Prostata FAQs

Der Würzburger Urologe Dr. Frank Schiefelbein gibt Auskunft zu den wichtigsten Fragen rund um das Thema Prostata.

Viele Männer fürchten sich vor der Behandlung von Prostatakrebs. Denn nicht selten sind Impotenz und Inkontinenz die Folge.

„Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir Ärzte unsere Patienten umfassend über die Erkrankung und über alle möglichen sinnvollen Therapien aufklären“

sagt Dr. Frank Schiefelbein, Chefarzt der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg. Hier beantwortet er die wichtigsten Fragen.

Fragen und Antworten

Welches Risiko hat ein Mann, an Prostatakrebs zu erkranken?


Mit jährlich nahezu 70.000 Neuerkrankungen ist der Prostatakrebs der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Jedes Jahr sterben etwa 13.000 Männer in Deutschland an dieser Erkrankung. Statistisch gesehen liegt das Lebenszeitrisiko, an Prostatakrebs zu erkranken, bei etwa 13 Prozent – etwa drei Prozent der Männer sterben schließlich daran. In den letzten 30 Jahren haben sich aber die Vorsorge und medizinische Therapien bei Prostatakrebs erheblich verbessert.

Ab welchem Alter ist eine Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs sinnvoll?

Im Rahmen der Krebsfrüherkennung bieten die gesetzlichen Krankenkassen Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich eine Vorsorgeuntersuchung an. Dabei tastet der Arzt die Prostata über den Enddarm mit dem Finger ab. Wenn Männer dies wünschen,  kann der Arzt auch eine erweiterte Krebsvorsorge durchführen.

Dazu gehören die Bestimmung des PSA-Wertes und eine besondere Ultraschalluntersuchung (transrektaler Ultraschall, TRUS), die ebenfalls über den Enddarm geschieht. Der PSA-Anstieg gilt als ein wichtiges Frühwarnzeichen in der Diagnostik des Prostatakarzinoms. Bei erblicher Vorbelastung rate ich Männern dazu, die Vorsorge schon ab dem 40. Lebensjahr zu beginnen.

Wie aussagefähig sind die Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung?

Wenn die Untersuchungen zur Prostatavorsorge regelmäßig unauffällig sind, können wir Prostatakrebs mit guter Sicherheit ausschließen. Dazu gehören der Tastbefund, PSA-Wert und die Ultraschalluntersuchung.

Schließt ein normaler PSA-Wert ein Prostatakarzinom aus?

Leider ist der PSA-Wert nicht zu hundertprozentig aussagekräftig. PSA heißt übrigens prostataspezifisches Antigen. Dies ist ein Eiweiß, das sich im Blut nachgeweisen lässt. Der Prostatakrebs ist ein bösartiger Tumor, den wir sehr unterschiedlich bewerten. Bei bis zu 15 Prozent der Prostatakarzinome haben Männer keinen erhöhten PSA-Wert.

Im Zweifelsfall ziehen wir andere Labortests heran, zum Beispiel den PCA-3-Test. PCA‑3 steht für Prostate CAncer Gene 3. Anhand einer Urinprobe analysieren wir Prostatazellen. PCA3 ist ein Gen, das nur im Prostatagewebe vorkommt. Entarten die Prostatazellen, kommt es in erhöhten Mengen vor. Gesundes Prostatagewebe hat also einen viel niedrigeren PCA3 Wert als Prostatakrebszellen.

Schaden PSA-Tests mehr als sie nutzen?

Der PSA-Wert ist derzeit der empfindlichste Parameter, den wir in der Frühdiagnostik des Prostatakrebses haben. Wir müssen allerdings sehr differenziert und verantwortungsvoll mit dem PSA-Wert umgehen. Die grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass wir das individuelle Risiko eines Mannes für Prostatakrebs gut abwägen und einschätzen. Beim Prostatakrebs kennen wir sehr unterschiedliche Verlaufsformen – von langsam wachsenden Tumoren, die womöglich niemals zu Lebzeiten Probleme verursachen, bis hin zu aggressiven Tumoren, die sich schnell weiterentwickeln. Um eine Übertherapie zu vermeiden, müssen wir das indivuelle Risikoprofil eines jeden Mannes bewerten.

Auf welche Warnzeichen sollten Männer grundsätzlich achten?


Leider gibt es keine frühen Warnzeichen für Prostatakrebs. Beschwerden beim Wasserlassen sind ein Hinweis auf eine Prostataerkrankung. Dabei kann es sich um die häufige gutartige Prostatavergrößerung handeln, aber auch um Prostatakrebs. Hat der  Tumor eine gewisse Größe erreicht, engt er die Harnröhre ein. Die Prostata umschließt nämlich den oberen Teil der Harnröhre. So entstehen die Probleme beim Wasserlassen.

Im fortgeschrittenen Stadium können Blutungen beim Wasserlassen oder Samenerguss auftreten. Manche Männer haben auch Rückenschmerzen wie bei einem Hexenschuss. Der Grund ist, dass sich Knochenmetastasen typischerweise im Bereich der Wirbelsäule ansiedeln.

Was tun Ärzte, wenn der Verdacht auf Prostatakrebs besteht?

Dann müssen Ärzte die Diagnose Prostatakrebs durch eine Gewebeprobe sichern, die ein Pathologe anschließend feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht. Die Stanzbiospie oder Feinnadelbiopsie geschieht unter örtlicher Betäubung. Sie ist nahezu schmerzfrei. So können wir uns auch ein Bild davon machen, wie weit der Tumor ausgedehnt und wie aggressiv er ist. Diese Erkenntnisse aus dem pathologischen Befund sind sehr wichtig für uns, damit wir die Therapie gut planen können. Ein Beispiel ist die Fragestellung, ob eine nerven- und gefäßschonende, potenzerhaltende Operation möglich ist.

Ist eine Gewebeentnahme unbedingt erforderlich?


Die Biopsie ist die einzige Möglichkeit, mit der wir die Diagnose Prostatakrebs wirklich sichern können. Die Ergebnisse aus der feingeweblichen Untersuchung sind wichtige Grundlagen für die Therapieentscheidung.

Kritiker bemängeln, dass angeblich zu viele Biopsien vorgenommen werden.


Männer entscheiden immer selbst, ob sie eine erweiterte Prostatadiagnostik mit der Bestimmung des PSA-Wertes, transrektalem Ultraschall und einer Prostatabiopsie wünschen. Wir Ärzte müssen die Männer aber sorgfältig beraten und ihnen genau erklären, was der Nutzen und die Risiken sind. Generell wollen wir natürlich eine Überdiagnostik und Übertherapie vermeiden. Gleichzeitig geht es uns darum, so gut wie möglich auszuschließen, dass wir den Prostatakrebs zu spät diagnostizieren.

Wie aussagekräftig ist die Untersuchung der Stanzproben?

Die Leitlinien zum Prostatakarzinom haben standardisiert festgelegt, wie Ärzte die Biopsie genau durchführen müssen. Ziel ist es immer, einen klinisch auffälligen Prostatakrebs zu diagnostizieren. Gegebenenfalls setzen wir weitere Untersuchungen ein, etwa die Kernspintomografie (MRT) oder rechnergestützte Ultraschalluntersuchungen mit Elastografie, um die Diagnostik zu verfeinern. Dadurch können wir ein Prostatakarzinom mit hinreichender Sicherheit nachweisen oder eben ausschließen.

Müssen Ärzte einen Prostatakrebs auf jeden Fall behandeln?

Es gibt auch die Möglichkeit, den Prostatakrebs zunächst nur zu überwachen. Das gilt zum Beispiel für einen gut differenzierten Prostatakrebs mit einem Gleason-Score unter 6, einem PSA-Wert unter 10 und ohne einen ausgedehnten Tastbefund. Diese aktive Überwachung oder active surveillance setzt voraus, dass Männer sich regelmäßig alle drei Monate untersuchen lassen. So können wir erkennen, wann aus einem harmlosen ein aggressiverer Verlauf entsteht. Dann müssen wir die Therapie umstellen. Möglichkeiten sind eine Operation mit Entfernung der Prostata oder eine Bestrahlung, um den Prostatakrebs heilen zu können.

Bei welchem Prostatakrebs ist eine Behandlung unumgänglich?

Bei einem jüngeren Patienten mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren, bei dem der Tumor schlecht differenziert und weiter ausgedehnt ist und bei dem noch PSA-Wert erhöht ist, ist die Behandlung unumgänglich. Diese Faktoren sprechen nämlich für einen aggressiveren Prostatakrebs, den wir in einer Operation entfernen oder bestrahlen. Auch bei Männern mit Prostatakrebs, die Beschwerden oder Metastasen haben, sollte die Behandlung sofort beginnen. Wir haben heute für fast jedes Tumorstadium eine angemessene und erfolgversprechende medikamentöse Therapie, die den Erkrankungsverlauf erheblich verlangsamen kann.

Welche Aspekte sind bei der Therapiewahl wichtig?

Die Behandlung eines Prostatakarzinoms geschieht immer individuell. Sie hängt vom Tumorstadium, der Tumordifferenzierung, möglichen Begleiterkrankungen und dem Alter eines Mannes ab. Die Möglichkeiten der aktiven Überwachung von Prostatatumoren haben sich erheblich verbessert. Wir können diese Überwachung bei immer mehr Männer einsetzen – mit dem Ziel, eine Übertherapie zu vermeiden.

Wann ist eine Operation bei Prostatakrebs notwendig?


Arzt und Patienten überlegen und entscheiden immer gemeinsam, ob eine Operation – die radikale Prostatektomie – in Frage kommt. Wichtige Faktoren, die hier mit hineinspielen, sind das Alter des Patienten, sein Gesundheitszustand, die individuellen Tumordaten wie Tumordifferenzierung und Tumorausdehnung sowie der PSA-Wert. Der Vorteil einer Operation ist, dass der Pathologe die Prostata genau untersuchen kann und damit das Stadium des Tumors exakt bestimmt werden kann. Hat der Tumor schon die Kapsel der Prostata durchbrochen, können wir ihn rechtzeitig durch eine ergänzende Strahlentherapie heilen.

Die Prostata-Operation hat viele Nachteile, allen voran Impotenz und Inkontinenz.

Das stimmt, die Risiken einer Erektilen Dysfunktion und Inkontinenz gibt es. In der Qualität der operativen Versorgung gibt es jedoch große Unterschiede. Untersuchungen belegen eindeutig, dass Kliniken mit hoher Expertise und hohen Fallzahlen in der Versorgung auch bessere Operationsergebnisse vorweisen können. Vor allem die Rate der Harninkontinenz ist deutlich niedriger, wenn ein Operateur mit großer Erfahrung am Werk ist. Das Gleiche gilt für den Erhalt der Potenz.

Ist die Strahlentherapie eine echte Alternative zur OP?

Ja, denn bei manchen Prostatakarzinomen erzielten wir mit der Strahlentherapie genauso gute Ergebnisse wie mit einer Operation. Hat ein Patient zum Beispiel schwere Vorerkrankungen, besitzt er ein erhöhtes Narkoserisiko. In diesem Fall raten eher zu einer Bestrahlung als zu einer Operation.

Welche Nebenwirkungen hat die Strahlentherapie?


Frühzeitige Nebenwirkungen einer Bestrahlung ist eine Blasenentzündung, die mit häufigem Harndrang einhergeht. Aucn das Wasserlassen ist manchmal erschwert. ‚Radiogene Cystitis‘ sagen wir Ärzte dazu. Weil Radiologen auch den Enddarm mitbestrahlen, kann es dort ebenfalls zu einer Reizung kommen. Diese Beschwerden sind jedoch in der Regel vorübergehend. Selten entwickeln Patienten Spätfolgen, etwa eine geschrumpfte Harnblase oder einen Tumor im Enddarm.

Prostatakrebs bildet oft Metastasen im Knochen. Was dann?

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs mit Metastasen ist zunächst die Hormonentzugstherapie eine gute Behandlungsmöglichkeit. Dabei senken wir die Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron und verringern so die Aktivität der meisten Knochenmetastasen deutlich. Knochenmetastasen, die eine Gefahr für einen Knochenbruch bergen, bestrahlen wir gezielt. Das gilt vor allem für Metastasen, die sich im Bereich der Wirbelkörper befinden.

Außerdem setzen wir Medikamente ein, die den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen und die Aktivität der meisten Knochenmetastasen erheblich verringern – so senken wir das Risiko für einen Knochenbruch. Verursachen die Knochenmetastasen Schmerzen, bringen wir radioaktiv markierte, an Eiweiße gebundene Substanzen in den Körper ein. Sie lagern sich in die Metastasen ein und bremsen ihre Aktivität.

Ist Prostatakrebs heute heilbar?

Ist der Prostatakrebs lokal noch nicht fortgeschritten und hat keine Tochtergeschwülste in den Lymphknoten und anderen Organen gebildet, erwarten wir in bis zu 90 Prozent der Fälle eine komplette Heilung. Deswegen ist ja die Prostata-Vorsorge so wichtig, um ein Prostatakarzinom in einem Stadium zu diagnostizieren, in dem es noch auf die Prostata beschränkt ist. Positiv ist auch, dass sich die Operationstechniken in den letzten Jahren weiter verfeinert haben. Das gilt auch für die Bestrahlungstechniken. Zudem sind in den letzten zwei Jahren neue Medikamente für das metastasierte Prostatakarzinom auf den Markt gekommen. So können wir den Verlauf eines fortgeschrittenen Prostatatakrebses bremsen und die Lebensqualität der Patienten verbessern.

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Nicht jeder hat bei Prostatakrebs Symptome. Anzeichen dafür werden häufig vom Hausarzt bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Weitere Untersuchungen sind dann erforderlich.

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