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HIFU bei Prostatakrebs: Ultraschall gegen den Tumor

12. Juni 2018 | von Ingrid Müller

Bei einer HIFU „verkochen“ Ultraschallwellen das Krebsgewebe. Lesen Sie, für wen sich die HIFU eignet und welche Vor- und Nachteile die Krebsbehandlung besitzt.

HIFU ist die Abkürzung für „hochintensivierter, fokussierter Ultraschall“. Diese Methode zur Behandlung von Prostatakrebs mittels energiereicher Ultraschallwellen ist vergleichsweise neu. Sie funktioniert minimal-invasiv und ist schonend, weil sie ohne große Schnitte auskommt. Ärzte behandeln entweder die gesamte Prostata (Ganzdrüsentherapie) oder nur Teile der Vorsteherdrüse (fokale Therapie) mittels HIFU.

HIFU derzeit nur bei örtlich begrenztem Prostatakrebs

Empfohlen ist die Ultraschalltherapie derzeit nur für Männer mit lokal begrenztem Prostatakrebs, bei dem sich der Tumor noch auf die Prostata beschränkt. Für Männer mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom, bei dem sich schon Metastasen gebildet haben, ist die HIFU-Behandlung nicht geeignet. Das Gleiche gilt für lokal fortgeschrittenen Prostatakrebs, bei dem sich der Tumor schon über die Kapsel hinaus ausgebreitet hat.

Auf der Basis der vorliegenden Daten zum Nutzen und den Nebenwirkungen ließen sich derzeit noch keine verlässlichen Aussagen dazu treffen, schreiben die Autoren der Leitlinie „Prostatakarzinom“ zur HIFU. Für den lokal fortgeschrittenen Prostatakrebs empfehlen sie deshalb alternative Behandlungen.

Zu beachten ist, dass die Ultraschallbehandlung derzeit noch als experimentell gilt. Ärzte sollten sie deshalb nur im Rahmen klinischer Studien durchführen.

HIFU verkocht das Krebsgewebe

Beim hochintensivierten, fokussierten Ultraschall richten die Ärzte die Ultraschallwellen gebündelt und gezielt nur auf den Tumor, manchmal auch auf die gesamte Prostata. Ziel ist es, möglichst nur die Krebszellen zu zerstören und umliegendes, gesundes Gewebe so gut wie möglich zu schonen.

HIFU führen Ärzte unter einer regionalen Narkose (Teilnarkose, lokale Anästhesie) oder unter Vollnarkose durch. Während des Eingriffs liegt der Patient auf der Seite. Über den Enddarm führt der Arzt eine etwa löffelgroße Ultraschallsonde ein und schiebt sie in die Nähe der Prostata vor. Auf dem Bildschirm kann er die Prostata in 3‑D sehen. Von dort aus plant und steuert er die Behandlung. Dann gibt er die Ultraschallwellen gezielt und punktgenau auf das Krebsgewebe ab.

Beim Einsatz von hochintensiviertem Ultraschall entsteht sehr viel Energie – und damit auch Wärme. Ärzte kühlen die Sonde, damit die Darmwand nicht heiß wird und Schaden erleidet. An jenen Stellen, auf die der gebündelte Ultraschall trifft, entstehen Temperaturen von bis zu 90°C. Der Ultraschall „verkocht“ also das Prostatagewebe und zerstört so die Krebszellen. Dieser „Brennpunkt“ lässt sich mit Sonnenstrahlen vergleichen, die durch eine Lupe gebündelt werden. Die Gewebereste baut der Körper anschließend selbst ab, zum Teil scheiden Männer sie auch mit dem Urin aus.

Manchmal muss der Arzt mehrere Punkte in der Prostata treffen. So dauert die HIFU-Behandlung etwa ein bis drei Stunden. Anschließend bleiben Sie für kurze Zeit in der Klinik (einen oder mehrere Tage).

Es gibt verschiedene HIFU-Geräte und Techniken. Bei einigen führen Ärzte vor der Ultraschallbehandlung eine Transurethrale Resektion der Prostata (TURP) durch, um das Risiko für Komplikationen und Nebenwirkungen zu senken. Dazu gehören zum Beispiel Verengungen des Blasenausgangs oder Harnverhalte nach der OP (Harnretentionen). Bei der TURP schneiden Ärzte die Prostata mit Hilfe spezieller Instrumente aus.

HIFU – Vorteile, Nachteile und Nebenwirkungen

Die Ultraschallbehandlung ist eine relativ schonende Methode bei Prostatakrebs, die nur wenig invasiv ist. Das bedeutet: Ein Schnitt wie etwa bei der Entfernung der Prostata ist nicht nötig. Allerdings ist es noch nicht genau bekannt, ob die Nebenwirkungen und Spätfolgen tatsächlich geringer ausfallen als nach einer Operation (radikale Prostatektomie) oder Strahlentherapie von innen beziehungsweise außen. Ärzte wissen auch nicht genau, ob die HIFU genauso gut wirkt wie herkömmliche Verfahren. Dazu gibt es derzeit noch keine ausreichenden Studiendaten.

Folgende Nebenwirkungen können bei einer HIFU auftreten:

  • Probleme beim Wasserlassen, Harnverhalt
  • Harnwegsinfekte
  • Harninkontinenz
  • Erektile Dysfunktion, meist nur kurzzeitig
  • sehr selten: Fisteln im Darm
  • Langfristige Nebenwirkungen und Spätfolgen sind noch nicht genau bekannt.

Wer bezahlt die HIFU?

Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten einer HIFU-Behandlung. Fragen Sie aber zur Sicherheit vorher bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Therapie bezahlt. Denn eine feste Regelung oder Verpflichtung zur Kostenübernahme gibt es bisher nicht.

 

Quellen

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, April 2018
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 11.6.2018)
  • Cancer research UK, http://www.cancerresearchuk.org/about-cancer/prostate-cancer/treatment/other-treatments/high-intensity-focal-ultrasound-hifu