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PSMA-PET/CT bei Prostatakrebs - das steckt dahinter

07. Juli 2021 | von Ingrid Müller
Aktualisiert und medizinisch geprüft am 7.7.2021 
Ingrid Müller, Chefredakteurin und Medizinjournalistin

Das PSMA-PET/CT ist eine höchst empfindliche und sehr genaue Diagnosemethode, mit sich Metastasen bei Prostatakrebs sowie ein Rückfall aufdecken lassen. Alles über die Einsatzgebiete, den Ablauf, die Dauer und Kostenübernahme des Verfahrens.

Was ist eine PSMA-PET/CT?

Hinter der Abkürzung PSMA-PET-CT verbirgt sich eine Kombination verschiedener Verfahren, die Radiologen in der Diagnostik von Prostatakrebs einsetzen. Das Methode kann Metastasen bei Prostatakrebs aufdecken oder einen Rückfall (Rezidiv) erkennen. 

PSMA

PSMA steht für Prostataspezifisches Membranantigen. Wie beim PSA handelt es sich um ein Eiweiß, das der Körper selbst herstellen kann. Dieses kommt auch auf der Oberfläche von gesunden Prostatazellen vor, allerdings nur in geringen Mengen. Deutlich mehr PSMA – nämlich etwa die 1000-fache Menge –  lässt sich auf Prostatakrebszellen und Metastasen nachweisen. Je aggressiver der Prostatakrebs bei einem Mann ist (je höher der Gleason-Score), desto größere Mengen PSMA befinden sich auf den Krebszellen. Im restlichen Körper ist  das Eiweiß dagegen so gut wie nicht vorhanden.

 

PET

PET ist die Abkürzung für Positronenemissionstomografie. Mithilfe dieser Methode können Radiologen und Radiologinnen Regionen im Körper sichtbar machen, deren Stoffwechsel besonders aktiv ist. Bei Krebszellen ist dies zum Beispiel der Fall. Sie benötigen viel Energie, weil sie sich rasch teilen und vermehren. Die PET funktioniert mit radioaktiv markierten Arzneien, den sogenannten Tracern oder Radionukliden. Beispiele sind 68-Gallium (68Ga) oder 18-Fluor (18F), die Ärzte in die Vene injizieren und die sich spezifisch an das Protein PSMA heften.

 

CT

CT ist das Kürzel für die Computertomografie - ein bildgebendes Verfahren, das mit Röntgenstrahlen arbeitet. Radiologen zerlegen dabei den Körper "in Scheibchen" und erhalten höchaufgelöste Schnittbilder aus dem Körperinneren. Die CT ist ein Standardverfahren, das in der Diagnostik vieler Krankheitsbilder zum Einsatz kommt. 

Bei jeder PET/CT-Untersuchung nehmen Radiologinnen also zugleich eine Computertomographie (CT) vor. Die Bindung des Tracers an das PSMA lässt sich auf diese Weise sichtbar machen. Radiologen können sehr genau zwischen gesunden und bösartigen Zellen der Prostata unterscheiden und die Befunde mit Hilfe der CT räumlich zuordnen. 

 

PSMA-PET/CT: Wann wird es eingesetzt?

Das PSMA-PET/CT lässt sehr genaue Rückschlüsse auf einen Rückfall bei Prostatakrebs und Metastasen zu. Ärzte setzen sie zum Beispiel ein, wenn der PSA-Wert nach einer Krebsbehandlung unerklärlich ansteigt, etwa nach einer Operation, Bestrahlung oder Hormontherapie

Die neuen Leitlinien zu Prostatakrebs haben ihre Empfehlungen zum PSMA-PET/CT jetzt aufgrund neuer Studien aktualisiert. Bisher war das Verfahren nur innerhalb von kontrollierten Studien empfohlen. 

Das PSMA-PET/CT:

  • besitzt eine größere Genauigkeit beim Nachweis von Prostatakrebs-Metastasen als die Kombination aus Computertomografie und Knochenszintigrafie.
  • können Ärztinnen und Ärzte beim Hoch-Risiko-Prostatakrebs (Gleason-Score 8-10 oder T-Kategorie cT3/cT4 oder PSA ≥20ng/ml) zur Ausbreitungsdiagnostik einsetzen. Die Empfehlung "kann" wurde gewählt, weil die Methode noch nicht flächendeckend an allen Kliniken in Deutschland verfügbar ist.

 

PSMA-PET/CT: Ablauf 

Der Ablauf der PSMA-PET/CT lässt sich ungefähr so beschreiben:

  • Nuklearmedizinerinnen markieren PSMA mit einer radioaktiven Substanz (einem Radiopharmakon), zum Beispiel 68-Gallium (68Ga) oder 18-Fluor (18F). Meist stellen Kliniken den Tracer erst kurz vor der Untersuchung im Labor her, weil er so kurzlebig ist und schnell zerfällt.
  • Nach der Injektion des Tracers in die Vene (intravenös) verteilt sich der PSMA-Tracer mit dem Blutstrom im Körper, spürt Krebszellen auf und heftet sich an das PSMA auf deren Oberfläche.
  • Anschließend erfasst eine PET-Kamera die abgegebene radioaktive Strahlung. Die Bilder können Ärztinnen anschließend auf einem Computer sehen.
  • Ärzte kombinieren die PSMA-PET zusätzlich mit einer Computertomografie (CT). Sie überlagern die PET-Aufnahmen mit den CT-Bildern und werten sie dann gemeinsam aus. So lassen sich Krebszellen noch genauer lokalisieren und den jeweiligen anatomischen Strukturen zuordnen. Das CT liefert Bilder in Graustufen, während die Krebszellen im PET als Farbflecken darauf erscheinen. Es gibt inzwischen Hybrid-Geräte, die beide bildgebende Verfahren miteinander kombinieren. Ärzte brauchen also nur ein Gerät für die Untersuchung.

 

Hat sich der Verdacht auf einen Rückfall bewahrheitet, können Ärzte sofort die weitere Behandlung planen. Ist der Krebs lokal zurückgekehrt oder haben sie einzelne Metastasen gebildet, kommt zum Beispiel eine Bestrahlung zum Einsatz, die sogenannte Salvage-Strahlentherapie. Oft lassen sich der Tumor beziehungsweise die Metastasen so längere Zeit in Schach halten.

 

PSMA-PET/CT: Dauer und Nebenwirkungen

Die radioaktive Belastung durch die PSMA-PET ist in der Regel sehr gering. Denn die Tracer sind relativ kurzlebig. Sie besitzen nur eine Halbwertszeit von ein bis zwei Stunden - danach ist das Radiopharmakon zerfallen. Die Strahlendosis entspricht ungefähr der ein- bis zweifachen jährlichen natürlichen Strahlenexposition in Deutschland. Zudem scheidet der Organismus die radioaktiven Substanzen relativ schnell wieder über den Urin aus.

Insgesamt dauert die PSMA-PET zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Etwa 45 Minuten benötigt der Tracer nach der Injektion, um sich im Körper zu verteilen. Rund 30 Minuten verbringen Sie tatsächlich im Gerät. Sie müssen bei der Untersuchung möglichst entspannt und ruhig liegen.

 

Wer führt die PSMA-PET durch?

Die PSMA-PET/CT lässt sich ambulant durchführen. Viele Universitätskliniken und einige niedergelassene Fachärzte und Fachärztinnen für Nuklearmedizin bieten die Diagnosemethode an. 

Adressen finden Sie über die Servicestelle der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) oder die kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer. Sie brauchen eine Überweisung von einem Facharzt oder einer Fachärztin für Urologie, der die Notwendigkeit der PSMA-PET kurz begründen muss.

 

PSMA-PET/CT -  bezahlen die Krankenkassen?

Das PSMA-PET/CT ist laut aktueller Leitlinie anderen Methoden wie der Computertomografie und Knochenszintigrafie beim Aufspüren von Metastasen bei Prostatakrebs überlegen. Manche gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung, aber bei weitem (noch) nicht alle. Auch private Krankenversicherungen bezahlen die PSMA-PET/CT in einigen Fällen, wenn sie medizinisch begründet ist und der Arzt Fragen klären möchte, die für die weitere Behandlung nötig sind. 

Unsere Erfahrung und Tipp!

Aus unzähligen E-Mail-Zuschriften unserer Nutzer haben wir den Eindruck gewonnen, dass die gesetzlichen Krankenkassen eine Kostenübernahme für das PSMA-PET/CT in vielen Fällen ablehnen. 

Wichtig ist es dehalb in jedem Fall, dass Sie vorher bei Ihrer Krankenkasse nachfragen, ob sie die Untersuchung bezahlt. Maßgebend ist immer Ihr inidivueller Fall.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 29.3.2021 folgende Informationen dazu veröffentlicht: Bei Unter- oder Überschreiten bestimmter PSA-Werte nach einer Prostatektomie wird künftig zum Auffinden von Lymphknoten- oder Knochenmetastasen ein PSMA-PET möglich, wenn andere Diagnosemethoden nicht einsetzbar sind oder keine klaren Ergebnisse bringen.

Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. hatte schon im Februar 2020 eine Pressemitteilung veröffentlicht, dass das PSMA-PET/CT bei Prostatakrebs jetzt Kassenleistung ist. Durch den Beschluss des G-BA im vergangenen Jahr sei die Untersuchung ohne Zuzahlung des Patienten möglich.

 

Behandlung mit 177-Lu-PSMA bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Das Eiweiß PSMA lässt sich aber nicht nur in der Diagnostik, sondern auch zur Behandlung eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms nutzen. Ärzte setzen dafür Lu-177-PSMA ein. Dabei ist das PSMA an das Radionuklid Lutetium-177 gekoppelt, das ein deutlich stärkerer Strahler als 68 Gallium ist. Es dringt in die Krebszelle ein und bestrahlt sie gezielt von innen. Die Strahlen zerstören die Erbsubstanz der Zelle – die DNA – und sie stirbt ab.

Ein Vorteil ist, dass der Strahler nur etwa zwei Millimeter tief ins Gewebe eindringt und umliegendes gesundes Gewebe weitgehend schont. Damit die LU-177-PSM-Behandlung wirkt, müssen Krebszellen jedoch ausreichende Mengen an PSMA auf ihrer Oberfläche besitzen. Dies überprüfen Ärzte vor der Therapie mittels PSMA-PET-CT.

PSMA

Alles über das Eiweiß PSMA in der Diagnostik und Behandlung von Prostatakrebs lesen Sie hier »»

Viele Männer sprechen gut auf die Lu-177-PSMA-Behandlung an. Der Prostatakrebs bildet sich zurück, der PSA-Wert sinkt auch Schmerzen aufgrund der Metastasen nehmen oft ab. Zudem vertragen die meisten die Behandlung gut – ohne starke Nebenwirkungen. Die Lu-177-PSMA-Behandlung gilt als „individueller Heilversuch“. Darunter fallen Therapien, die zwar wirksam, aber noch nicht zugelassen sind. 

Die neue Leitlinie zu Prostatakrebs empfiehlt einen Behandlungsversuch mit Lutetium-177-PSMA- in folgenden Fällen:

  • Für Männer mit kastrationsresistentem, fortschreitendem Prostatakrebs
  • Bei gutem Allgemeinzustand
  • Wenn alle empfohlenen Therapieomöglichkeiten ausgeschöpft sind
  • Unter Beteiligung einer interdisziplinären Tumorkonferenz

Fragen Sie immer vorher bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten für die Lu-177-PSMA-Therapie übernimmt.

Quellen: