkehren. „Dann ist eine erneute Op notwendig, die schließlich niemand möchte“, erklärt der Urologe Dr. Jost von Hardenberg, Oberarzt an der Klinik für Urologie und Urochirurgie der Universitätsmedizin Mannheim. Und zuletzt sollte die Methode mit möglichst wenig Komplikationen, Risiken und Nebenwirkungen verknüpft sein.

Wasserstrahl-Op bei Prostatavergrößerung – Ablauf

Die Prostataverkleinerung mittels Wasserstrahl gilt als schnell, sanft und schonend. Forscher im kalifornischen Silicon Valley haben das Verfahren entwickelt. In Deutschland kommt die minimal-invasive Methode schon an verschiedenen Kliniken zum Einsatz. Der Ablauf lässt sich so beschreiben:

  • Ärzte führen die Op unter einer Voll- oder Rückenmarksnarkose im Krankenhaus durch.
  • Zunächst identifizieren und markieren Urologen genau jenen Bereich der Prostata mit Hilfe des transrektalen Ultraschalls, den sie entfernen wollen. Dann erstellen sie einen Behandlungsplan, der die individuellen anatomischen Gegebenheiten eines Mannes berücksichtigt.
  • Das Operationsinstrument, das den scharfen Wasserstrahl abgibt, führt der Arzt über den Penis in die Harnröhre ein und schiebt es in die Prostata vor. Es ist an eine Ultraschallsonde gekoppelt, damit er einen guten Blick auf die Prostata hat.
  • Ein Operationsroboter führt den Eingriff nach dem Behandlungsplan selbstständig durch, aber unter Aufsicht des Arztes. Er verfolgt das Geschehen über eine Kamera am Bildschirm. So kann er jederzeit eingreifen, wenn es nötig ist.
  • Der Roboter lenkt den Wasserstrahl präzise und mit Hochdruck durch eine besondere Saphir-Düse auf das wuchernde Gewebe – ebenfalls unter Kontrolle per Ultraschall. So trägt er das überschüssige Gewebe ab und schält die Prostata mit Hilfe des Wassers aus.
  • In der Regel können Männer einen Tag nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen. Meist erhalten sie nach der Op einen Blasenkatheter, den sie auch zu Hause noch einige Tage tragen müssen.

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Prostata mit Wasserstrahl schrumpfen – welche Vorteile gibt es?

Die Prostataverkleinerung mittels Wasserstrahl habe einige Vorteile für den Mann, sagen die Entwickler der Methode und die anwendenden Ärzte. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Es kommt weder Strom noch Hitze zum Einsatz, sondern nur kaltes Wasser – daher soll die Verkleinerung der Prostata besonders schonend ausfallen.
  • Die Wasserstrahl-Op soll sehr präzise sein und umliegendes Gewebe nicht schädigen.
  • Das Verfahren funktioniert schneller als herkömmliche Methoden zur Prostataverkleinerung. Ungefähr 30 Minuten brauchen Ärzte für den Eingriff. Das reine Abtragen mit dem Wasserstrahl dauert sogar nur ungefähr fünf Minuten. Zum Vergleich: Eine „normale“ Op nimmt etwa 60 bis 90 Minuten in Anspruch. Allerdings dürfte für die meisten Männer weniger der Zeitfaktor – die Op-Minuten und die Dauer des Krankenheitsaufenthalts – als vielmehr ein gutes Operationsergebnis eine Rolle spielen.
  • Im Gegensatz zur mechanischen Technik oder Hitzebehandlung soll die Methode das Gewebe im Operationsgebiet weniger reizen – Patienten genesen rascher.
  • Auch den Schließmuskel der Blase soll das Wasserstrahl-Verfahren schonen und das Risiko einer Inkontinenz senken.
  • Mit hoher Wahrscheinlichkeit können Männer anschließend einen ganz normalen Samenerguss haben – die Ejakulation soll durch den Eingriff nicht leiden. Das Gleiche gilt für die Erektionsfähigkeit.

Prostata verkleinern mittels Wasserstrahl – wie wirksam ist die Methode?

Wie gut ist die Wasserstrahl-Op im Vergleich zu den etablierten Op-Methoden wie TUR‑P und Laser? Beide gelten derzeit als „Goldstandard“ bei der Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung. Um das zu beurteilen, hilft ein Blick in die bisher veröffentlichten Studien zur Wasserstrahl-Op bei Prostatahyperplasie.

Die größte Aussagekraft besitzen sogenannte randomisierte, kontrollierte Studien. Dabei ordnen Forscher die teilnehmenden Männer zufällig per Los einer Behandlungsgruppe zu. Die WATER-Studie neuseeländischer Forscher um Peter Gilling schloss 181 Männer zwischen 45 und 80 Jahren ein. Die Größe ihrer  Prostata lag zwischen 30 und 80 Milliliter. Alle litten unter moderaten bis schweren Symptomen des unteren Harntraktes (LUTS). 116 Männer erhielten eine Op mittels Wasserstrahl, 65 Männer eine TUR‑P. Die Forscher beobachteten die Männer zwei Jahre lang nach dem Eingriff – mit folgenden Ergebnissen:

  • Das Wasserlassen funktionierte nach der Op mittels Wasserstrahl genauso gut wie nach der TUR‑P.
  • Die Erektile Funktion war nach der TUR‑P zwar geringfügig schlechter als nach der Aquablation, aber nicht statistisch signifikant. Auch für die Männer selbst dürfte dieser minimale Unterschied kaum bedeutsam sein.
  • Komplikationen: Sechs Monate nach der Op fanden die Forscher keine gravierenden Unterschiede bezüglich der Komplikationen zwischen der Op mittels Wasserstrahl und der TUR‑P.
  • Erneute Prostata-Op: Zwölf Monate nach der ersten Op mussten sich 1,7 Prozent der Männer, die mittels Wasserstrahl-Op behandelt worden waren, einem erneuten Eingriff an der Prostata unterziehen – nach der TUR‑P dagegen niemand. Zwei Jahre später sahen die Zahlen so aus: 4,3 Prozent brauchten nach der Aquablation und 1,5 Prozent nach einer TUR‑P eine erneute Op. Insgesamt tragen Ärzte bei der Aquablation weniger Gewebe ab als mit dem Laser oder bei TUR‑P. Daher lässt sich nicht ausschließen, dass die Prostata wieder nachwächst. Auch die größere Erfahrung der Ärzte mit der TUR‑P könnte die geringere Rate an erneuten Operationen erklären.

 

Langzeitergebnisse, die einen größeren Zeitraum als zwei Jahre umfassen, stehen für die Aquablation noch aus.

Aquablation – wann geeignet, wann nicht?

Die Folgestudie WATER II untersuchte, wie gut die Ergebnisse bei einer größeren Prostata (80 bis 150 ml) nach sechs Monaten waren. Allerdings gab es hier keinen Vergleich mit anderen Behandlungsmethoden wie TUR‑P oder Laser. So stehen aussagekräftige Ergebnisse aus vergleichenden Studien noch aus. Das Fazit dieser Studie war, dass die Aquablation auch bei einer größeren Prostata wirksam und sicher ist. Alle Parameter zum Wasserlassen hatten sich verbessert. Allerdings gab es bei manchen Männern Komplikationen.

Daneben zählen aber noch andere Aspekte, die Ärzte in die Entscheidung für eine bestimmte Behandlung einbeziehen. So haben zum Beispiel rund fünf Prozent aller Männer, die sich einer Op wegen einer Prostatavergrößerung unterziehen, zugleich Blasensteine. Im Rahmen der TUR‑P können Ärzte sie gleich mitentfernen. Bei einer Aquablation ist dies dagegen nicht möglich. Außerdem nehmen nicht wenige Männer Medikamente zur Blutverdünnung ein. Für sie eignet sich die Wasserstrahl-Methode nicht.

Wasserstrahl-Op – mögliche Nebenwirkungen

Wie jedes operative Verfahren kann auch die Aquablation einige Nebenwirkungen mit sich bringen. Meist sind die Beschwerden aber mild ausgeprägt und vorübergehender Natur. Die wichtigsten sind:

  • Leichte Schmerzen
  • Probleme beim Wasserlassen
  • Beschwerden im Beckenraum
  • Blut im Urin
  • Schwierigkeiten, die Blase komplett zu entleeren
  • Häufiger und/oder ausgeprägter Harndrang
  • Blasen- und Harnwegsinfektion
  • Probleme bei der Ejakulation
  • Verletzungen der Harnröhre oder des Enddarms

 

Fazit: Die Aquablation ist ein noch relativ neues Verfahren. Die Operation mittels Wasserstrahl eignet sich zwar nicht für alle Männer, aber manche könnten davon profitieren. In Deutschland ist für die Aquablation zur Behandlung von Männer mit einer Prostatavergrößerung zugelassen. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür.

Bis weitere Daten zur Wasserstrahl-Op bei einer Prostatavergrößerung vorliegen, rät der Urologe von Hardenberg Folgendes: TUR‑P sei der Standard bei einer kleineren Prostata von ungefähr 50 Milliliter, der Laser bei einer Prostata um 80 Milliliter. Bei sehr großen Drüsen von rund 200 Milliliter sei die chirurgische Ausschälung der Prostata die Therapie der Wahl. Die sogenannte Adenomenukleation können Ärzte offen über einen Bauchschnitt oder per „Schlüssellochchirurgie“ im Rahmen einer Bauchspiegelung durchführen.

Prostatavergrößerung – die meisten Männer trifft sie irgendwann

Die gutartige Prostatavergrößerung betrifft viele Männer, besonders in höherem Lebensalter: Unter den 40- bis 60-Jährigen ist etwa jeder zweite Mann betroffen. Bei den 60- bis 80-Jährigen sind es schon rund 75 Prozent und bei den Über-80-Jährigen sogar etwa 90 Prozent. Das vermehrte Prostatagewebe drückt auf die Blase und Harnröhre, was verschiedenste Symptome hervorrufen kann:

  • Männer können das Wasserlassen nur schwer beginnen.
  • Der Harnstrahl ist geschwächt.
  • Aufgrund des gehäuften Harndrangs müssen sie öfters zur Toilette, besonders nachts.
  • Manchmal setzt der Harndrang plötzlich ein und es geht ungewollt Urin ab
  • Etwa 30 Prozent der Männer mit Prostatavergrößerung leiden unter Erektionsstörungen und/oder Schwierigkeiten beim Samenerguss.

 

Medizinische Beratung: Dr. Jost von Hardenberg

Quellen:

• Gilling, P., Barber, N., Bidair, M. et al. Two-Year Outcomes After Aquablation Compared to TURP: Efficacy and Ejaculatory Improvements Sustained. Adv Ther 36, 1326–1336 (2019). https://doi.org/10.1007/s12325-019–00952‑3 (Abruf: 9.9.2020)
• Desai M. et al. Aquablation for benign prostatic hyperplasia in large prostates (80–150 mL): 6-month results from the WATER II trial, Functional Urology, 8. Februar 2019, https://bjui-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/bju.14703 (Abruf: 9.9.2020)
• Aquablation, https://aquablation.com/ (Abruf: 9.9.2020)
• Procerpt Biorobotics, https://www.procept-biorobotics.com/aquablation-therapy/ (Abruf: 9.9.2020)