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Fake News zu Prostatakrebs – die größten Mythen und Irrtümer

07. Juni 2021 | von Ingrid Müller

Um die Prostata und den Prostatakrebs ranken sich viele Irrtümer, die sich auch noch hartnäckig halten. Dies will die Österreichische Krebshilfe jetzt ändern – mit einer Videoreihe zu den größten Mythen. Dass Nutzer in sozialen Netzwerke Fake News - besonders zu Prostatakrebs - oft aufsitzen und weiter teilen, hat auch eine Studie gezeigt. 

Viel Sex in jungen Jahren schützt vor Prostatakrebs! Fahrradfahren ist gefährlich und kann Prostatakrebs auslösen! Oder: Die Prostatauntersuchung tut weh! Mit diesen und anderen Fake News und Irrtümern rund um die Prostata und Prostatakrebs möchte die Österreichische Krebshilfe jetzt endgültig aufräumen. Gemeinsam mit Urologen und Urologinnen hat die Krebsinitiative eine Videoreihe zu den größten Mythen gedreht, die sich um Prostatakrebs und die Prostata-Vorsorge ranken. Trotz jahrelanger Aufklärungsarbeit gebe es nach wie vor jede Menge Irrglauben unter den Männern, stellt die Österreichische Krebshilfe fest. 

Prostata und Prostatakrebs

Nur jeder vierte Mann kennt sich mit seiner Prostata aus und zum Thema Prostatakrebs wissen viele ebenfalls nicht genug.

RyanMcGuire/Pixabay.com

„Wir haben aus unseren täglichen Erlebnissen die häufigsten Falschmeldungen gesammelt“, erklärt Dr. Karl Dorfinger, Präsident des Berufsverbands er österreichischen Urologen. Die Videos sollten nicht nur Informationen vermitteln, sondern dies vor allem „mit einem Augenzwinkern“ tun. Erklärtes Ziel sei es, mehr Männer in die Arztpraxen zu Früherkennungsuntersuchungen zu lotsen. 

 

Prostata-Vorsorge – die Ausreden der Männer 

Dass Männer die Prostata-Vorsorge lange Zeit verdrängen und ignorieren können, ist schon länger bekannt. Für viele Frauen ist die Krebsfrüherkennung, etwa auf Brust- oder Gebärmutterhalskrebs dagegen weitgehend normal. Die Argumente der Männer: Jede Menge Stress, zu viele Termine, keine Zeit. Und dazu, so die Österreichische Krebshilfe, komme auch noch der Irrglaube, dass Prostatakrebs nur die anderen treffe und man selbst ja sowieso gesund sei. 

Interview: »Müssen Männer wachrütteln"

Frank Hoffmann erzählt im Interview, warum er sich gegen Prostatakrebs gut gewappnet fühlte, wie er dennoch erkrankte und was Ärzte hätten besser machen können.

Leolo212/Pixabay.com

„Wir Urologen und Urologinnen hören bei unserer Arbeit immer wieder – mehr oder weniger – absurde Ausreden, welche die Prostatakrebs-Früherkennung, aber auch Behandlung betreffen“, sagt Univ. Prof. Dr. Wolfgang Horninger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie. „Auch wenn wir ständig darüber aufklären, halten sich diese Fake News hartnäckig.“ Deswegen nehmen Männer Früherkennungsuntersuchungen auf Prostatakrebs nicht oder zu spät wahr. Grund genug also, um im Rahmen der diesjährigen Loose Tie Aktion mit den Mythen und Fake News rund um die Prostata und Prostatakrebs aufzuräumen. 

„Loose Tie“ bedeutet übersetzt so viel wie „ lockere Krawatte“. Die Aktion soll Männer daran erinnern, sich auf jeden Fall jenseits des Alltagsstresses Zeit für einen Arzttermin zu nehmen: Die Prostata-Vorsorge ab 45! Gestartet wurde die Krebshilfe-Aktion erstmals im Jahr 2015. Seither setzen sich viele Menschen dafür ein, dass ‚Mann‘ an den Prostata-Check denkt. 

 

Videos zu Prostata-Irrtümer – um diese „dreht“ es sich

  • #1 „Selbstdiagnose“: Warum Mann zwar im Stehen pinkeln kann, dabei aber nicht erkennt, ob seine Prostata auch gesund ist.
  • #2 „Mir fehlt eh nix“: Warum das männliche Körperbewusstsein relativ und es wichtig ist, ab 45 zur Prostatakrebs-Früherkennung zu gehen.
  • #3 „Gefährliches Radfahren“: Warum Radfahren doch nicht der Prostata schadet, sondern sogar der Krebsvorsorge dient.
  • #4 „Alles fit im Schritt“: Warum ein erfülltes Sexualleben nicht davor schützt, an Prostatakrebs zu erkranken.
  • #5 „Untersuchung tut weh“: Warum Mann die fällige Früherkennungsuntersuchung zum Anlass nehmen kann, gleich mit einem Freund gemeinsam zum Arzt zu gehen.
  • #6 „Der PSA-Wert“: Warum ein erhöhter PSA-Wert nicht gleich bedeutet, an Prostatakrebs erkrankt zu sein.
  • #7„Die Biopsie“: Aufräumen mit dem verbreiteten Irrglauben, dass durch eine Biopsie der Krebs erst „aufgeweckt“ wird.
  • #8 „Wundermittel“: Warum alternative Therapien aus dem Internet keine vermeintlichen Wundermittel sind.

 

Die gesamte Videoreihe können Sie hier sehen:

 

Soziale Medien - viele Fake News zu Prostatakrebs 

Wie anfällig viele Nutzer für Fake News in den sozialen Netzwerken sind, wiesen Forschende von der Universität in Loma Linda in Kalifornien in einer Studie nach. Sie identifizierten insgesamt 50 englischsprachige Artikel (jeweils zehn) zu Prostatakrebs, PSA-Test sowie zum Blasen-, Nieren- und Hodenkrebs, die in den sozialen Medien am häufigsten geteilt worden waren. Einbezogen wurden die Plattformen Facebook, Twitter, Pinterest und Reddit.

Augen auf bei YouTube!

Auch Videos auf der Plattform YouTube enthalten oft medizinisch falsche und unausgewogene Informationen zu Prostatakrebs.

© StockSnap/Pixabay.com

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen analysierten die geteilten Artikel auf ihre fachliche Richtigkeit. Sie prüften zum Beispiel die Beschreibung der Symptome, Behandlungen und der Krankheitsverläufe. Diese Informationen der Artikel verglichen sie mit medizinisch bewiesenen (evidenzbasierten) Fakten, etwa aus den medizinischen Leitlinien, Konsensus-Papieren oder anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Anhand dieser Kriterien stuften sie die Informationen in drei Gruppen ein:

  • Korrekt“ – Inhalte entsprechen dem wissenschaftlichen Stand und sind richtig dargestellt
  • Ungenau“ – die Aussagen haben keine wissenschaftliche Basis oder widersprechen der Stand der Wissenschaft
  • Irreführend“ – die Aussagen beruhen zwar auf wissenschaftlichen Fakten, aber die Interpretation ist falsch. So lassen sich zum Beispiel Erkenntnisse aus Tierstudien nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.

 

Die 50 ausgewählten Posts wurden fast 550.000 Mal geteilt. Am meisten gestreut wurden die Artikel auf den Plattformen Facebook und Twitter.

Das erste wichtige Ergebnis war, dass Artikel zum Thema Prostatakrebs am häufigsten geteilt wurden – und zwar über alle sozialen Plattformen hinweg (399.000 Shares). Erst danach kamen die Inhalte zu Nierenkrebs (115.000), Blasenkrebs (17.894), zum PSA-Test (8.827) und zum Hodenkrebs (7.045). Zweitens stellten die Forschenden fest, dass die Rate an ungenauen und irreführenden geteilten Artikeln sehr hoch war:

  • Prostatakrebs sieben von zehn Artikeln
  • Nierenkrebs – drei von zehn Artikeln
  • Blasenkrebs – zwei von zehn Artikeln
  • Hodenkrebs – zwei von zehn Artikeln
  • PSA-Test – einer von zehn Artikeln

 

Die Forschenden machten noch einen weiteren Trend aus. Posts mit ungenauen oder irreführenden Inhalten wurden weitaus häufiger in den sozialen Medien geteilt als korrekte Informationen: 54.000 (ungenau) beziehungsweise 7.040 (irreführend) Mal. Zum Vergleich: Die als korrekt eingestuften Texte waren weit abgeschlagen und bekamen nur 1.900 Shares. Damit verbreiteten sich Fake News rund 28 Mal öfters als wissenschaftlich richtige und faktenbasierte Texte. 

Bei den Fake News handelte es sich oft die Themen Therapien und Diagnose, meist um alternative Krebstherapien oder Ratschläge zur Selbstdiagnose. Die wenigsten Inhalte hatten medizinisch seriöse Portale, Ärzte oder Kliniken veröffentlicht.

Wer sich also rein über die sozialen Netzwerke über Prostatakrebs und andere Krebserkrankungen informiert, ist offenbar schlecht beraten. Der Wahrheitsgehalt vieler Posts und Links ist gering und das  Risiko damit hoch, falschen Informationen und Fake News aufzusitzen – das gilt besonders bei Prostatakrebs. Die Autoren um den Urologen Dr. Muhannad Alsyouf schreiben: „Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, die Nutzer an verlässliche und seriöse medizinische Informationen weiterzuleiten.“

Quellen: