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Screening bei Prostatakrebs ähnlich effektiv wie bei Brustkrebs

25. März 2026 | von Ingrid Müller

Die Bestimmung des PSA-Wertes zur Früherkennung von Prostatakrebs ist vermutlich ähnlich wirksam wie das Mammografie-Screening auf Brustkrebs. Dies zeigt eine neue Datenanalyse.

Das Prostatakrebs-Screening basiert derzeit immer noch auf der Tastuntersuchung (DRU), die Männer ab 45 Jahren einmal pro Jahr wahrnehmen können – auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen. Das Screening richtet sich an gesunde Männer, die keine  Symptome haben, die auf ein Prostatakarzinom hindeuten würden. Weil die DRU jedoch so ungenau ist, empfiehlt die neue Leitlinie „Prostatakarzinom“ jetzt einen PSA-Test (PSA-Screening) statt einer Tastuntersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs. Beim Verdacht auf einen bösartigen Tumor in der Prostata soll die Magnetresonanztomographie (MRT) hinzukommen.

Neue Prostatakrebs-Früherkennung

Statt einer Tastuntersuchung, die mehr schadet als nutzt, wird jetzt ein PSA-Test und beim Verdacht auf Prostatakrebs eine MRT empfohlen - alle Fakten.

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Forschende vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) analysierten jetzt die Daten der sogenannten PROBASE-Studie neu. Die Auswertung ergab, dass das PSA-Screening vermutlich ähnlich gut abschneidet wie das Mammografie-Screening auf Brustkrebs, wenn es um das Erkennen von Krebserkrankungen und um Überdiagnosen geht. Beide Screening-Formen seien vergleichbar effektiv, schreibt die Forschungsgruppe um Sigrid Carlsson vom DKFZ, die Erstautorin der Studie. Es sei daher nicht mehr nachvollziehbar, das PSA-basierte Prostatakrebs-Screening abzulehnen, während das organisierte Screening auf Brustkrebs befürwortet werde. Ihre Ergebnisse stellten die Forschenden auf dem Kongress der Europäischen Vereinigung für Urologie (EAU) in London vor. 

PSA-Screening bedeutet geringeres Sterberisiko 

Die neue Analyse verglich beide Arten der Früherkennung – PSA-Wert bei Männern und Mammografie bei Frauen - hinsichtlich der diagnostischen Aussagekraft und der Häufigkeit von Überdiagnosen. Das DKFZ-Team wertete dafür Daten aus der PROBASE-Studie zur Prostatakrebsfrüherkennung sowie aus dem deutschen Brustkrebs-Screeningprogramm aus.

In diese Analyse flossen Daten von 39.392 Männern ein, die an der PROBASE-Studie teilgenommen hatten. Im Alter von 45 oder 50 Jahren hatten sie einen ersten PSA-Test durchführen lassen. Diese Daten verglichen sie mit jenen von mehr als 2,8 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren, die sich im organisierten Brustkrebs-Screening-Programm einer Mammographie unterzogen hatten. Inzwischen wurde die Altersspanne für das Mammographie-Screening sogar noch ausgeweitet: Frauen zwischen dem 45. und 75. Lebensjahr können die Röntgenuntersuchung der Brust wahrnehmen. 

Die zentralen Ergebnisse der neuen Analyse:

  • Für die Screening-Gruppe auf Prostatakrebs ergab sich ein verringertes Risiko von 0,22 Prozent für den Tod aufgrund des bösartigen Tumors in der Prostata. Diese Risikoreduktion sei vergleichbar mit jener, die sich bei Brustkrebs-Screening-Programmen beobachten lässt.
  • PSA-Bluttests bei Männern zwischen 45 und 50 Jahren, gefolgt von einer MRT-Untersuchung, führen zu mehr falsch-positiven Ergebnissen als Mammografien (37 bis 42 Prozent gegenüber 10 Prozent). Ein falsch-positives Ergebnis bedeutet, dass sich durch weitere Untersuchungen herausstellt, dass kein Prostatakrebs vorliegt. 
  • Ein ähnlicher Anteil von Männern und Frauen (0,8 bis 2,4 Prozent gegenüber 1,1 Prozent) unterzog sich zur weiteren Abklärung eines auffälligen Befundes einer Gewebeentnahme (Biopsie). Bei den Männern in der PROBASE-Studie wurde vor der Biopsie anhand verschiedener Faktoren eine Einschätzung vorgenommen, wie wahrscheinlich eine signifikante Prostatakrebserkrankung war (sogenannte Risikostratifizierung).
  • Der Prozentsatz der identifizierten invasiven Krebserkrankungen war bei der Prostata- und Brustkrebsfrüherkennung ungefähr gleich hoch (60 bis 74 Prozent gegenüber 73 Prozent).
  • Beim PSA-Screening wurden im Vergleich zum Mammographie-Screening nur unwesentlich häufiger langsam wachsende Krebserkrankungen festgestellt (26 bis 31 Prozent gegenüber 22 Prozent). Somit sei die Rate an Überdiagnosen bei Männern um etwa die Hälfte niedriger, wenn man die PROBASE Studie mit einer anderen großen Studie (ERSPC) vergleiche, schreiben die Autorinnen und Autoren. 

 

Im Zusammenhang mit den Überdiagnosen ist auch wichtig, dass die Strategie der aktiven Überwachung bei Männern mit frühem Prostatakrebs und niedrigem Risiko laut der neuen Leitlinie einen höheren Stellenwert bekommen hat. Somit sei das Risiko einer Übertherapie begrenzt, so die Forschenden. Bei einer aktiven Überwachung beobachten und kontrollieren Ärztinnen und Ärzte den Prostatakrebs nur in regelmäßigen Abständen, behandeln ihn aber nicht aktiv. Erst wenn der Tumor weiter wächst, beginnt die Behandlung, zum Beispiel eine Operation (radikale Prostatektomie) oder Strahlentherapie.

Bei Prostatakrebs von Brustkrebs lernen

Allerdings schränkt die Forschungsgruppe die Aussagekraft ihrer Analyse in bestimmten Punkten ein. So sei für die aktuelle Untersuchung eine klinische Studie mit einem bevölkerungsbasierten Screening-Programm verglichen worden. Außerdem gehe es um zwei verschiedene Krebsarten.

„Solange wir kein bevölkerungsbasiertes Screening-Programm für Prostatakrebs haben, können wir keinen exakten Vergleich mit Brustkrebs anstellen“,  erklärt Sigrid Carlsson vom DKFZ. „Auf der Grundlage unserer aktuellen Analyse können wir aber begründet annehmen, dass die Ergebnisse wahrscheinlich sehr ähnlich wie bei Brustkrebs wären, wenn das Prostatakrebs-Screening mittels PSA-Wert auf die Bevölkerung ausgeweitet würde. Wir gehen auch davon aus, dass unsere deutschen Daten auch auf andere Länder übertragbar sind.“ 

Tobias Nordström, klinischer Urologe und außerordentlicher Professor am  Karolinska-Institut in Schweden, sagt: „Beim Prostatakrebs-Screening können wir viel vom Brustkrebs-Screening lernen.“ Deshalb sei die neue Analyse eine wichtige Ergänzung der derzeitigen Wissensbasis. Allerdings seien solche Vergleiche sehr schwierig. „Daher müssen die Ergebnisse mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden“, so Nordström weiter. Dennoch zeigten die deutlichen Ähnlichkeiten zwischen den Ergebnissen des Brust- und Prostatakrebs-Screenings, dass man sich in die richtige Richtung bewege. „Wir müssen sicherstellen, dass das PSA-Screening den Männern mehr nützt als schadet.“

Video-Blog

Der Urologe Dr. Frank Schiefelbein erklärt, was die neuen Leitlinien zur Früherkennung besagen und was sich zukünftig ändern soll.

Dr. Schiefelbein spricht über neue Leitlinien der Früherkennung bei Prostata Hilfe Deutschland

Prostatakrebs-Screening: Keine Tastuntersuchung mehr empfohlen

Brust- und Prostatakrebs sind in Europa die häufigsten Krebsarten bei Männern beziehungsweise Frauen. Allein in Deutschland erkrankten im Jahr 2023 rund 79.610 Männer neu an Prostatakrebs. Dennoch unterscheiden sich die Früherkennungsprogramme für diese beiden Krebsarten erheblich. Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es in Europa organisierte Screening-Programme auf Brustkrebs – für  Prostatakrebs dagegen nicht. 

Bis vor kurzem galt noch die Tastuntersuchung als wichtige Früherkennungsmethode für ein Prostatakarzinom, obwohl sich deren Aussagekraft  und Zuverlässigkeit in Studien als nicht besonders hoch herausgestellt hatte. Nur für diese digital-rektale Untersuchung (DRU) übernehmen die Krankenkassen die Kosten, was sich jedoch bald ändern soll. Der PSA-Test gilt zwar als wichtiger Biomarker, hat jedoch ebenfalls seine Schwächen. Er birgt das Risiko von Überdiagnosen und Übertherapien. Männer müssen den PSA-Test im Rahmen der Krebsfrüherkennung nach wie vor selbst bezahlen - was viele auch tun.

Quellen:

  • Sigrid Carlsson et al: Risk-adapted Prostate Cancer Screening Achieves Mammography-like Benefits: Evidence and Implications for Europe on behalf of the PROBASE Study Group European Urology, DOI: 10.1016/j.eururo.2025.12.002
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Pressemitteilung vom 16.3.2026, https://idw-online.de/de/news867577