Prostatakrebs: PSMA-PET ist Kassenleistung

19. Februar 2020 | von Ingrid Müller

Die PSMA-PET ist eine höchst empfindliche Diagnosemethode, mit der Nuklearmediziner einen Rückfall bei Prostatakrebs aufdecken können. Jetzt übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür.

Hinter dem Kürzel PSMA-PET steckt eine nuklearmedizinische Diagnosemethode, die sehr genaue Rückschlüsse über einen Rückfall bei Prostatakrebs und Metastasen liefern kann. Ärzte setzen sie ein, wenn der PSA-Wert nach einer Krebsbehandlung unerklärlich ansteigt, etwa nach einer OperationBestrahlung oder Hormontherapie. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G‑BA) hat jetzt beschlossen, dass das PSMA-PET eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist. Sie müssen also die Kosten für diese Untersuchung zukünftig übernehmen. Auch eine mögliche Zuzahlung entfällt damit.

Eine PSMA-PET kann zeigen, ob es zu einem Rückfall gekommen ist und wo sich die Krebsnester befinden.

Prof. Detlef Moka, Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN)

PSMA-PET – Vorraussetzungen für die Kostenübernahme

Dennoch müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Krankenkassen die Untersuchung bezahlen. Welche das im Einzelnen sind, hat der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. (BPS) genauer beleuchtet. So tragen sie die Kosten für eine 68Ga- oder 18F-PSMA-PET/CT nur, wenn:

  • ein gesichertes biochemisches Rezidiv gemäß der aktuellen S3-Leitlinie Prostatakrebs vorliegt
  • eine zunächst durchgeführte Magnetresonanztomografie (MRT) keinen Befund erbracht hat und
  • sich aus der PSMA-Diagnostik eine therapeutische Konsequenz ergibt, zum Beispiel eine lokale Therapie wie die Operation oder Bestrahlung (beides Salvage = Rettung). Um das herauszubekommen, müssen Ärzte die PSMA-Diagnostik allerdings schon durchgeführt haben.

Unklar bleibt dem BPS zufolge, was bei einer eventuell behandelbaren geringfügigen Metastasierung wäre. Haben Ärzte bereits eine Hormon- oder Chemotherapie eingeleitet, ergäbe sich keine therapeutische Konsequenz mehr – die Kosten für die PSMA-Diagnostik würden dann nicht übernommen.

PSMA, PET und CT – was ist was?

PSMA steht für Prostataspezifisches Membranantigen, das der Körper selbst herstellt. Es handelt sich (wie beim PSA) um ein Eiweiß. Dieses kommt auch auf der Oberfläche von gesunden Prostatazellen vor, allerdings nur in geringen Mengen. Deutlich mehr PSMA – nämlich etwa die 1000-fache Menge –  lässt sich jedoch auf Prostatakrebszellen und Metastasen nachweisen. Je aggressiver der Prostatakrebs bei einem Mann ist (je höher der Gleason-Score), desto größere Mengen PSMA befinden sich auf den Krebszellen. Im restlichen Körper ist  das Eiweiß dagegen so gut wie nicht vorhanden.

PET ist die Abkürzung für Positronenemissionstomografie. Mithilfe dieser Methode können Radiologen Regionen im Körper sichtbar machen, deren Stoffwechsel besonders aktiv ist. Bei Krebszellen ist dies zum Beispiel der Fall. Sie benötigen viel Energie, weil sie sich rasch teilen und vermehren. Die PET funktioniert mit sogenannten Tracern, die Ärzte in die Vene injizieren – in diesem Fall PSMA.

PSMA-PET: Ablauf der Methode

Nuklearmediziner markieren PSMA mit einer radioaktiven Substanz (einem Radiopharmakon), zum Beispiel 68 Gallium (68Ga) oder 18 Fluor (18F). Meist stellen Kliniken den Tracer erst kurz vor der Untersuchung im Labor her, weil er so kurzlebig ist und schnell zerfällt. Nach der Injektion verteilt sich der PSMA-Tracer im Körper, spürt Krebszellen auf und heftet sich an das PSMA auf deren Oberfläche. Anschließend erfasst eine PET-Kamera die abgegebene radioaktive Strahlung und ein Computer „übersetzt“ diese Daten in detaillierte Schnittbilder.

Bei Prostatakrebs kombinieren Ärzte die PSMA-PET meist noch zusätzlich mit einer Computertomografie (CT). Sie überlagern die PET-Aufnahmen mit den CT-Bildern und werten sie dann gemeinsam aus. So lassen sich Krebszellen noch genauer lokalisieren und den jeweiligen anatomischen Strukturen zuordnen. „Im PET erscheinen Krebszellen als Farbflecken auf dem Graustufenbild des CT“, erklärt Moka. Heute gibt es Hybrid-Geräte, die beide bildgebende Verfahren miteinander kombinieren. Ärzte brauchen also nur ein Gerät für die Untersuchung.

Hat sich der Verdacht auf einen Rückfall bewahrheitet, können Ärzte sofort die weitere Behandlung planen. Ist der Krebs lokal zurückgekehrt oder haben sie einzelne Metastasen gebildet, kommt zum Beispiel eine Bestrahlung zum Einsatz, die sogenannte Salvage-Strahlentherapie. Oft lassen sich der Tumor beziehungsweise die Metastasen so längere Zeit in Schach halten.

PSMA-PET: Dauer und Nebenwirkungen

Die radioaktive Belastung durch die PET ist in der Regel sehr gering. Denn die Tracer sind relativ kurzlebig. Sie besitzen nur eine Halbwertszeit von ein bis zwei Stunden, dann ist das Radiopharmakon zerfallen. Die Strahlendosis entspricht ungefähr der ein- bis zweifachen jährlichen natürlichen Strahlenexposition in Deutschland. Zudem scheidet der Organismus die radioaktiven Substanzen relativ schnell wieder über den Urin aus.

Insgesamt dauert die PSMA-PET zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Etwa 45 Minuten benötigt der Tracer nach der Injektion, um sich im Körper zu verteilen. Rund 30 Minuten verbringen Sie tatsächlich im Gerät. Sie müssen bei der Untersuchung möglichst entspannt und ruhig liegen.

Wer führt die PSMA-PET durch?

Die PSMA-PET lässt sich ambulant durchführen. Viele Universitätskliniken und einige niedergelassene Fachärzte für Nuklearmedizin bieten die Diagnosemethode an. Adressen finden Sie über die Servicestelle der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) oder die kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer. Sie brauchen eine Überweisung von einem Facharzt für Urologie, der die Notwendigkeit der PSMA-PET am besten kurz begründet.

Behandlung mit 177-Lu-PSMA bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Das Eiweiß PSMA lässt sich aber nicht nur in der Diagnostik, sondern auch zur Behandlung eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms nutzen. Ärzte setzen dafür Lu-177-PSMA ein. Dabei ist das PSMA an das Radionuklid Lutetium-177 gekoppelt, das ein deutlich stärkerer Strahler als 68 Gallium ist. Es dringt in die Krebszelle ein und bestrahlt sie gezielt von innen. Die Strahlen zerstören die Erbsubstanz der Zelle – die DNA – und sie stirbt ab.

Ein Vorteil ist, dass der Strahler nur etwa zwei Millimeter tief ins Gewebe eindringt und umliegendes gesundes Gewebe weitgehend schont. Damit die LU-177-PSM-Behandlung wirkt, müssen Krebszellen jedoch ausreichende Mengen an PSMA auf ihrer Oberfläche besitzen. Dies überprüfen Ärzte vor der Therapie mittels PSMA-PET-CT.

PSMA

Alles über das Eiweiß PSMA in der Diagnostik und Behandlung von Prostatakrebs lesen Sie hier »»

Viele Männer sprechen gut auf die Lu-177-PSMA-Behandlung an. Der Prostatakrebs bildet sich zurück, der PSA-Wert sinkt auch Schmerzen aufgrund der Metastasen nehmen oft ab. Zudem vertragen die meisten die Behandlung gut – ohne starke Nebenwirkungen. Die Lu-177-PSMA-Behandlung gilt als „individueller Heilversuch“. Darunter fallen Therapien, die zwar wirksam, aber noch nicht zugelassen sind. Sie kommen in Frage, wenn sämtliche anderen Behandlungen ausgeschöpft sind. Fragen Sie immer vorher bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie die Kosten für die Lu-177-PSMA-Therapie übernimmt.

Quellen