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Prostata Hilfe Deutschland: Mann steht in der Sonne auf dem Berg (c) StockSnap/Pixabay.com

Wie hilft die Psychoonkologie bei Prostatakrebs?

26. Januar 2026 | von Ingrid Müller - Chefredakteurin, aktualisiert und medizinisch geprüft

Eine Krebserkrankung wie Prostatakrebs betrifft auch die Psyche. Die Psychoonkologie nutzt verschiedene Ansätze, um seelische Belastungen wie Ängste zu vermindern und die Lebensqualität zu verbessern. Auch palliativ behandelten Krebskranken bietet sie Unterstützung.

Kurzübersicht

  • Was ist Psychoonkologie? Psychische Unterstützung für Krebskranke und Hilfe bei existenziellen Fragen, beispielsweise Lebenszeit, Beruf, Geldverdienen
  • Psychoonkologie-Ausbildung: Fachleute mit Weiterbildung auf dem Gebiet, beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen, Psychotherapeuten, (Sozial)pädagoginnen oder Sozialarbeiter
  • Wie hilft die Psychoonkologie? Beispielsweise Information, Beratung, individuelle Hilfestellung bei der Krankheitsbewältigung sowie bei sozialen und rechtlichen Fragen
  • Diagnose: anhand spezieller Fragebogen und verschiedener Tests, das Ausmaß und den Bereich der Belastung erfassen
  • Behandlungen: zum Beispiel Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Yoga, Progressive Muskelentspannung; Wissensvermittlung, Psychotherapie, beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie; künstlerische Therapien, beispielsweise Tanzen, Malen, Zeichnen; neu sind E-Health-Interventionen wie Gesundheits-Apps, Gesundheitswebseiten, Videokonferenzen, Telefon, Telemedizin: die Psychoonkologie ist eine Kassenleistung (gesetzliche und private Krankenkassen)
  • Psychoonkologie in der Palliativmedizin: Verschiedene Ansätze, zum Beispiel Meaning-Centered Psychotherapy (MCGP), Individual Meaning-Centered Psychotherapy (IMCP), Individual Meaning-Centered Psychotherapy (IMCP) und würdeorientierte Therapie (Dignity Therapy)
  • Adressen in der Nähe finden: Es gibt ambulante und stationäre Angebote – Übersicht und Finder, wer welche Behandlungen anbietet

Was ist Psychoonkologie?

Die Psychoonkologie richtet sich speziell an Menschen, die an Krebs erkrankt sind, zum Beispiel Prostatakrebs. Sie bietet Menschen mit einer Krebserkrankung seelische Unterstützung in allen Phasen eine Krebserkrankung – nach einer Krebsdiagnose, aber auch während und nach den Krebsbehandlungen. Inzwischen ist die Psychoonkologie ein fester Bestandteil der Krebstherapie. Zertifizierte Krebszentren, zum Beispiel für Prostatakrebs, müssen psychoonkologische Unterstützung anbieten. Auch Angehörige können die Psychoonkologie wahrnehmen.

Heute wissen Ärztinnen und Ärzte, dass eine Krebserkrankung nicht nur den Körper betrifft, sondern auch den Geist und die Seele eines Menschen – und hier setzt die Psychoonkologie an. Viele Menschen beschreiben ihre Krebsdiagnose als eine Radikalumkehr ihres bisherigen Lebens. Eine Krebserkrankung wie Prostatakrebs kann sehr einschneidend sein und sich auf den Alltag, Beruf und das Sozialleben auswirken. Das zwischenmenschliche Miteinander, zum Beispiel mit dem Partner oder der Partnerin, Angehörigen, Freunden oder Menschen aus dem beruflichen Umfeld, sowie die eigene psychische Befindlichkeit können unter der Krebserkrankung enorm leiden. 

Viele empfinden große Ängste nach einer Krebsdiagnose, zum Beispiel vor den Krebsbehandlungen, deren Nebenwirkungen, den langfristigen gesundheitlichen Folgen oder der Rückkehr des Tumors (Rückfall, Rezidiv).  Auch Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, depressive Verstimmungen, aber auch Wut und Aggression angesichts des eigenen Schicksals sind ganz normal. Manche Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Krebsdiagnose anzunehmen und zu akzeptieren. 

Die Diagnose Krebs wirft zudem einige existenzielle Fragen auf, zum Beispiel:

  • Wie viel Lebenszeit habe ich noch? Prostatakrebs kann harmlos sein und langsamer wachsen, aber manche Tumore sind aggressiv und wachsen schnell. Wenn sich Metastasen gebildet haben, ist das Prostatakarzinom meist nicht mehr heilbar und die Lebenserwartung kann kürzer sein als angenommen.
  • Wie steht es um meine finanzielle Situation? Bekannt ist, dass eine Krebserkrankung Menschen in Armut stürzen kann. Sie können während der Therapien oft nicht arbeiten und haben zugleich erhöhte Ausgaben, zum Beispiel für Medikamente. Vor allem Männer, die oft die Alleinverdiener in der Familie sind, machen sich oft große finanzielle Sorgen. Die wirtschaftliche Situation der Familie kann prekär werden. 
  • Kann ich jemals wieder in meinen Beruf zurückkehren? Manche Männer erkranken schon  in jüngeren Lebensjahren an Prostatakrebs. Sie stehen oft noch mitten in ihrem Berufsleben. 

 

All diese Gedanken, Unsicherheiten und ungelösten Fragen können die Lebensfreude und Lebensqualität eines Menschen negativ beeinflussen. Auch auf die Bereitschaft und das Vermögen, die Krebstherapien zu absolvieren und zu meistern können sich psychische Probleme ungünstig auswirken.

Interview

“Psychoonkologische Hilfe ist für jeden Krebspatienten ratsam”, sagt der Psychologe Dr. Markus Besseler von der Bayerischen Krebsgesellschaft im Interview.

Prostata Hilfe Deutschland: Illustrationsbild Psychoonkologie - Mann am Meer
© Free-Photos/Pixabay.com

Wie hilft die Psychoonkologie?

In der Psychoonkologie arbeiten Expertinnen und Experten verschiedenster Fachrichtungen eng im Team. Dazu gehören Fachpersonen aus der Psychoonkologie, Kunsttherapie, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie oder Seelsorge. Gemeinsam versuchen sie, individuelle Lösungsmöglichkeiten für Ihre Probleme zu finden. Sie unterstützen und beraten Sie auch in praktischen Alltagsfragen.

Dies kann zum Beispiel der Wiedereinstieg in der Beruf sein, aber auch Hilfestellung beim Antrag auf Sozialleistungen. Denn der lästige Papierkram von Krankenkassen, Krankenversicherungen oder der Rentenversicherung verlangt den meisten Menschen zu viel ab, wenn ihr Blick auf das Durchstehen der Krebsbehandlungen (zum Beispiel Prostata-OP, Strahlentherapie, Chemotherapie) gerichtet ist. Die Angebote der Psychoonkologie können übrigens nicht nur Krebspatienten und -patientinnen, sondern auch ihre Angehörigen wahrnehmen.

Die Psychoonkologie hat verschiedenste Aufgaben und Ziele. Psychoonkologen und Psychoonkologinnen:

  • informieren und beraten Sie bei allen Fragen rund um Ihre persönliche Lebenssituation.
  • setzen bestimmte Diagnosemethoden ein, zum Beispiel strukturierte Fragebögen – so lässt sich das Ausmaß Ihrer psychischen Belastungen besser erfassen.
  • schlagen Behandlungsmaßnahmen vor, um Sie bei der Verarbeitung und Bewältigung der Krebserkrankung zu unterstützen.
  • behandeln psychische, soziale und körperliche Auswirkungen der Krebserkrankung und der Krebstherapien. Bei Männern mit Prostatakrebs sind die Erektile Dysfunktion und Inkontinenz häufige Nebenwirkungen der Prostata-OP (radikale Prostatektomie) und Strahlentherapie. Viele Männer belasten diese unerwünschten Wirkungen und sie können die Sexualität und das Sexleben beeinflussen.
  • stärken die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten (Ressourcen) der Betroffenen.
  • unterstützen Sie bei der Bewältigung Ihres Alltags und ermöglichen die Teilhabe am normalen, gesellschaftlichen Leben.
  • beraten Sie in sozialen und rechtlichen Fragen – helfen Ihnen, Sozialleistungen zu beantragen und durchzusetzen, auf die Sie einen Anspruch haben.
  • versuchen, Ihre Lebensqualität sowie die Ihrer Angehörigen zu erhalten oder zu verbessern.

 

Psychoonkologie-Ausbildung: Wer kann Psychoonkologe oder Psychoonkologin werden?

  • Psychoonkologen und Psychoonkologinnen sind Fachleute verschiedener Fachrichtungen, zum Beispiel aus der Medizin (Ärztinnen, Ärzte), Psychologie, Psychotherapie, Pädagogik, Sozialpädagogik oder Sozialarbeit.
  • Im Idealfall haben sie eine anerkannte Weiterbildung absolviert. Verschiedene Institutionen bieten solche Weiterbildungen an. 
  • Der Begriff “Psychoonkologe” ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung.

Diagnostik: Wie wird eine psychische Belastung festgestellt?

Eine seelische Belastung bei Krebskranken zu erkennen, ist für die Psychoonkologen und Psychoonkologinnen nicht ganz einfach. Denn nicht alle Betroffene gehen auf die gleiche Art und Weise mit ihrer Krebserkrankung um oder leiden unter den gleichen Beschwerden im selben Ausmaß. 
Aus Studien ist jedoch bekannt, dass sich bis zu 60 von 100 Menschen mit einer Krebserkrankung enorm seelisch belastet fühlen. Fast 50 Prozent aller Menschen mit Krebs haben große Ängste, allen voran vor dem Fortschreiten oder der Rückkehr der Krebskrankheit. Spezielle Fragebögen helfen in der Psychoonkologie, seelische Belastungen und ihr Ausmaß besser einzuschätzen. Einige Beispiele:

Distress-Thermometer

Das Distress-Thermometer ist ein kurzer Test, den Ärzte und Ärztinnen speziell für Menschen mit Krebs entwickelt haben. „Distress“ bedeutet im Englischen „psychosoziale Belastung“. Der Test funktioniert so:

  • Im ersten Teil des Tests geben Sie auf einer Punkteskala von 1 bis 10 an, wie Sie sich derzeit fühlen. Die 1 steht dabei für „überhaupt nicht belastet“, die 10 dagegen für „extrem belastet“. Ein Wert von 5 und aufwärts bedeutet, dass Sie eine Belastung erleben.
  • Im zweiten Teil des Fragebogens geben Sie an, in welchem psychosozialen Bereich Sie in den letzten Wochen Schwierigkeiten hatten – von der Partnerschaft, Familie und Freunden bis hin zum gewohnten Alltag und Beruf. 

 

Die Testergebnisse lassen Rückschlüsse darauf zu, in welchem Bereich Sie besonders leiden und Hilfe benötigen. Sie können jedoch keine Aussage darüber treffen, ob Sie unter einer echten Depression oder Angststörung leiden.

Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS)

HADS ist ein Test, mit dem sich psychische Beeinträchtigungen eines Menschen erfassen lassen. Über einen Fragebogen, der 14 Aussagen umfasst, schätzen Sie selbst Ihre allgemeine und seelische Verfassung ein. Die möglichen Antworten lauten zum Beispiel so:

  • Ich fühle mich angespannt oder überreizt.
  • Manchmal habe ich ein ängstliches Gefühl in der Magengegend.
  • Ich blicke mit Freude in die Zukunft.
  • Ich kann mich an einem gutem Buch, einer Radio- oder Fernsehsendung erfreuen.

 

Sie wählen aus den Antwortmöglichkeiten jene Aussage aus, die am meisten auf Sie persönlich zutrifft. Ihrer Antwort ist wiederum ein bestimmter Punktwert von 0 bis 3 zugeordnet. Am Schluss werden alle Punkte zusammengezählt. Aus dem Ergebnis lässt sich abschätzen, wie wahrscheinlich eine psychische Belastung bei Ihnen ist. Wie beim Distress-Thermometer lassen sich auch mit dem HADS keine psychischen Erkrankungen diagnostizieren.

Welche Behandlungen bietet die Psychoonkologie?

Es gibt mehrere Behandlungsmöglichkeiten, die sich Psychoonkologen und Psychoonkologinnen zunutze machen. Allerdings gibt es nicht „die eine“ Therapie, die zu jedem Menschen mit einer Krebserkrankung passt. Es hängt von der Art und Schwere der seelischen Belastung ab, welche Behandlung in der Psychoonkologie zum Einsatz kommt. Hilfreich ist manchmal auch eine Kombination von mehreren Therapien. 

Die Psychoonkologie ist in der Regel eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und privaten Krankenversicherungen (PKV). Sie tragen also die Kosten dafür.

Entspannungstechniken

Entspannungsmethoden sollen die innere Anspannung, Unruhe und Ängste lindern. Sie helfen Ihnen, besser zur Ruhe zu kommen, vermindern seelische Belastungen und sorgen für eine bessere Lebensqualität. Wirksam sind zum Beispiel Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Am besten erlernen Sie die Entspannungstechnik unter professioneller Anleitung. Später können Sie die Übungen selbst zuhause, aber auch am Arbeitsplatz oder unterwegs durchführen. 

Autogenes Training

Beim Autogenen Training wiederholen Sie bestimmte Sätze, zum Beispiel „Ich bin ganz ruhig“, „Mein rechter Arm wird schwer“ oder „Mein Atem wird ruhig“. Das Autogene Training ähnelt einer Selbsthypnose und versetzt Ihren Körper langsam in einen entspannten Zustand. Sie müssen ein wenig üben und Geduld mitbringen, bis sich die gewünschten Entspannungseffekte einstellen.

Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

Bei der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson spannen Sie einzelne Muskelgruppen an, halten die Spannung für einige Sekunden und lockern die Muskulatur dann wieder. Ein Beispiel: Sie ballen die rechte Hand zur Faust, halten diese und öffnen sie wieder. Danach folgen die linke Hand und immer weitere Muskelgruppen. Sie wechseln zwischen der linken und rechten Körperseite hin und her. So lösen Sie Verkrampfungen. Dadurch beruhigt, lockert und entspannt sich Ihr Körper.

Imagination

Imaginative Verfahren arbeiten allein mit Ihrer Vorstellungkraft. Sie erzeugen dabei selbst eine Art „Kopfkino“ und stellen sich auf Ihren Phantasiereisen schöne und angenehme Bilder vor. Das kann ein Spaziergang am Strand sein, ein Bad im Meer oder eine Bergwanderung. So wecken Sie positive Erinnerungen, Vorstellungen, Gefühle und Empfindungen. Ängste und Anspannung lassen nach und Sie erleben einen tiefen Ruhezustand.

Yoga

Yoga soll den Körper und Geist wieder bessern in Balance bringen sowie die Muskeln und Nerven stärken. Es gibt verschiedenste Yoga-Techniken – am besten bekannt ist das Hatha-Yoga. Manche Yoga-Formen fordern Sie stärker sportlich, während andere mehr mit Meditation arbeiten. Yoga erlernen Sie am besten von einem Profi. Es gibt auch Yogalehrende, die sich speziell mit Krebserkrankungen auskennen. Fragen Sie vorher bei Ihren behandelnden Ärzten und Therapeutinnen nach, welche Art des Yogas für Sie am besten geeignet ist. Sie sollten sich dabei körperlich nicht überfordern.

Meditation

Die Meditation zielt darauf ab, den Geist durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen zu beruhigen und zu fokussieren. Sie „versenken“ sich in sich selbst, konzentrieren sich auf den Moment und das Hier und Jetzt. So erreichen Sie einen Zustand tiefer innerer Ruhe.

Psychoedukation – Wissen vermitteln

Patientenseminare (auch Psychoedukation oder Patientenedukation) sind eine gute Möglichkeit, um Ihr Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität zu verbessern. Denn: Wissen kann Ängste nehmen und zur Beruhigung beitragen. Viele Rehakliniken oder die ambulante Nachsorge bieten diese Form der Wissensvermittlung an. Sie lernen zum Beispiel:

 

Patientenseminare sind außerdem eine gute Möglichkeit, um mit anderen krebskranken Menschen in Kontakt zu kommen und sich mit ihnen auszutauschen. Vielen hilft die Erkenntnis, dass es anderen genauso geht wie ihnen selbst.

Psychotherapie

Die Psychotherapie soll seelische Nöte durch Gespräche zu lindern. Medikamente kommen dabei nicht zum Einsatz. Es gibt verschiedene Arten der Psychotherapie – die wichtigsten im Überblick.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) ist es, erlernte Denkweisen und Verhaltensmuster, die ungünstig sind,  wieder zu „verlernen“. Sie identifizieren gemeinsam mit Ihrem Psychotherapeuten negative Gedanken und Verhaltensweisen – dann entwickeln Sie Alternativen zu diesen. Die kognitive Verhaltenstherapie soll Ängste, Depressivität und körperliche und seelische Beschwerden lindern. Langfristig lässt sich auch die Lebensqualität durch die Psychotherapie verbessern.

Psychoanalyse

Ein Psychoanalytiker oder eine Psychoanalytikerin hilft Ihnen, innere Konflikte zu erkennen und zu bearbeiten. Manchmal liegen diese auch weiter zurück, etwa in der Kindheit. Bei der Psychoanalyse betrachten Sie gemeinsam Ihre derzeitigen Beziehungen zu anderen Menschen, die Sie eventuell belasten. Auch Verlust- oder Versagensängste spielen eine Rolle in der Psychoanalyse. Der Psychotherapeut oder die  Psychotherapeutin hört aktiv zu und hilft Ihnen, bislang unbekannte Zusammenhänge aufzudecken und zu verstehen.

Paartherapie

Die Paartherapie bezieht auch Ihren Lebenspartner oder Ihre Lebenspartnerin in die Psychotherapie mit ein. Ohnehin ist der Partner oder die Partnerin ein wichtiger Teil in der Psychoonkologie. Die Paartherapie hilft in vielen Fällen, das Ausmaß der seelischen Belastungen zu verringern.
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die kognitive Verhaltenstherapie und psychoanalytische Verfahren. Die Psychotherapie gibt es als Einzel , Gruppen- oder Paartherapie.

Künstlerische Therapien

Musik, Kunst und Tanz sind Ausdrucksformen, die vielleicht anfangs nicht jedermanns Sache sind. Denn manch einer schwingt selten das Tanzbein oder den Pinsel. Aber: Über künstlerische Therapien, die ohne Worte auskommen, können viele Krebskranke ihre Gefühle viel besser ausdrücken und so ihre Krebserkrankung verarbeiten. 

Sie können während der Therapien (und später natürlich auch zuhause) zeichnen, malen, mit Ton arbeiten, singen, ein Instrument spielen oder tanzen. Viele Einrichtungen, zum Beispiel Rehakliniken, bieten solche künstlerischen Therapien begleitend an. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Künstlerische Therapien (BAKT).

E-Health-Interventionen

Inzwischen gibt es auch das Angebot von psychoonkologischen E-Health-Interventionen, die unabhängig vom Grad der Belastung zum Einsatz kommen können und eine Ergänzung zum persönlichen Kontakt sein können. Das sind digitale Anwendungen, welche die Möglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nutzen, um die Behandlung und Betreuung von Patienten und Patientinnen zu unterstützen. Beispiele: Gesundheits-Apps, Krebs-Apps, Nachsorge-Apps, Gesundheitswebseiten oder Angebote der Telemedizin. 

Als Ergänzung ist auch ein persönlicher Kontakt möglich, zum Beispiel per Telefon oder Videokonferenzen. Auch digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gewinnen immer mehr an Bedeutung. So können auch Menschen psychoonkologische Versorgungsangebote wahrnehmen, die in Regionen mit geringer Versorgungsdichte leben und/oder aufgrund psychischer oder körperlicher Einschränkungen keine Angebote vor Ort besuchen können. Ziel dieser E-Health-Maßnahmen ist es, die psychischer Belastung, Depressivität, Ängste und Fatigue zu lindern.  Unter Fatigue leiden viele Menschen und sie bleibt oft lange. Fatigue gilt zudem als Risikofaktor für Arbeitsunfähigkeit

Psychoonkologie in der Palliativmedizin 

Psychische Unterstützung kann besonders wichtig sein, wenn eine Krebserkrankung weit fortgeschritten und nicht mehr heilbar ist. Sie wird dann palliativ behandelt, um die Symptome zu lindern, das Tumorwachstum zu bremsen, die Lebensqualität aufrechtzuerhalten und die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich zu gestalten. 

Psychoonkologische Maßnahmen für Menschen in der Palliativphase sind in der Regel unterstützend ausgerichtet. Im Zentrum stehen dabei  spirituelle, psychische, körperliche oder soziale Aspekte der Krebserkrankung. 

Es gibt verschiedene psychoonkologische Ansätze, zum Beispiel Entspannungsverfahren, Achtsamkeitsübungen, Meditation, Hypnose, kognitiv-verhaltenstherapeutische und familientherapeutische oder  künstlerische Therapien. In den letzten Jahrzehnten wurden außerdem spezielle psychoonkologische Strategien für die Arbeit mit palliativ behandelten Patientinnen und Patienten entwickelt. Einige Beispiele:

Sinnzentrierte Psychotherapie (Engl. Meaning-Centered Psychotherapy = MCGP)

Die MCGP ist eine Form der existentiellen Psychotherapie, die darauf abzielt, inneren Frieden, Sinn und Bedeutung angesichts des nahenden Lebensendes zu finden. Angelegt ist sie ursprünglich als Gruppentherapie. Es gibt unter anderem Gruppengespräche und Übungen zu verschiedenen Themen. Beispiele: Sinnquellen, Krebs und Sinn, Sinnschöpfung aus der Lebensgeschichte, Gegenwart und Zukunft, den Einstellungen und kreativem Tun. 

Individual Meaning-Centered Psychotherapy (IMCP)

Sie wurde aus der MCGP entwickelt, um Palliativpatientinnen und –patienten mehr Flexibilität bei der psychotherapeutischen Therapie zu bieten. Die Inhalte sind ähnlich wie bei der MCGP, aber es gibt individuelle Sitzungen. 
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Managing Cancer and Living Meaningfully Therapie (CALM)

Bei CALM handelt es sich um eine psychotherapeutische Kurzzeitintervention, die jeden Menschen einzeln in den Blick nimmt.  Die Schwerpunkte von CALM liegen auf vier Bereichen:

  • Symptommanagement und Kommunikation mit dem Behandlungsteam
  • Veränderung der eigenen Person, des Selbstbildes und der Beziehung zu Angehörigen
  • Spiritualität, Sinn und Bedeutung finden
  • Vorbereitung auf Anliegen, die in der Zukunft liegen; Erhalt von Hoffnung und Auseinandersetzung mit dem Sterben 

 

Dignity Therapy (würdeorientierte Therapie) 

Die Dignity Therapy basiert auf dem empirischen Würdemodell des kanadischen Psychiaters  Harvey Max Chochinov und Team. Ziel ist es, die Leiden von Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung am Lebensende zu lindern und ihr emotionales und spirituelles Wohlbefinden zu verbessern. In einem Gespräch (Interview) und nur wenigen Therapiesitzungen werden sie einzeln angeleitet, über denkwürdige Ereignisse in ihrem Leben zu reflektieren. Das Interview wird aufgezeichnet und transkribiert, den kranken Menschen vorgelesen und eventuell bearbeitet. Dieses Dokument können sie dann ihren Angehörigen hinterlassen. Die Dignity Therapy richtet sich vor allem an Menschen, die sich in der Endphase ihrer Erkrankung befinden.

Psychoonkologie: Adressen in der Nähe finden

Onkologinnen und Onkologen  sind sich heute einig, dass allen Menschen mit einer Krebserkrankung sowie ihren Angehörigen frühzeitig und wiederholt psychoonkologische Unterstützung zugänglich sein sollte. Das gilt unabhängig von der Schwere und in allen Phasen der Prostatakrebserkrankung. Wichtig sind jedoch Ihre persönlichen Wünsche, Präferenzen, Vorstellungen und Überzeugungen. Manche meinen zum Beispiel, sie hätten ja Krebs und bräuchten daher keinen „Psychodoktor“. Überlegen Sie, welche Sorgen, Ängste und Nöte Sie plagen. Scheuen Sie sich nicht, psychoonkologische Hilfe in Anspruch zu nehmen – dies ist ganz normal!

Psychoonkologie: stationäre Angebote

  • Zertifizierte Krebszentren: Onkologische Zentren,  Organkrebszentren oder Comprehensive Cancer Centers (CCC) müssen eine psychoonkologische Betreuung sicherstellen. Sprechen Sie Ihre behandelnden Ärzte, Ärztinnen und Pflegefachkräfte an, wenn Sie in seelischen Nöten sind. Ein Verzeichnis zertifizierter Krebszentren finden Sie im Internet unter oncomap.de.
  • Rehakliniken: Alle onkologischen Rehakliniken bieten psychoonkologische Unterstützung an. Sie können sich beraten lassen, Entspannungstechniken lernen oder an Patientenseminaren teilnehmen. Auch eine Kurzzeit-Psychotherapie ist in einer Rehaklinik möglich.
  • Sozialdienst der Klinik: Bei sozialrechtlichen Fragen sowie der Suche nach Ansprechpartnern und Adressen ist der Sozialdienst der Klinik oder Rehaklinik eine gute Anlaufstelle.

 

Ambulante Angebote der Psychoonkologie

Manche Menschen mit Krebs haben auch dann noch seelischen Unterstützungsbedarf, wenn Sie die Klinik und Rehaklinik verlassen haben. Es gibt deshalb Angebote in Wohnortnähe:

  • Ambulante Psychoonkologen: Der Krebsinformationsdienst (DKFZ) bietet eine Suchfunktion an, über die Sie ambulant arbeitende Psychoonkologen und Psychoonkologinnen in der Nähe Ihres Wohnortes ausfindig machen können. Sie haben eine Weiterbildung zur Beratung und Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung absolviert. Auch über die Webseiten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) können Sie Psychoonkologen in Ihrem Bundesland finden. Ärztinnen, Ärzte, Psychologinnen und Psychologen bieten Psychotherapien an.
  • Fragen Sie auch Ihre Hausärztin oder Ihren behandelnden Facharzt nach Anlaufstellen bei psychischen Problemen. Sie verfügen meist schon über Adressen, weil Sie in der Regel nicht der erster Krebspatient in der Arztpraxis sind.
  • Psychosoziale Krebsberatungsstellen: Dort erhalten Sie Informationen zu Ihrer Krebskrankheit, aber auch Unterstützung bei sozialen und rechtlichen Fragen sowie der Bewältigung von seelischen Problemen und Krisen. Adressen von Krebsberatungsstellen in Ihrer Nähe erhalten Sie zum Beispiel auf den Internetseiten der Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).
  • Psychoonkologische Ambulanzen gibt es in einigen Krankenhäusern, zertifizierten Krebszentren und onkologischen Schwerpunktpraxen.
  • Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen: Dort finden Sie Menschen mit Krebs, denen es oft genauso geht wie Ihnen. Andere Betroffene können Ihnen Mut machen, Ängste nehmen oder Hoffnung und Zuversicht geben. Wer selbst eine Krebserkrankung durchgemacht hat, verfügt meist über einige Tipps und Anregungen, die für Sie vielleicht ebenfalls hilfreich sind.

 

FAQs: Psychoonkologie

Was macht ein Psychoonkologe?

Ein Psychoonkologe macht Verschiedenes. In erster Linie kümmert er sich um die seelischen Belange, Belastungen und Nöte von Menschen mit einer Krebserkrankung. Darauf ist er spezialisiert. Dafür nutzt er verschiedene Behandlungsansätze, zum Beispiel Entspannungsmethoden, Psychotherapie, Psychoanalyse, künstlerische Therapien oder E-Health-Strategien.

Ist ein Psychoonkologe ein Arzt?

Ein Psychoonkologe ist nicht immer ein Arzt oder eine Ärztin, kann es aber sein. Auch Angehörige anderer Berufe können Psychoonkologen sein, zum Beispiel aus der Psychologie, Pädagogik oder Sozialarbeit. Wichtig ist, dass sie eine anerkannte Weiterbildung in der Psychoonkologie absolviert haben. 

Wird Psychoonkologie von der Krankenkasse bezahlt?

Die Psychoonkologie wird in der Regel von den Krankenkassen bezahlt, wenn ein Mensch durch seine Krebserkrankung seelisch belastet ist. In vielen Fällen in dies jedoch der Fall. Die Psychoonkologie ist ein fester Bestandteil der Krebsbehandlung, zum Beispiel in einem zertifizierten Krebszentrum. 

Wann zum Psychoonkologen?

Die Frage, wann man zum Psychoonkologen sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt von der Art der seelischen Belastung und von ihrem Ausmaß ab. Wichtig ist es, sich frühzeitig psychoonkologische Unterstützung zu suchen und nicht abzuwarten, bis die seelischen Probleme erdrückend sind. Sie können psychoonkologische Hilfe zu jedem Zeitpunkt und in allen Phasen der Erkrankung wahrnehmen – von der Diagnose bis nach den Krebstherapien. 

Was macht eine Krebserkrankung mit der Psyche?

Wie sich die Krebserkrankung auf die Psyche auswirkt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Aber viele Menschen haben mit Ängsten, finanziellen und existentiellen Sorgen, depressiven Verstimmungen, Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit zu kämpfen. 

Was bringt die Psychoonkologie?

Die Psychoonkologie kann verschiedene Vorteile bringen. Sie kann zum Beispiel Ängste vor dem Fortschreiten oder der Rückkehr eines Tumors, finanzielle Sorgen und Nöte und andere Symptome lindern. Es gibt verschiedene Lösungsansätze, die individuell für jeden Menschen ausgewählt werden. So kann die Psychoonkologie die Lebensqualität verbessern. 

Quellen: