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TNM-Klassifikation: In welchem Stadium ist mein Prostatakrebs?

25. Mai 2018 | von Martina Häring

Geht es um die Prognose und die Therapieplanung, spielt das Krankheitsstadium bei Prostatakrebs eine wichtige Rolle. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist die TNM-Klassifikation?

Die TNM-Klassifikation ist ein international verwendetes System, mit dem Mediziner Tumoren genau und einheitlich beschreiben. Die Abkürzung steht für T = Tumor, N = Lymphknoten (englisch: node) und M = Metastasen.

  • T bezeichnet die Größe und Ausdehnung des Tumors.
  • N steht für die Zahl der befallenen Lymphknoten in der Nähe des Tumors.
  • M steht für das Vorhandensein von Metastasen; die Zahl hinter dem Buchstaben M gibt an, ob der Tumor schon in andere Körperregionen gestreut hat.

Die TNM-Klassifikation ist kein spezielles System nur für Prostatakrebs, sondern Ärzte wenden es bei dem meisten Krebserkrankungen an.

Warum ist die TNM-Klassifikation wichtig?

Diese TNM-Klassifikation lässt eine Einteilung in verschiedene Krebsstadien zu. Diese sind deshalb so wichtig, weil sich die Krebstherapie daran orientiert. So behandeln Ärzte einen Prostatakrebs, der die Kapsel der Vorsteherdrüse noch nicht überschritten hat, anderes als einen fortgeschrittenen Tumor, der schon gestreut und Metastasen in anderen Organen gebildet hat. Die TNM-die Klassifikation lässt außerdem Rückschlüsse auf die Prognose und Heilungschancen zu.

Wie erfolgt die TNM-Klassifikation?

Um den Tumor klassifizieren zu können, führen Ärzte eine Reihe von Untersuchungen durch. „Staging“ ist das Fachwort dafür. Dafür setzen sie bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) und Ultraschalluntersuchung ein. Auch die Biopsie zeigt, ob und wie weit sich der Prostatakrebs schon ausgebreitet hat und er in die umliegenden Lymphknoten eingewandert ist. Beim Verdacht auf Knochenmetastasen folgt meist eine Skelettszintigrafie.

Das bedeutet die TNM-Klassifikationen bei Prostatakrebs

T (Tumorausdehnung)

T1Tumor ist weder tastbar noch per bildgebendem Verfahren sichtbar
 
  • T1a: Tumor in weniger als 5 % des Biopsie-Gewebes
  • T1b: Tumor in mehr als 5 % des Biopsie-Gewebes
  • T1c: Tumor wurde nach erhöhtem PSA-Wert durch eine Nadelbiopsie diagnostiziert
T2Tumor begrenzt auf Prostatakapsel (lokal begrenztes Karzinom)
 
  • T2a: Tumor in weniger als 50 % eines Seitenlappens
  • T2b: Tumor in mehr als 50 % eines Seitenlappens
  • T2c: Tumor in beiden Seitenlappen
T3Tumor wächst über Prostatakapsel hinaus (lokal fortgeschrittenes Karzinom)
 
  • T3a: Tumorausbreitung ein- oder beidseitig über Prostatakapsel hinaus, Samenblasen tumorfrei
  • T3b: Tumorausbreitung ein- oder beidseitig über Prostatakapsel hinaus und in Samenblasen
T4Tumorausbreitung in Nachbarstrukturen oder nicht verschiebbar (fixiert)

N (Lymphknoten)

N0keine Metastasen in benachbarten (regionären) Lymphknoten (Beckenlymphknoten)
N1Metastasen in benachbarten Lymphknoten

M (Metastasen)

M0keine Fernmetastasen nachweisbar
M1Fernmetastasen vorhanden
 
  • M1a: Metastasen in nicht benachbarten Lymphknoten
  • M1b: Knochenmetastasen
  • M1c: Metastasen in anderen Organen und/oder Strukturen

Nach der OP: postoperatives Staging (pTNM-Klassifikation)

Wurde die Prostata operativ entfernt, landet sie – genau wie die entnommenen Lymphknoten – beim Pathologen. Er untersucht das Gewebe noch einmal gründlich.

Der Pathologe erhält unter dem Mikroskop noch mehr Informationen über das Tumorstadium. Deshalb spezifiziert er die Klassifikation nach der Operation noch genauer. Manchmal wird das Stadium auch korrigiert. In seinem pathologischen Befund gibt er erneut eine TNM-Klassifikation an. Den Buchstaben stellt er ein kleines „p“ voran.

Ein Beispiel: Beim Stadium pT2a handelt sich um einen Tumor, der auf die Kapsel der Prostata begrenzt ist und sich in weniger als 50 Prozent eines Seitenlappens ausgedehnt hat. Dieses Ergebnis ist pathologisch gesichert.

Ein Pathologe kann aber noch andere Aussagen treffen: Unter dem Mikroskop sieht er zum Beispiel, ob die Tumorzellen in Nervenscheiden oder Lymphscheiden eingewachsen sind. Und schließlich kann er feststellen, ob der Tumor komplett entfernt wurde. Anhand dieser Informationen können Urologen abschätzen, wie hoch das Rückfallrisiko ist und ob sie womöglich noch weitere therapeutische Schritte einleiten müssen.

 

Quellen

  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/befunde.php
  • Deutsche Krebshilfe: Blaue Ratgeber „Prostatakrebs“: https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/017_0116.pdf