PSA-Werte - so lesen Sie die Prostata-Werte richtig

05. November 2019 | von Ingrid Müller

Die PSA-Werte liefern Ärzten wichtige Anhaltspunkte für einen möglichen Prostatakrebs. Alles über freies und gebundenes PSA, die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit, PSA-Verdoppelungszeit und PSA-Dichte.

Die PSA-Werte gelten als wichtiger Marker bei der Früherkennung von Prostatakrebs. Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist jedoch kein spezieller Krebsmarker, der eindeutig auf Prostatakrebs hinweist. Denn der PSA-Wert kann auch erhöht sein, wenn ein Mann keinen Prostatakrebs hat. So kommen erhöhte PSA-Werte  auch bei einer gutartigen ProstatavergrößerungProstataentzündung sowie nach dem Sex oder Radfahren vor. Umgekehrt gilt jedoch auch: Ein niedriger PSA-Wert ist keine Garantie dafür, dass ein Mann definitiv keinen Prostatakrebs hat. "Es darf kein Automatismus sein, dass ein erhöhter PSA-Wert sofort zu einer Biopsie führt. Wir müssen zunächst mögliche Störfaktoren suchen und ausschließen."

PSA erhöht?

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PSA-Werte: freies PSA – gebundenes PSA

PSA ist ein Eiweiß, das nur die Drüsenzellen der Prostata herstellen, um den Samen zu verflüssigen und bewegliche Spermien freizusetzen. Es ist größeren Mengen in der Samenflüssigkeit und in geringeren Konzentrationen auch im Blut nachweisbar, wo es keine Funktion erfüllt. PSA findet sich also bei gesunden Männern, aber auch bei Prostatakrebs.

Ärzte ziehen den PSA-Wert zur Diagnostik von Prostatakrebs mit heran, weil Krebszellen viel größere Mengen PSA produzieren als gesunde Prostatazellen. Liegt der PSA-Wert im Blut höher als 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml), besteht Abklärungsbedarf. Denn es ist ein Hinweis darauf, dass die Prostata verändert ist. Doch was bestimmen Ärzte eigentlich genau?

Das PSA liegt in zwei Varianten vor:

1. Freies PSA (fPSA)

Freises PSA  (fPSA) ist biologisch aktiv. Normalerweise beträgt der Anteil des fPSA am gesamten PSA im Blut etwa 10 bis 30 Prozent. Wie hoch das freie PSA ist, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab:

  • von der Prostatagröße
  • vom Alter
  • Eine vorherige Tastuntersuchung, ein transrektaler Ultraschall, Sex oder Radfahren reizen die Prostata und sie schüttet vermehrt PSA aus.
  • Auch bei gutartigen Prostataerkrankungen, etwa der Prostatavergrößerung, tritt vermehrt freies PSA auf.

Ein fPSA-Anteil von über 20 bis 25 Prozent gilt als unverdächtig. Mit fallendem fPSA erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für ein Prostatakarzinom.

2. Gebundenes (komplexiertes) PSA (cPSA)

Zu etwa 70 bis 90 Prozent ist das PSAan andere Eiweiße gebunden und bildet unlösliche Komplexe – somit ist es biologisch inaktiv. Wichtig ist dies, weil PSA eine eiweißverdauende Wirkung besitzt und somit Schaden anrichten könnte. Das PSA bildet zum Beispiel Verbindungen mit den Eiweißen Alpha-1-Antichymotrypsin (ACT) oder Alpha-2-Makroglobulin. Bei Männern mit Prostatakrebs kann die Menge an gebundenem PSA erhöht sein. Allerdings ist dieser Wert an komplexiertem PSA nicht sonderlich zuverlässig.

Die Summe aus beiden Werten – dem freien und gebundenen PSA – ist der Gesamt-PSA. Dieser Wert heißt auch total PSA oder abgekürzt tPSA.

PSA-Werte – was der PSA-Quotient besagt

Beim Verdacht auf Prostatakrebs errechnen Ärzte nicht nur das freie PSA und das Gesamt-PSA, sondern auch den sogenannten PSA-Quotient. Dieser Wert ist das Verhältnis von freiem PSA zum Gesamt-PSA, also fPSA/Gesamt-PSA. Dieser PSA-Quotient kann Ärzten helfen, zwischen einer gutartigen Prostataerkrankung und Prostatakrebs zu unterscheiden.

  • Beträgt der PSA-Quotient mehr als 20 Prozent, ist der erhöhte PSA-Wert vermutlich auf eine andere Ursache zurückzuführen, zum Beispiel eine gutartige Prostatavergrößerung.
  • Liegt der PSA-Quotient unter 15 Prozent, ist ein Prostatakrebs wahrscheinlicher. Werte zwischen 15 und 20 Prozent stufen Ärzte als „Graubereich“ ein. Mehrere Ursachen können dafür in Frage kommen.
  • Die Gefahr für Prostatakrebs steigt umso höher, je näher der PSA-Quotient an den Wert von 10 Prozent (oder darunter) heranreicht. Allerdings kann auch eine chronische Prostataentzündung einen niedrigen PSA-Quotient verursachen. Es gilt daher, die Prostatitis als Ursache auszuschließen.

 

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PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSA-Velocity)

Ein weiterer Wert für die Einschätzung, ob eine Biopsie nötig ist oder nicht, ist die Anstiegsgeschwindigkeit des PSA-Wertes (engl. PSA-Velocity). Sie beschreibt, um wie viel der PSA-Wert pro Jahr zunimmt. Eine korrekte Beurteilung der PSA-Anstiegsgeschwindigkeit ist aber nur möglich, wenn der Arzt:

  • innerhalb von zwei Jahren
  • mindestens drei PSA-Werte
  • in einem Intervall von mindestens sechs Monaten bestimmt

 

Wichtig ist zudem, dass Ärzte immer das gleiche Messverfahren nutzen, weil sonst die Aussagekraft eingeschränkt ist. In den Leitlinie Prostatakrebs heißt es: Bei einer erstmaligen Früherkennungsuntersuchung sollten Ärzte bei einem PSA-Wert von ≥ 4ng/ml eine Biopsie erwägen. Im weiteren Verlauf könnten Ärzte die PSA-Dynamik heranziehen. Der Richtwert für die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit solle sich zwischen 0,35 und 0,75ng/ml pro Jahr bewegen. Ab diesen Werten solle man über eine Biopsie nachdenken. 

Die Autoren der Leitlinie schreiben zum niedrigen PSA-Anstiegswert von 0,35 ng/ml im Jahr: Besonders bei kurzen Beobachtungsintervallen sei die Gefahr groß, dass dieser Grenzwert schon wegen der biologischen Variabilität des PSA-Wertes überschritten werde, ohne dass ein Prostatakrebs vorliege.

Wenn der PSA-Wert steigt und wieder fällt, ist der Grund für die PSA-Erhöhung wahrscheinlich eher in einer Prostataentzündung oder Reizung der Prostata zu suchen. Wenn der PSA-Wert stetig steigt und die Prostata selbst nicht größer wird, könnte Prostatakrebs die Ursache sein.

Allgemein gilt: Je schneller der PSA-Wert ansteigt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen aggressiven Tumor.

PSA-Verdoppelungszeit

Außerdem ziehen Ärzte die sogenannte PSA-Verdoppelungszeit (PSAVZ) heran. Sie zeigt, in welchem Zeitraum sich der PSA-Wert verdoppelt. Mindestens zwei Messungen im Abstand von mehreren Monaten sind nötig, um die PSA-Verdoppelungszeit zu bestimmen. Je mehr Werte der Arzt zum Vergleich zur Verfügung haben, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis. Auch hier ist es wichtig, immer das gleiche Messverfahren anzuwenden, weil sonst die Werte nicht ausreichend vergleichbar sind.

  • Die PSA-Verdoppelungszeit beträgt mehr als 24 Monate und der PSA-Wert liegt unter 6 ng/ml: Männer sollten ihren PSA in bestimmten Abständen regelmäßig weiter kontrollieren lassen.
  • Kürzere PSA-Verdoppelungszeiten von unter einem Jahr und höhere PSA-Werte: Männer sollten die Werte innerhalb von ein bis zwei Monaten weiter abklären lassen.

Die PSA-Verdoppelungszeit gibt zudem Hinweise darauf, ob ein Prostatakrebs schnell oder langsam wächst.

PSA-Dichte

Die PSA-Dichte (PSAD) liefert weitere Hinweise auf einen möglichen Prostatakrebs. Sie errechnet sich, indem Ärzte den PSA-Wert (ng/ml) und das Prostatavolumen (ml) ins Verhältnis setzen. Die Größe der Prostata ermitteln Ärzte mit Hilfe des transrektalen Ultraschalls (TRUS).

Prostatakrebszellen schütten deutlich größere Mengen PSA aus als gesunde Zellen. Eine hohe PSA-Dichte ist daher ein Anhaltspunkt dafür, dass ein Prostatakrebs vorliegt. Folgende Richtwerte gelten:

  • Eine PSA-Dichte < 0,1 ng/ml ccm Prostata gilt als eher unverdächtig
  • Werte über 0,15 ng/ml ccm Prostata gelten als auffällig

 

Allgemein kann man sagen: Je größer die PSA-Dichte ist, desto wahrscheinlicher ist ein Prostatakrebs und desto größer ist auch der bösartige Tumor. Sehr kleine Karzinome lassen sich mit Hilfe der PSA-Dichte allerdings kaum erkennen. Das gilt besonders, wenn ein Mann zusätzlich eine gutartige Prostatavergrößerung hat. Es ist also noch unklar, wie hoch die Aussagekraft der PSA-Dichte ist.

Quellen

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Prostata_5_0/LL_Prostata_Langversion_5.0.pdfStand April 2018
  • Uniklinik Freiburg, https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/07_kliniken/chir_urolog/pdf/Infomaterial/PSA2.pdf
  • Urologielehrbuch, https://www.urologielehrbuch.de/tumormarker-psa.html
  • Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.: https://www.prostatakrebs-bps.de/medizinisches/diagnostik/128-psa-bestimmung
  • Kliniken des Main-Taunus-Kreises, https://www.kliniken-mtk.de/cipp/mtk/lib/all/lob/return_download,ticket,guest/bid,12392/no_mime_type,0/~/Rolle_des_PSA.pdf