geralt/Pixabay.com
Zurück zur Übersicht

Prostatavergrößerung: Hochenergetische Transurethrale Mikrowellenthermotherapie (HE-TUMT)

08. Juni 2021 | von Ingrid Müller

HE-TUMT kann Männern mit einer gutartigen Prostatavergrößerung helfen. Die Methode arbeitet mit hochenergetischen Mikrowellen. Lesen Sie alles über den Ablauf, die Dauer, Wirkung und Nebenwirkungen der Transurethralen Mikrowellenthermotherapie.

Was ist HE-TUMT?

Die Abkürzung HE-TUMT steht für „Hochenergetische Transurethrale Mikrowellenthermotherapie“  - ein komplizierter Name für eine Behandlung bei gutartiger Prostatavergrößerung. HE-TUMT arbeitet mit der Energie von Mikrowellen, die das Prostatagewebe erhitzen und zerstören. Fachleute sprechen dabei von „Koagulation“. Danach absorbiert der Körper das abgestorbene Gewebe oder scheidet es mit dem Urin aus. 

Ziel der HE-TUMT ist es, die Prostata zu verkleinern und somit die Symptome beim Wasserlassen sowie den Harnfluss zu verbessern. Nach der Therapie nimmt oft auch die Lebensqualität wieder zu.

HE-TUMT zählt zu den minimal-invasiven Eingriffen. Eine offene Operation, bei der Chirurginnen einen großen Bauchschnitt setzen, ist dabei nicht nötig. Die „Schlüssellochchirurgie“ hat einige Vorteile: Sie verursacht weniger Komplikationen, zum Beispiel Blutungen. Außerdem erholen Sie sich schneller von der Op und können rascher wieder in Ihren Beruf und Alltag zurückkehren.

Gutartige Prostatavergrößerung

Alle Infos zu Ursachen, Symptomen und Behandlungen bei einer vergrößerten Prostata - von Abwarten über Medikamente bis zur Operation.

© birgl/Pixabay.com

HE-TUMT – für welchen Mann?

Die Hochenergetische Transurethrale Mikrowellenthermotherapie eignet sich zum Beispiel, wenn:

  • die Prostatagröße zwischen 30 und 100 Millilitern liegt.
  • die Störung des Harnabflusses nur moderat ausgeprägt ist und Ärzte nicht allzu viel Prostatagewebe entfernen müssen.
  • Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend bessern, Arzneien nicht in Frage kommen oder Männer sie nicht einnehmen möchten.
  • Männer bestimmte Risiken mitbringen, die gegen eine TURP sprechen, etwa bestimmte Grunderkrankungen. Dann kann HE-TUMT eine Alternative zur Transurethralen Resektion der Prostata (TURP) sein.

 

Weniger gut geeignet ist das Verfahren, wenn die Prostatavergrößerung auf ein Wachstum des Mittellappens zurückgeht. Auch bei Penisimplantaten und einer Verengung der Harnröhre eignet sie sich nicht.

HE-TUMT: Ablauf und Dauer

Eine HE-TUMT ist ein minimal-invasiver Eingriff, den Sie prinzipiell ambulant in einer Klinik durchführen lassen können. In der Regel können Sie das Krankenhaus wenige Stunden nach der Op wieder verlassen. 

Der Ablauf der HE-TUMT lässt sich so beschreiben:

  • Sie erhalten eine lokale Betäubung (Regionalanästhesie) und meist ein Beruhigungsmittel – dann sind Sie sediert,  aber bei Bewusstsein.
  • Der Operateur platziert einen kleinen Ballonkatheter in der Harnröhre und schiebt ihn bis zur Prostata vor.
  • Der Ballonkatheter ist mit einer Mikrowellenantenne ausgerüstet – darüber erhitzt der Operateur das Prostatagewebe auf mehr als 55°C. Die Harnröhre kühlen Ärzte und Ärztinnen während des Eingriffs.
  • Das erhitzte Gewebe der Prostata stirbt ab. Der Körper beseitigt es nach und nach oder er scheidet es mit dem Urin aus. Die HE-TUMT verkleinert also die Prostata und die Beschwerden beim Wasserlassen bessern sich.
  • Meist legen Ärztinnen nach dem Eingriff einen Katheter, um den Urin nach draußen zu befördern. Denn durch die Hitze kann die Prostata vorübergehend anschwellen, was die Beschwerden beim Wasserlassen verstärkt. Auch die Wunden können dank des Katheters besser heilen.
  • In der Regel liegt die Dauer der HE-TUMT zwischen 30 und 60 Minuten – je nach verwendetem Gerätesystem.
  • Den Katheter entfernen Ärzte erst nach mehreren Tagen.

 

Vergrößerte Prostata behandeln

Lesen Sie alles über die TURP, TUIP, TUNA, Laser-Op und Prostata-Arterien-Embolisation. Außerdem: Wie Wasserstrahl und Wasserdampf die Prostata schrumpfen. 

© Kateryna Kon/Adobe Stock

Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Komplikationen bei HE-TUMT

HE-TUMT konnte in Studien die Beschwerden beim Wasserlassen um mindestens 50 Prozent im Vergleich zum Zustand vor dem Eingriff vermindern. Dieser Effekt hielt über fünf Jahre an. Auch die Lebensqualität verbessert sich deutlich, und zwar mehrere Jahre lang. Ein wichtiger Vorteil ist, dass Ärzte den Eingriff ambulant durchführen können und Sie am Tag der Op wieder nach Hause können. 

Die HE-TUMT hat auch einige Nachteile:

  • Die Methode kann das Volumen der Prostata nicht so deutlich reduzieren wie eine TURP.
  • Zudem setzt die Wirkung erst verzögert ein – die Verkleinerung der Prostata tritt meist erst im Lauf der nächsten Wochen ein. Die TURP und andere Verfahren, die das Prostatagewebe abtragen, zeigen dagegen sofortige Effekte auf die Prostata.
  • Auch müssen Männer nach einer HE-TUMT länger einen Katheter tragen (manchmal bis zu 14 Tage). Hier besitzt die TURP ebenfalls Vorteile.
  • Zudem ist ein Zweiteingriff häufiger nötig als bei der TURP, weil die Prostata wieder wächst.

 

Die Hochenergetische Transurethrale Mikrowellenthermotherapie besitzt nur wenige Nebenwirkungen und ruft selten Komplikationen hervor. 

Die wichtigsten sind:

  • Vorübergehende Schwellung der Prostata, welche die Beschwerden beim Wasserlassen zeitweise verstärken kann
  • Verstärkter Harndrang
  • Harnwegsinfekte
  • Harnverhalt nach der Entfernung des Katheters
  • Blut im Urin
  • Blut im Sperma
  • retrograde Ejakulation („trockener Samenerguss“) – bei der Ejakulation gelangt das Sperma nicht nach außen, sondern in die Harnblase. Dort wird es mit dem Urin ausgeschieden. Die Fruchtbarkeit der Männer sinkt.

 

HE-TUMT – Tipps für danach und den Alltag

Nach einer HE-TUMT gibt es einige Tipps, die Ihren Alltag erleichtern und gut für die Wundheilung sind:

  • Erholen und schonen Sie sich körperlich am Tag des Eingriffs. Auch wenn Sie noch einen Katheter tragen: Einen Tag nach der Op können Sie in der Regel schon wieder Ihre normalen Alltagsaktivitäten aufnehmen.
  • Achten Sie auf einer ausreichende Flüssigkeitszufuhr – trinken Sie ein bis zwei Liter pro Tag, am besten Wasser, ungesüßte Tees oder Fruchtsaftschorlen. So spülen Sie Ihre Harnblase gut durch.
  • Verzichten Sie eine Zeit lang auf körperlich anstrengenden Sport, allen voran auf das Radfahren. Dieses übt Druck auf die Prostata aus und stört die Wundheilung. Normale Bewegung im Alltag ist aber kein Problem – gegen Spaziergänge, Wandern oder Nordic Walking ist nichts einzuwenden.
  • Heben Sie nichts Schweres (nicht mehr als fünf Kilogramm), etwa vollgepackte Einkaufstüten oder Baumaterialien aus Eisen oder Beton.
  • Gehen Sie nicht in die Sauna oder ein Thermalbad und nehmen Sie auch keine Vollbäder – duschen können Sie aber.
  • Vermeiden Sie eine Verstopfung. Dies gelingt am besten durch eine ballaststoffreiche Ernährung: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen und Kichererbsen enthalten viele Ballaststoffe.
  • Verzichten Sie für zwei bis drei Wochen nach der HE-TUMT auf Geschlechtsverkehr.

 

Wer trägt die Kosten von HE-TUMT?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Hochenergetische Transurethrale Mikrowellentherapie, wenn der Eingriff aus medizinischer Sicht für Sie in Frage kommt.  Auch die privaten Krankenversicherungen bezahlen die HE-TUMT meist. Fragen Sie jedoch zur Sicherheit vorher bei Ihrem behandelnden Arzt oder der Ärztin sowie Ihrer Krankenkasse wegen der Kostenübernahme nach. 

Quellen:

  • European Association of Urology (EAU), https://patients.uroweb.org (Abruf: 7.6.2021)
  • Mayo Clinic: Transurethral Microwave Therapy (TUMT), https://www.mayoclinic.org/tests-procedures/tumt/about/pac-20384886 (Abruf: 7.6.2021)
  • Urology Care Foundation of the American Urology Association: Benign prostatic hyperplasia (BPH) (Abruf: 7.6.2021)
  • S2e-Leitlinie „Benignes Prostatasyndrom, Therapie“, Stand 2014 (in Überarbeitung), (Abruf: 7.6.2021)
  • Leitlinienkommission der Leitlinie „Therapie des Benignen Prostatasyndroms“ und AK BPS der Akademie der Deutschen Urologen, Hochenergie (HE) –TUMT, Evidenzbericht, Stand: 2014 (in Überarbeitung) (Abruf: 7.6.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für Urologie: Was tun, wenn die Prostata wächst  (Abruf: 8.6.2021)