Sport bei Prostatakrebs - so hilft Bewegung!

14. September 2018 | von Ingrid Müller

Sport bei Prostatakrebs ist ein billiges Medikament, das für jeden Mann zu haben ist. Dabei gilt jede Art von Bewegung als gesund – von Unkrautjäten bis Staubsaugen!

Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Wandern – Sport gilt schon länger als äußerst wirksames Medikament bei vielen Erkrankungen, auch bei Prostatakrebs. Ärzte empfehlen diese Ausdauersportarten, aber auch ein moderates Krafttraining besitzt viele positive Effekte auf die Gesundheit. Das Beste dabei ist: Sport ist eine kostenlose Arznei! Was für den einen oder anderen Mann vielleicht gewöhnungsbedürftig sein mag: Der Leistungsgedanke spielt hier keine Rolle. Es geht nicht um „höher, weiter, schneller“, und einen Marathon sollen Sie auch nicht absolvieren. Vielmehr stehen Ihr persönliches Wohlbefinden und der Grad Ihrer Belastbarkeit im Vordergrund. Jede Art von Bewegung stärkt den Körper und die Psyche bei einer Krebserkrankung!

Sport beugt Krebs vor – und verhindert Rückfälle

Mediziner wissen heute, dass Sport und Bewegung verschiedenen Krebsarten vorbeugen können. Wer körperlich aktiv ist, senkt nachweislich sein Krebsrisiko. Schätzungen gehen von Werten von 20 bis 30 Prozent aus. Noch relativ neu ist die Erkenntnis, dass Bewegung die Prognose bei Krebskranken verbessert. Das gilt selbst für Krebspatienten, die vor ihrer Erkrankung überhaupt keinen Sport getrieben haben. Studien zeigen, dass Sport bei Prostatakrebs das Rückfallrisiko um bis zu 57 Prozent vermindern kann. Die Gefahr, an dem Prostatakarzinom zu sterben, sinkt also.

Und auch die Nebenwirkungen der Krebsbehandlungen stecken Sie besser weg, wenn Sie sich regelmäßig bewegen. Der Ratschlag von früher, sich während einer Chemotherapie oder Bestrahlung zu schonen, ist heute passe! So leiden körperlich aktive Krebspatienten zum Beispiel weniger unter der chronischen Erschöpfung, der Fatigue. Sie bewältigen Ihren Alltag insgesamt besser. Körperliche Aktivität beeinflusst auch andere Krankheiten positiv, die den Prostatakrebs manchmal begleiten, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sport bei Prostatakrebs – Wohltat für Körper und Psyche!

Auch wenn der Start ins Sportprogramm Ihnen vielleicht schwer gelingt und er etwas holprig ausfällt: Wer einmal mit der körperlichen Aktivität losgelegt hat, verschafft sich schnell positive Erlebnisse. Es lohnt sich also, den inneren Schweinehund, der sich bei den meisten regelmäßig meldet, zu überwinden. Sport bei Prostatakrebs hat vielfältige Wirkungen, und zwar auf unterschiedlichsten Ebenen: Körper, Seele und Geist!

Wirkung auf den Körper

Sport:

  • bringt Herz und Kreislauf in Schwung, fördert die Durchblutung
  • verbessert die Beweglichkeit, Koordination und das Gleichgewicht
  • hilft beim Abnehmen, wenn Sie übergewichtig sind
  • stärkt Muskeln, Knochen und Gelenke
  • erhöht die körperliche Belastbarkeit, Leistungsfähigkeit und Fitness
  • bringt das Immunsystem auf Touren – bei Krebspatienten ist es oft geschwächt wegen der Krebserkrankung selbst, aber auch aufgrund der Krebstherapien

Wie Psyche und Geist profitieren

Sport:

  • stärkt die Autonomie; vermittelt Ihnen das Gefühl, dass Sie Ihrem Prostatakrebs nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern dem Tumor selbst etwas entgegensetzen zu können
  • lässt Ihre Lebensqualität steigen! Das gilt während der Krebstherapie und auch bei fortgeschrittenem Prostatakrebs
  • fördert das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, macht Mut
  • verbessert die Selbstwahrnehmung und das Körpergefühl
  • macht Freude, ist gut fürs Gemüt und hellt die oft trübe Stimmung auf
  • vertreibt Ängste, Schlafstörungen und Stress
  • holt Krebskranke aus der sozialen Isolation, fördert die Kommunikation und lässt sie wieder teilhaben am Leben
  • verbessert die kognitiven Fähigkeiten (Denken, Gedächtnis)

Sport-Apps für Krebskranke – Tipps!

Für Krebspatienten, die Sport treiben möchten, gibt es heute einige digitale Helfer! Spezielle Sport-Apps fördern die Motivation, bringen Sie mit anderen in Kontakt und geben Tipps und Hilfestellungen. Die Apps sind bei iTunes und im Google Play Store als iOS oder Android erhältlich.

Einige Beispiele:

  • App „Sport gegen Krebs“: Sie erhalten Tipps und Anleitungen, wie sie während und nach der Krebsbehandlung ihr Wohlbefinden durch Sport und Bewegung fördern können.
  • App „movival – Aktiv gegen Krebs“:  Ziel ist es, durch Bewegung das Rückfallrisiko zu senken. Die werbefreie Vollvariante ist mit einem kostenpflichtigen Abo verbunden.

Welcher Sport bei Prostatakrebs?

Eines vorab: Lassen Sie Ihre körperliche Belastbarkeit immer von einem Sportmediziner, Arzt oder den Spezialisten in der Reha einschätzen. Denn sie ist von Mann zu Mann höchst verschieden. Es geht nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern jede Art von Bewegung ist besser als inaktiv auf der Couch oder im Bett zu liegen. Erlaubt ist alles, was Spaß macht – Verbote für bestimmte Sportarten gibt es für Krebspatienten heute nicht mehr. Allerdings raten Ärzte von intensiven, gefährlichen Sportarten wie Boxen, Karate oder Bungee Jumping ab.

Wählen Sie lieber „sanftere“ Sportarten, die weniger verletzungsträchtig sind. Sie können Walken oder Radfahren, aber auch Staubsaugen oder im Garten Unkraut jäten. Selbst mit einem Rollator können sich Krebspatienten bewegen. Wichtig ist, dass Sie die Aktivitäten in Ihrem Alltag gut umsetzen können. Außerdem sollte es eine Bewegungsart sein, die Ihnen Freude macht. Dann zeigen sich bei den meisten schnelle Erfolge. Grundsätzlich unterscheiden Sportmediziner zwischen Ausdauer- und Krafttraining. Männer mit Prostatakrebs profitieren besonders von gymnastischen Übungen, die bei den meisten wohl nicht zu den Lieblingssportarten zählen dürften.

Beckenbodentraining: Sport „der anderen Art“

Männer mit Prostatakrebs leiden oft unter Inkontinenz. Sie ist eine häufige Folge der radikalen Prostatektomie. Gymnastische Kräftigungsübungen sind dann besonders empfehlenswert, zum Beispiel ein Beckenbodentraining. Aber auch der Rücken und die Beine sollten nicht zu kurz kommen.

Das Training:

  • stärkt die Beckenbodenmuskulatur
  • verbessert die Inkontinenz
  • hilft, rücken- und beckenbodenfreundliche Alltagstechniken zu erlernen

Das Beckenbodentraining erlernen Sie am besten unter professioneller Anleitung eines Physiotherapeuten. Es gibt spezielle Kurse dafür. Wenn Sie die Übungen verinnerlicht haben und beherrschen, können Sie jederzeit und überall trainieren – zuhause, auf dem Weg zur Arbeit oder im Büro!

Ausdauertraining – Fitness langsam steigern

Ausdauertraining steigert Ihre Leistungsfähigkeit und Fitness. In welchem Ausmaß dies geschieht, hängt davon ab, wie oft, lange und intensiv Sie trainieren. Beliebte Ausdauersportarten sind:

  • Joggen, Laufen
  • Schwimmen (nicht bei starker Inkontinenz)
  • Radfahren (nicht direkt nach einer Operation, weil schmerzhaft, sondern erst drei bis sechs Monate später)
  • Wandern
  • Nordic Walking
  • Skilanglauf
  • Mit Vorsicht: Fußball, Handball, Volleyball

Tipp! Heute gibt es spezielle Sportgruppen für Krebskranke. Auch wenn es Sie vielleicht Überwindung kostet: Fragen Sie bei einer Selbsthilfegruppe nach Angeboten vor Ort. Im Team macht Sport meist mehr Spaß. Wer das nicht möchte: Sie können auch auf eigene Faust aktiv werden, etwa in einem Fitnessstudio oder gemeinsam mit Freunden. Auch hier gilt: Belastungsfähigkeit einschätzen lassen, bevor Sie mit dem Sport beginnen!

Krafttraining – Muskeln aufbauen

Viele Krebskranke verlieren erheblich an Muskelmasse aufgrund ihrer Erkrankung oder der Krebsbehandlungen. Ein Krafttraining hilft Ihnen, Ihre Muskeln wieder aufzubauen. So kommen Sie auch wieder besser im Alltag zurecht.

Kraftsport können Sie in einem Sportstudio an größeren Geräten absolvieren. Alternativ üben Sie mit kleinen Geräten, etwa Hanteln oder Fitnessbändern. Ein Krafttraining ist aber auch ohne jegliche Gerätschaften möglich. Wie beim Ausdauersport gilt: Machen Sie vor Aufnahme des Training einen Krafttest bei einem Sportmediziner oder in einem Fitnessstudio. Dieses sollte über qualifiziertes Personal verfügen und am besten mit Krebskranken Erfahrung haben. Das Trainingsprogramm richtet sich nach Ihren individuellen Fähigkeiten.

Wie viel Sport bei Prostatakrebs ist ratsam?

Sowohl beim Ausdauer- als auch beim Kraftsport gilt die Regel: Muten Sie sich nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zu. Versuchen Sie, das richtige Maß zu finden. Später können Sie die Belastung langsam und stufenweise steigern. Trainieren Sie immer so, dass Sie währenddessen keine Schmerzen und am nächsten Tag keinen Muskelkater haben. Am besten lassen Sie sich von einem Sportmediziner beraten, der das richtige Sportprogramm und die richtige Dosis für Sie austüftelt. Sie können Ausdauer- und Krafttraining auch miteinander kombinieren. Dann müssen Sie allerdings auf die Gesamtdosis der körperlichen Aktivität achten.

Training: leicht, moderat oder schwer?

Um das Ausmaß der körperlichen Belastung selbst besser einschätzen zu können, helfen folgende grobe Regeln:

  • Leichte körperliche Aktivität: Sie schwitzen nicht und können sich problemlos mit anderen unterhalten. Ein Beispiel ist der Spaziergang in normalem Tempo.
  • Moderate körperliche Aktivität: Sie schwitzen leicht und können sich während der körperlichen Aktivität noch halbwegs mit anderen unterhalten. Beispiele: Nordic Walking oder ein flotter Spaziergang
  • Anstrengende körperliche Aktivität: Sie schwitzen stark und sind kaum oder nicht mehr in der Lage, sich mit anderen zu unterhalten. Beispiele: Joggen, schnelles Radfahren

Ausdauertraining – so viel sollte es sein!

  • Ärzte raten, dreimal pro Woche für jeweils 60 Minuten körperlich aktiv zu sein. Sie können alternativ auch fünf bis sechs Einheiten wöchentlich für jeweils 30 Minuten trainieren. Gut sind Spazierengehen, Nordic Walking oder sanftes Schwimmen. Sie sollten sich bei der Betätigung leicht anstrengen müssen.
  • Falls Sie sich wenig stärker verausgaben dürfen: Trainieren Sie intensiver, aber kürzer. Ratsam sind mindestens dreimal pro Woche für jeweils 30 Minuten.

Krafttraining – wie viel soll es sein?

  • Absolvieren Sie Sie zwei- bis dreimal pro Woche für 45 bis 60 Minuten ein Krafttraining. Setzen Sie dabei aber nur etwa 50 bis 75 Prozent Ihrer vollen Muskelkraft ein.
  • Wiederholen Sie die Übungen in zwei bis drei Serien 8- bis 15-mal.
  • In der Prostatakrebsnachsorge können Sie auch stärker und intensiver trainieren. Sie entscheiden selbst, welches Maß für Sie richtig ist.

Achtung! Ein maximales Krafttraining während einer medizinischen Therapie, bei dem Sie Ihre volle Muskelkraft einsetzen, ist ohne Therapeut auf keinen Fall ratsam. Die Gefahr von Überlastung und Verletzung ist zu groß.

Bringen Sie zusätzlich Bewegung in Ihren Alltag!

Ärzte wissen heute, dass jede Art von Bewegung zählt – nicht nur Sport! Versuchen Sie, so wenig wie möglich zu sitzen oder zu liegen, sondern bleiben Sie untertags möglichst viel in Bewegung. Die besten Tipps für den Alltag!

  • Laufen oder radeln Sie zum nächsten Supermarkt statt sich ins Auto zu setzen.
  • Lassen Sie Aufzüge und Rolltreppen links liegen und steigen Sie Treppen!
  • Gehen Sie nach dem Essen ein Stück spazieren.
  • Bevor Sie zu Bett gehen: Laufen Sie einige Schritte, am besten an der frischen Luft. So werden Sie müde, bauen Stress ab und schlafen anschließend besser.
  • Laufen Sie zuhause so viel wie möglich hin und her.
  • Auch Gartenarbeit wie Unkrautjäten oder Rasenmähen und Tätigkeiten im Haushalt wie Staubsaugen oder Putzen gelten als Bewegung!

Wann verzichten Sie besser auf Sport bei Prostatakrebs?

In manchen Fällen verzichten Krebspatienten besser auf Sport und anstrengende Tätigkeiten, sondern schonen sich. Beispiele sind:

  • akute Blutungen
  • starke Schmerzen
  • eingeschränktes Bewusstsein
  • Kreislaufprobleme, Schwindel
  • Fieber über 38 °C
  • Infektion
  • Übelkeit, Erbrechen
  • 24 bis 48 Stunden nach einer Chemotherapie, die Herz und Nieren belastet
  • verminderte Anzahl an Blutplättchen: Thrombozyten unter 10.000/μl, nur unter therapeutischer Aufsicht bei Werten zwischen 10.000 und 20.000/μl
  • verminderter Hämoglobinwert unter 8 g/dl Blut
  • bruchgefährdete Knochenmetastasen oder Knochenabbau im Bereich der Wirbelsäule, Arme oder Beine.

Fazit: Fangen Sie einfach mit der Bewegung und dem Sport bei Prostatakrebs an! Wählen ein Training, das Ihnen wirklich Spaß macht – so bleiben Sie eher dabei und der innere Schweinhund hat weniger Chancen. Wenn Sie vor Ihrer Krebserkrankung ein Sportmuffel waren, müssen Sie vielleicht mehrere Sportarten ausprobieren. Falls Sie kein Alleinkämpfer sind: Suchen Sie sich Mitstreiter! Und: Auch ein Spaziergang von 20 Minuten bringt schon etwas. Jeder Art von Bewegung ist besser als auf dem Sofa zu liegen.

 

Quellen

  • Deutsche Krebshilfe Blaue Ratgeber: Bewegung und Sport bei Krebs, https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/048_0046.pdf
  • Deutsche Krebsgesellschaft, https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/sport-bei-krebs-so-wichtig-wie-.html
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/sport-nach-krebs.php
  • Healthcare Bayern e.V., https://healthcare-bayern.de/de/sport-gegen-krebs.html