Nachsorge bei Prostatakrebs

30. Oktober 2018 | von Ingrid Müller

Die Nachsorge bei Prostatakrebs hilft Ärzten, einen Krebsrückfall rechtzeitig aufzuspüren, aber nicht nur: Auch die Folgen der Krebserkrankung versuchen Ärzte in den Griff zu bekommen. 

Die Nachsorge umfasst verschiedenste Maßnahmen, um eine Rückfall bei Prostatakrebs möglichst frühzeitig zu entdecken. Rezidiv heißt es in der Fachsprache, wenn die Krebserkrankung trotz Behandlungen zurückkehrt. Außerdem wollen Ärzte durch regelmäßige Kontrollen in der Nachsorge mögliche Spätfolgen und Nebenwirkungen von Krebstherapien behandeln. So sind die Inkontinenz und Erektile Dysfunktion eine häufige Folge der Operation (radikale Prostatektomie) und Strahlentherapie bei Prostatakrebs. Auch mit einer chronischen Erschöpfung, der Fatigue, haben viele Krebspatienten zu kämpfen.

Weiterhin geht es in der Nachsorge darum, Ihnen bei seelischen und sozialen Problemen aufgrund Ihrer Krebserkrankung zur Seite zu stehen. So versuchen Ärzte, Ihnen bei möglichen Behinderungen oder der Rückkehr in den Beruf behilflich zu sein. Viele Männer wünschen sich nämlich nach einer längeren Zeit des Ausnahmezustandes ein Stück ihres „normales Leben“ zurück. Sie möchten wieder ihren Hobbys nachgehen und ihren Beruf ausüben.

Welcher Arzt für die Nachsorge?

Vielleicht haben Sie schon im Verlauf Ihrer Krebserkrankung einen Urologen oder Onkologen Ihres Vertrauens gefunden. Wenn nicht: Suchen Sie sich für die Nachsorge einen solchen Arzt! Am besten ist es, wenn dieser Arzt schon andere Männer mit Prostatakrebs betreut und Erfahrung in der Nachbehandlung hat. Wichtig ist, dass einer die Fäden in der Hand hält – und das gelingt nur, wenn Ihr Arzt sämtliche Unterlagen und Befunde hat. Er muss unter anderem wissen, welche:

  • Art von Prostatakrebs Sie haben (z.B. Ergebnisse der Biopsiepathologischer Befund)
  • Untersuchungen und Behandlungen Sie durchlaufen haben
  • Medikamente Sie einnehmen
  • Nebenwirkungen und Folgen Sie womöglich entwickelt haben

Vertrauensvoll bedeutet übrigens auch, dass Sie Ihrem Arzt mitteilen, wenn Sie mit ergänzenden Behandlungen (Alternativmedizin, Komplementärmedizin) sympathisieren oder diese vielleicht schon angewendet haben. Sagen Sie Ihrem Arzt, wenn Sie zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Medikamente oder die Homöopathie anwenden. Die meisten Ärzte haben heute ein offenes Ohr und Verständnis dafür, dass Krebspatienten unterstützend noch andere Behandlungen wünschen. Diskutieren Sie alle Behandlungen und Fragen mit Ihrem Arzt.

Um den Überblick zu behalten, ist ein Nachsorge-Pass hilfreich. Er enthält unter anderem Behandlungen, Untersuchungsergebnisse und Nachsorgetermine. Es gibt schon spezielle Vordrucke dafür, etwa bei der Deutschen Krebshilfe – allerdings noch nicht in elektronischer Form. Oft händigt Ihnen Ihr Arzt den Nachsorge-Pass aus.

Nachsorge – Kontrollintervalle bei Prostatakrebs

Die Nachsorge beginnt spätestens drei Monate nach dem Abschluss der Behandlungen. Sie erstreckt sich meist über mehrere Jahre. Ärzte raten Männern mit Prostatakrebs zu Kontrolluntersuchungen in bestimmten Zeitintervallen.

Nachsorge – welche Zeitabstände?

  • 1. und 2. Jahr: alle drei Monate den PSA-Wert bestimmen lassen
  • 3. und 4. Jahr: alle sechs Monate Bestimmung des PSA-Wertes
  • ab dem 5. Jahr: Einmal im Jahr den PSA-Wert messen lassen.

Eine Tastuntersuchung (digitale rektale Untersuchung) ist nicht notwendig – sofern der PSA-Wert sich nicht verändert und stabil bleibt.

Rezidiv in der Nachsorge erkennen

Eine engmaschige ärztliche Kontrolle ist nach eine Krebserkrankung besonders wichtig. Nehmen Sie die Kontrollen regelmäßig wahr und schieben Sie sie nicht auf – auch wenn solche Nachsorge-Termine bestimmt nicht zu den angenehmsten zählen. Die meisten sind angespannt, nervös und haben Angst vor einem Rückfall. Aus Umfragen wissen Ärzte, dass fast alle Krebspatienten am meisten die Rückkehr des Tumors fürchten.

Manchmal steigt der PSA-Wert im Lauf der Nachsorge-Kontrollen an. Dies kann darauf hindeuten, dass der Prostatakrebs wieder zurückgekehrt ist und wächst. Experten haben ausgerechnet, dass etwa drei von zehn Männern nach der Krebsbehandlung nicht tumorfrei bleiben und ein Rezidiv erleiden. Der PSA-Wert ist nicht nur für die Früherkennung von Prostatakrebs, sondern spielt auch bei der Kontrolle der Krebserkrankung eine wichtige Rolle.

PSA-Wert und Rückfall

  • Nach Operation (radikaler Prostatektomie): Wenn der PSA-Wert auf mehr als 0,2 ng/ml ansteigt; Ärzte müssen dies durch eine zweite Messung bestätigen.
  • Nach Strahlentherapie: Wenn der PSA-Wert um mehr als 2 ng/ml über dem niedrigsten, nach der Bestrahlung gemessenen Wert liegt. Auch hier müssen Ärzte den Wert durch eine zweite Messung bestätigen.

Ärzte bezeichnen dies als „biochemisches Rezidiv“, weil sich die Diagnose allein auf den gestiegenen PSA-Wert stützt.

Rezidiv bei Prostatakrebs behandeln – so gehen Ärzte vor

Wenn Sie keine weiteren Beschwerden haben und es keine anderen Anzeichen für das Krebswachstum gibt, beobachten Ärzte dieses Rezidiv mit dem gestiegenen PSA-Wert eventuell zunächst. Manchmal sind jedoch weitere Krebsbehandlungen nötig, um den Prostatakrebs wieder in den Griff zu bekommen.

Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Operation, wenn der Prostatakrebs zuerst bestrahlt wurde
  • Strahlentherapie, wenn die erste Krebsbehandlung einer Operation war
  • Ein Rezidiv nach einer Strahlentherapie können Ärzte auch mittels hochintensiviertem fokussiertem Ultraschall (HIFU) behandeln – es ist jedoch ein experimentelles Verfahren

Ärzte müssen zudem ausschließen, dass der Tumor schon in andere Organe gestreut hat, etwa die Knochen. Anhaltspunkte dafür liefern:

  • Höhe des PSA-Wertes: niedrige Werte bedeutet eher ein lokales Rezidiv, hohe Werte sprechen für die Metastasierung
  • Geschwindigkeit des PSA-Anstiegs (PSA-Verdoppelungszeit): Je kürzer diese ist, desto eher sollte die Behandlung beginnen
  • Zeitpunkt des PSA-Anstiegs: früh oder spät nach der ersten Krebstherapie
  • Gleason-Score: Er besagt, wie aggressiv der Prostatakrebs ist.

Daneben gibt es noch eine neue Methode: die sogenannte PSMA-PET. Hinter dem Kürzel PSMA verbirgt sich ein besonderes Eiweiß und PET bedeutet „Positronenemissionstomografie“. Es gibt Hinweise darauf, dass sich durch dieses bildgebende Verfahren Metastasen etwas besser erkennen lassen.

Bei Krebsabsiedlungen setzen Ärzte andere Behandlungen ein, zum Beispiel eine Hormontherapie (auch Antihormontherapie, Hormonentzugstherapie), Chemotherapie oder eine Kombination aus beiden Behandlungen.

Die Nachsorge mit engmaschigen Kontrollen ist also sehr wichtig, um ein Rezidiv möglichst früh aufzuspüren und den Krebs erneut zu behandeln. Betrachten Sie die Nachsorge also nicht als lästige Übel, sondern als Chance, damit Sie möglichst lange beschwerdefrei bleiben und Ihr Leben genießen können!

 

Quellen

  • Deutsche Krebsgesellschaft, www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 30.10.2018)
  • Deutsche Krebshilfe, Blaue Ratgeber „Prostatakrebs“ und „Nachsorge“, www.krebshilfe.de
  • Patientenleitlinie „Prostatakrebs I – lokal begrenztes Prostatakarzinom“, April 2018