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Gleason-Score: Wie aggressiv ist mein Prostatakrebs?

25. Mai 2018 | von Martina Häring

Die Aggressivität eines Prostatatumors - angegeben als Gleason-Score - hat entscheidenden Einfluss auf die Behandlung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet Grading?

Prostatakarzinome sind sehr unterschiedlich, was ihre Aggressivität angeht. Manche Formen von Prostatakrebs wachsen nur sehr langsam und sind wenig aggressiv. Andere Tumoren breiten sich dagegen schnell aus und neigen eher dazu, Metastasen zu bilden. Ärzte müssen deshalb nicht nur feststellen, in welchem Stadium der Prostatakrebs ist, sondern bestimmen auch, wie aggressiv er ist. Diese Einordnung eines Tumor hinsichtlich seiner Aggressivität nennen Ärzte „Grading“.

Sie findet bei vielen Krebsarten Anwendung. Beim Prostatakrebs hat sie jedoch eine besondere Bedeutung: Denn Ärzte wissen, dass etwa die Hälfte der 50-jährigen und 80 Prozent der 75-jährigen Männer einen bösartigen Tumor in der Prostata haben. Die meisten erfahren jedoch zu Lebzeiten nichts davon, weil er nur langsam fortschreitet. Um ein ein „Zuviel an Behandlug“ – die Übertherapie – zu verhindern, müssen Mediziner aggressive von harmlosen Tumoren in der Prostata unterscheiden.

Welche Bedeutung hat das Grading?

Ärzte ziehen immer verschiedene Faktoren und Untersuchungsergebnisse heran, um die geeignete Krebsbehandlung auszuwählen sowie eine Einschätzung zu den Heilungschancen abzugeben. Dazu gehören unter anderem:

Anhand dieser Ergebnisse schlägt er zum Beispiel eine OperationStrahlentherapieaktive Überwachung oder ein beobachtendes Abwarten vor.

Wie findet man heraus, wie aggressiv der Tumor ist?

Pathologen nehmen das Tumorgewebe aus der Prostatabiopsie genauer unter dem Mikroskop unter die Lupe. So können sie festzustellen, ob es sich um einen mehr oder weniger aggressiven Tumor handelt. Nach einem bestimmten System beurteilt der Pathologe die Form und Anordnung der Prostatadrüsen. Vereinfacht gesagt ist ein Tumor um so aggressiver, je stärker sich das Gewebe von gesundem Drüsengewebe unterscheidet. Mediziner sprechen auch von der „Differenzierung des Tumors“.

  • Gut differenziert bedeutet, dass das Gewebe gesundem Gewebe noch relativ ähnlich ist.
  • Schlecht differenziert heißt, dass das entnommen Gewebe gesundem Gewebe sehr unähnlich ist und stark von diesem abweicht.

Was ist der Gleason-Score?

Für Prostatakrebs gibt es ein spezielles System, mit dem der Pathologe die Aggressivität des Tumors angibt: der Gleason-Score. Er vergibt eine Zahl zwischen 2 und 10. Je höher die Zahl ist, desto aggressiver ist auch der Tumor.

Wie wird der Gleason-Score ermittelt?

Den Gleason-Score bestimmt der Pathologe anhand von Gewebeproben. Entweder wurden sie im Rahmen einer Stanzbiopsie entnommen oder er untersucht Teile einer operativ entnommenen Prostata. Er beurteilt immer mehrere Gewebeproben: Je nach Zellmuster weist der Pathologe ihnen eine Kategorie von 1 bis 5 zu. Im zweiten Schritt wird aus den einzelnen Werten ein Gesamt-Wert errechnet. Bei Stanzbiopsien und Operationspräparaten geht man dabei unterschiedlich vor.

Gleason-Score bei Operationspräparaten

Bei einem Operationspräparat gilt: Die beiden Muster, die sich in der Gewebeprobe am häufigsten finden, werden addiert. Es ergibt sich daraus ein Gleason-Score zwischen 1 + 1 = 2 (sehr geringe Aggressivität) und 5 + 5 = 10 (sehr große Aggressivität).

Gleason-Score bei Stanzbiopsien

Bei einer Stanzbiopsie ist man vorsichtiger, da nur ein kleiner Teil des Gewebes untersucht wurde: Das Muster, das sich am häufigsten fand, und das Muster, das am stärksten vom Gesunden abweicht, werden addiert. Außerdem geht man davon aus, dass es bei der eingeschränkten Beurteilung nicht möglich ist, einen Tumor mit sehr geringer Aggressivität festzustellen. Deshalb ist der niedrigste Gleason-Score bei einer Stanzbiopsie 3 + 3 = 6. Der höchste ist auch hier 5 + 5 = 10.

Was bedeutet der Gleason-Score?

Das bedeuten die Zahlen „übersetzt“:

  • Gleason-Score 2 bis 4: gut differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 5 bis 6: mittelgradig differenzierter Tumor
  • Gleason-Score 7: mittelgradig bis schlecht differenziert
  • Gleason-Score 8 bis 10: schlecht- bis entdifferenzierter Tumor

Wie verlässlich ist der Gleason-Score?

Studien haben gezeigt, dass die Beurteilung des Gleason-Scores sehr stark vom Pathologen abhängt. Das heißt: Wenn mehrere Pathologen die gleiche Gewebeprobe untersuchen, kommen sie sehr häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.

 

Quellen

  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/befunde.php
  • Deutsches Ärzteblatt, Beurteilung des Prostatakarzinoms: Gleason-Score – Status 2016, https://www.aerzteblatt.de/archiv/181220/Beurteilung-des-Prostatakarzinoms-Gleason-Score-Status-2016