PSA-Rezidiv erkennen und behandeln

15. Januar 2019 | von Ingrid Müller

Manchmal kehrt der Prostatakrebs trotz einer Prostata-OP oder Bestrahlung zurück. Lesen Sie, was ein steigender PSA-Wert bedeutet, wie sich ein PSA-Rezidiv erkennen lässt und wie Ärzte den Rückfall behandeln.

Ein PSA-Rezidiv bedeutet, dass der PSA-Wert nach der Operation des Prostatakrebses wieder ansteigt. Normalerweise fällt der PSA-Wert einige Wochen nach dem chirurgischen Eingriff in einen Bereich ab, in dem er nicht mehr nachweisbar ist. Dies gilt als Anzeichen dafür, dass Ärzte den bösartigen Tumor vollständig entfernt haben. Erhöht sich der Wert nach der Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) jedoch wieder, besteht der Verdacht, dass der Prostatakrebs zurückgekehrt ist und der Tumor wieder wächst. Der medizinische Fachausdruck für einen solchen Rückfall heißt Rezidiv. Ärzte kontrollieren den PSA-Wert regelmäßig im Rahmen der Nachsorge, um ein Wiederaufflammen des Prostatakrebses so früh wie möglich zu erkennen. Deshalb sind regelmäßige Nachsorgetermine auch so wichtig!

Welche PSA-Werte sind verdächtig?

Ärzte messen das prostataspezifische Antigen (PSA) zweimal nacheinander.

  • Beträgt der PSA-Wert beide Male nach einer Operation mehr als 0,2 Nanogramm/Milliliter (ng/ml), liegt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rezidiv vor.
  • Das Gleiche gilt, wenn der PSA-Wert nach einer Strahlentherapie in mindestens zwei Messungen mehr als 2 ng/ml über dem tiefsten gemessenen Wert – dem Nadir – liegt.
  • Wenn Sie keine Symptome und Beschwerden verspüren, sprechen Mediziner von einem biochemischen Rezidiv, PSA-Rezidiv oder PSA-Progress. Allein der erhöhte PSA-Wert weist dann auf den Rückfall hin.

PSA-Rezidiv – wo ist der Prostatakrebs zurückgekehrt?

Bei einem PSA-Rezidiv gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder ist der Prostatakrebs örtlich im Operationsgebiet der Prostata zurückgekehrt (Lokalrezidiv). Haben sich die Krebszellen dagegen auf Wanderschaft begeben und über die Blut- und Lymphbahnen ausgebreitet, bilden sich Tochtergeschwülste in anderen Organen (Metastasen oder Fernmetastasen). Bei Prostatakrebs entwickeln sich solche Krebsabsiedelungen oft zunächst in den Knochen.

Um zwischen einem Lokalrezidiv und Fernmetastasen zu unterscheiden, ziehen Ärzte bestimmte Faktoren heran:

  • biologische Merkmale des Prostatakrebses bei der ersten Diagnose, zum Beispiel die Ausbreitung oder Aggressivität
  • Verlauf des PSA-Wertes: Wie lange liegt die Operation schon zurück? Wie schnell ist der PSA angestiegen?
  • eventuell bildgebende Verfahren, um den Ort des Rezidivs zu bestimmen

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick, welche Anhaltspunkte Ihr Arzt für ein Lokalrezidiv oder Fernmetastasen hat und wie er sie einordnet:

Hinweise auf ein LokalrezidivHinweise auf Metastasen
  • später PSA-Anstieg: frühestens 3 Jahre nach Operation
  • früher PSA-Anstieg: innerhalb der ersten 12 Monate nach Operation
  • langsamer PSA-Anstieg: Verdopplungszeit des PSA-Wertes liegt über 11 Monate
  • schneller PSA-Anstieg: Verdopplungszeit des PSA-Wertes liegt zwischen 4 und 6 Monaten
  • günstige Eigenschaften des ursprünglichen Tumors: Gleason-Score von höchstens 7 und auf die Prostata begrenzter Krebs
  • ungünstige Eigenschaften des erstenTumors: Gleason-Score 8 bis 10, Tumor örtlich fortgeschritten und/oder Lymphknotenmetastasen
  • Unvollständige Entfernung des Tumors bei der Prostatektomie
 

PSA-Rezidiv: welche bildgebenden Verfahren?

Bei sehr niedrigen PSA-Werten unter 0,5 ng/ml können Ärzte Tumoren mit herkömmlichen bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT), Ultraschall über den Enddarm (transrektaler Ultraschall, TRUS), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Knochenszintigrafie nicht zuverlässig aufspüren.

Mehr Aussagekraft besitzt eine neue Variante der Positronenemissionstomografie (PET). Sie arbeitet mit einem radioaktiven Marker, der das sogenannte Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA) sichtbar macht.

Studien lassen vermuten, dass eine Kombination aus PSMA-PET und CT schon bei sehr niedrigen PSA-Werten nachweisen kann, ob ein Lokalrezidiv oder Metastasen vorliegen. Ärzte empfehlen die PSMA-PET/CT, wenn das Untersuchungsergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit Auswirkungen auf die Therapiewahl hat. Von diesen Erkenntnissen hängt es ab, welche Therapien Ärzte Ihnen jetzt vorschlagen. Denn ein Lokalrezidiv behandeln sie anders als Metastasen, zum Beispiel in den Knochen.

Wann warten Ärzte bei einem PSA-Rezidiv ab?

Manchmal ist die Ausgangssituation günstig und der PSA-Wert nimmt nach einer Operation über Jahre hinweg zu, ohne dass die betroffenen Männer Beschwerden entwickeln. In folgenden Fällen können Ärzte das PSA-Rezidiv zunächst nur beobachten:

  • Der PSA-Wert steigt nur langsam an – die Verdopplungszeit des PSA-Wertes beträgt mehr als zehn Monate.
  • Das PSA-Rezidiv tritt mehr als zwei Jahre nach der Operation auf.
  • Der Gleason-Score, der Aussagen über die Aggressivität des ersten Prostatatumors zulässt, liegt unter 8.

Bei der Entscheidung – abwarten oder behandeln – spielen auch Ihr allgemeiner Gesundheitszustand, Ihr Alter und natürlich Ihre persönlichen Wünsche mit. Sprechen Sie immer ausführlich mit Ihrem Arzt und wägen Sie gemeinsam alle Vor- und Nachteile ab. Erst dann entscheiden Sie!

PSA-Rezidiv behandeln – das sind die Möglichkeiten

Ein Lokalrezidivnach einer Operation lässt sich mit einer Strahlentherapie behandeln, bei der Radiologen die Bestrahlung von außen verabreichen (sogenannte Salvage-Strahlentherapie oder nachgeschaltete Bestrahlung). So lässt sich das Rezidiv in der Umgebung des Operationsgebietes oft heilen. Je früher die Bestrahlung beginnt, desto besser sind die Erfolgschancen. Besonders gut stehen sie, wenn der PSA-Wert noch unter 0,5 ng/ml liegt. Auch eine Kältetherapie (Kryotherapie) und die HIFU sind eine Möglichkeit, wenn Sie schon operiert wurden. Ein zweites Mal an jener Stelle operieren, an der sich die Prostata befunden hat, können Ärzte übrigens nicht. Auch eine alleinige Hormonentzugsbehandlung empfehlen Ärzte beim lokalen Rezidiv nicht.

Bei einem Lokalrezidiv nach einer Strahlenbehandlung als Ersttherapien kommt die Operation in Form einer radikalen Prostatektomie in Frage (Salvage-Prostatektomie). Zu beachten ist jedoch, dass die Spätfolgen dieser Op oft gravierender ausfallen als wenn Ärzte den Prostatakrebs zuerst operieren. Zu leiden haben Männer besonders unter Erektiler Dysfunktion und Inkontinenz. Lassen Sie diese Operation deshalb immer von einem erfahrenen Chirurgen durchführen. Auch die HIFU ist eine Möglichkeit, mit der Ärzte das Lokalrezidiv nach einer Bestrahlung behandeln. Allerdings ist die HIFU in diesem Zusammenhang eine experimentelle Therapie.

Bei Metastasen ist dagegen die Hormontherapie eine gute Möglichkeit, um die Metastasen in Schach zu halten und ihre Ausbreitung zu hindern. Diese Krebsbehandlung wirkt nicht nur örtlich, sondern im gesamten Körper. Auch lässt sich durch die medikamentöse Behandlung das Auftreten von Beschwerden hinauszögern. Eine Heilung gelingt jedoch in den meisten Fällen nicht. Die Hormontherapie ist ratsam, wenn …

  • … die PSA-Verdopplungszeit weniger als drei Monate beträgt.
  • … der Prostatakrebs örtlich fortschreitet und Symptome hervorruft.
  • … Fernmetastasen vorhanden sind.

Wichtig ist, dass Sie sich gut über alle Behandlungsmöglichkeiten informieren und Ihrem Arzt alle Fragen stellen, die Ihnen auf dem Herzen liegen!

 

Quellen

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Stand April 2018
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 14.1.2019)
  • Deutsche Krebsgesellschaft, krebsgesellschaft.de (Abruf: 14.1.2019)