(c) sandsun/Adobe Stock

Prostatavergrößerung: Behandlung mit Wasserdampf

29. April 2021 | von Ingrid Müller

Eine gutartige Prostatavergrößerung lässt sich auch mit Wasserdampf behandeln. Das überschüssige Gewebe stirbt ab, vernarbt und die Prostata schrumpft. Alles über die Wasserdampf-Methode namens „Rezum“.

Eine gutartige Prostatavergrößerung lässt viele Männer leiden. Unangenehme Symptome wie ein verstärkter Harndrang, schwacher Harnstrahl, nächtliche Toilettenbesuche und das Nachtröpfeln des Urins machen ihnen das Leben schwer. Im schlimmsten Fall staut sich der Harn bis zu den Nieren zurück und schädigt so die Organe.

Die vergrößerte Prostata lässt sich heute mit mehreren Methoden behandeln. Bei leichten Beschwerden setzen Ärztinnen und Ärzte bevorzugt Medikamente ein. Sie bessern entweder die Symptome oder bremsen das weitere Wachstum der Prostata. Diese Arzneien müssen Sie jedoch dauerhaft einnehmen. Und langfristig wirken sie nicht bei jedem Mann ausreichend. Zudem verursachen sie - wie jedes Medikament - auch einige Nebenwirkungen, etwa einen niedrigen Blutdruck oder Stimmungsschwankungen. 

Vergrößerte Prostata?

Lesen Sie alles über die Symptome und Behandlungen bei einer Prostatahyperplasie.

Prostatavergrößerung schonender mit Wasserdampf behandeln?

Der Standard bei einer vergrößerten Prostata ist derzeit die Operation mittels Elektroschlinge (TUR-P) oder Laser, um das überschüssige Gewebe aus der Prostata zu entfernen und sie wieder zu verkleinern. Dann bessern sich in der Regel auch die Beschwerden der Männer. 

Die Operation kann aber einige Nebenwirkungen haben, zum Beispiel den „trockenen Samenerguss“ - medizinisch "retrograde Ejakulation". Dabei gelangt die Samenflüssigkeit bei der Ejakulation nicht oder kaum nach außen, sondern fließt rückwärts in die Harnblase. Auch eine vorübergehende Inkontinenz kann vorkommen, wenn auch selten. 

Schon länger suchen Forschende deshalb nach schonenderen Methoden, um die vergrößerte Prostata wieder schrumpfen zu lassen. So lässt sich die Vorsteherdrüse zum Beispiel mit Hilfe eines Wasserstrahls oder winziger Kügelchen (Prostata-Arterien-Embolisation, PAE) verkleinern. Wie wirksam die neuen Verfahren langfristig sind, ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht. 

Eine weitere noch relativ „junge“ Behandlungsmethode bei der gutarigen Prostatavergrößerung ist die Behandlung mittels Wasserdampf (Wasserdampfablation, RezūmTM). Einige Kliniken in Deutschland bieten die Therapie schon an. Sie gilt ebenfalls als vergleichsweise sanft.

Prostata-Newsletter

Lesen Sie Aktuelles aus der Forschung, Fakten und Hintergründe zu Prostatakrebs und Prostataerkrankungen - jetzt Newsletter kostenlos abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Prostatavergrößerung: Was ist die Op mittels Wasserdampf?

Die Operation mit Hilfe von Wasserdampf zählt zu den minimal-invasiven Methoden („Schlüssellochchirurgie“). Der Vorteil dieser Techniken ist ganz allgemein, dass keine großen Schnitte notwendig sind, weniger Nebenwirkungen auftreten und der Eingriff kürzer dauert. Sie können die Klinik rascher wieder verlassen und sind schneller wieder fit. So können Sie zeitnah wieder in den Alltag und Beruf zurückkehren. 

Wie funktioniert die Op mit Wasserdampf? Ablauf

Die Prostata-Op mittels Wasserdampf können Sie in einer Klinik durchführen lassen. Manche Krankenhäuser bieten die Behandlung ambulant an und Sie können am Tag des Eingriffs wieder nach Hause gehen. In anderen Kliniken bleiben Sie wenige Tage vor Ort. Nach einer minimal-invasiven Op erholen sich die meisten schnell. In der Regel können Sie einige Tage nach der Op Ihren Beruf wieder ausüben, Ihren Freizeitaktivitäten nachgehen und Sport treiben (je nach Sportart).

Der Ablauf der Wasserdampf-Op lässt sich etwa so beschreiben:

  • Sie erhalten zunächst eine örtliche Betäubung (Regionalanästhesie) oder eine leichte Narkose.
  • Der Eingriff erfolgt im Rahmen einer Blasenspiegelung (Zystoskopie).
  • Der Operateur führt eine Sonde über die Harnröhre in die Prostata ein. An der Spitze dieser Sonde befindet sich eine kleine Kamera, die genaue Bilder liefert. Der Arzt kann sich so während des Eingriffs orientieren und die Op überwachen. Daneben enthält die Sonde noch eine feine Nadel.
  • Über diese Nadel injiziert der Operateur anschließend kleine Mengen sterilen Wasserdampf (103 °C) in das wuchernde Gewebe. Dieses überschüssige Gewebe engt nämlich die Harnröhre zunehmend ein und ist der Grund für die Probleme beim Wasserlassen.
  • Mehrere kurze Stöße mit dem heißen Wasserdampf heizen das Prostatagewebe auf. Die Anzahl der Wasserdampfinjektionen hängt von der Größe der Prostata ab. Das Gewebe vernarbt anschließend, stirbt ab und die Prostata schrumpft. Dann kann der Harn wieder freier durch die Harnröhre fließen, die direkt durch die Prostata verläuft.
  • Innerhalb der nächsten Wochen baut der Körper das abgestorbene Gewebe ab und beseitigt es.

 

Insgesamt brauchen Operateure für die Wasserdampftherapie nur höchstens 15 Minuten. Die Dauer ist also vergleichsweise kurz. Nach der Op erhalten Sie einen Katheter, den Ärzte nach einigen Tagen wieder aus der Harnröhre entfernen. 

Wasserdampf-Operation – Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Risiken

Bei den meisten Patienten bessern sich die Beschwerden beim Wasserlassen schon nach wenigen Wochen. Nach ungefähr drei bis sechs Monaten hat der Körper das abgestorbene Gewebe soweit beseitigt, dass sich die vollständige Wirkung der Wasserdampf-Behandlung entfaltet. Zu welchem Zeitpunkt dies jedoch genau der Fall ist, ist von Mann zu Mann verschieden. 

Eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab, dass sich die Symptome des unteren Harntrakts (LUTS), der Harnstrahl und die Lebensqualität auch fünf Jahre nach dem Eingriff noch anhaltend verbessert hatten. Weitere Langzeitergebnisse liegen allerdings nicht vor, weil das Verfahren noch relativ neu ist.

Selbsttest

Finden Sie heraus, ob Sie an einer gutartigen Prostatavergrößerung leiden!

Wasserdampf-Operation – Nebenwirkungen und Risiken

Die meisten Männer berichten nur von milden oder mäßigen Nebenwirkungen, die in der Regel nur vorübergehend sind. Die Wasserdampf-Op soll die Kontinenz, Erektions- und Ejakulationsfähigkeit nicht beeinträchtigen. 

Seltene unerwünschte Wirkungen können sein:

  • Leichte Blutungen
  • Dranginkontinenz – plötzlich einsetzender Harndrang und unfreiwilliger Harnverlust
  • Harnverhalt nach der Entfernung des Katheters

 

Manchmal wuchert das Gewebe in der Prostata erneut. Prinzipiell kann dies bei allen Behandlungen der gutartigen Prostatavergrößerung der Fall sein. Ärzte können die Wasserdampf-Methode jedoch erneut durchführen.

Für welchen Mann eignet sich die Wasserdampf-Op und wann nicht?

Rezum eignet sich für Männer mit einer Prostatavergrößerung, wenn:

  • Die Symptome durch die vergrößerte Prostata mild bis moderat ausgeprägt sind.
  • Das Prostatavolumen zwischen 30 und 80 Kubikzentimeter (cm3) beträgt.
  • Medikamente die Beschwerden beim Wasserlassen nicht ausreichend bessern können oder Männer eine alternative Behandlungsmöglichkeit zu Medikamenten wünschen.
  • Eine klassische Operation mittels Elektroschlinge (TUR-P) oder Laser nicht in Frage kommt (z.B. Blutungs- oder Narkoserisiko) oder Männer eine Alternative dazu suchen.
  • Die schnelle Rückkehr in den Alltag ein wichtiges Ziel ist.
  • Der Erhalt der Sexualfunktion hohe Priorität besitzt.

 

Nicht geeignet ist die Wasserdampfmethode für Männer mit:

  • einem künstlichem Harnröhrenschließmuskel-Implantat
  • Schwellkörperimplantaten

 

Besprechen Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt, ob die Wasserdampf-Methode für Sie in Frage kommt. Lassen Sie sich außerdem gut über sämtliche Vorteile, Nachteile und mögliche Risiken informieren. 

Wasserdampf-Op der Prostata: Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Rezum-Behandlung ist derzeit noch keine normale Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt vor dem Eingriff über alle anfallenden Kosten informieren. Fragen Sie zudem bei Ihrer Krankenkassen wegen der Kostenübernahme nach. Manchmal tragen die Kassen die Kosten ganz oder beteiligen sich zumindest daran.

Quellen: