Verdacht auf Prostatakrebs? Alle Untersuchungen

Nicht jeder Mann verspürt Symptome bei Prostatakrebs. Oft schöpft der Hausarzt den Verdacht auf Prostatakrebs im Rahmen von Routineuntersuchungen. Dann folgen weitere Untersuchungen, um den Verdacht auszuräumen - oder zu bestätigen.

Aktualisiert und medizinisch geprüft am 29.6.2021
Ingrid Müller, Chefredakteurin und Medizinjournalistin

Inhaltsverzeichnis

A | Verdacht auf Prostatakrebs: Tastuntersuchung

Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs führen Ärzte eine Tastuntersuchung der Prostata durch. Diese digital-rektale Untersuchung (DRU) ist der (oft ungeliebte) Klassiker unter den Vorsorgeuntersuchungen. Im Rahmen der Früherkennung von Prostatakrebs kann sie eine Ergänzung zum PSA-Test sein. Die DRU gilt aber als vergleichsweise ungenaue Methode.

Dabei tastet der Arzt oder die Ärztin die Prostata mit dem Finger vom Enddarm aus ab. Die Prostata liegt direkt hinter dem Darm, sodass sie sich gut erfühlen lässt. So gewinnt der Arzt wichtige Informationen über die Größe, Form und Beschaffenheit der Vorsteherdrüse.

Übrigens: Auch wenn wohl die meisten Männer die Tastuntersuchung scheuen – für Ihren Arzt ist sie Routine und in wenigen Sekunden vorbei. Und: Viele Frauen müssen sich solche Untersuchungen ihrer Körperöffnungen weitaus häufiger gefallen lassen.

Wenn Ärztinnen und Ärzte zusätzlich den PSA-Wert bestimmen, findet die Tastuntersuchung immer erst nach der Blutabnahme statt. Der Grund: Die digital-rektale Untersuchung kann den PSA-Wert verfälschen, weil der Arzt beim Abtasten einen gewissen Druck auf die Prostata ausübt. 

Prostata Hilfe Deutschland: Infografik - Tastuntersuchung der Prostata

Tastuntersuchung der Prostata

B | PSA-Wert und PSA-Test – alle Infos

Beim PSA-Test messen Ärzte die Menge eines Eiweißes namens „prostataspezifisches Antigen“ im Blut. Abgekürzt wird es als PSA. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, muss aber nicht zwangsläufig ein Prostatakarzinom bedeuten. Denn es gibt viele Faktoren und Gründe, die den PSA-Wert erhöhen, aber nichts mit Prostatakrebs zu tun haben. 

PSA-Wert

Lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten über den PSA-Wert, die Normalwerte, den PSA-Test und wie aussagekräftig er ist.

 

C | Welche Untersuchungen kommen noch auf mich zu?

Die Tastuntersuchung und der PSA-Wert alleine genügen noch nicht, um Prostatakrebs sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen. Beide Untersuchungen liefern jedoch wichtige Anhaltspunkte für ein Prostatakarzinom. Anschließend folgen noch weitere Untersuchungen, um die Frage zu klären, ob ein Prostatakrebs vorliegt oder nicht.  Die wichtigsten Untersuchungen im Überblick!

 

Multiparametrische Magnetresonanztomografie (mpMRT)

Die multiparametrische MRT (mpMRT) setzen Ärzte jetzt zusätzlich zur Biopsie ein. Durch die Kombination beider Verfahren - die sogenannte "Fusionsbiopsie" - lassen sich etwas mehr Prostatakarzinome aufspüren als mit jeweils einer Methode alleine. Wichtig bei der mpMRT ist es, dass Radiologen und Radiologinnen sie unter den geltenden Qualitätsstandards durchführen. 

mpMRT

Lesen Sie, was eine mpMRT ist, wie sie abläuft und wie Ärztinnen und Ärzte die Ergebnisse deuten.

 

Prostatabiopsie - Gewebeentnahme aus der Prostata

Ob tatsächlich ein Prostatakrebs vorliegt, können Ärzte mit hoher Sicherheit über eine Gewebeentnahme aus der Prostata herausfinden. Diese Methode heißt auch Prostatabiopsie. Die gewonnenen Zellen untersucht ein Pathologe dann feingeweblich unter dem Mikroskop. Er kann erkennen, ob in der Gewebeprobe Krebszellen vorhanden sind oder ob es sich um gesunde Zellen handelt.

Ärzte und Ärztinnen schlagen eine Biopsie der Prostata vor, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt ist:

  • kontrollierter PSA-Wert von ≥ 4 ng/ml bei der erstmaligen Früherkennungsuntersuchung - Ärzte müssen dabei mögliche Einflussfaktoren berücksichtigen
  • Ergebnis bei der digital-rektalen Untersuchung, das auf einen Prostatakrebs hindeutet
  • auffälliger PSA-Anstieg, ohne dass das Bestimmungsverfahren geändert wurde

 

Ärzte können aus den in der mpMRT identifizierten verdächtigen Krebsherden jetzt gezielt Gewebe entnehmen (biopsieren). Zusätzlich zur mpMRT-gezielten Biopsie sollten Ärztinnen bei der Erstbiopsie aber zusätzlich eine systematische Gewebeentnahme mit zehn bis zwölf Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen der Prostata durchführen.

 

Transrektaler Ultraschall (TRUS)

Ergänzend führen Urologen und Urologinnen oft noch eine Ultraschalluntersuchung der Prostata über den Enddarm durch. Transrektaler Ultraschall (TRUS) ist der Fachbegriff dafür. Die Ultraschallbilder der Prostata liefern Ihrem Arzt weitere wichtige Hinweise auf einen möglichen Prostatakrebs.

TRUS

Lesen Sie, wann ein transrektaler Ultraschall nötig ist, wie die Untersuchung abläuft und was die Ergebnisse bedeuten.

 

Prostatakrebs-Diagnose - weitere Untersuchungen

Wenn die Diagnose Prostatakrebs steht, müssen Ärztinnen noch einige Fragen beantworten, die wichtig für die Behandlung von Prostatakrebs sind: 

 

Wenn Ihre Befunde eher auf ein niedriges Rückfallrisiko hindeuten (Tumorkategorie cT1 und niedrig-Risiko-Parameter), sind keine weiteren bildgebenden Untersuchungen notwendig. Sie können dann gemeinsam mit Ihrem Arzt oder der Ärztin alle Therapiemöglichkeiten besprechen.  

Bei weiter fortgeschrittenem und agressiverem Prostatakrebs kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:

  • Computertomografie (CT) des Beckens - eine Methode, die mit Röntgenstrahlen arbeitet und detaillierte Schnittbilder der Beckenorgane liefert. Ärzte setzen die CT bei Männern mit  einem Gleason-Score von ≥ 8 oder einer Kategorie cT3/4 ein.
  • Magnetresonanztomografie (MRT) der Beckenorgane - sie ist eine Alternative zur CT.
  • Skelettszintigrafie - ein nuklearmedizinisches Verfahren, das Metastasen in den Knochen aufspüren kann. Die Knochenszintigrafie kommt bei einem PSA-Wert von > 10 ng/ml oder einem Gleason-Score ≥ 8 oder einer T-Kategorie cT3/4 oder Knochenschmerzen zum Einsatz.
  • PSMA-PET-CT - diese noch relativ neue Methode kann Metastasen bei Prostatakrebs mit einer höheren Genauigkeit nachweisen als die Kombination aus Computertomografie und Szintigrafie. Das PSMA-PET/CT können Ärzte beim Hoch-Risiko Prostatakarzinom (Gleason-Score 8-10 oder T-Kategorie cT3/cT4 oder PSA≥20ng/ml) einsetzen, um die Ausbreitung zu bestimmen.

 

Erst wenn alle Ergebnisse vorliegen, besprechen Sie zusammen mit Ihrem Arzt oder der Ärztin sämtliche Behandlungsmöglichkeiten. Nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung und überstürzen Sie nichts. Diskutieren Sie alle Vor- und Nachteile einer Krebstherapie mit Ihrem Arzt oder der Ärztin. Aber: Schieben Sie die Behandlung auch nicht unnötig auf!

 

Quellen:

Früherkennung – was soll ich denn da?

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Jährlich erkranken in Deutschland rund 65.000 Männer an Prostatakrebs – Tendenz steigend. Informieren Sie sich über Früherkennungs-Untersuchungen, um eine bewusste Entscheidung treffen zu können.

Ist eine Biopsie wirklich erforderlich?

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Je nach Untersuchungsergebnis kann eine Biopsie notwendig sein. Sie ist die einzig sichere Möglichkeit, um eventuell vorhandenen Krebs festzustellen.

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