Newsletter
Tragen Sie sich für unseren Newsletter ein und erhalten Sie monatlich Updates von uns – direkt in Ihr Postfach.
Achtung!
Bitte prüfen Sie Ihren Spam-Ordner auf den Eingang der Bestätigungs-Mail.
Gleason-Score und ISUP-Gruppe: Wie aggressiv ist mein Prostatakrebs?
07. Mai 2026 | von Ingrid Müller - Chefredakteurin, aktualisiert und medizinisch geprüftDer Gleason-Score zeigt, wie aggressiv der Prostatakrebs ist. Eine Rolle für die Gefährlichkeit spielt auch die ISUP-Gruppe. Diese Einstufung des Tumors beeinflusst die Wahl der Krebstherapie und die Prognose.
Kurzübersicht
|
Was ist der Gleason-Score?
Der Gleason-Score ist ein Bewertungssystem in Form von Zahlen, die Rückschlüsse auf die Aggressivität eines Prostatakarzinoms zulassen. Fachleute in der Pathologie stufen Prostatakrebs nicht nur nach seiner Art, Größe und Ausdehnung ein (TNM-Klassifikation), sondern auch nach seiner Aggressivität. „Grading“ ist der Fachbegriff dafür. Davon hängt es maßgeblich ab, welche Krebsbehandlungen in Frage kommen und am meisten Erfolg versprechen. Auch für die Prognose spielt der Gleason-Score eine wichtige Rolle. International wird für das Grading des Prostatakarzinoms der Gleason-Score verwendet. Der Name rührt von seinem Erfinder her, dem amerikanischen Pathologen Donald F. Gleason.
Um den Gleason-Score zu ermitteln, untersucht der Pathologie oder die Pathologin das Prostatagewebe, das bei einer Biopsie oder einer Prostata-Operation (radikale Prostatektomie) entnommen wurde. Überprüft wird, wie sehr die Zellen gesunden Zellen noch ähnlich sind beziehungsweise wie stark sie verändert sind.
Prostatakarzinome sind sehr unterschiedlich, was ihre Aggressivität angeht. Manche Prostatatumore sind wenig gefährlich und wachsen nur sehr langsam. Andere Prostatakarzinome sind dagegen sehr aggressiv, wachsen rasch, breiten sich schnell aus und bilden Metastasen in weiter entfernten Organen und Geweben. Am häufigsten metastasiert Prostatakrebs in die Knochen, aber auch in die Leber oder Lunge.
Das Grading spielt bei vielen Krebsarten eine zentrale Rolle. Beim Prostatakrebs hat die Einteilung jedoch eine besondere Bedeutung: Denn bekannt ist, dass viele ältere Männer einen bösartigen Tumor in der Prostata haben. Den meisten wird der Prostatakrebs aber zu Lebzeiten nicht gefährlich, weil der Tumor nur langsam wächst. Meist sterben sie an einer ganz anderen Ursache und nicht an ihrem Prostatakrebs. Ärztinnen und Ärzte müssen aggressive von harmlosen Tumoren in der Prostata unterscheiden, um eine Überdiagnose (der Krebs wächst nur langsam und wird nicht gefährlich) sowie eine Übertherapie zu vermeiden. Hier erhalten Männer eine Behandlung, die sie eigentlich nicht gebraucht hätten.
Welche Bedeutung hat der Gleason-Score?
Ärztinnen und Ärzte ziehen immer verschiedene Faktoren und Untersuchungsergebnisse heran, um die individuell bestmögliche Krebsbehandlung auszuwählen und die Heilungschancen abzuschätzen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- PSA-Wert
- TNM-Klassifikation
- Gleason-Score und Grading
- Alter
- Allgemeiner Gesundheitszustand - manche Männer bringen noch weitere Grunderkrankungen mit, beispielsweise Herz-Kreislauf-Krankheiten oder die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus
- Persönliche Wünsche, Vorstellungen und Überzeugungen
Anhand der Merkmale des Tumors, der Untersuchungsergebnisse und von persönlichen Faktoren schlagen Ärzte und Ärztinnen zum Beispiel eine aktive Überwachung, Prostata-OP, Strahlentherapie (von außen über die Haut oder von innen) oder ein beobachtendes Abwarten vor. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs gibt es weitere Behandlungen, zum Beispiel die Hormontherapie oder Chemotherapie.
Wie bestimmt man die Aggressivität eines Tumors?
Pathologen und Pathologinnen nehmen das Tumorgewebe aus der Prostata genauer unter dem Mikroskop unter die Lupe. So können sie festzustellen, ob es sich um einen mehr oder weniger aggressiven Tumor handelt. Nach einem bestimmten System beurteilen sie die Form und Architektur des Drüsengewebes. Vereinfacht gesagt ist ein Tumor umso aggressiver, je stärker sich das Gewebe von gesundem Drüsengewebe unterscheidet. Man sagt auch, wie gut der Tumor „differenziert“ ist.
- Gut differenziert: Das Gewebe ist gesundem Gewebe noch relativ ähnlich.
- Mäßig differenziert: Das Gewebe befindet sich in der Mitte zwischen gesund und krank.
- Schlecht differenziert: Das Gewebe unterscheidet sich stark von gesundem Gewebe, die Zellen sind stark entartet und der Krebs ist aggressiv.
Blick in die Pathologie Was passiert mit der Prostata in der Pathologie und wie wird ein pathologischer Befund erstellt? Das zeigen zwei Videos, gedreht in der Würzburger Pathologie. | ![]() |
|---|
Wie wird der Gleason-Score ermittelt?
Für Prostatakrebs gibt es mit dem Gleason-Score ein eigenes System, mit dem sich die Aggressivität des Tumors angeben lässt. Vergeben wird eine Zahl zwischen 2 und 10. Je höher die Zahl ist, desto aggressiver ist auch der Tumor. Die Scores von 2 (1+1) bis 5 (3+2) werden als Vorstufe eines Prostatakarzinoms angesehen und daher nicht berücksichtigt. Relevant für Prostatakrebs sind also die Zahlen von 6 bis 10.
Beurteilt werden mehrere Gewebeproben: Je nach Zellmuster bekommen sie eine Kategorie von 1 bis 5 zugewiesen. Im zweiten Schritt wird aus den einzelnen Werten ein Gesamtwert errechnet.
- Die erste Zahl spiegelt das Zellmuster wider, das in der Probe am häufigsten gefunden wurde.
- Die zweite Zahl beschreibt das zweithäufigste oder das aggressivste Wachstumsmuster im untersuchten Tumorgewebe.
- Die Zahlen können gleich sein, zum Beispiel bei einem Gleason-Score 6 (3+3).
- Sie können aber auch voneinander abweichen wie beim Gleason-Score 7 (4+3). Ungleiche Zahlen bedeuten, dass der Tumor nicht homogen ist, sondern Variationen in der Zellstruktur aufweist.
Der Gleason-Score lässt sich im pathologischen Labor anhand von Gewebeproben ermitteln. Entweder wurden sie bei einer Stanzbiopsie oder bei einer Prostata-Operation entnommen. In beiden Fällen ist das Vorgehen unterschiedlich.
Gleason-Score bei Operationspräparaten
Hier werden die beiden Muster, die sich in der Gewebeprobe am häufigsten finden, addiert. Daraus ergibt sich ein Gleason-Score zwischen 1 + 1 = 2 (sehr geringe Aggressivität) und 5 + 5 = 10 (sehr hohe Aggressivität).
Gleason-Score bei Stanzbiopsien
Hier wird nur ein kleiner Teil des Gewebes untersucht. Das Muster, das sich am häufigsten findet, sowie das Muster, das am stärksten vom Gesunden abweicht, werden addiert. Außerdem geht man davon aus, dass es vermutlich nicht möglich ist, einen Tumor mit sehr geringer Aggressivität festzustellen. Deshalb ist der niedrigste Gleason-Score bei einer Stanzbiopsie 3 + 3 = 6. Der höchste ist auch hier 5 + 5 = 10.
Und das bedeuten die Zahlen „übersetzt“:
| Gleason-Score | Beschreibung |
| 2 bis 4 | gut differenzierter Tumor |
| 5 bis 6 | mittelgradig differenzierter Tumor |
| 7 | mittelgradig bis schlecht differenziert |
| 8 bis 10 | schlecht- bis entdifferenzierter Tumor |
Wie verlässlich ist der Gleason-Score?
Nach einer Biopsie lässt sich der Gleason-Score nicht immer korrekt bestimmen. Es gibt Hinweise darauf, dass der Gleason-Score in der Biopsie bei etwa einem Viertel der Männer von den Ergebnissen nach der Prostata-Entfernung abweicht. Zudem haben Studien gezeigt, dass die Beurteilung des Gleason-Scores sehr stark vom Pathologen oder der Patholgin abhängt. Das heißt: Wenn mehrere pathologische Fachpersonen die gleiche Gewebeprobe untersuchen, kommen sie sehr häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Was ist die ISUP-Gruppe?
Bei Prostatakrebs spielt auch die Einteilung der Internationalen Gesellschaft für Urologische Pathologie (ISUP) eine Rolle. Sie ordnet Prostatakarzinome in fünf Gruppen ein. Eine niedrige ISUP-Gruppe bedeutet, dass der Tumor wenig aggressiv ist. Je höher die ISUP Gruppe ist, desto aggressiver ist auch der Prostatakrebs. Die folgende Tabelle zeigt, wie die ISUP-Gruppe mit dem Gleason-Score zusammenhängt:
| ISUP-Gruppe | Gleason-Score | Beschreibung |
| 1 | 2 bis 6 | Der Krebs wächst nicht oder nur sehr langsam, er ist sehr wahrscheinlich auf die Prostata beschränkt |
| 2 | 7a (3+4) | Der Krebs wächst langsam, Metastasen sind eher selten |
| 3 | 7b (4+3) | Der Krebs wächst mäßig, oft ist der Tumor nicht mehr auf die Prostata beschränkt |
| 4 | 8 (4+4 oder 3+5 oder 5+3) | Der Tumor wächst schnell und bildet wahrscheinlich Metastasen in anderen Organen und Geweben |
| 5 | 9 und 10 (4+5 oder 5+4 oder 5+5) | Der Krebs wächst sehr schnell und bildet sehr wahrscheinlich Metastasen in anderen Organen |
FAQs: Gleason ScoreWas sagt der Gleason-Score aus? Der Gleason-Score sagt etwas darüber aus, wie aggressiv und gefährlich Prostatakrebs ist. Es gibt verschiedene Zahlen, und je höher die Zahl ist, desto aggressiver ist der Prostatatumor. Danach richtet sich die Behandlung. Der Gleason-Score sagt auch etwas über die Prognose aus. Ist ein Gleason-Score von 3+3 bei einem Prostatatumor bösartig? Ein Gleason 3+3 bedeutet, dass ein bösartiger Prostatatumor – also Prostatakrebs - vorliegt. Der Tumor wächst aber langsam und lässt sich meist aktiv überwachen (zunächst ohne aktive Behandlung). Die Zahlen von 2 (1+1) bis 5 (3+2) werden heute nicht berücksichtigt, aber die Zahlen von 6 bis 10 sind relevant. Ab Gleason 3+3 ist ein Tumor in der Prostata bösartig. Der Gleason-Score lässt sich aus einer Gewebeprobe (Biopsie) oder aus dem Gewebe nach einer Prostata-OP ermitteln. Wie hoch ist der Gleason-Score bei Metastasen? Der Gleason-Score sagt etwas darüber aus, wie aggressiv Prostatakrebs ist und wie hoch die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Metastasen ist. Je höher der Gleason, desto höher ist auch das Risiko für Metastasen. Ab dem Gleason-Score 8 wächst der Tumor schnell und bildet wahrscheinlich Metastasen. Kann ein Gleason-Score von 3 zu Metastasen führen? Ein Gleason-Score von 3 (eigentlich 3+3 =6) bedeutet, dass der Tumor sehr wahrscheinlich noch auf die Prostata beschränkt ist. Der Prostatakrebs wächst langsam und es ist unwahrscheinlich, dass er zu Metastasen führt. Kann sich der Gleason-Score ändern? Ja, der Gleason-Score kann bei einer Biopsie-Probe anders sein als bei Gewebe, dass im Rahmen einer Operation entfernt und danach analysiert wurde. Der Gleason-Score kann sich ändern. Der Tumor kann aggressiver oder weniger aggressiv sein als angenommen. Bedeutet ein hoher Gleason-Score automatisch schlechte Heilungschancen? Ein hoher Gleason-Score bedeutet zunächst, dass der Tumor aggressiv und gefährlich ist. Die Krebszellen teilen sich rasch und der Tumor wächst schnell. Allerdings sind auch aggressive Tumoren behandelbar. Das gilt besonders, wenn sie frühzeitig gefunden werden und noch keine Metastasen gebildet haben. Kann man mit einem hohen Gleason-Score lange leben? Es lässt sich nicht genau beziffern, wie lange man mit einem hohen Gleason-Score leben kann. Es gibt verschiedene Behandlungen, die das Tumorwachstum bremsen können, zum Beispiel eine Chemotherapie oder Hormontherapie. So ist ein gutes Leben oft über viele Jahre möglich. Ist der PSA-Wert oder der Gleason-Score wichtiger? Sowohl der PSA-Wert als auch der Gleason-Score sind wichtig. Sie liefern nur verschiedene Informationen. Der PSA-Wert lässt Rückschlüsse auf die Aktivität und Größe des Tumors zu, während der Gleason-Score Information über seine Aggressivität liefert. |
Quellen:
|

